Digitale Ethik – Ein Wertegerüst für die digitale Welt.

Ethische Leitlinien werden in Zeiten von Big Data, Algorithmen und Künstlicher Intelligenz immer wichtiger, um die Digitalisierung nicht nur erfolgreich, sondern auch verantwortungsvoll zu bewältigen. Wie sind deutsche Unternehmen hinsichtlich digitaler Ethik aufgestellt, welche Strategien verfolgen sie und welchen Herausforderungen stehen sie gegenüber? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die PwC Studie “Digitale Ethik – Ein Wertegerüst für die digitale Welt.”, in deren Rahmen 300 deutsche Unternehmen verschiedener Branchen befragt wurden. 

Auch die von der Bundesregierung eingesetzte Datenethikkommission hat am 23. Oktober 2019 ihr Gutachten zu digitaler Ethik vorgestellt.

 

Während die Themen Datenschutz und -sicherheit bereits gut implementiert sind, weisen deutsche Unternehmen bei Strategien zu digitaler Ethik und der technischen Umsetzung der Digitalisierung Defizite auf: So attestieren sich die befragten Firmen zu 82% einen guten bzw. sehr guten Stand hinsichtlich Datenschutz und Datensicherheit. Zu den Themen digitale Ethik und Digitalisierung sehen sich die Unternehmen dagegen nur mit 50% bzw. 34% gut aufgestellt. Diese Ergebnisse zeigen, dass Digitalisierung in Deutschland sehr technisch verstanden wird, die Firmen bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und der Bewältigung ethischer Herausforderungen hingegen zurückliegen. Allerdings hängt es auch von der Branche ab, wie Konzerne mit Ethik-Themen umgehen – vergleichsweise weit ist zum Beispiel die Pharmaindustrie als eine sehr streng regulierte Branche.

Die Faktoren, die Unternehmen bei der Bewältigung ethischer Herausforderungen hindern, sind vielfältig. So sehen 56% der Unternehmen das Fehlen von Personal mit entsprechender Fachkompetenz als Hindernis an. Ebenfalls problematisch ist das mangelnde Bewusstsein innerhalb des Betriebs für die Bedeutung digitaler Ethik und Verantwortung, wie 51% der Befragten bestätigen. Als weitere Hürden nennen Unternehmen den Umgang der Mitarbeiter mit digitalen Informationen (44%) sowie ungeeignete oder veraltete Softwarelösungen. Zu knappe Ressourcen spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle.

Obwohl die Umsetzung teilweise noch nicht umfänglich gelingt, haben Unternehmen den großen Einfluss digitaler Ethik auf ihren Betrieb erkannt: Besonders hoch schätzen sie den Einfluss auf den Umgang mit Mitarbeiter- oder Kundendaten (85%), die IT-Sicherheitssysteme (78%) und die Unternehmenskultur in der digitalen Welt (62%) ein. Für jeweils über die Hälfte der Befragten spielt digitale Ethik außerdem auch zur Schaffung von Transparenz gegenüber Mitarbeitern, Kunden und Stakeholdern und bei strategischen Entscheidungen eine große Rolle. Dennoch hat nur jedes 5. Unternehmen einen speziellen Beauftragten für ethische Herausforderungen.

Der konstatierte Einfluss digitaler Ethik veranlasst die Unternehmen zur Umsetzung konkreter Maßnahmen. An erster Stelle stehen Richtlinien zum Datenschutz und zum Umgang mit personenbezogenen Daten (78%) sowie Leitlinien zur Schaffung von Transparenz im Hinblick auf digitale Themen (57%). Ebenfalls wichtig ist den Unternehmen, dass Entscheidungen auf Basis von Algorithmen im Bereich Künstliche Intelligenz vom Menschen korrigiert werden können (44%) und dass es verbindliche Leitlinien zur internen und externen Online-Kommunikation gibt (43%). Ausformulierte Standards zur digitalen Ethik und digitalen Verantwortung, die als Leitlinie für Unternehmensentscheidungen dienen könnten, sind dagegen weniger verbreitet und werden nur von einem Viertel der Unternehmen genutzt.

Die Bedeutung der Unternehmen für Wirtschaft und Gesellschaft ist groß. Dementsprechend nehmen interne wie externe Stakeholder Einfluss auf Regelungen zur digitalen Ethik in Unternehmen. Dabei spielen sowohl Mitarbeiter als auch Kunden für jeweils ca. zwei Drittel der Befragten eine große Rolle. Den größten Einfluss schreiben die befragten Unternehmen jedoch dem Gesetzgeber zu (73%).

Dieses Ergebnis ist angesichts des von der Datenethikkomission des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz am 23. Oktober veröffentlichten Gutachtens zur digitalen Ethik nicht verwunderlich. In diesem Gutachten werden für den Schutz des Einzelnen, die Wahrung des gesellschaftlichen Zusammenlebens und die Sicherung und Förderung des Wohlstands im Informationszeitalter Handlungsempfehlungen gegeben und Regulierungsmöglichkeiten vorgeschlagen. Zu diesen gehören im wesentlichen:

  • ein risikoadaptiertes Regulierungssystem für den Einsatz von algorithmischen Systemen mit nach Schädigungspotenzial abgestufter Regulierung
  • Aufbau bzw. Stärkung sektorspezifischer Aufsichtsinstitutionen zur risikoadäquaten Kontrolle von algorithmischen Systemen
  • Schaffung eines bundesweiten „Kompetenzzentrums Algorithmische Systeme“
  • In Abhängigkeit des Schädigungspotenzials von algorithmischen Systemen gesetzliche Verankerung von Regelungsinstrumenten wie:
    • Ex-ante Zulassungsverfahren oder Vorabprüfungen durch Aufsichtsinstitutionen
    • Transparenzpflichten (Kennzeichnungspflichten, Informationspflichten, Offenlegungspflichten gegenüber Aufsichtsbehörden)
    • Pflicht zur Protokollierung verwendeter Datensätze und von Software-Programmabläufen sowie zu Risikofolgenabschätzungen
  • Etablierung einer EU-Verordnung mit Grundanforderungen an die Zulässigkeit von algorithmischen Systemen
  • Spezifische rechtliche Vorgaben für persönlichkeitssensible Profilbildungen von Qualitätsanforderungen bis hin zu absoluten Grenzen

 

Weitere Informationen hier.

Wir bieten gerne an, die Studienergebnisse und unsere Lösungen mit Ihnen persönlich zu besprechen. Sprechen Sie uns einfach an!

 

Ihre Ansprechpartnerin

Daniela Hanauer

Partnerin Risk Consulting, PwC Germany

Tel.: +49 89 5790-5628

E-Mail: daniela.hanauer@pwc.com

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

/* */