Finalisierung von Basel III oder Basel IV: Die nächste Generation der risikogewichteten Aktiva – Teil II: CVA, operationelle Risiken und Floor-Regelungen

Am 7. Dezember 2017 hat der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) die neuen Regelungen zur Ermittlung von risikogewichteten Aktiva finalisiert (Regulatory Blog Beitrag: „Basel IV Big Bang oder Basel III End Game: Neue Basel IV-Regeln zwingen Banken zur Überprüfung ihrer Unternehmensstrategie“ vom 07. Dezember 2017). Im Folgenden wird ein Überblick über die wesentlichen Neuerungen im Vergleich zu den jeweiligen Konsultationspapieren aus Basel bzw. den aktuell geltenden Regelungen der CRR gegeben.

In Teil I unseres Beitrag haben wir die Änderungen vorgestellt, die den Kreditrisikostandardansatz (KSA) und den auf internen Ratings basierenden Ansatz (IRBA) betreffen („Finalisierung von Basel III oder Basel IV: die nächste Generation der risikogewichteten Aktiva – Teil I: KSA und IRBA“ vom 08. Januar 2018). Der zweite Teil unseres Beitrags erläutert die Änderungen im Zusammenhang mit der CVA Risk Capital Charge, den operationellen Risiken und den Floor-Regelungen.

CVA Risk Capital Charge

Das neue Baseler Rahmenwerk zur Bestimmung der aufsichtsrechtlichen CVA Risk Capital Charge (BCBS 325) wurde im Jahre 2015 mit insgesamt drei Ansätzen (IMA-CVA, SA-CVA und BA-CVA) für die Konsultation freigegeben. Nach Durchführung der Konsultation sowie weiterer Auswirkungsstudien entschloss der Baseler Ausschuss sich dazu, den IMA-CVA-Ansatz aus dem CVA-Rahmenwerk zu streichen. Mit Veröffentlichung des finalen CVA-Rahmenwerks steht nun fest, dass der Ausschuss an diesem Plan festgehalten hat und die Ermittlung der CVA Risk Capital Charge entweder auf Basis des SA-CVA oder des BA-CVA-Ansatzes erfolgen muss. Darüber hinaus hat der Baseler Ausschuss die Ergebnisse der im Februar 2016 durchgeführten Auswirkungsstudie zum Anlass genommen, die Kalibrierung des finalen BA-CVA-Ansatzes anzupassen. Einerseits werden die im Rahmen der besagten Studie vorgegebenen Risikogewichte beibehalten, die deutlich unter denen des Konsultationspapiers liegen sowie ein weiteres Bucket zur Abfrage „anderer Sektoren“ eingeführt. Andererseits wurde der sogenannte Beta-Faktor angepasst, was zu einer weiteren Reduktion der Kapitalanforderungen führt.

Weitere nennenswerte Änderungen innerhalb des finalen CVA-Rahmenwerks basieren auf dem Proportionalitätsgedanken. So enthält das finale CVA-Rahmenwerk eine Materialitätsschwelle zur vereinfachten Festlegung der regulatorischen CVA-Kapitalanforderung für Banken mit nicht-signifikanten Derivate-Portefolien. Demnach dürfen Institute, deren nicht-zentral-geclearte Derivate ein Nominalvolumen von (brutto) bis zu 100 Mrd. EUR aufweisen, ihre regulatorische CVA- Kapitalanforderung pauschal mit jenem risikogewichteten Kapitalbetrag gleichsetzen, der für das Gegenparteiausfallrisiko bestimmt wird. Sofern von diesem Wahlrecht Gebrauch gemacht wird, dürfen risikomindernde Effekte aus dem Hedging keine Berücksichtigung finden. Ferner unterliegt bei Ausübung des Wahlrechtes das gesamte Portfolio der hier beschriebenen Behandlung.

Auch die Anpassungen innerhalb des BA-CVA in seiner Rolle als Standardansatz, dessen Anwendung im Gegensatz zum SA-CVA nicht die Zustimmung einer Aufsichtsbehörde erfordert, basieren auf der Proportionalität. So stellt der Baseler Ausschuss den Instituten, die ihre CVA-Risiken gezielt nicht absichern, eine reduzierte und somit vereinfachte BA-CVA-Formel zur Verfügung, in der Hedging-Transaktionen entsprechend keine Berücksichtigung finden.

Operationelle Risiken

Mit dem „Standardansatz für das operationelle Risiko“ wurden beide Vorhaben des Baseler Ausschusses – die Zusammenführung der beiden bisherigen Ansätze (Basisindikator- und Standardansatz) sowie die Abschaffung des fortgeschrittenen Messansatzes (AMA) – final umgesetzt. Die Funktionsweise basiert weiterhin auf dem im ersten Konsultationspapier (BCBS 291) eingeführten Grundprinzip des Business Indicator (BI), der einem größenabhängigen Bucket zugeordnet wird. Im Vergleich zum zweiten Konsultationspapier (BCBS 355) reduziert sich die Anzahl der Buckets von fünf auf drei. Auch bei der Berechnung der einzelnen Bestandteile des BI wurden Anpassungen vorgenommen (u.a. Herabsetzung des Faktors für verzinsliche Aktiva von 3,25 auf 2,25 Prozent). Die Formeln wirken insgesamt übersichtlicher, teilweise allerdings zu Lasten möglicher Erleichterungen, wie beispielsweise für provisionsabhängige Geschäftsmodelle.

