Untersuchung von energetischen Quartierskonzepten zeigt hohe Vielfalt

Untersuchung von energetischen Quartierskonzepten zeigt hohe Vielfalt

PwC hat energetische Quartierskonzepte untersucht – auch um daraus Rückschlüsse für die eigene Arbeit zu ziehen. In die Erhebung eingeflossen sind rd. 80 nach dem Förderprogramm KfW 432 – „Energetische Stadtsanierung“ erstellte und veröffentlichte Konzepte für Quartiere in ganz Deutschland. Nachfolgend präsentieren wir Ihnen wesentliche Ergebnisse.

Anzahl der veröffentlichten Konzepte unverändert hoch

Auch mehrere Jahre nach Auflegung des zugrundeliegenden Förderprogramms KfW 432 – „Energetische Stadtsanierung“ Ende des Jahres 2011 ist die Anzahl der veröffentlichten Konzepte unverändert hoch. Einen Peak gab es nur im Jahr 2013 mit der Fertigstellung der ersten Konzepte.

Durchschnittlich rd. 2.300 Einwohner je Untersuchungsgebiet

Die durchschnittliche Anzahl der Einwohner in den untersuchten Quartieren liegt bei rd. 2.300. Während die Spannweite von unter 100 bis über 10.000 Einwohner pro Quartier reicht, haben die meisten der betrachteten Untersuchungsgebiete (rd. 75%) zwischen 300 und 3.500 Einwohner.

Vorwiegende Baualtersklassen sind die Jahre 1949 bis 1978

In rd. 70% der untersuchten Quartiere sind die Gebäude vorwiegend den Baualtersklassen der Jahre 1949 bis 1978 zuzuordnen, also der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg und vor der ersten Wärmeschutzverordnung. Dies überrascht nicht, denn Gebäude dieser Altersklassen weisen meist ein großes Einsparpotenzial auf. Ebenfalls stark bzw. überrepräsentativ vertreten sind Quartiere mit einer vorherrschenden Baualtersklasse für die Jahre vor 1918.

Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfahlen sind Vorreiter

Mehr als die Hälfte der analysierten und veröffentlichten Quartierskonzepte stammt aus den Bundesländern Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfahlen. Die Auswertungen des BMUB[1] zeigen einen ähnlichen Trend. Mit der InnovationCity Ruhr | Modellstadt Bottrop und der nun stattfindenden Weitergabe der Erfahrungen an 20 Quartiere im Ruhrgebiet unter dem Stichwort „InnovationCity roll out“ nimmt Nordrhein-Westfahlen aus unserer Sicht eine besondere Rolle ein.

Analyse der Auftragnehmer zeigt hohe Vielfalt an Akteuren

Die Mehrzahl der betrachteten Konzepte wurde durch ein Konsortium mehrerer Auftragnehmer erstellt. Über 80 verschiedene Unternehmen haben demnach Quartierskonzepte bereits als Haupt- oder Unterauftragnehmer begleitet. Dazu gehören neben Stadtentwicklungsbüros auch Ingenieurbüros, Architekturbüros, Energieagenturen, Energieversorger, Hochschulen, eingetragene Vereine, kommunale Beratungsunternehmen und Unternehmensberatungen. Bei rd. 14% der untersuchten Konzepte waren Energieversorger als Haupt- oder Unterauftragnehmer an dem Konzept beteiligt. In rd. 8% der Fälle gehörten kommunale Energieversorger zu den Auftraggebern.

CO2-Einsparungen konzentrieren sich auf Gebäudesanierung, PV und Wärmeversorgung

Die in Summe größten CO2-Einsparungen lassen sich laut den analysierten Quartierskonzepten durch Maßnahmen im Bereich der Gebäudesanierung bzw. Dämmung, Installation vom Photovoltaik-Anlagen, Nah- bzw. Fernwärmeversorgungen und den Tausch oder die Modernisierung von Heizungsanlagen realisieren. Hinsichtlich der Untersuchung der Wirtschaftlichkeit der einzelnen Maßnahmen konnte in den meisten Fällen nur eine Abschätzung der Investitionssummen, nicht jedoch eine Betrachtung der möglichen Kosten und Erlöse im Rahmen einer Gesamtbewertung beobachtet werden.

CO2-Einsparziele für Quartiere oft weniger ambitioniert als Einsparziele der Bundesregierung

Die Untersuchungen deuten darauf hin, dass die in den betrachteten Quartierskonzepten definierten Ziele in Bezug auf CO2-Einsparung im Durchschnitt weniger ambitioniert sind als die Ziele der Bundesregierung. Hier liegt der Einwand nahe, dass CO2-Einsparungen bei Bestandsgebäuden im Vergleich zu anderen Energiesystemen auch aus den Sektoren Stromerzeugung und Verkehr mit einem höheren Aufwand verbunden sind. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass das langfristige Ziel der Bundesregierung für den Gebäudebereich (-80% Primärenergiebedarf) ähnlich ambitioniert ist wie das langfristige Gesamtziel für alle Sektoren (min. -80% bis -95% Treibhausgasemissionen). 

Umsetzung von Konzepten bisher oft ohne Begleitung eines geförderten Sanierungsmanagements

Neben der Erschließung von Fördermitteln, die auch über die bestehenden Angebote der KfW hinausgehen, kann ein professionelles Sanierungsmanagement die Umsetzungswahrscheinlichkeit von Quartiersprojekten deutlich erhöhen. Laut Untersuchungen des BMUB[2] stehen den bereits über 600 bewilligten Förderanträgen für die Erstellung eines energetischen Quartierskonzeptes bisher nur rd. 130 geförderte Sanierungsmanagements für die Umsetzung der Konzepte gegenüber. Unsere Untersuchung der bisher veröffentlichten Konzepte deutet ebenfalls darauf hin, dass auf die Konzeptphase oft nicht oder nicht unmittelbar eine geförderte Sanierungsphase folgt.

 

Ansprechpartner

Dr. Volker Breisig

Partner

Tel.: +49 211 981-4428

volker.breisig@de.pwc.com

 

André Schnelte

Senior Manager

Tel.: +49 211 981-4081

andre.schnelte@de.pwc.com

 

Julian Brockmeyer

Manager

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julian.brockmeyer@de.pwc.com

 

Thomas Rudolph

Manager

Tel.: +49 211 981-4714

thomas.rudolph@de.pwc.com

 

 

[1] vgl. BMUB (2017), Energetische Stadtsanierung in der Praxis III, Umsetzungserfolge und Herausforderungen für die Zukunft, S. 6

[2] vgl. BMUB (2017), Energetische Stadtsanierung in der Praxis III, Umsetzungserfolge und Herausforderungen für die Zukunft, S. 5

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