Fünf auf einen Streich – IASB veröffentlicht Konsolidierungsstandards

Eine Flut von Standards hat sich am 12. Mai 2011 über die IFRS-Bilanzierenden ergossen. Neben dem IFRS 13, der die neue Fair value Measurement Guidance enthält, veröffentlichte das IASB ein Bündel von weiteren fünf Standards, die sich mit Fragen der Reporting Entity beschäftigen.

Mit Veröffentlichung der Standards IFRS 10 („Consolidated financial statements“), IFRS 11 („Joint arrangements“), IFRS 12 („Disclosures of interest in other entities“) sowie der neu gestalteten IAS 27 („Separate financial statements“) und IAS 28 („Investments in associates“) geht ein weiteres zentrales Projekt des IASB (fast) zu Ende (ausstehend noch das Projekt zum Anwendungsausschluss für Investmentfonds). Für die Bilanzierenden fängt damit die Arbeit aber erst an. Der recht kurze Zeitraum bis zur erstmaligen Anwendung (spätestens für alle Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2013 beginnen) will wohl genutzt sein, denn auch wenn das IASB grundsätzlich nicht erwartet, dass es signifikante Änderungen im Konsolidierungskreis geben sollte, sind die Regelungen doch nicht mehr mit denen des IAS 27 und SIC-12 identisch.

Die Bilanzierenden sehen sich dabei der Problematik gegenüber, die neue Kontrolldefinition, die die Einflussmöglichkeit („power“) und die Variabilität des Nutzenzuflusses („exposure to variable returns“) nicht mehr individuell betrachtet, sondern vielmehr als interdependente Kriterien („ability to use its power over the investee to affect the amount of the investor’s returns“), auf die Fälle der Bilanzierungspraxis anzuwenden. Das IASB hat hierzu den Standard um Anwendungsleitlinien ergänzt, die jedoch keine klaren Grenzlinien vorgeben. Es wird vielmehr immer wieder auf das Gesamtbild der Verhältnisse abgestellt.

Es bleibt zu hoffen, dass die vermeintliche Komplexitätserhöhung zu einem insgesamt besseren Ergebnis führt, denn eine prinzipienbasierte Kontrolldefinition birgt zwar die Gefahr von nicht einheitlicher Anwendung in der Praxis, eröffnet andererseits aber auch die Chance nicht alltägliche Strukturen der wirtschaftlichen Substanz entsprechender abbilden zu können.

Inwieweit Unternehmen der Immobilienwirtschaft von den neuen Regelungen betroffen sein werden, hängt von den gewählten Strukturen ab. Ein besonderes Augenmerk auf den neuen Konsolidierungsstandard sollten insbesondere solche Unternehmen werfen, die bisher ihnen zustehende Rechte an Immobiliengesellschaften als ledigliche Schutzrechte angesehen hatten, Unternehmen, die für Dritte Immobilienfonds verwalten oder auch Immobiliengesellschaften, die geschlossene Fondskonstruktionen auflegen und managen. Aber auch alle anderen Unternehmen, z.B. solche, die bereits heute Immobiliengesellschaften konsolidieren, müssen die neuen Regelungen analysieren, um die Auswirkungen auf den IFRS-Konzernabschluss abschätzen zu können.

Ebenfalls zu analysieren sind die Auswirkungen des IFRS 12. Der Standard kodifiziert nicht nur die Angabepflichten für konsolidierte Unternehmen sondern auch für nicht konsolidierte Zweckgesellschaften. In diesem Zusammenhang dürfte es insbesondere spannend sein, wann eine Immobiliengesellschaft eine Zweckgesellschaft ist und wann nicht.

Die Standards in der Einzel-Kurzanalyse: 

IFRS 10 – Consolidation standard revises definition of control (96kb)

IFRS 11 – Joint arrangements standard brings major change to accounting for joint ventures (115kb)

IFRS 12 – IASB publishes IFRS 12 as key standard on disclosure of interests in other entities (103kb)

Fragen Sie sich – wie ich auch -, wie wohl die Reaktion der Bilanzierungs-Praxis auf die neuen Standards sein wird? Die nächsten Monate werden spannend wie nie und es war sicherlich nicht das letzte Mal, dass Sie mich zu diesem Thema Stellung beziehen sehen.

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