Den drei Buckets sind feste Koeffizienten zugeordnet, aus deren Multiplikation mit dem jeweiligen BI die BI Komponente resultiert. Die Eigenmittelanforderungen für Banken in Bucket 1 entsprechen denen der BI Komponente. Bei Banken in den Buckets 2 und 3 ergeben sich die Eigenmittelanforderungen aus der Multiplikation der BI Komponente mit dem Multiplikator interner Verluste (ILM). Den nationalen Aufsichtsbehörden wird in diesem Zusammenhang ein Wahlrecht eingeräumt, auch von den Instituten in Bucket 1 die Berücksichtigung historischer Verlustdaten zu verlangen – oder den Banken selbst ein Wahlrecht zu gewähren.

Für alle Banken, die bisher kein internes Verfahren (AMA) verwendet haben und zukünftig in Bucket 2 oder 3 fallen, werden die neuen Regelungen zu komplexeren Berechnungen der OpRisk-Anforderungen führen. Neben den qualitativen Anforderungen an Verlustdaten, die umfangreiche Datenerhebungen und Analysen voraussetzen, definiert der Baseler Ausschuss in BCBS 424 entsprechende Offenlegungspflichten in Bezug auf die internen Verlustdaten. Für diese Banken wird sich durch den neuen Ansatz erstmalig ein effektives OpRisk-Management auf die Kapitalanforderungen positiv auswirken und somit kompensierend zu den tendenziell steigenden Anforderungen aufgrund der neuen Systematik wirken. Die größten Auswirkungen auf die Kapitalanforderungen werden sich allerdings voraussichtlich für diejenigen Banken ergeben, die aktuell den AMA nutzen. Hier ist insbesondere aufgrund der vorgegebenen einheitlichen Ermittlung des BI eine deutliche Erhöhung der Kapitalanforderungen zu erwarten.

Floor-Regelung und Inkrafttreten

Ursprünglich wurde der Capital Floor im Rahmen von Basel II (2007) mit dem Ziel eingeführt, dass die Banken auch bei Nutzung interner Modelle zumindest 80% der sich nach Basel I ergebenden Eigenmittel vorhalten sollten. Die nun veröffentlichten Basel IV-Reformen sehen vor, dass der Basel I-Floor durch einen aggregierten Capital Floor (ein Floor für die Summe der RWAs aller Risikokategorien) ersetzt wird. Dieser soll sicherstellen, dass die mit internen Modellen ermittelten RWA nicht geringer als ein bestimmter Prozentsatz der mittels der Standardansätze berechneten RWA sind. Damit wird der Spielraum begrenzt, über den die Banken bei der Ermittlung von Kapitalanforderungen auf Basis interner Modelle verfügen. Durch die Einführung des überarbeiteten Capital Floors soll die Vergleichbarkeit der Kapitalanforderungen zwischen den Banken erhöht und die Glaubwürdigkeit in die RWA-Berechnungen der Banken gestärkt werden.

Es ist vorgesehen, dass das neue Rahmenwerk ab dem 1. Januar 2022 anzuwenden ist. Den Banken werden ab der Erstanwendung Übergangsregelungen für den Capital Floor gewährt: Ausgehend von einem aggregierten RWA-Floor von 50% im Jahr 2022 steigt der Floor jährlich um 5% bis Ende 2026. Der schrittweise Anstieg endet im Jahr 2027; zum 1.Januar 2027 wird der Capital Floor nochmal um weitere 2,5% angehoben und erreicht dann die finale Höhe von 72,5%.

Bei der Anwendung des Capital Floors sind die folgenden Standardansätze einzubeziehen:

  • Kreditrisiko: KSA inkl. Berücksichtigung aufsichtlicher Haircuts für die Kreditrisikominderung,
  • Kontrahentenrisiko: SA-CCR,
  • CVA: SA-CVA, Basis-CVA oder 100% der Kapitalanforderungen für das Kontrahentenrisiko,
  • Verbriefungen: Auf externen Ratings basierender Ansatz (SEC-ERBA), SEC-SA oder ein Risikogewicht von 1.250%,
  • Marktrisiko: FRTB-SA,
  • OpRisk: SA für das operationelle Risiko.

Die finale Höhe der Eigenkapitalanforderungen der Bank ergibt sich schließlich aus dem Maximum der RWA gemäß der genutzten Standard- und interne Modelle-Ansätze des Instituts sowie der RWA nach Anwendung des Capital Floors.

Ausblick

Mit der Veröffentlichung der finalen Basel IV Regelungen geht eine lange und kontrovers geführte Debatte zu Ende. Endlich herrscht für die betroffenen Banken Klarheit, wie die neuen Regelungen aussehen werden und ab wann mit der Einführung zu rechnen ist.

Auch wenn das Jahr 2022 noch in der Ferne zu liegen scheint, ist daher jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um sich im Rahmen von Proberechnungen Gewissheit über die Auswirkungen der neuen Regelungen auf das eigene Portfolio zu verschaffen. Zudem dürften in vielen Häusern in 2018 Vorstudien oder Umsetzungsprojekte für das neue Verbriefungsrahmenwerk (Regulatory Blog: „Basel IV-Channel – Episode 25: Update – Neue Anforderungen an die Behandlung von Verbriefungen Teil I“  vom 23. November 2017 oder die CRR II  (dazu auch Regulatory Blog: „EU Kommission veröffentlicht Entwürfe zu CRD V, CRR II und BRRD – Teil 1: Finalisierung von Basel III“ vom 25. November 2016) anlaufen. Auch hierbei macht es Sinn, die Auswirkungen der Basel IV Regelungen mit zu bedenken, um beispielsweise Schnittstellen oder Datenanforderungen an Tochterunternehmen nicht zweimal anpassen zu müssen.

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