Finanzsituation bei EVU bleibt stabil – trotz leichten Rückgangs

Deutsche Energie- und Versorgungsunternehmen (EVU) durchlaufen seit einigen Jahren für sie wirtschaftlich anspruchsvollere Zeiten. Wie steht es um ihre finanzwirtschaftliche Situation? Diese Frage untersucht die seit 2014 erscheinende PwC-Analyse „Finanzierungsverhältnisse kommunaler Versorger und Konzerne“. Jetzt ist die neueste Ausgabe der Studie erschienen.

 

Für die vorliegende sechste Ausgabe unserer regelmäßig erscheinenden Studie haben wir von PwC insgesamt 300 kommunale EVU und ergänzend dazu 75 kommunale (Mutter-) Gesellschaften untersucht. Die Ergebnisse berücksichtigen die Konzernabschlüsse bis zum Stichtag 31. Dezember 2018 und erfüllen zwei Funktionen: Sie zeigen die finanzwirtschaftliche Entwicklung der Energie- und Versorgungswirtschaft. Gleichzeitig eignen sich die belastbaren Indikatoren als objektive Benchmark für die Branche.

 

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

Der langfristige Trend zur finanziellen Stabilisierung der Energie- und Versorgungswirtschaft hält an, wenngleich die Kennzahlen für das Jahr 2018 in Summe leicht rückläufig sind.

Dies sind die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick:

  • Die EBITDA-Marge ist 2018 leicht gesunken, von 14,6 % im Jahr 2017 auf nun 13,5 %.
  • Die Finanzverschuldung ist 2018 leicht gestiegen.
  • Die Eigenkapitalquote sinkt 2018 auf 36,1 % (2017: 36,5 %).
  • Der dynamische Verschuldungsgrad steigt von 2,3x im Jahr 2017 auf 2,4x im Jahr 2018.
  • Freie Cashflows sind – trotz Rückgang 2018 – immer noch positiv.
  • Die Ausschüttungsquote der EVU ist 2018 deutlich gestiegen (+4,1 Prozentpunkte gegenüber 2017),
  • Das niedrige Marktzinsniveau wirkt im Zeitverlauf tendenziell stabilisierend auf die Ertragssituation, die Kapitalquoten und die Ausschüttungsfähigkeit.

 

EBITDA-Marge leicht gesunken, Finanzverschuldung steigt wieder

Die EBITDA-Marge – also das Ergebnis nach Zinsen, Steuern und Abschreibungen – ist wichtig, um die Ergebnissituation der EVUs zu bewerten. Zeichnete sich zwischen 2015 und 2017 ein höheres Ergebnisniveau ab, flacht es für 2018 wieder ab: Die EBITDA-Marge ist von 14,6 % (2017) auf 13,5 % (2018) gesunken.

Die Finanzschulden nehmen 2018 wieder zu, nachdem sie 2016 und 2017 gesunken waren. So stiegen die Bruttofinanzschulden im Schnitt um 12,1 %, die Nettofinanzschulden stiegen nach Verrechnung mit freien Kassenbeständen noch stärker an, nämlich um 2 %. Das liegt insbesondere am geringeren Wachstum des bilanziellen Eigenkapitals. Dieses stieg 2017 um 3,3, 2018 nur um 2,6 Prozentpunkte. Auf der anderen Seite nahm 2018 das Investitionsvolumen gegenüber den Vorjahren leicht zu (+0,8 %).

Es zeigt sich: Im Jahr 2018 hat die eingetrübte Ergebnislage – bei gleichzeitigen Anforderungen zu investieren – zu einem zusätzlichen Bedarf externer Finanzierung geführt.

 

Eigenkapitalquote leicht rückläufig

Im Jahr 2017 war die bilanzielle Eigenkapitalquote um 2,2 Prozentpunkte auf 36,5 % gestiegen, gleichzeitig hatten die EVUs die Finanzverbindlichkeitenquote auf 41,9 % reduziert. Dies hatte 2017 im Mittel die Finanzstruktur der EVUs stabilisiert.

2018 entwickelten sich diese Finanzkennzahlen wieder leicht gegenläufig. So sank die Eigenkapitalquote – wesentliches Prüfkriterium für Banken und andere Fremdkapitalgeber – auf 36,1 % und die Finanzverbindlichkeitenquote stieg auf 42,2 %.

 

Dynamischer Verschuldungsgrad bleibt auf gutem Niveau, freie Cashflows sinken

Der dynamische Verschuldungsgrad ist eine besonders aussagekräftige Kennzahl, da sie Fremdkapitalgebern als Indikator für die Schuldtragfähigkeit gilt. Der dynamische Verschuldungsgrad ist das Verhältnis von Finanzverbindlichkeiten zu EBITDA und ist im Median von 2,3x im Jahr 2017 auf 2,4x im Jahr 2018 gestiegen. Damit bleibt diese wichtige Kennzahl im Mittelwert auf einem guten Niveau.

