Fehler beim Energiemanagement vermeiden

Das Energiemanagement umfasst die Summe aller Maßnahmen, die geplant und durchgeführt werden, um die geforderte Leistung mit geringem Energieeinsatz und minimalen Energiekosten sicherzustellen. Einen Königsweg beim Energiemanagement gibt es freilich nicht; dafür sind Unternehmen in der Struktur, im Abnahmeverhalten und in den Anforderungen viel zu unterschiedlich. In diesem Beitrag stellen wir zehn wesentliche sowohl unternehmens- als auch branchenübergreifende Schwachstellen vor, die wir in unserer Beratungspraxis im Rahmen des Energiemanagements identifiziert haben.


Zählerstruktur

Energieverbräuche zu messen ist aus mehreren Gründen eine notwendige Voraussetzung für Unternehmen. Ein sehr wichtiger, jedoch recht wenig beachteter Grund sind gesetzliche Verpflichtungen. Energieflüsse müssen im Regelfall im wirtschaftlichen Verkehr (z.B. Weiterleitungen an Fremdfirmen auf dem Betriebsgelände) mit geeichten Zählern gemessen sein, um z.B. im Rahmen von Anträgen zur Reduzierung von Steuern, Abgaben und Umlagen geltend gemacht werden zu können.

Ferner müssen Energieverbräuche auch insofern gemessen werden, als dass die Messdaten ein ganzheitliches Verständnis der Energieflüsse ermöglichen und somit die notwendige strukturelle Grundlage schaffen, um Energie(kosten)einsparpotentiale gezielt heben zu können. Eine lange Liste mit Zählern zur Messung von Energieverbräuchen ist dabei noch kein Garant für ein richtiges Messen. Erst wenn klar ist, wie, wann und wofür welche Energie tatsächlich verwendet wird, können die richtigen  Energieeffizienzmaßnahmen geplant und nachgehalten werden. Vielfach werden bei Erweiterungen und Erneuerungen von Gebäuden oder Produktionsanlagen zusätzliche Zähler ohne erweitertes Messkonzept eingebaut. So ist oftmals nicht klar, welche Anwendungen die Zähler tatsächlich messen oder ob die Zähler hinter- oder nebeneinander angeordnet sind. Gerne wird hier von „gewachsenen Strukturen“ gesprochen. Daher sollte geprüft werden, ob das Verständnis der eigenen Zählerstruktur ausreicht, um den tatsächlichen, über die Versorgerzähler in Summe laufenden Energieverbrauch zu erklären.

Durch den Aufbau eines bedarfsgerechten Energiedatenmanagements, das das Zusammenspiel von Zählern mit kompatibler Software einschließt, können Energieflüsse richtig verstanden werden. Mit einer einmaligen Investition von rd. 2 % der jährlichen Energiekosten kann ein völlig ausreichendes Energiedatenmanagement (einschließlich Zählerinfrastruktur) aufgebaut werden.

 

Regelung der Verantwortlichkeiten

Das Thema „Energie“ ist in einem Unternehmen in verschiedenen Abteilungen präsent. Die nachhaltige Steigerung der Energieeffizienz, kombiniert mit einer effektiven Beschaffungsstrategie, erfordert dabei dediziertes technisches Wissen und Marktkenntnisse. Darüber hinaus verlangen die erfolgreiche Nutzung der Einsparprivilegien bei Steuern, Abgaben und Umlagen und die zunehmende Anzahl an obligatorischen Datenmeldungen sowohl tiefe rechtliche als auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Selbst in Unternehmen, die ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001 führen, können nicht alle Fragen und Anforderungen zum Thema „Energie“ allein von einer Stelle bearbeitet werden. Zur Vermeidung von Risiken und zur Nutzung aller möglichen Einsparpotentiale bedarf es vielmehr einer individuellen, zum Unternehmen passenden und der Bedeutung der Energie angemessenen Struktur mit einer klaren Definition mehrerer Verantwortlichkeiten und einer eindeutigen Aufgabenzuteilung. Die
Zusammenarbeit der Verantwortlichen sollte zudem in einem festen Prozess mit klaren Fristen geregelt werden.

