Das neue Banking Package (Teil 3): Wie Yin und Yang – das Zusammenspiel von MREL und TLAC

Am 15. Februar 2019 hat der Rat der Europäischen Union unter dem rumänischen Vorsitz die finalen Kompromissentwürfe zu allen Reformpaketen, einschließlich CRR II, CRD V, BRRD II, und SRMR II gebilligt. Im dritten Teil unserer Beitragsserie zum Banking Package möchten wir Ihnen die wichtigsten Änderungen zu den Vorgaben zur „Total Loss Absorbing Capacity“ (TLAC) und den „Minimum Requirements for own funds and Eligible Liabilities“ (MREL) vorstellen.

Bereits heute wird deutlich, dass die neuen Vorgaben weiter steigende Anforderungen an die Selektionskriterien und damit an die Granularität des Datenhaushalts und die Automatisierung stellen; höhere Berichtsfrequenzen bis hin zum Ad Hoc-Reporting zeichnen sich bereits am Horizont ab. Gleichzeitig sehen wir aus aktuellen Diskussionen, dass durchaus auch Anpassungen an der Refinanzierungsstruktur notwendig sein können, um die Mindestanforderungen zur Verlustdeckung und Rekapitalisierung im Abwicklungsfall zu erfüllen.

Einleitend ist zunächst festzuhalten, dass die Regelungen zur Sicherstellung der Abwicklungsfähigkeit von Banken, die bislang ausschließlich in der Banking Recovery und Resolution Directive (BRRD) enthalten waren, nun in der CRR II und der BRRD II neu geordnet und ergänzt werden.

Wir stellen Ihnen im Folgenden die Eckpunkte der neuen Vorgaben vor und zeigen Ihnen die wesentlichen Handlungsbedarfe auf.

Strengere Anforderungen an MREL- und TLAC-Verbindlichkeiten

Es wird erkennbar das Ziel verfolgt, die MREL und TLAC-Anforderungen soweit wie möglich zu vereinheitlichen. Um zu regeln, welche Passivpositionen gemäß MREL und TLAC als berücksichtigungsfähige Verbindlichkeiten gelten und somit im Falle einer Abwicklung einem Bail-in unterliegen, werden im neuen Teil 2 Titel 1 Kapitel 5a CRR II einheitliche Erläuterungen und Definitionen eingeführt. So enthält Art. 72b CRR II Regelungen, die sich in ihrem Aufbau und teilweise auch hinsichtlich der einzelnen Kriterien an den Vorgaben für Kapitalinstrumente (vgl. dazu Regulatory Blog Beitrag: „Das neue Banking Package (Teil2): Eigenmittel und Konsolidierung – wirklich nur marginale Änderungen?“ vom 29. Februar 2019)  orientieren, was punktuell zu Verschärfungen gegenüber den bisherigen Anforderungen führt. Analog den Kapitalinstrumenten ist bspw. für den Rückkauf oder die Tilgung von berücksichtigungsfähigen Verbindlichkeiten die vorherige Zustimmung der Aufsicht einzuholen. Darüber hinaus dürfen diese Verbindlichkeiten – durchaus sachgerecht – nicht Gegenstand einer Aufrechnungs- oder Nettingvereinbarung sein, die die Verlusttragung im Abwicklungsfall aushebelt. Daraus folgen zusätzliche Anforderungen an die Vertragsgestaltung sowie an die Datenhaltung bezüglich dieser Instrumente.

Drittstaatenemissionen müssen zudem eine explizite Bail-in-Klausel beinhalten (Art. 55 Abs. 1 BRRD).

Bestätigt wird der bereits bekannte Ausschluss von Derivaten sowie für TLAC von strukturierten Darlehen oder Wertpapieren aus den berücksichtigungsfähigen Verbindlichkeiten.

Ebenfalls eingehend diskutiert, gilt nun, dass sogenannte TLAC Holdings, also Investitionen in berücksichtigungsfähige Verbindlichkeiten global systemrelevanter Institute (G-SII) gemäß Art. 72e ff. CRR II von den eigenen berücksichtigungsfähigen Verbindlichkeiten abzuziehen sind. Inwieweit eine solche Behandlung auch auf TLAC/MREL-Holdings von und an O-SIIs ausgeweitet werden soll, wird Gegenstand eines von der EBA bis drei Jahre nach Inkrafttreten der CRR II zu erstattenden Berichts sein (Art. 504a CRR II).

