Real Estate Blog

Leasing – Die Weiterentwicklung des Receivable-and-Residual-Ansatzes

Der IASB hat in seinem Oktober-Meeting die Vorschriften zur Leasing-Geber-Bilanzierung weiterentwickelt und einige vorläufige Agenda-Entscheidungen getroffen.

Der IASB hält für die Leasing-Geber-Bilanzierung weiterhin an dem Receivable-and-Residual-Ansatz fest. Ausgenommen hiervon sind lediglich Anlageimmobilien, die in den Anwendungsbereich des IAS 40 fallen (wir berichteten hierüber). Für diese Anlageimmobilien bleibt es bei der Bilanzierung des Leasingobjektes und der Abbildung der Leasingzahlungen über die Laufzeit des Mietvertrages.

Nach dem Receivable-and Residual-Ansatz wird das Leasingobjekt ausgebucht und es gehen zwei neue Vermögenswerte zu. Das 'receivable asset' verkörpert dabei den Anspruch auf den Erhalt von Leasingzahlungen während das 'residual asset' den erwarteten Restwert des Leasinggegenstandes nach Ablauf der Vertragslaufzeit darstellt.

Der IASB hat nun auch für die Bilanzierung des Anspruchs auf  Mindestleasingzahlungen ('receivable asset') entschieden, dass eine Fair value Bewertung nicht zugelassen sein soll; selbst für den Fall, dass dieser Anspruch zur Veräußerung gehalten wird (für den residualen Leasinggegenstand wurde dies bereits im September-Meeting beschlossen). Statt dessen soll die Erstbewertung zum Barwert der Mindestleasingzahlungen erfolgen. Die Folgebewertung erfolgt dann mit den fortgeführten Anschaffungskosten unter Anwendung der Effektivzinsmethode.

Der residuale Leasinggegenstand ('residual asset') ermittelt sich bei Zugang aus der Allokation des Buchwertes des ursprünglich bilanzierten Vermögenswertes (verbleibender Restbuchwert nach Abzug des Barwertes der Mindestleasingzahlungen). Der residuale Leasinggegenstand setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen, die jedoch in der Bilanz gemeinsam auszuweisen sind (Nettodarstellung):

  • den auf den Gegenwartswert abgezinsten geschätzten Restwert (Fair value) des Leasinggegenstandes am Ende der Vertragslaufzeit ('gross residual asset') und
  • den anteiligen Gewinn ('deferred profit').

Der Gegenwartswert – das 'gross residual asset' – ist über die Vertragslaufzeit auf den geschätzten Restwert zum Vertragsende aufzuzinsen und führt insofern zu Zinsergebnis beim Leasinggeber. Der anteilige Gewinn ist erst bei Verkauf oder Wiedervermietung des Leasingobjektes zu vereinnahmen – unabhängig davon, ob dieser hinreichend sicher ist oder nicht.

Der IASB hat darüber hinaus auch vorläufige Entscheidungen zur Berücksichtigung von variablen Leasingzahlungen getroffen. Wurden die variablen Leasingzahlungen bei der Ermittlung des Barwertes der Mindestleasingzahlungen (im Abzinsungssatz) nicht berücksichtigt, führt eine erhaltene variable Leasingzahlung nicht zur Anpassung des residualen Leasinggegenstandes. Enthält hingegen der Abzinsungssatz eine Schätzung hinsichtlich der erwarteten variablen Leasingzahlungen, ist eine Anpassung des residualen Leasinggegenstandes in Höhe des Anteils der erwarteten variablen Leasingzahlungen vorzunehmen, indem dieser Anteil im Zeitpunkt der Erfassung der variablen Leasingzahlungen im Ergebnis als Aufwand erfasst wird. Für die Differenz zwischen den erwarteten und den tatsächlichen Leasingzahlungen erfolgt jedoch keine Anpassung.

