IFRS 10: Konsolidierungsausnahme für Investmentgesellschaften veröffentlicht

Das IASB hat am 31. Oktober 2012 die lange erwartete Konsolidierungsausnahme für Investmentgesellschaften veröffentlicht, die den im Mai 2011 veröffentlichten IFRS 10 bereits wieder ändert. Die Änderungen sind erstmals für Geschäftsjahre anzuwenden, die am oder nach dem 1. Januar 2014 beginnen. Eine vorzeitige Anwendung ist zulässig.

Investmentgesellschaften im Anwendungsbereich der Änderungen beziehen die von ihnen gehaltenen Portfoliounternehmen nicht im Wege der Vollkonsolidierung in ihren IFRS-Abschluss ein, sondern bilanzieren ihren Anteil an dem Unternehmen als Finanzinstrument. Ein solches Finanzinstrument ist dann als at fair value through profit or loss (IAS 39) oder at fair value (IFRS 9) zu klassifizieren und insofern ergebniswirksam zum Fair value zu bewerten.

Um in den Genuss der Ausnahmevorschrift zu gelangen, muss die Investmentgesellschaft bestimmte Kriterien erfüllen (rev. IFRS 10.27). Weitere Informationen finden sie hier: Practical guide to IFRS 10 – Investment entities: Exception to consolidation. Darüber hinaus ist auch noch zu würdigen, ob die Gesellschaft die Merkmale einer typischen Investmentgesellschaft trägt (rev. IFRS 10.B85N). Weitere Informationen zu den Kriterien: IASB amends IFRS 10 to provide an exception from consolidation for ‘investment   entities’.

Gegenüber der Entwurfsfassung sind die in der nun finalen Änderung enthaltenen Kriterien weniger limitierend, so dass erwartet wird, dass Private Equity Fonds deutlich leichter unter die Ausnahmevorschrift zu subsumieren sein werden, als dies noch im ED Investment Entities der Fall war. Allerdings droht im Gegenzug die Gefahr, dass auch weit mehr Immobilienfonds in den Anwendungsbereich des Standards fallen werden, als dies bislang angenommen wurde. Während die Private Equity Branche diese Entwicklung sicherlich begrüßt, ist das Meinungsbild in der Immobilienbranche zweigeteilt. Für Immobilienfonds ist die Entwicklung der Immobilie häufig das entscheidende Marketingargument und die Immobilienobjektgesellschaft lediglich ein Mittel zum Zweck. Eine Bilanzierung der Objektgesellschaft als Finanzinstrument ist in diesem Fall möglicherweise keine die Aussagekraft des Abschluss verbessernde Darstellung. Neu in den Fokus gerückt auch die REITs für die sich als Folge der Bilanzierungsänderung auch Auswirkungen auf die Vermögensstrukturkennzahlen ergeben könnten. Für die Immobilienfonds auch immer wieder interessant die Frage nach der Auswirkung einer solchen Änderung auf die Zinsschranke.

Auch diese Standardänderung – so vermeintlich klein diese auch wirken mag – hat einige interessante Folgefragen im Gepäck. Es bleibt also spannend, was die Bilanzierungspraxis hieraus macht.

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