MREL und TLAC – zusätzliche Mindestanforderungen mit möglichem Einfluss auf die Refinanzierungsstruktur von Instituten

Hinsichtlich der einzuhaltenden Mindestanforderungen werden die Kennzahlen MREL und TLAC unterschiedlich behandelt. Die TLAC wird als Säule-1-Anforderung für alle G-SII gemäß CRR II verbindlich. Nach Ablauf einer dreijährigen Übergangsphase soll die TLAC-Quote ab 2022 bei mindestens 18% der risikogewichteten Aktiva (RWA) und 6,75% des Leverage Ratio Exposures liegen (Art. 92a CRR II). Diese Vorgaben gelten auch für wesentliche EU-Töchter von außereuropäischen G-SIIs, die gemäß Art. 92b CRR II mindestens 90% der genannten Mindestanforderungen einhalten müssen.

Demgegenüber wird die MREL-Quote weiterhin institutsindividuell von der Abwicklungsbehörde auf Basis des Abwicklungsplans festgelegt. Die Regelungen dazu verbleiben im Wesentlichen in der BRRD II, werden allerdings konkretisiert. Als Bezugsgröße für die Festlegung und Messung gelten nun die RWA und das Leverage Ratio Exposure, anstelle der Gesamtverbindlichkeiten, welche als interne Zielgröße weiterhin durchaus von Relevanz sein kann. Für Institute, die gemäß Abwicklungsplan nach den Vorgaben der BRRD II und nicht in einem normalen Insolvenzverfahren abgewickelt werden können, soll die festzulegende Mindestanforderung der Höhe nach die Verlustabsorption sowie ggf. die Rekapitalisierung der nicht abwickelbaren Unternehmensteile sicherstellen. Die genaue Aufteilung von Verlustabsorption und die Rekapitalisierungsquote ist Gegenstand einer Unternehmensbewertung, unter Berücksichtigung möglicher Abwicklungsbausteine, bspw. der Nutzung eines Brückeninstituts. Über diesen Betrag hinaus kann die Abwicklungsbehörde gemäß Art. 45c Abs. 3 BRRD II einen zusätzlichen Puffer (“Market Confidence Buffer“ bzw. Marktvertrauenspuffer) für die Absorption zusätzlich möglicher Verluste oder die Wiederherstellung des Marktvertrauens festlegen. Dabei sollen die jeweils festgelegten Beträge den kombinierten Kapitalpuffer (exkl. antizyklischem Puffer) nicht übersteigen. Grundsätzlich gilt damit, dass die MREL-Mindestanforderung maximal der zweifachen Mindestkapitalanforderung inklusive einer etwaigen Säule-2-Anforderung („P2R“), zuzüglich eines Puffers für das Marktvertrauen, entspricht.

Zusätzliche MREL-Anforderungen in Form eines „Subordination Requirement“ bestehen für sogenannte „Top Tier Banken“ (Bilanzsumme > 100 Mrd. Euro), die ab 2022 eine MREL-Mindestanforderung von 13,5% der RWA und 5% des Leverage Ratio Exposures als feste Säule-1-Anforderung analog TLAC unter Nutzung von nachrangigen Instrumenten einhalten müssen. Es liegt gemäß Art. 45c Abs. 3b) BRRD II im Ermessen der Abwicklungsbehörde, diese Mindestanforderung auch auf „Non Top Tier Banken“ anzuwenden. Ein maßgebliches Kriterium dabei ist, ob die Gesellschaften im Falle eines Ausfalls ein systemisches Risiko darstellen. G-SIIs, Top-Tier-Banken und systemisch riskante Institute müssen zudem ein Subordination Requirement von 8% der Gesamtverbindlichkeiten und Eigenmittel (TLOF) einhalten, das von der Aufsicht ggf. nach unten angepasst werden kann.

Insgesamt führen diese verschiedenen Blickwinkel (RWA, Leverage Ratio Exposure, TLOF) und abgestuften Anforderungen zu einer deutlich erhöhten Komplexität bei der Steuerung der Passivseite.