Der IASB hat in seinem September-Meeting bereits einige vorläufige Entscheidungen zur Darstellung der Leasing-Verhältnisse im IFRS-Konzernabschluss des Leasing-Gebers getroffen. Die Beratungen hierzu wurden im Oktober fortgesetzt. Zusammengefasst ergibt sich folgendes Bild:

  • Die Darstellung des residualen Leasinggegenstands und des Anspruchs auf Mindestleasingzahlungen kann in der Bilanz entweder in einem Bilanzposten erfolgen oder in zwei getrennten Bilanzposten. Für den Fall, dass die Darstellung in einem Bilanzposten erfolgt, ist eine Aufgliederung im Anhang erforderlich. Bei getrennter Darstellung in der Bilanz sind die Bilanzposten zusätzlich in einer Summe zusammenzufassen. 
  • Für die Darstellung in der Gewinn- und Verlustrechnung respektive der Gesamtergebnisrechnung ist ebenfalls ein Wahlrecht zur einzeiligen bzw. zweizeiligen Darstellung der Erträge und Aufwendungen aus dem Leasinggeschäft vorgesehen. Grundlage für die Wahlrechtsausübung soll das Geschäftsmodell des Leasing-Gebers sein. Erfolgt keine Darstellung in einer gesonderten Zeile in der Gewinn- und Verlustrechnung (sondern als Teil eines anderen GuV-Postens), ist eine gesonderte Darstellung im Anhang erforderlich. Lediglich für die Zuschreibung des residualen Leasinggegenstandes als auch die Amortisierung der aktivierten Anschaffungskosten (initial direct costs) wurde vorläufig entschieden, dass diese im Zinsergebnis (netto) auszuweisen sind.
  • Die Leasingzahlungen sind in der Kapitalflussrechnung dem Cashflow aus operativer Tätigkeit zuzuordnen.
  • Darüber hinaus wurde entschieden, dass für übertragene Ansprüche auf Mindestleasingzahlungen die Angabepflichten des IFRS 7 gelten sollen.

Die vorgesehenen Übergangsregelungen werden ein Wahlrecht zur vollständigen retrospektiven Anwendung oder zur modifizierten retrospektiven Anwendung vorsehen. Letztere sieht insbesondere Erleichterungen bei der Ermittlung des Abzinsungssatzes vor.

Mehr hierzu erfahren: IASB/FASB leasing redeliberations – October 2011 ( 110kb)

Auch wenn im Oktober-Meeting einige zentrale Entscheidungen getroffen wurden, ist mit einer kurzfristigen Veröffentlichung des neuen Exposure Drafts nicht zu rechnen. Der IASB hat bisher  offiziell lediglich das erste Quartal 2012 als geplanten Veröffentlichungszeitpunkt preisgegeben.  Inwieweit dies als eine realistische Einschätzung gelten kann, hängt davon ab, ob im Zuge der weiteren Beratungen erneut bereits getroffene vorläufige Entscheidungen wieder rückgängig gemacht werden. Erste Ansätze hierfür deuteten sich an im Rahmen der Diskussion zur Ausnahme für die Anlageimmobilien.

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Practical guide to IFRS – Fair value measurement: implications of IFRS 13 for the real estate industry

Das IASB hat mit IFRS 13 einen neuen Standard zur Fair Value Bewertung veröffentlicht, der den Fair Value übergreifend definiert und so ein einheitliches Framework zur Fair Value Bewertung schafft. Aufgrund der Bedeutung des Standards für die tägliche Praxis der Bilanzierung haben wir uns entschlossen, die wichtigsten Neuerungen für Sie in einerm Practical Guide zusammenzustellen, der die wesentlichen Aspekte des neuen IFRS 13 für Unternehmen der Immobilienwirtschaft diskutiert.

Thematisiert werden u.a.:

  • Definition des fair value
  • Fair value Hierarchie
  • Bewertungsmethoden
  • Annahmen und Bewertungskontext
  • Highest and best use
  • Anhangangaben

Ich werde innerhalb des Blogs in den nächsten Monaten einzelne Themen, die aus Sicht der täglichen Praxis besondere Fragen aufwerfen (siehe z.B. highest and best use), weiter vertiefen. Den Practical Guide erhalten Sie hier.

Leasing – Anlageimmobilien vom neuen Leasingstandard ausgenommen

Eine erneute Wende in der Diskussion zum neuen Leasing-Standard brachte im Oktober die erlösende Nachricht: Immobilien, die die Definition einer Anlageimmobilie im Sinne des IAS 40 erfüllen, sollen von der Anwendung des Leasing-Standards insgesamt ausgenommen werden.

Mit großer Erleichterung wurde in der Immobilienwirtschaft die vorläufige Entscheidung des IASB aufgenommen, die Anlageimmobilien des IAS 40 – unabhängig von dem angewendeten Bewertungsmodell – von der Leasing-Bilanzierung des neuen Leasing-Standards auszunehmen. Kaum auszudenken, waren die bilanziellen Auswirkungen des receivable-and-residual-Modells bei Anwendung des Anschaffungskostenmodells z.B. für Shopping-Center oder Wohnungskomplexe, wäre es bei der beschränkten Ausnahme für lediglich zum Fair value bewertete Anlageimmobilien geblieben. Die Komplexität der Regelungen kaum abschätzbar.