 

Nutzung fiskalischer Einsparprivilegien

Für einen Überblick über mögliche Maßnahmen zur Optimierung der Energiekosten analysiert ein Unternehmen oftmals aktuell mögliche technische und organisatorische Maßnahmen – hierzu gehören die Nutzung effizienterer Querschnittstechnologien
und Verhaltensänderungen bei den Mitarbeitern. Vielfach unberücksichtigt bleiben dabei bzw. unterschätzt werden die Optimierungsmöglichkeiten zur Senkung des Energiepreises in den Bereichen Beschaffung, Steuern, Abgaben und Umlagen. Hier sollten insbesondere auch Einsparmöglichkeiten in die Analyse miteinbezogen werden, deren Voraussetzungen zunächst nicht erfüllt werden. Anschließend sollten Maßnahmen zur Erfüllung fiskalischer Einsparprivilegien favorisiert werden.

 

Wechselwirkungen

Beim Thema „Energie“ spielen Wechselwirkungen eine entscheidende Rolle und treten besonders deutlich zwischen Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und der Nutzung von Einsparprivilegien bei Steuern, Abgaben und Umlagen auf. So können eine verbesserte Gleichmäßigkeit des Stromverbrauchs und die Vermeidung von Spitzenlasten zur Reduzierung der Netzentgelte führen; dadurch kann allerdings der maßgebliche Strompreis bei der Umlage-Privilegierung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz sinken,
wodurch massive Kosteneinsparungen verlorengehen. Andererseits können Einsparungen durch eine Optimierung der Energiebeschaffung oder durch die Reduzierung von Steuern, Abgaben und Umlagen dazu führen, dass sich die Amortisationsrechnungen für geplante oder bereits beschlossene Energieeffizienzmaßnahmen ändern und die Maßnahmen
nun nicht mehr wirtschaftlich sind. Um die tatsächliche wirtschaftliche Wirkung einer Maßnahme zu erkennen und auf dieser Grundlage optimal entscheiden zu können, empfiehlt sich daher stets eine Analyse der Wechselwirkungen zwischen allen Maßnahmen.

 

Investitionen

Technische Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz setzen regelmäßig Investitionen voraus. Mangels klarer Verantwortlichkeiten und geregelter Entscheidungsprozesse einerseits und einer allgemeinen Ressourcenkonkurrenz andererseits
werden wichtige, jedoch kapitalintensive Investitionen vielfach nicht getätigt. Viele Unternehmen wissen dabei nicht, dass zusätzlich zu staatlichen Energieeffizienzförderprogrammen auch alternative Finanzierungsmöglichkeiten wie das Einspar-Contracting existieren, durch die die Investitionskosten gesenkt bzw. minimiert werden können. Darüber hinaus bleiben Einsparprivilegien bei Steuern, Abgaben und Umlagen vielfach ungenutzt, obwohl die Kosten der Beratung hierfür nur einen Bruchteil derjenigen technischer Maßnahmen ausmachen.

 

Referenzgrößen

Auf der einen Seite können Investitionsrechnungen für Effizienzmaßnahmen komplex sein. Auf der anderen Seite beinhalten Angebote für den Einsatz energieeffizienter Technologie wie etwa die Umrüstung auf LED-Beleuchtung eine Investitionsanalyse,
die die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme hervorhebt. Unternehmen begehen jedoch häufig den Fehler, sich vollständig auf diese eine Rechnung zu konzentrieren und von ihr die Entscheidung für oder gegen die Maßnahme abhängig zu machen. Ein Blick nach außen hat daher mehrere Vorteile: Referenzgrößen können helfen, einen verlässlichen Anhaltspunkt für die eigene Bewertung zu bekommen. Ein regelmäßiger Austausch mit anderen Unternehmen oder in Verbänden trägt dazu bei, nicht alle Marktentwicklungen (z.B. von Effizienztechnologien) selbst erkennen und bewerten zu müssen. Zur Identifikation von Referenzgrößen empfehlen sich etwa öffentlich geförderte, frei zugängliche Kennzahlen-Datenbanken mit „Best Practice“- Effizienzmaßnahmen. Für eine kontinuierliche Erweiterung des Blickfelds empfiehlt es sich zudem, vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) geförderte spezialisierte Energieberater, ganzheitliche Energieberater wie PwC sowie die Teilnahme an einem Effizienznetzwerk
in Betracht zu ziehen.

