Schuldendeckungsfähigkeit der Energieversorgungsunternehmen

PwC berichtete seit 2014 jährlich über die Finanzsituation kommunaler EVUs. In unserer aktuellen Studie „Energieversorger und kommunaler Konzern im Finanzcheck – Belastung oder Rückgrat“ haben wir die bewährte Analyse finanzwirtschaftlicher Herausforderungen und ihrer Auswirkungen auf die Finanzierungsfähigkeit der primär im Energieversorgungsgeschäft angesiedelten kommunalen Gesellschaften fortgeführt. Hierbei haben wir uns an den Jahresabschlüssen von 300 mehrheitlich kommunalen EVUs der Jahre 2009 bis 2015 orientiert.

Heute werfen wir einen Blick auf die Schuldendeckungsfähigkeit und stellen Ihnen daraus zwei Kennzahlen vor.

Dynamischer Verschuldungsgrad

Um die Bonität und die Schuldentragfähigkeit beurteilen zu können, wird von den Fremdkapitalgebern ein dynamischer Verschuldungsgrad als Verhältnis der Nettofinanzverschuldung zum Betriebsergebnis vor Abschreibung (EBITDA) ermittelt. Diese Kennzahl gibt Aufschluss darüber, in welchem Zeitraum der Schuldner auf Basis seiner aktuellen Ertragskraft seine Schulden zurückführen kann und stellt damit eine Form der rechnerischen Entschuldungsdauer des Unternehmens dar.
Die Bewertung der Kennzahl relativ zu einer Benchmark ist in hohem Maße abhängig von dem allgemeinen Geschäftsrisiko des Kreditnehmers sowie von der Anlagenintensität des Schuldners. Unternehmen mit höheren Geschäftsrisiken tragen grundsätzlich niedrigere Finanzierungsrisiken, da sie einen höheren Liquiditätspuffer zur Absicherung ihrer Geschäftsvolatilitäten vorhalten müssen und umgekehrt. Ein im Handel tätiger Energiedienstleister etwa dürfte im Durchschnitt deutlich niedrigere dynamische Verschuldungsgrade erreichen als ein vertikal integrierter Versorger, der zwar den Herausforderungen der Branche unterliegt, nicht aber ausschließlich den typischen Handelsvolatilitäten und –risiken. Langfristiges, produktives Infrastruktur-Anlagevermögen wird tendenziell zu höheren Anteilen mit Fremdkapital finanziert, sodass EVUs mit eigenen Strom-, Gas- oder Abwassernetzen eine tendenziell höhere Fremdkapitalquote und einen tendenziell höheren dynamischen Verschuldungsgrad realisieren können.

Die Abbildung zeigt, dass der dynamische Verschuldungsgrad seit 2012 relativ stabil ist und zuletzt bei 2,3 lag.

EBITDA-Zinsdeckungsgrad

Deckungsgrade finden Anwendung in der Tragfähigkeitsanalyse des Kapitaldienstes. Der EBITDA-Zinsdeckungsgrad misst die Kapitaldienstfähigkeit anhand des EBITDA im Verhältnis zum Zinsaufwand. Wie der dynamische Verschuldungsgrad ist der EBITDA-Zinsdeckungsgrad ein möglicher Bestandteil der Financial Covenants. Dieser zeigt, inwieweit die operative Ertragskraft eines Kreditnehmers die Bedienung der laufenden Zinskosten sicherstellt. Es ist zu berücksichtigen, dass mit den Zahlungseingängen aus dem EBITDA neben Zinsaufwendungen auch noch weitere Auszahlungen, wie Steuern, Schwankungen im Umlaufvermögen, der innenfinanzierte Anteil der Investitionstätigkeit und ein Tilgungsbeitrag geleistet werden, sodass das EBITDA Niveau des Finanzierungsaufwands deutlich übersteigen sollte.
Im Jahr 2015 lag der EBITDA Zinsdeckungsgrad bei 8,8. Aufgrund rückläufiger Zinsaufwendungen und steigender Ergebnisse ist der EBITDA-Zinsdeckungsgrad zuletzt gestiegen.

Ausprägungen dieser und anderer Finanzkennzahlen stellen einen Indikator für die Finanzierungssituation der Branche dar, da sie den entscheidenden quantitativen Maßstab für die Zusage oder Ablehnung von Finanzmitteln bzw. deren Konditionierung bilden.

In unserer Studie finden Sie noch weitere EVU-Kennzahlen. Verschaffen Sie sich einen Überblick wie sich die finanzwirtschaftliche Situation der Energie- und Versorgungswirtschaft im Querschnitt entwickelt hat. http://www.pwc.de/evustudie2017

Ansprechpartner:

Bernd Papenstein
Partner
Tel.: +49 211 987-2639
E-Mail: bernd.papenstein@de.pwc.com

Marcel Eilrich
Manager
Tel.: +49 211 981-1449
E-Mail: marcel.eilrich@de.pwc.com

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