Doch geht diese Ausnahme weit genug? In seinem September-Meeting hat der IASB beschlossen, dass Vorratsvermögen nicht von der Anwendung des neuen Leasing-Standards ausgenommen werden soll. Insofern sind Anlageimmobilien, die zur Veräußerung weiterentwickelt werden, bzw. solche Immobilien, die zwar zwischenzeitlich vermietet sind, die jedoch zum Verkauf im ordentlichen Geschäftsverkehr gehalten werden, weiterhin im Anwendungsbereich des neuen Leasing-Standards, da diese in den Anwendungsbereich des IAS 2 und nicht des IAS 40 fallen. Auch ist in Teilen die Abgrenzung zwischen IAS 16 'Sachanlagen' und IAS 40 'Investment Properties' nicht immer eindeutig. Wie sind z.B. vermietete Hausboote oder Antennenanlagen zu bilanzieren? Ebenso fällt es schwer den Unterschied zwischen einem vermieteten Hotel und einem vercharterten Kreuzfahrtschiff zu erkennen.

Der IASB hat in seinem Oktober-Meeting das Problem der Abgrenzung eines 'Investment property' erkannt und die Möglichkeit diskutiert, die Definition der Anlageimmobilien in IAS 40 zu erweitern.  Der IASB scheint gut beraten, die Überlegungen hinsichtlich des Anwendungsbereiches des IAS 40 nicht aus den Überlegungen zur Leasingbilanzierung auszuklammern, auch wenn sich hierdurch der Veröffentlichungstermin des neuen Standards wohl erneut verschieben würde.

Mehr hierzu erfahren: IASB/FASB leasing redeliberations – October 2011 ( 110kb)

Leasing – IASB beschäftigt sich wieder mit der Bilanzierung beim Leasing-Geber

Die Beratungen zur Bilanzierung beim Leasing-Geber sind inzwischen in vollem Gange. In seinem September Meeting hat sich der IASB mit einigen Zweifelsfragen der Bilanzierung des Anspruchs auf die Mindestleasingzahlungen (lease receivable) beschäftigt und die Berücksichtigung von Restwertgarantien diskutiert.

Hinsichtlich der Bilanzierung des Anspruchs auf die Mindestleasingzahlungen war bisher unklar, ob dieser als Finanzinstrument im Sinne des IAS 39 zu bilanzieren und zu bewerten sein soll, oder ob eine Bilanzierung außerhalb des IAS 39 sachgerechter ist. Eine Einbeziehung in den Anwendungsbereich des IAS 39 hätte nicht nur zur Folge, dass eine Bewertung zum fair value oder die Abbildung von Hedge Accounting möglich wäre, sondern würde auch umfangreiche Anhangangaben nach IFRS 7 erfordern.

Der IASB hat nun vorläufig entscheiden, dass der Anspruch auf Mindestleasingzahlungen hinsichtlich der Ansatz- und Folgebewertung nicht in den Anwendungsbereich des IAS 39 fällt. Gleichzeitig wurde auch festgestellt, dass eine Bewertung des Anspruchs zum fair value nicht zulässig sein soll (auch keine fair value option). Damit gilt verpflichtend die Bilanzierung zu fortgeführten Anschaffungskosten unter Anwendung der Effektivzinsmethode. Noch keine abschließende Einschätzung der Bewertungsanforderungen liegt für den Fall vor, dass der Anspruch auf Leasingzahlungen zur Veräußerung gehalten wird. Noch offen geblieben ist jedoch die Entscheidung zu den Angabepflichten.

Die Ausklammerung des Anspruchs auf Mindestleasingzahlungen aus dem Anwendungsbereich des IAS 39 gilt jedoch – gemäß vorläufiger Entscheidung des IASB – nicht für die Ermittlung einer möglichen Wertminderung und für die Frage, wann die Forderung als abgegangen gilt. Hierfür ist vorgesehen, die Impairment Regelungen des IAS 39 ebenso wie die Abgangsregelungen des IAS 39/IFRS 9 für anwendbar zu erklären. Unklar bleibt in diesem Zusammenhang, ob der IASB plant, die bisherigen Regelungen des IAS 39 zum Impairment in den neuen Leasingstandard zu übernehmen oder lediglich mit einer Verweisregelung auf IAS 39/IFRS 9 zu arbeiten. Letzteres würde insbesondere bei Übergang auf IFRS 9 weitere spannende Themen auf den Tisch bringen. Es bleibt also abzuwarten, ob die Regelungen vermeintlich einfacher oder doch eher komplexerer Natur sein werden.

