Gegen den Trend: Kommunale Energieversorger überraschen mit Gewinnzuwachs

Die kommunalen Energieversorgungsunternehmen (EVUs) in Deutschland erwirtschaften wieder höhere Gewinne. Im Mittel legten die Ergebnisse vor Abschreibung (EBITDA) um 6,9 Prozent zu. Die Rentabilität stieg dabei von 13,9 auf 15,0 Prozent. Das ist der beste Wert seit 2010.

PwC berichtete seit 2014 jährlich über die Finanzsituation kommunaler EVUs. In unserer aktuellen Studie „Energieversorger und kommunaler Konzern im Finanzcheck – Belastung oder Rückgrat“ haben wir die bewährte Analyse finanzwirtschaftlicher Herausforderungen und ihrer Auswirkungen auf die Finanzierungsfähigkeit der primär im Energieversorgungsgeschäft angesiedelten kommunalen Gesellschaften fortgeführt. Hierbei haben wir uns an den Jahresabschlüssen von 300 mehrheitlich kommunalen EVUs der Jahre 2009 bis 2015 orientiert.

Im Folgenden möchten wir Ihnen unsere Ergebnisse vorstellen:

Bei vielen Versorgern nehmen die Schulden weiter zu

Auch wenn die Gewinne im Schnitt um 6,9 Prozent gestiegen sind, ist Vorsicht geboten. Der dynamische Verschuldungsgrad liegt angesichts der steigenden Verschuldung mit 2,3 etwas höher als noch im Vorjahr. Bei 21 Prozent der untersuchten Versorgungsunternehmen liegt dieser Wert sogar oberhalb der kritischen Grenze von 4,0.

Jedes sechste EVU kommt nicht auf 25 Prozent Eigenkapital

Die bilanzielle Eigenkapitalquote ist im Schnitt der 300 untersuchten EVUs zwar auf 34,4 Prozent gestiegen, jedoch weist jeder sechste kommunale Energieversorger eine Eigenkapitalquote, die unter 25 Prozent liegt, aus. 91,1 Prozent ihrer Überschüsse schütten die EVUs an Ihrer Gesellschaft aus. Dies mag zwar zur Finanzierung anderer kommunaler Aufgaben existenziell sein, schadet aber der Finanzkraft der Unternehmen.

Kommunale Konzerne mit deutlich schlechteren Werten

In der diesjährigen Studie haben wir uns auch auf die Finanzierungssituation der privatwirtschaftlich organisierten kommunalen Konzerne, in die viele EVUs einzuordnen sind, konzentriert. Wir haben von 75 kommunalen Konzernverbünden die Abschlüsse analysiert und festgestellt, dass die mittlere Eigenkapitalquote in den Verbünden mit 29,6 Prozent deutlich niedriger ausfällt, als bei den klassischen EVUs. Der mittlere dynamische Verschuldungsgrad liegt sogar bei 4,1. Rund ein Fünftel der Konzerne schrieb 2015 sogar Verluste.

Finanzierungsspielräume werden weitergegeben

Die durchschnittliche Verschuldungsdauer – eine wichtige Kennzahl für die Kapitaldienstfähigkeit auf Cashflows-Basis- zeigt wie hoch der Beitrag der EVUs trotz schwächerer Konzernzahlen zum finanziellen Querverbund ist. Die EVUs liegen vor der Gewinnabführung bei einem guten Medianwert von 3,9 Jahren. Nach Gewinnabführung steigt der Wert auf 5,5 Jahren und liegt dann nur noch knapp unter dem der Konzerne, die rund 6,3 Jahre benötigen. Durch die Weitergabe der eigenen Finanzierungsspielräume durch die EVUs an die Konzerne erhöht sich der Entschuldungsgrad. Die EVUs werden trotzdem noch über die traditionellen Kreditmärke finanziert.

Alternative Finanzierungsansätze sind gefragt

Mittlerweile erleben unsere Experten, dass die Gewinne der EVUs den Kapitalbedarf des Gesamtkonzerns nicht mehr vollständig decken. Die Kommunen müssen es sich zur Aufgabe machen alternative Finanzierungsansätze zu entwickeln, die in ihrer Komplexität über die klassische EVU-Finanzierung hinausgehen.
Mit unserer Analyse haben wir festgestellt, dass die von vielen erwartete deutliche Verschlechterung der Finanzierungsverhältnisse bisher nicht eingetreten ist. Trotz der jüngsten Ergebnisentwicklung ist angesichts der steigenden Verschuldung Vorsicht geboten.
Weitere Informationen sowie Ergebnisse unserer Studie finden Sie hier: http://www.pwc.de/evustudie2017

Ansprechpartner:

Bernd Papenstein
Partner
Tel.: +49 211 987-2639
E-Mail: bernd.papenstein@de.pwc.com

Marcel Eilrich
Manager
Tel.: +49 211 981-1449
E-Mail: marcel.eilrich@de.pwc.com

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