DIN EN ISO 50003 – fünf Missverständnisse

Bei der (Re-)Zertifizierung eines Energiemanagementsystems sind seit Herbst 2017 nicht mehr nur die Anforderungen der DIN EN ISO 50001 zu erfüllen, sondern auch die der DIN EN ISO 50003. Damit verbinden sich derzeit fünf Missverständnisse. Unabhängig davon wurde 2018 die DIN EN ISO 50001, die die Vorgaben für das Energiemanagementsystem festlegt, neugefasst.

Die DIN EN ISO 50001 definiert die Anforderungen an das Energiemanagementsystem, die DIN EN ISO 50003 beschreibt  ergänzend dazu den Zertifizierungsprozess und legt wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zertifizierung fest. Für Unternehmen wird die Norm erstmals bei einer (Re-)Zertifizierung relevant. Neu ist vor allem die Vorgabe der DIN EN ISO 50003, dass die Verbesserung der energiebezogenen Leistungen für eine erfolgreiche (Re-)Zertifizierung deutlich nachgewiesen werden muss. Wird diese Anforderung nicht erfüllt, kann das Zertifikat nach DIN EN ISO 50001 im schlimmsten Fall nicht erteilt oder sogar  entzogen werden. Darüber hinaus stellt die DIN EN ISO 50003 verschiedene Anforderungen an den Auditprozess, an die Kompetenzen des Auditpersonals und an die Auditdauer.Im Gespräch mit unseren Kunden zeigt sich immer wieder, dass es viele Ängste, Missverständnisse und Irrtümer hinsichtlich der genauen Anforderungen der Norm gibt.

Verbesserung der Energieeffizienz

Die DIN EN ISO 50003 fordert für eine erfolgreiche (Re-)Zertifizierung erstmals einen expliziten Nachweis der Verbesserung der Energieleistung des Unternehmens. Die Forderung nach Verbesserung der Energieleistung selbst ist jedoch in der DIN EN ISO 50001 verankert und war deshalb bereits bei vorherigen Zertifizierungsterminen zu berücksichtigen. Für Unternehmen, die bereits ein effektives Energiemanagementsystem betreiben und ihre Energieleistung daher ohnehin regelmäßig verbessern, sollte es also unproblematisch sein, diese Optimierung nachzuweisen.

Verbesserung der energiebezogenen Leistung

Während die DIN EN ISO 50001 von einer „kontinuierlichen“ Verbesserung der energiebezogenen Leistung spricht, fordert die DIN EN ISO 50003 den Nachweis einer „fortlaufenden“ Verbesserung. Ein kleiner Unterschied mit großer Wirkung, denn der Begriff „fortlaufend“ erlaubt auditperiodenübergreifende Phasen von Unterbrechungen bei der Verbesserung der energiebezogenen Leistung, sofern in begründeten Fällen eine Optimierung temporär nicht möglich ist. Außerdem muss das (Re-)Zertifizierungsaudit sämtliche wesentlichen Veränderungen bei Einrichtungen, Ausrüstung, Systemen oder Prozessen mit einbeziehen. Auch dadurch
eröffnet sich Interpretationsspielraum. Messung der energiebezogenen Leistung Die Verbesserung der energiebezogenen Leistung sollte idealerweise gemessen werden; allerdings müssen nicht sämtliche Energieströme über Messeinrichtungen erfasst werden. Bei weniger wesentlichen Energieverbrauchern können Berechnungen und Schätzungen herangezogen werden. Im Zuge der Systemverbesserung kann das Messkonzept je nach Bedarf erweitert werden. Wichtig ist, dass der Nachweis einer klaren Methodik folgt (z.B. Kennzahlen- oder Regressionsanalyse).

Überwachungsaudits

Überwachungsaudits müssen die Anforderungen nach DIN EN ISO 50003 erst erfüllen, sobald das Energiemanagementsystem erstmals nach DIN EN ISO 50003 (re)zertifiziert wurde. Fand die letzte (Re-)Zertifizierung bereits vor Oktober 2017 statt, sind die Anforderungen der DIN EN ISO 50003 im Überwachungsaudit noch nicht zu berücksichtigen.

Auditzeit

Mit der DIN EN ISO 50003 kann sich die Auditzeit in Abhängigkeit von zahlreichen Faktoren (z.B. signifikante Energieverbraucher oder Personal für das Energiemanagementsystem) verändern. Für die Ermittlung der Audittage bei der Zertifizierung werden Bandbreiten vorgegeben, d.h. eine deutliche Steigerung der Auditzeiten ist eigentlich nicht möglich. Erhöht der Zertifizierer  Auditzeiten darüber hinaus, muss er dies transparent darlegen und dokumentieren.

Ihr Ansprechpartner

Nicolas Deutsch
Tel.: +49 69 9585-3962
E-Mail: nicolas.deutsch@de.pwc.com

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