Leasing – IASB beschäftigt sich wieder mit der Bilanzierung beim Leasing-Geber

Die Beratungen zur Bilanzierung beim Leasing-Geber sind inzwischen in vollem Gange. In seinem September Meeting hat sich der IASB mit einigen Zweifelsfragen der Bilanzierung des Anspruchs auf die Mindestleasingzahlungen (lease receivable) beschäftigt und die Berücksichtigung von Restwertgarantien diskutiert.

Hinsichtlich der Bilanzierung des Anspruchs auf die Mindestleasingzahlungen war bisher unklar, ob dieser als Finanzinstrument im Sinne des IAS 39 zu bilanzieren und zu bewerten sein soll, oder ob eine Bilanzierung außerhalb des IAS 39 sachgerechter ist. Eine Einbeziehung in den Anwendungsbereich des IAS 39 hätte nicht nur zur Folge, dass eine Bewertung zum fair value oder die Abbildung von Hedge Accounting möglich wäre, sondern würde auch umfangreiche Anhangangaben nach IFRS 7 erfordern.

Der IASB hat nun vorläufig entscheiden, dass der Anspruch auf Mindestleasingzahlungen hinsichtlich der Ansatz- und Folgebewertung nicht in den Anwendungsbereich des IAS 39 fällt. Gleichzeitig wurde auch festgestellt, dass eine Bewertung des Anspruchs zum fair value nicht zulässig sein soll (auch keine fair value option). Damit gilt verpflichtend die Bilanzierung zu fortgeführten Anschaffungskosten unter Anwendung der Effektivzinsmethode. Noch keine abschließende Einschätzung der Bewertungsanforderungen liegt für den Fall vor, dass der Anspruch auf Leasingzahlungen zur Veräußerung gehalten wird. Noch offen geblieben ist jedoch die Entscheidung zu den Angabepflichten.

Die Ausklammerung des Anspruchs auf Mindestleasingzahlungen aus dem Anwendungsbereich des IAS 39 gilt jedoch – gemäß vorläufiger Entscheidung des IASB – nicht für die Ermittlung einer möglichen Wertminderung und für die Frage, wann die Forderung als abgegangen gilt. Hierfür ist vorgesehen, die Impairment Regelungen des IAS 39 ebenso wie die Abgangsregelungen des IAS 39/IFRS 9 für anwendbar zu erklären. Unklar bleibt in diesem Zusammenhang, ob der IASB plant, die bisherigen Regelungen des IAS 39 zum Impairment in den neuen Leasingstandard zu übernehmen oder lediglich mit einer Verweisregelung auf IAS 39/IFRS 9 zu arbeiten. Letzteres würde insbesondere bei Übergang auf IFRS 9 weitere spannende Themen auf den Tisch bringen. Es bleibt also abzuwarten, ob die Regelungen vermeintlich einfacher oder doch eher komplexerer Natur sein werden.

Darüber hinaus hat der IASB auch vorläufig entschieden, dass für den residualen Leasinggegenstand auch weiterhin die Regelungen des IAS 36 für die Ermittlung einer Wertminderung gelten sollen. Gleichzeitig wurde bestimmt, dass eine Neubewertung des residualen Leasinggegenstandes ebenfalls ausgeschlossen sein soll. Eine große Bedeutung in der Bilanzierungspraxis dürfte diese Entscheidung allerdings nicht haben, da die Bewertung zum fair value für Leasinggegenstände – andere als Anlageimmobilien – weniger üblich ist. In der Bilanzierungspraxis ist die Bewertung nach dem Neubewertungsmodell im Sachanlagenvermögen von untergeordneter Bedeutung. Nicht von der vorläufigen Entscheidung betroffen sind zum fair value bewertete Immobilien nach IAS 40, da diese generell von der Anwendung des receivable-and-residual asset-Modells ausgenommen werden sollen.

Im Rahmen seiner Beratungen zur Bewertung des residualen Leasinggegenstandes hat der IASB auch klargestellt, dass Restwertgarantien bei der Ermittlung einer möglichen Wertminderung des residualen Leasinggegenstandes zu berücksichtigen sind. Eine gesonderte Bilanzierung der Restwertgarantie wurde als nicht sachgerecht angesehen. Darüber hinaus wurde vorläufig entschieden, dass Anpassungen aufgrund einer Neubeurteilung variabler Leasingzahlungen, die sich auf einen Index beziehen, unmittelbar ergebniswirksam zu erfassen sind.  

Die Darstellung des Anspruchs auf Mindestleasingzahlungen und der residuale Leasinggegenstand in der Bilanz des Leasing-Gebers folgt den allgemeinen Regelungen des IAS 1 'Presentation of financial Statements'. Hiernach hat der Bilanzierende zu prüfen, ob eine zusammengefasste Darstellung beider Vermögenswerte in der Bilanz bei entsprechender Aufteilung in den Notes sachgerecht ist.

Weitere Informationen zum Thema: IASB/FASB leasing redeliberations – September 2011 (pdf, 102kb)

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

/* */