Darüber hinaus hat der IASB auch vorläufig entschieden, dass für den residualen Leasinggegenstand auch weiterhin die Regelungen des IAS 36 für die Ermittlung einer Wertminderung gelten sollen. Gleichzeitig wurde bestimmt, dass eine Neubewertung des residualen Leasinggegenstandes ebenfalls ausgeschlossen sein soll. Eine große Bedeutung in der Bilanzierungspraxis dürfte diese Entscheidung allerdings nicht haben, da die Bewertung zum fair value für Leasinggegenstände – andere als Anlageimmobilien – weniger üblich ist. In der Bilanzierungspraxis ist die Bewertung nach dem Neubewertungsmodell im Sachanlagenvermögen von untergeordneter Bedeutung. Nicht von der vorläufigen Entscheidung betroffen sind zum fair value bewertete Immobilien nach IAS 40, da diese generell von der Anwendung des receivable-and-residual asset-Modells ausgenommen werden sollen.

Im Rahmen seiner Beratungen zur Bewertung des residualen Leasinggegenstandes hat der IASB auch klargestellt, dass Restwertgarantien bei der Ermittlung einer möglichen Wertminderung des residualen Leasinggegenstandes zu berücksichtigen sind. Eine gesonderte Bilanzierung der Restwertgarantie wurde als nicht sachgerecht angesehen. Darüber hinaus wurde vorläufig entschieden, dass Anpassungen aufgrund einer Neubeurteilung variabler Leasingzahlungen, die sich auf einen Index beziehen, unmittelbar ergebniswirksam zu erfassen sind.  

Die Darstellung des Anspruchs auf Mindestleasingzahlungen und der residuale Leasinggegenstand in der Bilanz des Leasing-Gebers folgt den allgemeinen Regelungen des IAS 1 'Presentation of financial Statements'. Hiernach hat der Bilanzierende zu prüfen, ob eine zusammengefasste Darstellung beider Vermögenswerte in der Bilanz bei entsprechender Aufteilung in den Notes sachgerecht ist.

Weitere Informationen zum Thema: IASB/FASB leasing redeliberations – September 2011 (pdf, 102kb)

 

Leasing – Veröffentlichung des Re-Exposure Drafts lässt weiter auf sich warten

Die Veröffentlichung des Re-Exposure Drafts (Re-ED) zum neuen Leasing Standard ist neuerlich durch den IASB verschoben worden.

Der aktuelle IASB Workplan sieht derzeit eine Veröffentlichung im ersten Quartal 2012 vor. Wer sich noch erinnert – ursprünglich war mal eine Veröffentlichung des finalen Standards zum Ende des zweiten Quartals 2011 vorgesehen. Geht man von einer Veröffentlichung des Re-ED Mitte des ersten Quartals aus und berücksichtigt die vermutlich 120 Tage dauernde Kommentierungsfrist, wird schnell klar, dass die Veröffentlichung eines finalen Standards noch in 2012 bereits enormer Anstrengungen bedarf. Damit dürfte auch klar sein, dass eine Erstanwendung vor 2015 wohl nicht mehr realistisch ist.

Die Immobilienindustrie befindet sich nun aber in einem Dilemma, zum einen ist sicherlich jeder Bilanzierende froh darüber, dass der IASB sich ausreichend Zeit lässt, zu einer sachgerechten Leasing-Bilanzierung zu kommen, zum anderen sieht sich die Branche aber auch geschäftspolitischen Herausforderungen gegenüber, die man frühzeitig adressieren möchte. So hat man derzeit die Wahl: "Abwarten und Tee trinken" oder "Losmarschieren und gar nicht wissen wohin".

Es bleibt zu hoffen, dass das IASB Meeting im Oktober weitere Klarheit bringt.

Weitere Gedanken hierzu finden Sie in unserem internationalen IFRS Blog.