Die freien Cashflows sind ebenfalls wichtig für die Entwicklung des Kapitalbedarfs und die Bewertung der Fähigkeit zum Schuldendienst. Sie sind 2018 wieder gesunken, nachdem sie sich in den Jahren 2016 und 2017 positiv entwickelt hatten. Die Cashflow-Deckungsquote (das Verhältnis der freien Cashflows zu den Bruttofinanzschulden) ist weiterhin positiv – mit 0,1 % allerdings nur knapp.

Um die Eigenfinanzierungskraft auf Basis von Cashflows zu bewerten, ist es wichtig zu wissen, wie Unternehmen mit Ausschüttungen umgehen. In der Energie- und Versorgungswirtschaft erwarten die kommunalen Gesellschafter oft relativ hohe Ausschüttungsquoten, um damit einige kommunale Aufgaben der Daseinsvorsorge – etwa den Betrieb von Bädern oder des ÖPNV – mitzufinanzieren. Nachdem sich die Ausschüttungsquoten zwischen 2012 und 2017 zwischen 88 und 92 Prozent bewegt hatten, stiegen sie 2018 wieder deutlich – nämlich von 90,5 % im Jahr 2017 auf 94,5 Prozent im Jahr 2018.

Das Spannungsverhältnis zwischen im Zeitverlauf sinkenden Erträgen, hohen Investitionsbedarfen und hohen Ausschüttungsanforderungen bleibt. Entlastend wirkt in Teilen das anhaltend geringe Marktzinsniveau.

Fazit: Stabilisierung im Durchschnitt, Probleme im Einzelfall

Betrachtet man die Kennzahlen von 2009 bis 2018, so stabilisieren sich die Finanzverhältnisse der EVUs im Durchschnitt. Tendenziell steigen zum Beispiel die Betriebsmargen und die Eigenkapitalquoten der EVUs. Zu bedenken ist dabei, dass die seit einigen Jahren konstant hohen Ausschüttungsquoten an die kommunalen Muttergesellschaften die Innenfinanzierung der EVUs – zum Teil deutlich – begrenzen.

Allerdings ist es erforderlich, die Situation der Unternehmen im Einzelfall genauer zu betrachten. Denn die Ergebnisse unserer Analyse zeigen auch, dass in der Energie- und Versorgungsbranche die Spanne zwischen besonders guten und besonders schlechten Finanzlagen wieder größer wird. Auch die mittlere Streuung um den Medianwert nimmt seit 2016 für die meisten betrachteten Kennzahlen zu.

Ein wichtiger Indikator bei der Betrachtung ist der Schwellenwert von 25 % bei der Eigenkapitalquote. Darunter liegen im Jahr 2018 11,4 % der betrachteten EVUs, gegenüber 13,1 % im Jahr 2017. Deutlich gestiegen ist der Anteil der EVUs mit dynamischen Verschuldungsgraden größer 4x – von 18,6 % (2017) auf 22,4 % (2018).

Es gilt also grundsätzlich weiter das, was wir schon zuvor festgestellt hatten: Die Finanzsituation der EVUs ist im Allgemeinen besser, als manche Branchenbeobachter meinen. Anders ausgedrückt: Die Transformation der EVUs scheint mit den eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen mehrheitlich zu gelingen.

Erwartungsgemäß stellt sich die Kennzahlensituation der Konzerne schlechter dar als die der einzelnen EVU, da hier insbesondere die weniger wirtschaftlichen Bereiche der Daseinsvorsorge mitgetragen werden.

Für die Geschäftsleitungen der EVU, die ihr Unternehmen nachhaltig wirtschaftlich solide ausrichten sollen, empfiehlt es sich, sie an den Optimalwerten der hier vorgestellten relevanten Finanzkennzahlen auszurichten. PwC unterstützt dabei gern mit der Einordnung des einzelnen Unternehmens in die Benchmark, wie sie die Studie bietet.

Überdies bietet PwC einen individuellen Strategiereport an, der die Leistungswirtschaft einzelner EVU kritisch analysiert. Im Ergebnis bieten beide Leistungsangebote konkrete Handlungsempfehlungen an die Geschäftsleitung.

 

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Ihre Ansprechpartner

Bernd Papenstein

Partner, PwC Germany

Tel.: +49 211 981-2639

Mail: bernd.papenstein@pwc.com

Andreas Rams

Senior Manager, PwC Germany

Tel.: +49 211 981-1718

Mail: andreas.rams@pwc.com

 

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