Baseler Ausschuss überarbeitet die Offenlegungsanforderungen für die Leverage Ratio

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat am 13. Dezember 2018 ein Konsultationspapier zur Überarbeitung des bestehenden Offenlegungsrahmenwerkes für die Leverage Ratio veröffentlicht (BCBS 456). Dieses ist Teil der umfassenden Anpassungen der Anforderungen an die Leverage Ratio im Rahmen der Finalisierung von Basel III bzw. Basel IV (BCBS 424). Durch das Konsultationspapier möchte der BCBS insbesondere dem sogenannten „window-dressing“-Verhalten der Institute entgegenwirken. Hierbei wird durch arbiträres Verhalten rund um den Meldestichtag die Leverage Ratio „schön gerechnet“, sodass eine höhere Verschuldungsquote gemeldet werden kann.

Hintergrund

Mit der Einführung der Leverage Ratio im Rahmen von Basel III wurde für Institute die Ermittlung einer nicht-risikosensitiven Kennzahl zur Begrenzung einer übermäßigen Verschuldung erforderlich. Die Regelungen schreiben neben der Einhaltung einer Mindestquote von 3% sowie zzgl. eines Puffers für global systemrelevante Institute umfangreiche Anforderungen an die Meldung und die Offenlegung der Verschuldungsquote sowie der einzelnen Komponenten vor. Vor dem Hintergrund der vierteljährlichen Melde- und Offenlegungsstichtage ist der BCBS auf die erhöhte Volatilität in den Geld- und Derivatemärkten rund um die Berichtsstichtage aufmerksam geworden, welche die Institute möglicherweise zu Arbitragehandlungen verleitet. Demnach ist es möglich, dass die Institute das Transaktionsvolumen auf wichtigen Geld- und Derivatemärkten zu den Berichtsstichtagen reduzieren und sich somit die Gesamtrisikopositionsmessgröße der Leverage Ratio verringert. In der Folge kann so temporär eine erhöhte, nicht dem tatsächlichen Wert entsprechende, Verschuldungsquote ausgewiesen werden. Der BCBS spricht bei diesem Verhalten von einem sogenannten „window-dressing“, bei welchem die Leverage Ratio zur Einhaltung der Mindestquote von 3% zu den jeweiligen Melde- und Offenlegungsstichtagen „schön gerechnet“ wird. Dieses Verhalten ist jedoch seitens des BCBS nicht gewünscht, da es die mit der Einführung der Leverage Ratio beabsichtigen aufsichtsrechtlichen und politischen Ziele beeinträchtigt und die Finanzmärkte zusätzlichen Risiken ausgesetzt werden (vgl. BCBS Newsletter: Statement on leverage ratio window-dressing behavior; 18.Oktober 2018). Als Reaktion auf dieses Verhalten konsultiert der BCBS nun die vorgeschlagenen Lösungsansätze für die Überarbeitung der Offenlegungspflichten (Säule III) der Leverage Ratio.

Erhöhte Offenlegungsanforderungen an die Leverage Ratio

Neben den bereits bestehenden Anforderungen an die vierteljährliche Offenlegung der einzelnen Komponenten der Leverage Ratio schlägt der BCBS in dem Konsultationspapier vor, dass die Institute zukünftig die Beträge der folgenden drei Positionen jeweils als Durchschnitt der im Quartal beobachteten Tageswerte offenlegen sollen:

  • Angepasste Bruttobuchwerte für Wertpapierfinanzierungsgeschäfte, welche für Rechnungslegungszwecke anrechenbar sind
  • Aktuelle Wiederbeschaffungskosten („Replacement Costs“) für derivative Positionen
  • Zentralbankreserven, welche in bilanziellen Positionen enthalten sind

Die zusätzlichen Offenlegungsanforderungen sind in den Templates LR2 „Leverage Ratio common disclosures template“ sowie KM1 „Key Metrics (at consolidated group level)“ integriert. Darüber hinaus sind die wichtigsten Faktoren, welche die Änderung zwischen den beschriebenen Durchschnittswerten und den Quartalsendwerten erläutern, offenzulegen.

Insgesamt bezieht sich das Konsultationspapier zwar nur auf drei spezifische Komponenten der Gesamtrisikopositionsmessgröße der Leverage Ratio, für welche ein „window-dressing“-Verhalten vermutet wird, jedoch ist für die Zukunft nicht ausgeschlossen, dass der BCBS die Offenlegungspflichten auch auf weitere Komponenten ausweitet. Ferner bringt der BCBS aktuelle Überlegungen hinsichtlich einer möglichen Überarbeitung der Säule I-Anforderungen für die Berechnung der Leverage Ratio zum Ausdruck, um so einen weiteren Beitrag zum Verhindern des „window-dressing“-Verhaltens von Instituten zu leisten.

Fazit und Ausblick

Die Konsultation sowie der Aufruf zu einer aktiven Teilnahme an dieser richtet sich primär an international agierende Institute, gewährt jedoch auch anderen Interessengruppen die Möglichkeit einer Stellungnahme. Hierbei sollen Einschätzungen hinsichtlich möglicher Auswirkungen der überarbeiteten Offenlegungsanforderungen und deren Wirksamkeit für die Reduktion des „window-dressing“-Verhaltens der Institute geäußert werden. Ferner erhofft sich der BCBS Rückmeldungen zu der Frage zu erhalten, ob die vorgeschlagene Offenlegung der Durchschnittswerte für die Zentralbankreserven die Bereitschaft der Banken beeinflusst, Zentralbankliquiditätsfazilitäten in Anspruch zu nehmen. Rückmeldungen zur Konsultation sind bis zum 13. März 2019 möglich. Die Umsetzung der neuen Regelungen für international agierende Banken ist spätestens zum 1. Januar 2022 geplant.

Sie haben Fragen zu den Änderungen im Detail? Gerne unterstützen wir Sie bei der weiteren Aufarbeitung des Konsultationspapiers und der Analyse der Auswirkungen für Ihr Institut. Sprechen Sie uns einfach an.

 

 

 

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