Veranstaltung – Immobilienwirtschaftliche Analyse im Finanzierungsgeschäft

Immobilienfinanzierung bergen Risiken, die frühzeitig erkannt werden wollen. Die Veranstaltung "Immobilienwirtschaftliche Analyse im Finanzierungsgeschäft" gibt Einblicke in die Praktiken der Bilanz- und Cashflow-Analyse bei Immobilienobjektgesellschaften oder der Einschätzung der Risiken von Kreditengagements und Immobiliensicherheiten. Darüber hinaus erhalten Sie Einblicke in die Wertermittlung von Immobilien und lernen die Risiken bei der Beurteilung von Wertgutachten einschätzen.

Haben wir Sie neugierig gemacht, mehr zu der Veranstaltung erfahren sie hier.

IFRS 13 erhebt den highest and best use zum expliziten Bewertungsprinzip – Was bedeutet dies für die Real Estate Industry?

Der mit Spannung erwartete und schließlich im Mai 2011 veröffentlichte IFRS 13 Fair Value Measurement liefert bereits weit vor Beginn der Anwendungspflicht zum 1. Januar 2013 ausreichend Stoff für Diskussionen. Wie ich bereits in einem ersten Beitrag umrissen habe, wird sich die Real Estate Industrie mit neuen Begriffen zurechtfinden und einigen neuen Herausforderungen in der Fair Value Bewertung begegnen müssen.

Hieran anknüpfend werde ich in den nächsten Wochen ausgewählte Änderungen näher beleuchten und dabei besonderes Augenmerk auf deren Praxisrelevanz legen. Der folgende erste Teil beschäftigt sich mit dem neu in die Welt der IFRS aufgenommenen Begriff des "highest and best use".

Mit IFRS 13 findet erstmals der sogenannte highest and best use als explizites Bewertungsprinzip den Weg in die Fair Value Ermittlung nach IFRS. War dieser Begriff in der angloamerikanischen Bewertungspraxis bereits als Prinzip der bilanziellen Wertermittlung verankert, so fand er in den IFRS bislang lediglich im Rahmen der Auslegung durch sachverständige Bewerter Berücksichtigung. Eine explizite Nennung oder gar eine Begriffsdefinition suchte man in den IFRS bisher allerdings vergeblich. Mit der neuen Regeleung ist in der Fair Value Ermittlung künftig stets eine Verwendung des zu bewertenden Vermögenswertes entsprechend seines highest and best use zu unterstellen. Dabei ist gerade die Wertermittlung von Grundstücken wesentlich von den Annahmen bezüglich der (potenziellen) Nutzungsmöglichkeiten des zu bewertenden Grundstücks abhängig, eine Erläuterung des Prinzips im Standard daher zu begrüßen. Um abweichende Auslegungen des highest and best use Prinzips künftig zu vermeiden, definiert das IASB in IFRS 13 nun erstmals das highest and best use Prinzip für die Praxis der Fair Value Ermittlung.

Die Bewertung vollzieht sich also unter der Fiktion der vollständigen Ausschöpfung des Nutzenpotentials des zu bewertenden Vermögenswertes. Um der Berücksichtigung bloßer Phantasie in Bezug auf die Vielfalt der Nutzungsmöglichkeiten eine Grenze zu setzen, setzt IFRS 13 dabei die physische, rechtliche und finanzielle Realisierbarkeit der unterstellten Nutzung voraus. Ausgehend vom aktuellen Zustand des Vermögenswertes wird also die Frage gestellt, welche Nutzung unter Beachtung der physischen, rechtlichen und finanziellen Beschränkungen, denen der Vermögenswert unterliegt, möglich und zulässig ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob der optimale Nutzen durch den Bilanzierenden selbst oder durch Veräußerung des Vermögenswertes an einen anderen Marktteilnehmer, der den Vermögenswert optimal nutzen würde, verwirklicht werden könnte. Ausgangspunkt für die Definition des highest and best use ist stets die Perspektive eines typischen Marktteilnehmers.

Nach Auffassung des IASB kann ein Vermögenswert grundsätzlich entweder durch separate Nutzung oder durch Nutzung in Verbindung mit weiteren Vermögenswerten (oder auch Verbindlichkeiten) einen maximalen Nutzen generieren. In letzterem Fall liegt der Fair Value Ermittlung die Fiktion zugrunde, dass jeder Marktteilnehmer, der den zu bewertenden Vermögenswert erwerben würde, auch über die in Verbindung mit diesem genutzten Vermögenswerte und/oder Verbindlichkeiten verfügen würde.  In der Folge ist bei der Ermittlung des Fair Value die jeweils als optimal eingeschätzte Variante (eigenständige Nutzung vs. Nutzung in Verbindung mit anderen Vermögenswerten und/oder Verbindlichkeiten) zu unterstellen, da diese annahmegemäß den highest and best use darstellt.

