Das Interimsmodell: Energieversorger müssen ihre Stammdatenkonstrukte anpassen

Wesentliche Adaption bestehender Systeme und Prozesse wird kurzfristig erforderlich

Mit den Beschlüssen BK6-16-200 und BK7-16-142 der Bundesnetzagentur (BNetzA) wurde am 20.12.2016 die Anpassung der Vorgaben zur elektronischen Marktkommunikation festgelegt und damit der Weg für die kurz- bis mittelfristige praktische Umsetzung der Erfordernisse des Messstellenbetriebsgesetzes (MsbG) geebnet. [1] Obwohl die BNetzA die mit dem Erlass des sogenannten Interimsmodells notwendigen Anpassungen als minimal-invasiv bezeichnet, müssen sowohl Netzbetreiber als auch Lieferanten wesentliche Veränderungen an bestehenden IT-Systemen und Prozessen vornehmen.

Nachfolgend sollen die Anpassungsbedarfe am Beispiel der Einführung der Begriffe Marktlokation (MaLo), Messlokation (MeLo) und Lokationsbündel aufgezeigt werden:

Sowohl Netzbetreiber als auch Lieferanten müssen mit Einführung der neuen Begrifflichkeiten MaLo und MeLo das Stammdatenmodell grundlegend anpassen: Bisher bestehende Zählpunkte im System müssen in Markt- und Messlokation(en) gesplittet werden. Die originäre Zählpunkt-ID (Metering Code) geht auf die Messlokation über, wohingegen die Marktlokation bis spätestens zum 01.02.2018 mit einer neuen, eigenständigen ID versehen werden muss. Hierbei ist zu beachten, dass eine systemseitige Umstellung frühestens ab 01.10.2017 produktiv möglich ist, wenn die IDEX-Formatanpassungen gültig sind, welche sowohl das alte als auch das neue MaLo/MeLo-Datenmodell unterstützen.

Aufgrund der Datenvielfalt in der bestehenden Systemlandschaft wird der Umbau des Stammdatenmodells systemübergreifend geschehen müssen. Im SAP-Umfeld wird die Umstellung neben dem SAP IS-U-Modul u.a. auch das CRM, das BW oder angeschlossene Non-SAP Systeme betreffen. Für letztgenannte müssen Daten ggf. umgeschlüsselt oder Schnittstellen adaptiert werden. Eine fundierte Konzeptionierung unter Berücksichtigung von Schnittstellenthematiken ist daher wichtiger Bestandteil der Datenmodelltransformation.

Im Zuge der Umstellungen sollten Netzbetreiber und Lieferanten auch bereits heute schon den Blick in Richtung Zielmodell richten, das das Interimsmodell voraussichtlich ab dem 01.10.2019 ablösen soll. Die im Zielmodell geforderte sternförmige Kommunikation über das Smart Meter Gateway erfordert weitere bedeutende System- und Prozessanpassungen bei EVUs. Nur durch eine rechtzeitige Planung können mögliche Fehlerquellen frühzeitig identifiziert, potentielle Risiken vermieden und damit eine höchstmögliche Effizienz in der Projektdurchführung erzielt werden. In unseren geplanten weiteren Blogbeiträgen werden wir in Folge an dieser Stelle auch weitere Anpassungsbedarfe von Prozessen und Systemen z.B. aufgrund der Ausgestaltung der Marktrolle des MSB und des damit einhergehenden Abrechnungsprozesses thematisieren.

Ansprechpartner:

Jörg Netzband
Partner
Tel.: +49 89 5790-5425
E-Mail: joerg.netzband@de.pwc.com

Sylwia Skrzeszewska
Manager
Tel.: +49 89 5790-6097
E-Mail: sylwia.skrzeszewska@de.pwc.com

 

[1] Ein Überblick über wesentliche Änderungen sind folgendem BLOG-Beitrag zu entnehmen: https://blogs.pwc.de/auf-ein-watt/regulierung/bundesnetzagentur-interimsmodell-zur-marktkommunikation/1871/ .

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