Neue digitale Geschäftsmodelle im Umfeld des intelligenten Messstellenbetriebs

Die Auswirkungen des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende bzw. dem Messstellenbetriebsgesetz bewegen die Energiebranche derzeit wie kaum ein anderes Thema. Durch gesetzliche Änderungen wird der intelligente Messstellenbetrieb nicht nur als Aufgabe des Netzbetreibers verankert (in der Rolle als grundzuständiger Messstellenbetreiber (gMSB)), sondern auch in den Wettbewerb gestellt. Gemäß § 5 MsbG haben Kunden das Recht auch einen wettbewerblichen Messstellenbetreiber (wMSB) zu wählen – die digitale Kundenschnittstelle, die durch die Installation eines intelligenten Messsystems (iMS) entstehen wird, steht bei vielen Akteuren im Fokus, da diese die Basis für digitale Produkte und Dienstleistung darstellt.

Für viele Energieversorgungsunternehmen ist die Positionierung als wMSB nur ein logischer und notwendiger Schritt im Hinblick auf die Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit im digitalen Zeitalter. Um sich überhaupt in der sich verändernden Wettbewerbssituation behaupten zu können und zusätzliche Chancen nutzen zu können, müssen Lieferanten ihr bestehendes Geschäftsmodell um den vorgelagerten Messstellenbetrieb ergänzen. Demnach sollte das Geschäftsmodell zwei Ausprägungsstufen haben: In der ersten Ausprägungsstufe, dem Nachahmer-Geschäftsmodell, steht die Risikovermeidung im Vordergrund. Hierbei wird das Risiko vermieden, Kunden an den Wettbewerber zu verlieren. Die zweite Ausprägungsstufe, das Wertstifter-Geschäftsmodell, konzentriert sich verstärkt auf die Nutzung von Wachstumschancen und bietet neue digitale Produkte und Dienstleistungen an.

Digitale Produkte und Lösungsangebote
Intelligente Messsysteme ermöglichen eine Vielzahl neuer Produktkombinationen bzw. Produktinnovationen für den Endkunden wie beispielsweise variable Tarife, Energiemanagement-Produkte oder auch Produkte für die Wohnungswirtschaft. Bei der Entwicklung der Produkte, gilt wie generell bei digitalen Produkten ein kundenorientierter Ansatz zu wählen. Die neuen Produkte und Dienstleistungen müssen für den Kunden bzw. Kundensegmente als ganzheitliche digitale Lösungsangebote designt werden, damit diese eine hohe Value-Propositon ermöglichen.

Als Beispiel kann hier das Segment der Wohnungswirtschaft herangezogen werden. Das MsbG fördert in § 6 die Mehrspartenauslesung durch den wettbewerblichen Messstellenbetreiber – dies erfüllt bei vielen Wohnungswirtschaftsunternehmen den elementaren Kundenwunsch nach integrierten Energieabrechnungen und Energievisualisierung aller Sparten aus einer Hand. Durch den Aufbau einer sogenannten Mulit-Metering-Plattform, also einer skalierbaren Datenbank für verschiedene Stamm- und Bewegungsdaten (u.a. Messwerte, Liegenschaftsdaten, dezentrale Erzeugungsanlagen) können eine Vielzahl von weiteren Mehrwertleistungen, wie beispielsweise Mieterstrommodelle, Prozessautomatisierung bei Störmeldungen und Mieterwechsel sowie nachhaltige und effiziente Energienutzung realisiert werden.

Die Grundlage für die digitalen Geschäftsmodelle ist das Smart-Meter-Gateway, welches die Daten zum einen in granularer Form mit einem hohen Datenschutzstandard verfügbar macht und zum anderen ein Kommunikationskanal für „Controllable Local System (CLS)“- Dienste zur Verfügung stellt. Die fehlende Verfügbarkeit von gesetzeskonformen Smart Meter Gateways und der bereits bekannten technologischen Einschränkung der sogenannten „G1-Gateways“ machen es notwendig, dass für digitale Geschäftsmodelle derzeit Brückentechnologien eingesetzt werden müssen – dieser Weg wird von einer steigenden Anzahl von Unternehmen derzeit beschritten.

Dadurch, dass integrierte Energieversorgungsunternehmen auch die Rolle des gMSB einnehmen, müssen sie sich der Herausforderung stellen, möglichst hohe Synergien aus den Prozessen des wMSB und gMSB zu erzielen. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Leistungsbereitstellung, unabhängig der Marktrolle, ist die Einbindung der technologischen Möglichkeiten aus der digitalen Messinfrastruktur in eine effiziente Organisation und eine über verschiedene Schnittstellen integrierte, leistungsfähige IT-Landschaft.

Mit dem MsbG wurde der Grundstein für intelligente Energienetze und eine flächendeckende, sichere IT-Infrastruktur in Deutschland gelegt. Die Weiterentwicklung der bestehenden Geschäftsmodelle mit den erforderlichen digitalen Lösungsangeboten sollte schon jetzt auf der Agenda stehen, um die Kommunikation mit den besonders betroffenen Kundensegmenten rechtzeitig und zielorientiert zu gestalten.

Ausführliche Informationen finden Sie im Dokument anbei.

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