Angesichts dieser Anforderungen dürfte sich vielen Betroffenen die Frage aufdrängen, in welchem Umfang die aktuelle Verwendung der zu bewertenden Vermögenswerte im Bewertungsfall einer Überprüfung zu unterziehen ist. Befürchtungen, IFRS 13 könnte die Bilanzierenden mit unverhältnismäßig aufwändigen Nachforschungen hinsichtlich der optimalen Nutzung ihrer Vermögenswerte belasten, räumt das IASB jedoch aus, indem der Standard stets eine optimale gegenwärtige Nutzung unterstellt. Eine abweichende Verwendung ist in der Fair Value Ermittlung demzufolge nur dann in Betracht zu ziehen, wenn Marktinformationen oder andere offenkundige Gründe dafür sprechen, dass ein typischer Marktteilnehmer durch abweichende Nutzung eine Nutzensteigerung realisieren könnte.

Letztlich bleibt abzuwarten, in welcher Weise das neue Postulat des highest and best use eine konkrete Wirkung auf die Fair Value Ermittlung und den Bewertungsprozess entfalten wird. Für die Real Estate Industry wird insbesondere in Fällen, in denen die gegenwärtige Nutzung offenkundig vom highest and best use abweicht – z.B. bei Industrieanlagen in guten innerstädtischen Lagen mit alternativen Nutzungspotentialen –, eine explizite Verankerung der zu befolgenden Bewertungsprinzipien im Standard hilfreich sein. Inwieweit IFRS 13 jedoch geeignet sein wird, in umstrittenen Situationen hinsichtlich der einer Fair Value Ermittlung zugrunde zu legenden Nutzung eines Vermögenswertes ein erhöhtes Maß an Klarheit zu schaffen, wird sich wohl erst nach einiger Zeit der Anwendung zeigen.

Ein großer Schritt hin zu einer aussagekräftigeren Bilanzierung

Das IASB hat am 25. August 2011 den Exposure Draft zu Investment Entities veröffentlicht und damit endlich den Kritikern der IFRS-Rechnungslegung Rechnung getragen, die die strikte Anwendung der Konsolidierungsregelungen für bestimmte Investment Entities für nicht sachgerecht halten und eine an den Bedürfnissen der Investoren angelehnte Bilanzierung der Investment Entities bevorzugen.

Der Exposure Draft (ED) sieht vor, dass Investment Entities, die bestimmte Definitionsmerkmale erfüllen, von den Konsolidierungsregelungen des IFRS 10 auf Unternehmen, die diese beherrschen (bzw. auch von den Regelungen des IAS 28 zur At equity-Bewertung der assoziierten Unternehmen) ausgenommen werden. Statt dessen sind diese Investment Entities verpflichtet, die von ihnen gehaltenen Beteiligungen zum fair value through profit or loss (FVTPL) zu bilanzieren und zu bewerten. Diese Bilanzierung kommt der tatsächlichen Steuerung der Investment Entities näher, da diese die Performance ihrer Investments auf Fair value-Basis ermitteln.

Aber nicht alle Investment Entities werden von der Ausnahmeregelung profitieren. Während öffentlich vertriebenen Wertpapier-Publikumsfonds eher keine Probleme haben werden, die Kriterien zu erfüllen, wird die Anwendung insbesondere im Private Equity-Bereich als auch auf Real Estate Fonds komplexere Analysen erfordern. Mehr zum Thema finden Sie hier: IASB proposes to require ‚investment entities‘ to record investments at FVTPL

Der Projektzeitplan sieht das Ende der Kommentierungsfrist am 5. Januar 2012 vor. Derzeit geht das IASB auch noch davon aus, dass der ED bis zum Stichtag der erstmaligen Anwendung des IFRS 10 zum 1. Januar 2013 veröffentlicht und in Kraft ist (derzeit ist die Finalisierung für das 2. Halbjahr 2012 geplant).

Veröffentlichung – Worldwide Real Estate Investment Trust (REIT) Regimes

Die im Juli 2011 veröffentlichte Publikation vergleicht die verschiedenen internationalen REIT-Strukturen und deren aufsichtsrechtlichen Anforderungen. Untersucht wurden u.a. Australien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Japan, Holland, Hongkong, Kanada, UK und USA.

Interessiert? Die Publikation steht für Sie zum Download bereit.

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