 

Energieeinkauf

Der Einkauf von Energie lässt sich nur z.T. mit dem „klassischen“ Einkauf von Produkten vergleichen. Während hier Stückzahl und Qualität eine wesentliche Rolle für den Einkaufspreis spielen, kommt es beim Energieeinkauf auf ganz andere Kriterien an: Qualitätsunterschiede im herkömmlichen Sinne gibt es bei der Energie nicht, auch die Stückzahl bzw. Jahresmenge spielt eine recht geringe Rolle für den Preis. Aber je genauer der Bedarf (zeitlich und mengenmäßig) abgeschätzt und das gewünschte Produkt („Rundum-Sorglos-Paket“ vs. Börsenhandel) eingegrenzt werden kann, desto bessere Preise lassen sich erzielen. Im Rahmen einer
Erstanalyse lässt sich schnell feststellen, welche Einkaufsstrategie grundsätzlich am besten passt und welche Dienstleistungen
unterstützen könnten. Eine daraufhin zugeschnittene Ausschreibung sorgt dafür, dass der passende Energiedienstleister zum besten Preis gefunden wird. Energieintensität herunterfahren Insbesondere seit dem Beginn der Energiewende sowie den damit verbundenen steigenden Abgaben und Umlagen macht Energie eine wesentliche Kostenposition in Unternehmen aus. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass viele Unternehmen die Rolle der Energie unterschätzen. Obwohl durch teilweise einfache und kosteneffiziente Maßnahmen entscheidende Potentiale zur Kostensenkung gehoben und somit auch gegenüber Mitbewerbern Kostenvorteile erzielt werden können, konzentrieren sich Unternehmen bei der Reduzierung der Kosten auf andere, mitunter wesentlich komplexere
Maßnahmen. Die Geschäftsleitung sollte daher die im Energiemanagementsystem des Unternehmens definierte Energiepolitik mit Leben füllen und angesichts der großen Einsparpotentiale die erforderlichen finanziellen, personellen, fachlichen und strukturellen Voraussetzungen schaffen, um die Möglichkeiten der Kosteneinsparung zu nutzen.

 

Zertifizierung

Die Zertifizierung ist die offizielle „Bestätigung“, dass das Energiemanagementsystem einschließlich der notwendigen Strukturen und Prozesse ordnungsgemäß implementiert wurde und der gültigen Norm entspricht. Freilich vernachlässigen Unternehmen, dass die Norm sich fortlaufend ändert. So fordert die aktualisierte Norm ISO 50003 zusätzlich den Nachweis einer kontinuierlichen Verbesserung der energiebezogenen Leistung. Mithin kann eine Rezertifizierung dadurch gefährdet sein, dass nicht mehr alle Kriterien der neuen Norm erfüllt werden. Um diesem Risiko vorzubeugen, empfiehlt sich der stetige Austausch mit dem Energieberater oder Zertifzierer.

 

Länderübergreifende Compliance

Unternehmen mit Standorten in verschiedenen EU-Mitgliedstaaten sehen sich im Rahmen der permanenten Compliance mit den jeweiligen nationalen gesetzlichen Anforderungen konfrontiert, die beim Thema „Energie“ wegen der möglicherweise unterschiedlich ausgeprägten Regulierung besonders komplex sind wie etwa bei der Umsetzung der Energieeffizienzrichtlinie. Das regulatorische Umfeld in den jeweiligen Ländern wirkt sich nicht nur auf Meldefristen und sonstige Verpflichtungen aus, sondern auch auf die Energiepreise, in die über die „klassischen“ Kostenkomponenten wie Erzeugung und Vertrieb hinaus auch Steuern, Abgaben und
Umlagen eingehen, die sich von Staat zu Staat unterscheiden. Insofern gestaltet sich eine mehrere Länder einbeziehende Compliance im Energiebereich schwierig. Zudem können aufgrund des fehlenden rechtlichen Fachwissens dem Unternehmen
finanzielle Einsparpotentiale entgehen. Ein dezentraler länderspezifischer Umgang mit der Energie kann daher eine wesentlich kosteneffizientere Variante darstellen.

 

Ihr Ansprechpartner

Nicolas Deutsch
Senior Manager
Tel.: +49 69 9585-3962
E-Mail: nicolas.deutsch@de.pwc.com

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