Brexit und die Auswirkungen auf die Rechnungslegung von Immobiliengesellschaften

UK hat entschieden und was nun? Viele Themen werden diskutiert und es wird Zeit, dass wir uns auch dem Thema Rechnungslegung in der Immobilienwirtschaft widmen.

 

Die größte Auswirkung auf die Rechnungslegung der Immobilienwirtschaft folgt aus der Unsicherheit

Die Unsicherheit ist das, was uns in der Rechnungslegung derzeit am meisten beschäftigt. Für aktuelle Immobilieninvestments, sowohl in UK als auch an anderen hoch gehandelten Standorten, stellt sich die Frage, ob sich die Bewertungsparameter seit der Entscheidung am 23. Juni 2016 tatsächlich geändert haben oder ob deren Bestimmung letztlich nur einer höheren Unsicherheit ausgesetzt ist. Die kurzfristigen Auswirkungen für die Rechnungslegung bestehen damit in umfangreicheren Angaben zu den Unsicherheiten der Bewertung. Es bedarf detaillierten Erläuterungen über die getroffenen Annahmen und die Unsicherheiten der Parameterbestimmung. Die Anforderungen an den Detaillierungsgrad der Erläuterungen wird dabei im Zeitablauf steigen.

In Jahresabschlüssen für Geschäftsjahre, die vor dem 23. Juni 2016 endeten, und die am 23. Juni 2016 noch nicht veröffentlicht waren, wird es als erforderlich angesehen, zumindest im Nachtragsbericht (subsequent events disclosures) auf die aktuellen Entwicklungen einzugehen. Für IFRS-Jahresabschlüsse und Zwischenberichte für Geschäftsjahre, die nach dem 23. Juni 2016 enden, sind weitergehende Angabepflichten in Bezug auf die bestehenden Bewertungsunsicherheiten, insbesondere im Hinblick auf die qualitativen und quantitativen Angaben für nicht beobachtbare Marktparameter erforderlich. Dies gilt unabhängig davon, ob die Immobilie im IFRS-Abschluss mit ihrem Fair value bewertet wird oder ob die Ermittlung des Fair value lediglich dem Impairment Test dient.   

Unsicherheit rechtfertigt keine pauschalen Bewertungsabschläge

Unsicherheit alleine führt noch nicht dazu, dass Immobilienbewertungen sinken. Kein Raum besteht daher für pauschale Bewertungsabschläge, selbst dann nicht, wenn das vorliegende Bewertungsgutachten generelle Einschränkungen im Hinblick auf bestehende Unsicherheiten enthält. Die Fair value-Bewertung nach IFRS erfordert die Verwendung von am Markt beobachtbaren Parametern und gestattet für den Fall, dass es keine zuverlässigen Marktparameter gibt auch die Berücksichtigung von nicht beobachtbaren Marktparametern. Wichtig für die Bewertung ist auch, dass dabei die individuellen Merkmale und Charakteristika des Bewertungsobjektes Berücksichtigung finden. Vor diesem Hintergrund sind pauschale Abschläge – ohne Berücksichtigung der individuellen Verhältnisse des einzelnen Objektes – nicht sachgerecht. Nicht zu leugnen ist aber auch, dass sich mittelfristig Fragen zum Impairment nicht vermeiden lassen, auch wenn es heute möglicherweise noch zu früh ist, zu beurteilen, ob der Brexit tatsächlich zu einem Impairment führen wird. Unternehmen werden genau beobachten müssen, welchen Einfluss der Brexit nicht nur auf den Fair value, sondern auch auf die Zahlungsströme hat, die für die Ermittlung des Value-in-use zur Anwendung kommen.

Reorganisation und Going Concern werden die nächsten großen Fragestellungen sein

Unternehmen werden sich reorganisieren und ihr Geschäftsmodell überdenken. Derartige Gedankenspiele werden sich zwar noch nicht kurzfristig auf die Bilanzierung von Immobilien auswirken, aber mittelfristig werden sich hierzu weitere Bilanzierungsfragen stellen. Fragen des Abgangs von Immobilien, der Berücksichtigung von Wertminderungen, der Bildung von Rückstellungen bis hin zu den Auswirkungen auf die Segmentberichterstattung werden zu stellen sein.

Während die aktuellen Entwicklungen noch verhältnismäßig wenig Auswirkungen auf die Bilanzierung und Bewertung nach IFRS aufweisen, bedeutet dies nicht, dass in Zukunft nicht auch für einzelne Immobiliengesellschaften sogar die Going Concern-Annahme zu hinterfragen ist.

 

Zu den Auswirkungen auf die Rechnungslegung weiterführend auch Brexit: Accounting implications of UK’s Brexit decision Volume 1: PwC In depth INT2016-04

 

Einen Blick auf andere alternative Investments:

 

Weitere Information zu aktuellen Themen rund um den Brexit erhalten sie auch auf dem Corporate Reporting Blog.

 

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