Kommunales Asset Management – neues Rollendenken innerhalb des Konzerns Kommune

Der Konzern Kommune, als Gesamtheit der in der Kommune zu betrachtenden Organisationseinheiten, Betriebe und Beteiligungen, verfügt über drei Assetklassen: Versorgung, Verkehr und Immobilien. Letztere sind zu unterscheiden in kommunale Liegenschaften und den kommunalen Wohnungsbau. Allen Assetklassen ist gemeinsam, dass Kommunen sie im Rahmen einer positiven Stadtentwicklung unter Ausnutzung von Vorteilen der Digitalisierung nachhaltig weiterentwickeln wollen. Dabei erfordern die Realisierung der Verkehrs- und der Wärmewende, dass die drei Assetklassen nicht länger getrennt, sondern gemeinsam betrachtet werden. Energie wird dabei zum verbindenden Element.

Bisher werden in kommunalen Konzerne in der Regel lediglich Versorgung und Verkehr unter einer gemeinsamen Beteiligungsgesellschaft oder in den Stadtwerken zusammengeführt. Dies jedoch weniger aus strategischen sondern aus steuerlichen Gründen, um die Vorteile des Querverbunds zu nutzen.

Energieversorger sehen sich im aktuellen Marktumfeld einer Vielzahl von Herausforderungen ausgesetzt. Für die konventionelle Energieerzeugung gibt es eine nur sehr ungewisse Zukunft. Der Wettbewerb um den Bau von regenerativen Erzeugungsanlagen ist hoch und die Margen entsprechend gering. Zudem sinkt insb. für Windenergieprojekte die Akzeptanz in der Bevölkerung. Der Energievertrieb an Privatkunden zeichnet sich durch einen intensiven Wettbewerb zunehmend auch mit branchenfremden aus. Gleichzeitig wandelt sich der Kunde nicht zuletzt durch die voranschreitende Digitalisierung und die Form und Wege, ihm attraktive Angebot zu machen. Im Industriekundenvertrieb ist der Wettbewerb ungleich höher mit kaum auskömmlichen Margen. Im Netzbereich, dem „Brot-und-Butter-Geschäft“ der Energieversorger, werden sinkende Netzentgelte erwartet. Gleichzeitig steigen aufgrund der Folgen der Integration der Energie aus regenerativer Erzeugung sowie der Umsetzung der Sektorkopplung die Herausforderungen im Netz.

Aufgrund der vielfältigen Grenzen und Herausforderungen in den angestammten Geschäftsfeldern rücken neue Optionen für den Energieversorger in den Fokus und die Frage, wie diese realisiert werden können. Kooperationen mit verschiedenen Partner innerhalb der eigenen Branche aber auch weit über die Branchengrenzen hinweg liegen nahe. Als mögliche Kooperationspartner kommen der (Online-)Handel oder Telekomunternehmen, die Immobilien-, Bau- oder Automobil- und Verkehrswirtschaft in Frage. An dieser Stelle steht der Kooperationspartner Kommune im Fokus. Mit ihr ergeben sich aus der gemeinsamen Weiterentwicklung der drei o.g. Assetklassen Chancen, die Geschäftspotentiale der Sektorkopplung zu heben, die Wertschöpfung im Konzern Kommune neu zu denken und die Leistungsfähigkeit der Kommune zu erhalten bzw. zu erhöhen.

Kommunen stehen in ihren Liegenschaftsbereichen vor erheblichen Herausforderungen. Aufgrund jahrelang fehlender Mittelausstattung für Sanierungen und für Personal existieren massive Investitionsstaus. Gleichzeitig steigen die Aufgaben der Städte in ihren Liegenschaftsbereichen, z.B. mit der Umsetzung von Klimaschutzzielen oder Stadt- und Flächenentwicklungsprojekten. Am Arbeitsmarkt läßt sich ein großer Wettbewerb um Schlüsselpersonal beoabchten, den Kommunen fehlt die Wettbewerbsfähigkeit um Ingenieure, Techniker und Architekten. Zudem zeigen sich in den Organisationseinheiten häufig Optimierungspotentiale nicht zuletzt aufgrund eines fehlenden Portfolio- und Werterhaltungsmanagements. Die durch die Förderprogramme KiDu und Gute Schule 2020 erheblich steigenden Bau- und Sanierungsvolumina setzen die Liegenschaftsbereiche unter enormen Druck.

