Öl- und Gasbranche im Fokus – Investitionen in Zeiten niedriger Preise und schwacher Nachfrage

Die Öl- und Gasbranche befindet sich weltweit unter Druck. Seit nunmehr zwei Jahren leidet die Branche unter dem starken Rückgang der Preise. Zahlreiche Erdöl produzierende Länder durchleben wirtschaftliche Krisen, große Ölunternehmen wie u. a. BP und Royal Dutch Shell verzeichnen Gewinnrückgänge und kündigen die Streichung tausender Jobs an. Ob die Talsohle dieser Entwicklung bereits erreicht ist, kann derzeit nicht abschließend beurteilt werden. Bei genauerer Betrachtung wird gleichwohl deutlich, dass gerade vor dem Hintergrund dieser Rahmenbedingungen Ausrüstungsinvestitionen im Öl- und Gassektor erforderlich und ein entscheidender Faktor für zukünftige Wettbewerbsfähigkeit sind.

Temporäre Preisausreiser sehen wir angesichts des derzeitigen Ölpreises nicht, da dieser über Jahre hinweg auf einem ähnlichen Niveau lag. Von Januar 2011 bis Juli 2014 erreichte der Ölpreis durchschnittlich 110 US Dollar, sank allerdings seitdem kontinuierlich und hat sich derzeit bei einem Preis von etwa 40-50 US Dollar eingependelt. Die Gründe für diesen starken Rückgang ist eine Kombination aus angebots- und nachfrageseitigen Effekten. Im Jahr 2014 und zu Beginn des Jahres 2015 war ein Überangebot an Öl, das den Preis fallen ließ. Seit der zweiten Jahreshälfte 2015 addieren sich Nachfrageeffekte hinzu: schwache lokale Nachfrage in den Erdöl exportierenden Ländern, schwächer als erwartete Erholung in der Eurozone und das schwächste Wachstum seit 25 Jahren in China.

Wie stark die Erdöl exportierenden Länder vom niedrigen Ölpreis betroffen sind, hängt maßgeblich von den Ölförderkosten und damit der Profitabilität des Sektors ab. Der technische Fortschritt im Bereich der Fracking-Förderung macht die Produktion in vielen Ländern heute jedoch flexibler und günstiger, wodurch zahlreiche Unternehmen auch bei den jetzigen Preisen noch profitabel wirtschaften können. Dies gilt dauerhaft auch für Länder wie dem Iran, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder auch dem Irak. Mit Förderkosten um die 10 US Dollar je Barrel ist dort auch bei niedrigen Absatzpreisen eine profitable Förderung möglich.

Unabhängig von den Förderkosten stehen die meisten Erdöl exportierenden Länder zurzeit vor dem gleichen Dilemma: Produktionsausweitung oder -senkung? Die im September 2016 getroffene Entscheidung der OPEC‑Staaten, die Fördermengen um 750.000 Barrel pro Tag zu reduzieren, zeigt, dass der Wunsch nach höheren Preisen dominiert. Die Märkte reagierten positiv auf die Meldung und ließen den Preis mit 53 US Dollar je Barrel auf den bis dahin höchsten Stand in 2016 steigen. Gleichwohl ist fraglich, inwieweit sich alle OPEC‑Staaten an den Beschluss halten und ob u. a. auch Russland, das ebenfalls eine Begrenzung der Produktionsmengen ins Spiel gebracht hatte, die Produktion tatsächlich zurückfährt. Angola, Nigeria und das vor der Staatspleite stehende Venezuela zum Beispiel erwirtschaften 90 % ihrer Exporterlöse durch die Ausfuhr von Öl. Aufgrund des niedrigen Ölpreises befinden sich diese Länder im wirtschaftlichen Niedergang und sind auf jedes exportierte Barrel Öl angewiesen. Der Iran, der nach der Lockerung der Sanktionen an den Weltmarkt zurückkehren möchte, könnte ebenfalls nicht ohne weiteres gewillt sein, die niedrigen Produktionsmengen einzuhalten und auf lukrative Ölgeschäfte zu verzichten.

Zumindest bis Ende 2017 werden nach Angaben des Institute of International Finance (IIF) keine signifikanten Veränderungen beim Ölpreis erwartet. Eine entscheidende Komponente wird sein, inwieweit sich die OPEC-Staaten an die Produktionsdrosselung halten und wie sich die weltweite Produktion entwickelt. Insgesamt werden moderate Produktionsausweitungen prognostiziert, die Hand in Hand mit der positiven Entwicklung der weltweiten Nachfrage gehen dürften. Ab 2018 erwartet IIF durch eine stärkere globale Nachfrage ein leichtes Anziehen des Preises. Ein Niveau von 60 US Dollar je Barrel könne sich bis 2020 einstellen. Andere Prognosen sehen aufgrund der Bemühungen um Energieeffizienz und der Entwicklung alternativer Energien sogar den Gipfel der Nachfrage bereits erreicht. Neben der Lage am Ölmarkt ist die Entwicklung im Gassektor ebenfalls herausfordernd. Nicht nur der Ölpreis ging in den vergangenen zwei Jahren drastisch zurück, auch der Gaspreis entwickelte sich mit gleichgerichteter Tendenz.

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