Digitalisierung in der Bauindustrie

Das 24. buildingSMART-Forum lud in diesem Jahr dazu ein, den Stand der Digitalisierung in der Bauwirtschaft in Deutschland und Europa zu diskutieren. Rebekka Berbner und Christian Elsholz richteten ihren Blick vor allem auf Building Information Modeling (BIM).

Für alle, die sich fragen, was versteht man überhaupt unter Building Information Modeling (BIM)? BIM ist eine digitale Arbeitsweise für Planung, Bau und Betrieb. Sicher ist Ihnen dafür schon das ein oder andere Modell bekannt, wie die 2D oder 3D Darstellung. BIM unterscheidet sich insofern von diesen Darstellungen, in dem es nicht nur in 3D darstellt, sondern gleichzeitig auch mit sämtlichen Informationen versehen ist. Auf einem BIM Model werden also alle Schnitte, Pläne und Bauteillisten generiert. Eine Änderung in einer dieser Ansichten, verursacht eine automatische Anpassung der anderen Darstellungen. Durch Koordination und Ablaufsimulationen können Planungsfehler frühzeitig erkannt und behoben werden. Das sorgt dafür, dass die Kostenentwicklung in einem Projekt bereits frühzeitig um ein vielfaches kosteneffektiver beeinflusst werden kann. In einem BIM Projekt verschieben sich Aufwände in die Planungsphase und tragen somit zu einem störungsfreien Bauablauf bei.

Um Projekt im Allgemeinen erfolgreich implementieren zu können, so erläutert Christian Elsholz, sollte die Implementierung auf drei Ebenen stattfinden. Die unterste Ebene betrachtet das individuelle Projekt im Sinne der Optimierung von Zeit, Kosten und Qualität. Hierbei wird sich vor allem mit Fragestellungen rund um die Programmsteuerung und beispielsweise Vertrags- und Claim Managements beschäftigt. Die mittlere Ebene betrachtet das Portfolio der Projekte. Hier wird vor allem bei der Weiterentwicklung des Projektmanagements und der Programmabläufe unterstützt. Ziel ist es, die Organisation dahin zu befähigen, immer ein nachhaltig geplantes Projektergebnis zu erreichen. An der Spitze wird die die Ausgestaltung der Grundsätze der Unternehmensführung sowie die Anpassung der Organisationsstrukturen betrachtet. Ziel dessen ist es, die Rahmenbedingung für eine erfolgreiche Projekt- und Programmumsetzung zu schaffen.

Rebekka Berbner geht im weiteren auf ein Projektbeispiel zum Thema BIM ein. Sie erläutert ein beispielhaftes Projektvorgehen in der Straßenbauverwaltung eines Bundeslandes.  Das Projekt umfasst zunächst zwei Schwerpunkte, zum einen die Unterstützung der einzelnen BIM Pilotprojekte und zum anderen die Erstellung einer Schulungsunterlage zur Durchführung von einerseits Grundlagen- und Fortgeschrittenenschulungen. Hier wird jetzt zur Aufgabe, zu verstehen, welche Use-Cases zur Anwendung kommen und welcher Reifegrad sich dato feststellen lassen kann. Dazu werden standardisierte Betrachtungsmodelle angewendet, die nicht nur den Reifegrad deutlich machen, sondern auch, welche Schritte gegangen werden müssen, um voranzukommen.

Christian Elsholz geht in einem weiteren Beispiel, diesmal auf internationaler Ebene, auf ein weiteres Implementierungsprogramm ein. Dieses Mal handelt es sich um ein internationales Infrastrukturministerium im mittleren Osten. Das Ministerium startete das Programm um drei Ziele zu erreichen. Das erste Ziel ist die Verbesserung der Effizienz in den internen Abläufen durch durchgängige Nutzung intelligenter und koordinierter 3D Modelle. Das zweite Ziel definiert sich durch die Standardisierung und Integration von Arbeitsergebnissen aus der Supply Chain. Notwendig für eine solche ist eine Analyse, die die BIM Fähigkeit der Supply Chain untersucht. Abschließend ist außerdem eine verbesserte Visualisierung der Daten wichtig um eine qualitativere Steuerung, Koordination, Kommunikation sowie Entscheidungsunterstützung festzustellen. Sind die aktuellen Fähigkeiten der Organisation erst einmal analysiert und die Umsetzungsziele definiert, lässt sich anhand dessen der BIM Implementierungsplan erstellen.

Im Jahr 2019 wurde eine Studie zum Thema Digitalisierung der deutschen Bauindustrie durchgeführt. In dieser Studie wurden 100 Unternehmen aus dem Planungs- und Anlagenbau unter anderem zu Folgendem befragt: 1) welche Vorteile und Herausforderungen im Zusammenhang mit BIM bestehen 2) ob Ausschreibungen das Thema BIM bereits enthalten, und 3) welche Konsequenzen, die die Einführung von BIM auf die Unternehmen haben. Folgende Ergebnisse ließen sich feststellen: Etwa 20% der Unternehmen besitzen bereits eine BIM Strategie und rund 40% sind dabei, diese zu erarbeiten. Jedes dritte Unternehmen setzt einen Fahrplan zur Implementierung ein. Es hat jedes zweite Unternehmen bereits mit BIM gearbeitet, selbst wenn das nur auf kleinere Projekte zutrifft. Betrachtet man jedoch die Ausschreibungen im beispielsweise letzten Jahr, wird in nur 10% dessen das Thema BIM wirklich erwähnt. Zweidrittel dieser Ausschreibungen bedienen sich an anderen Technologien wie dem 3D Druck oder dem Laser Scanning. Als Herausforderung lässt sich vor allem der Fachkräftemangel erkennen, und auch Themen wie Investitionen. Ca. 39% erkennen in der Anwendung von BIM effizientere Arbeitsabläufe und eine verbesserte Zusammenarbeit der Akteure mit 36%. Auch kürzere Planungs- und Bauzeiten lassen sich durch die Implementierung ermöglichen.

Auch die Covid-19 Pandemie wurde in dem Vortrag nicht ausgelassen. Mit tieferem Blick in die verschiedenen Industrien ließ sich feststellen, dass Covid-19 auf die deutsche Bauwirtschaft im Vergleich zum europäischen Ausland deutlich geringere Auswirkungen hat. Italien und Frankreich erleben deutlich stärkere Einbrüche, was sich unter anderem vielleicht auch durch den herrschenden Lockdown in den Ländern erklären lässt. Geringere Auswirkungen in der Bauwirtschaft lassen sich auch durch nationale Lieferketten und die lange Laufzeit von Projekten erklären. Leider kann man diese Aussagen nicht auf alle Bereiche der Bauwirtschaft übertragen, die Entwicklung in Gewerbe oder Hotelwirtschaft wird wenige optimistisch betrachtet.

Abschließend richten die Kollegin und der Kollege den Blick noch einmal in den Infrastrukturausbau. Allein bis 2030 sollen Straßen mit insgesamt einer Länge von Deutschland bis Singapur gebaut werden. Auch die Netzinfrastruktur informiert über ähnlich positive Nachrichten – die ausgebaute Strecke soll viermal die Strecke von Nord bis Süd Deutschland betragen. Man geht also davon aus, dass sich die Bemühungen trotz der schwierigen Situation auszahlen werden.

Hier zum YouTube Video.

 

Ansprechpartnerin:

Rebekka Berbner

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