Diese Standortbestimmung innerhalb des Konzerns Kommune zwischen der Notwenigkeit, als Stadtwerk Geschäftsfelder weiterzuentwickeln und als Kommune die Leistungsfähigkeit in den Liegenschaftsbereichen zu erhalten, legt den Schluss nahe, dass eine Kooperation mit Blick auf energiewirtschaftliche Aspekte zwischen dem Energieversorger und dem Liegenschaftsbereich zielführend sein könnte.

Diesem Gedanken folgend hat PwC das Modell der kommunalen Energieserviceplattform als institutionalisierte Form der Zusammenarbeit von kommunalem Liegenschaftsbereich und Energieversorger entwickelt, die Aufgaben an der Schnittstelle Energie und Immobilien vergabefrei – auch im Falle einer privaten Beteiligung an dem Energieversorger – übernimmt. Zentrale Aufgaben sind die Modernisierung der leitungsgebundenen Energieversorgung in den Liegenschaften in Form von Wärme-, Kälte- oder Lichtcontracting unter Ausnutzung von EEG-Umlagebefreiung und die Abwicklung der Energielieferungen des kommunalen Versorgers an die Kommune. Sie kann darüber hinaus bspw. Ladesäuleninfrastrukturen oder E-Flotten betreiben oder Carsharing etablieren. Sie kann ihre Tätigkeit auf die kommunalen Wohnungsbauunternehmen ausweiten oder geförderte Bau- und Sanierungsprojekten oder Quartiersentwicklungen beschleunigen.

Die Energieserviceplattform kann bei richtiger Ausgestaltung viele Vorteile bewirken. Sie bündelt die im Stadtkonzern an verschiedenen Stellen vorhandenen knappen Ressourcen und institutionalisiert deren Zusammenarbeit. Der Liegenschaftsbereich kann um energieversorgungsspezifische Themen entlastet werden und sich auf die Kernaufgaben konzentrieren. Er kann die Modernisierung der leitungsgebundenen Energieversorgung investiv und operativ auslagern, wodurch die Chance entsteht, die Modernisierungsrate zu steigern. Das Stadtwerk kann seinen Geschäftsbereich Energiedienstleistungen weiterentwickeln und die Stadt unterstützen, eine moderne, nachhaltige und dezentrale Energieinfrastruktur zu bauen.

Die Energieserviceplattform erhält vergleichsweise wenig Personal. Im Wesentlichen werden Leistungsbeziehung über sie abgewickelt. Sie kann jedoch genutzt werden, gezielt Schlüsselpersonal zu akquirieren, indem sie die tariflichen Gestaltungsspielräume flexibel nutzt. Ähnliches beobachten wir derzeit in einigen Städten mit der Gründung von Schulmodernisierungsgesellschaften.

Die Energieserviceplattform ist konkretes Beispiel, über neue Formen der Zusammenarbeit innerhalb des Stadtkonzern nachzudenken, um mit knappen Ressourcen die steigenden Aufgaben der Kommune zu bewältigen. Hier bedarf es eines neuen Rollendenkens mit dem Ziel, die Leistungsfähigkeit zu sichern und dafür die Wertschöpfung im Konzern Kommune zu optimieren.

Ansprechpartner

Dr. Sven-Joachim Otto

Partner

Tel.: +49 211 / 981-2739

Mail: sven-joachim.otto@de.pwc.com 

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