Relevanz für die Bestimmung des Maximum Distributable Amounts

Sowohl MREL als auch TLAC wirken sich auf die Bestimmung des Maximum Distributable Amount (MDA) aus und werden damit zu Bausteinen einer vollständigen Kapitalplanung. Wesentlich ist hier, dass das CET1, das zur Deckung dieser Anforderungen benötigt wird, nicht zur Anrechnung auf die Kapitalpuffer zur Verfügung steht, was zu Einschränkungen bei Ausschüttungen und Boni führen kann. Die Befugnis der Abwicklungsbehörde, bestimmte Ausschüttungen zu untersagen, ist in Art. 16a BRRD II kodifiziert. Implizit bedeutet dies, dass die dargelegten MREL-Anforderungen (zweimal Mindestkapitalanforderung inkl. P2R + Marktvertrauenspuffer) sich nochmals um den kombinierten Kapitalpuffer erhöhen.

Steigende Melde- und Offenlegungsanforderungen

Die Reporting-Anforderungen für TLAC sind künftig in Art. 99 Abs. 1 CRR II – zusammen mit den COREP-Anforderungen – festgelegt. Details zu Meldeinhalten, -formaten und -frequenz sind der Regelung durch einen Implementing Technical Standard vorbehalten. Dies ist ein weiterer Schritt in der Weiterentwicklung des Abwicklungsreportings in Richtung eines Standard-Meldewesens.

Meldeanforderungen für MREL ergeben sich aus Art. 45i BRRD II und beinhalten eine mindestens halbjährliche Meldepflicht für das Volumen MREL-fähiger Passiva und eine mindestens jährliche Meldepflicht für Zusammensetzung, Insolvenzrang und Fälligkeiten. Ein erster Wurf von Meldeformularen liegt mit der Durchführungsverordnung (EU) 2018/1624 der Kommission vom 23. Oktober 2018 bereits vor, die auch bereits als Grundlage für eine MREL-Regelmeldung für LSIs (vgl dazu Regulatory Blog Beitrag: „MREL-Regelmeldung für LSIs und Ad Hoc-Reporting gemäß MaBail-in – neue Melde-Herausforderungen für Institute“ vom 31. Januar 2019) genutzt werden. Insbesondere die in der BRRD II geforderten jährlichen Detailangaben dürften aber eine Weiterentwicklung dieser Templates erforderlich machen.

Für TLAC-Angaben ist gemäß Art. 433a CRR II eine mindestens halbjährliche Offenlegung vorgesehen, die sich stark an den Vorgaben für Eigenmittel orientiert. Besonders das „main features“-Template verdient dabei aufgrund der potenziell deutlich höheren Anzahl von Instrumenten künftig erhöhte Aufmerksamkeit. Für MREL-Angaben sieht Art. 45i BRRD II eine mindestens jährliche Offenlegung vor.

Bekannte Kennzahlen für EZB-beaufsichtigte Institute, neue Kennzahlen für BaFin-beaufsichtigte Institute – mit insgesamt steigenden Anforderungen an den Datenhaushalt und ergänzenden Anforderungen an die Steuerung der Passivseite

Um den individuell bzw. gesetzlich vorgegebenen Mindestanforderungen gerecht zu werden, empfehlen wir, die neuen Anforderungen frühzeitig in der Refinanzierungsplanung zu berücksichtigen. Darüber hinaus sollte die Pflicht zur Abgabe einer MREL-Meldung, die sich mit der aus Reporting-Perspektive bislang eher unterrepräsentierten Passivseite befasst, nicht unterschätzt werden. Auch über die Abgabe einer Erstmeldung zum 31. Mai 2019 hinaus erfordert diese neue Regelmeldung eine zielgerichtete Analyse und möglichst standardisierte und automatisierte Prozesse. Dies empfiehlt sich nicht zuletzt vor dem Hintergrund der in den MaBail-in geforderten Ad Hoc-Meldefähigkeit.

Sie haben Fragen zu den Änderungen im Detail? Gerne unterstützen wir Sie bei der weiteren Aufarbeitung der für Sie relevanten Themen und der Analyse der Auswirkungen auf Ihr Institut. Sprechen Sie uns einfach an.

 

 

Dr. Matthias Maucher

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