Elektromobilität – Ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell für Energieversorger

Die Entwicklung der Elektromobilität ist ein wesentlicher Faktor für die nachhaltige und effiziente Gestaltung des zukünftigen Verkehrssystems. Fahrzeuge mit alternativen Antriebsarten sind derzeit auf den Straßen kaum vertreten, aber die zweistelligen Zuwachsraten im vergangenen Jahr zeigen das Potential der Elektromobilität. Des Weiteren wird ein Wachstum durch technologische Innovationen, sinkende Herstellungskosten und staatliche Förderprogramme erwartet. Der Aufbau der dafür notwendigen Ladeinfrastruktur ist Aufgabe der Energieversorgungsunternehmen (EVU). Aber auch Mobilitätsdienstleistungen sowie weitere Angebote könnten ein Geschäftsmodell für die EVU sein. PwC hat hierzu Experten und Entscheider von 184 deutschen sowie österreichischen Energieversorgern zu der Bedeutung der Elektromobilität befragt.

Derzeit sind mehr als 80% der EVU im Bereich der Elektromobilität aktiv bzw. planen den Einstieg. Die Ergebnisse der Befragung haben ergeben, je größer ein EVU ist, desto größer ist auch das Engagement und die Bereitschaft in die Elektromobilität zu investieren. Niedrige Gewinnaussichten sowie geringe Marktvolumina sind Gründe weshalb EVU dem Geschäftsfeld Elektromobilität skeptisch gegenüberstehen.

Aktivitäten jenseits der Ladeinfrastruktur sind bislang die Ausnahme – zumindest in Deutschland. Rund 37 % der EVU beschäftigen sich mit Datenmanagement sowie Abrechnung und knapp 25 % mit anderen Smart Services beispielsweise Apps, die Routen für BEVs und Plug-in Hybrid Electric Vehicles (PHEVs) planen und Autofahrer zur nächsten Ladesäule führen. 15 % der befragten deutschen EVU bieten E-Carsharing an.

Öffentliche Ladeinfrastruktur
Deutschland verfügt über 7.000 Normalladestationen und 1.600 Schnellladepunkten, die in den vergangenen Jahren von den EVU geschaffen wurden. Vergleicht man das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 zusätzliche 100.000 Ladepunkte zur Verfügung zu stellen, ist hier eine hohe Diskrepanz zwischen dem geplanten Engagement der EVU und den politischen Ambitionen zu sehen. Viele EVU investieren in Ladeinfrastruktur meist nur als Imageprojekt. Staatliche Fördermittel sind zwar vorhanden, jedoch werden die anfallenden Kosten nicht vollständig übernommen. EVU sehen einerseits die verbleibenden Kosten und andererseits eine derzeit geringe Anzahl von Ladevorgängen, welche einen wirtschaftlichen Betrieb derzeitig zumeist nicht ermöglicht. Weitere Investitionen bleiben daher häufig aus. Der heute reaktive Ausbau der Ladeinfrastruktur würde dann zu einem echten Treiber für Elektromobilität werden.

Die Netzbetreiber stehen vor der Herausforderung, die unterschiedlich dimensionierten Ladepunkte aufzunehmen und einen störungsfreien Betrieb des Netzes zu gewährleisten. Daher ist eine Simulation von netzkritischen Situationen sinnvoll, um lokale Netzengpässe zu identifizieren sowie Ausbaubedarf und Investitionen für einen längeren Zeitraum abzuleiten. Diese Herausforderungen müssen gegenüber den Stakeholdern aufmerksam gemacht werden und sinnvolle technische und regulatorische Maßnahmen sollten abgeleitet werden. Zudem sind technische Anschlussbedingungen, die Bedeutung von steuerbaren Lasten sowie weitere Einflüsse (z.B. Ausbau der Photovoltaik, Batteriespeicher) langfristig zu bewerten.

Eine ebenfalls wichtige Aufgabe ist die Bewertung von Herstellern und Dienstleistern, um sie bei Installation, Betrieb und Service von öffentlich zugänglichen Ladestationen zu unterstützen und Ladevorgänge sowie abrechnungsrelevante Daten zu übermitteln.

Energievertriebe haben eine Vielzahl an Möglichkeiten
Energievertriebe, die die Rolle eines Elektromobilitätproviders einnehmen, haben unterschiedliche Möglichkeiten sich an einem künftigen Marktwachstum zu partizipieren.

Private Ladeinfrastruktur kann an Haushalts- und Gewerbekunden verkauft oder contracted werden. Das Gebäude des Kunden kann zudem als Komplettsystem betrachtet werden. Intelligente Messsysteme, Anlagen zur Energieversorgung und die Einbindung privater Ladeinfrastruktur ermöglichen und verlangen zugleich eine intelligente Steuerung.

Die derzeitigen Tarifmodelle, die von Energievertrieben angeboten werden, unterscheiden sich noch stark. Von kostenlosem Laden über Festpreise bis hin zu Abrechnung nach Verbrauch existiert eine Vielzahl von Varianten. EVU bieten schon heute vereinzelt Komplettpakete für B2B-Kunden an, zu denen neben der Bereitstellung der Ladeinfrastruktur, dem Betrieb und der Abrechnung weitere Lösungen gehören.

Auch wenn sich die Elektromobilität noch in der Einführungsphase befindet, ist es wichtig sich frühzeitig als aktiver Lösungsanbieter in der Region zu positionieren. Denn der Markt für Elektromobilität hat die Voraussetzungen rasant zu wachsen, sodass wir den EVU empfehlen, die eigene Position zu hinterfragen, Optionen auch jenseits der Ladeinfrastruktur zu prüfen, den Bedarf des Kunden zu analysieren, Netzwerke zu bilden, gegebenenfalls aktiv Kooperationen zu suchen und Ihr Unternehmen entlang Ihrer Stärken zu positionieren. Denn die Verkehrswende und die Elektromobilität werden die Gesellschaft und die Energiewirtschaft grundlegend verändern.

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Ansprechpartner

Sebastian Freier
Studienleiter
Tel.: +89 5790-5683
E-Mail: sebastian.freier@de.pwc.com
Henry Otto
Partner
Tel.: +49 211 981-2023
E-Mail: henry.otto@pwc.com
Michael Sponring
Co-Studienleiter Österreich
Tel.: +43 1 50188-2935
E-Mail: michael.sponring@pwc.com

 

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