AnaCredit – Anordnung der Deutschen Bundesbank zur Umsetzung von AnaCredit in Deutschland

Am 18. Mai 2016 wurde vom EZB-Rat die Verordnung für die Erhebung granularer Kreditdaten durch das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) – Analytical Credit Dataset (AnaCredit) beschlossen (Einzelheiten dazu Regulatory Blog Beitrag: „AnaCredit – Finale Verordnung zum Analytical Credit Dataset der EZB veröffentlicht“ vom 26. Mai 2016).

Die nationale Anordnung der Deutschen Bundesbank, die die Auslegung der europäischen AnaCredit-Vorgaben für Meldepflichtige in Deutschland umfasst, liegt seit Juli 2016 vor (Mitteilung Nr. 8001/2016: Anordnung einer Kreditdatenstatikstik (AnaCredit)).

Kreditinstitute werden Kredite gegenüber juristischen Personen ab 25.000 EUR melden müssen. Eine erste Testmeldung ist in Deutschland für das 2. Halbjahr 2017 vorgesehen, erste Echtdaten-Meldungen sind ab Januar 2018 vorgesehen.

EZB-Verordnung

Aus der finalen EZB-Verordnung vom 18. Mai 2016 werden die folgenden Anforderungen und Details für die AnaCredit-Umsetzung in Deutschland übernommen:

  • Erste vollumfängliche Meldung per September 2018 (die Bundesbank sieht vorgezogene Meldetermine in Deutschland vor!)
  • Meldepflicht für Kredite an juristische Personen ab 25.000 EUR (inkl. umgekehrte Wertpapierpensionsgeschäfte und gegebene Einlagen bei anderen Instituten)
  • Meldung ausschließlich von juristischen Personen, natürliche Personen dürfen nicht gemeldet werden
  • 95 AnaCredit-Attribute (davon 6 Identifier und 89 fachliche Merkmale)

Nationale Anordnung der Deutschen Bundesbank

Im Juli 2016 erfolgte die nationale Anordnung der Deutschen Bundesbank. Diese ist anwendbar für die AnaCredit-Meldepflicht von in Deutschland gebietsansässigen Kreditinstituten sowie gebietsansässigen Zweigniederlassungen ausländischer Kreditinstitute. Die nationale Anordnung sieht die folgenden Auslegungen und Ergänzungen zur europäischen AnaCredit-Verordnung vor:

1. Zeitplanung:

  • Erste Testmeldungen sollen ab dem 2. Halbjahr 2017 erfolgen (nach ersten Indikationen der Deutschen Bundesbank werden ausschließlich Test- und keine produktiven Daten erwartet).
  • Vertragspartner-Stammdaten sind zum Meldestichtag 31.01.2018 erstmals zu melden.
  • Kreditdaten sind erstmalig zum 31.03.2018 meldepflichtig.

 2. Meldeerleichterungen:

  • “Grandfathering”: Für 17 Attribute aus den Dimensionen „Kunden“ und „Vertrag“ entfällt grundsätzlich die Meldepflicht für das Bestandsgeschäft. Kommt es mit einem solchen Kunden zu Neugeschäft ab September 2018, sind entsprechende Attribute des Kunden nachzuerheben und zu melden.
  • Weitere Meldeerleichterungen für einzelne Attribute sind zudem für bestimmte Konstellationen, beispielsweise dem Servicing unterliegende oder ausgebuchte Geschäfte, vorgesehen.
  • Nach Ankündigung der Deutschen Bundesbank werden voraussichtlich 750 kleine Banken lediglich einen reduzierten Umfang melden müssen (kumuliertes Volumen < 2% des nationalen AnaCredit-Volumens; max. 26 Attribute zu melden).

3. Weitere Vorgaben:

  • Kein Verzicht auf die Meldepflicht für Auslandsfilialen bzw. Vermeidung von Doppelmeldungen in der Eurozone vorgesehen (Meldeerleichterungen lediglich bei einzelnen Attributen).
  • Zur Identifikation gleicher Vertragspartner bei unterschiedlichen Banken werden sogenannte nationale Kennungen angefordert. Für deutsche Kunden ist hierfür die jeweilige Registernummer des Handels-, Vereins-, Genossenschafts- oder Partnerschaftsregisters vorgesehen. Bei ausländischen Kunden sind entweder die von der dortigen Zentralbank im Rahmen von AnaCredit festgelegten relevanten nationalen Kennungen (Euro-Zone) oder eine von der EZB festgelegte Kennung (für Kunden außerhalb des Euro-Raums) zu melden.
  • Nach aktuellem Stand sind kein Feedback Loop und keine Rücklieferungen von Daten durch die Bundesbank vorgesehen.

Fazit

Die Bundesbank folgt ihren bisherigen Indikationen und insbesondere der Ankündigung, die erstmaligen Meldetermine deutlich vorzuziehen. Dies verkürzt den Implementierungszeitraum sowohl für deutsche Banken als auch für deutsche Filialen ausländischer Banken um bis zu 8 Monate.

Positiv für deutsche Meldepflichtige ist dagegen der teilweise Verzicht auf die Meldung bestimmter Attribute für das Bestandsgeschäft („Grandfathering“), die sonst wohl zu erheblichen Nacherfassungsaufwänden geführt hätten. Für kleinere Banken (unterhalb der „2%-Grenze“) wurden nach Darstellung der Bundesbank zudem die auf Basis der Verordnung und der Bedarfe der Datennutzer maximal möglichen Meldeerleichterungen gewährt.

Wie die Deutsche Bundesbank werden nun weitere nationale Zentralbanken der Eurozone ihre nationalen Anforderungen definieren und veröffentlichen. Multinational tätige Banken und ihre Auslandsniederlassungen unterliegen somit gegebenenfalls unterschiedlichen Meldezeitpunkten, verschiedenen Meldeumfängen sowie abweichenden Meldeerleichterungen und -ergänzungen je Land und müssen für Filialen in der Eurozone ggf. sogar Doppelmeldungen (im Sitzland der Filiale und im Sitzland der Bank) abgeben.

Für Banken, die über Niederlassungen in mehreren Ländern der Eurozone verfügen, führt dies zur erheblichen Herausforderung, die verschiedenen nationalen Anforderungen in ihrem (ggf. zentralen) Meldewesen umsetzen zu müssen.

Mit Blick auf den verbleibenden Zeitraum bis zur Erstmeldung von AnaCredit sollten insbesondere größere Banken bereits mit der Konzeption der AnaCredit-Umsetzung begonnen haben. Alle anderen Institute sollten spätestens mit dem Vorliegen der nationalen Anordnung eine Analyse bestehender Lücken im Meldewesen durchführen, um ggf. erforderliche Anpassungsbedarfe rechtzeitig zu identifizieren und eine sach- und zeitgerechte Umsetzung zum ersten Meldetermin sicherzustellen.

Mehr zu den Herausforderungen für Banken und das Unterstützungsangebot von PwC finden Sie auf unserer Seite: „Analytical Credit Dataset – das granulare Kreditregister der EZB ab 2017/2018„.

Ihre Ansprechpartner zum Thema AnaCredit bei PwC:

Friedemann Loch

Andrea Glatzel

Sebastian Laurentius Sohn

 

 

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