Das neue Banking Package (Teil 6): Was bringt der neue Standardansatz? Das Stelldichein für den SA-CCR

Am 15. Februar hat der Rat der Europäischen Union die finalen Entwürfe zur Änderung des Banking Package, darin unter anderem die finalen Entwürfe der CRR II und der CRD IV gebilligt. Der 6. Teil unserer Beitragsserie zum Banking Package stellt Ihnen die Neuerungen im Bereich der Kontrahentenrisiken vor und geht hierbei auf die neuen Methoden zur EAD Ermittlung bei Derivaten (SA CCR), die Änderungen im Bereich der RWA-Berechnung von zentral geclearten Geschäften, sowie die CVA Risk Capital Charge ein.

Grundsätzlich werden mit der Einführung der neuen Methoden zur EAD Ermittlung deutlich risikosensitivere Ansätze im Vergleich zu den heutigen Standardverfahren eingeführt. Die CRR II trägt hierbei dem Proportionalitätsgedanken Rechnung und führt neben dem SA-CCR selbst zwei weitere vereinfachte Verfahren ein – den Simplified SA-CCR und eine überarbeitete Ursprungsrisikomethode – welche durch Banken mit kleineren Derivateportfolien verwendet werden können.

Im Hinblick auf Credit Valuation Adjustments (CVA) ist zu bemerken, dass die Empfehlungen der EBA, die von der CVA Risk Capital Charge ausgenommenen Geschäfte an die Baseler Regelungen anzupassen, nicht übernommen wurden. Es gibt somit keine Änderungen im Anwendungsbereich im Vergleich zur aktuell gültigen CRR und es gelten in der EU weiter gefasste Ausnahmeregelungen im Einklang mit EMIR.

Zuletzt wurde auch die Berechnungsmethodik für die RWA-Ermittlung für zentral geclearte Geschäfte angepasst und somit die Baseler Vorgaben umgesetzt.

Für die Änderungen im Bereich Kontrahentenrisiken gelten die allgemeinen Vorschriften für das Inkrafttreten und der Anwendung der CRR II. Somit sind diese zwei Jahre nach Inkrafttreten der CRR II verbindlich.

Schwellenwerte für die Anwendung des SA-CCR

Gemäß dem Proportionalitätsgedanken werden in Abhängigkeit der Größe des Derivateportfolios folgende Schwellenwerte für die Anwendung vereinfachter Methoden zur Berechnung des EADs für Derivate eingeführt (zum Vergrößern bitte Grafik anklicken).

Schwellenwerte für die Anwendung des SA-CCR

Abb. 1: Schwellenwerte für die Anwendung des SA-CCR

Die Schwellenwerte wurden dabei im Laufe des Konsultationsprozesses angehoben. Somit haben mehr Institute die Möglichkeit, vereinfachte Verfahren zur Berechnung des EADs für Derivate zu verwenden. Für die Bewertung der Größe des Derivateportfolios werden die am letzten Tag des Monats verfügbaren Marktwerte bzw. Fair Values herangezogen. Dabei ist es nicht gestattet, Geschäfte einzugehen, die lediglich zur Einhaltung der Schwellenwerte getätigt wurden. Darüber hinaus können auch Institute, welche die Schwellenwerte auf Einzelinstitutsebene überschreiten, vereinfachte Methoden anwenden, sofern die Schwellenwerte auf konsolidierter Gruppenebene nicht überschritten werden.

Methoden für die EAD-Berechnung

Mit der CRR II werden insgesamt drei neue Methoden zur EAD-Berechnung für Derivate eingeführt und damit alle bisher bestehenden Standardmethoden (Marktbewertungsmethode, Standardmethode sowie die Ursprungsrisikomethode in ihrer heutigen Form) ersetzt. Die Anwendung der internen Modelle Methode (IMM) ist weiterhin zulässig.

Mit der Einführung des SA-CCR werden die Baseler Vorgaben (BCBS279) in EU-Recht übernommen. Der SA-CCR ist dabei durch sämtliche Institute anzuwenden, die über ein Derivateportfolio größer als die oben angegebenen Schwellenwerte verfügt, kann aber auch optional durch Institute verwendet werden, für welche sich ein ökonomischer Vorteil ergibt.

Eine weitere Detaillierung der Baseler Anforderungen findet sich insbesondere in dem Mandat der EBA wieder, Entwürfe für Regulatory Technical Standards für die folgenden Bereiche zu erarbeiten:

  • Draft Regulatory RTS für Positionen zur Identifikation der primären Risikotreiber
  • Draft Regulatory RTS für die Bestimmung des Supervisory Deltas

Die EBA muss die Entwürfe für die RTS bis zu sechs Monate nach Inkrafttreten der CRR II vorlegen, wobei erste Diskussionspapiere hierzu von Seiten der EBA bereits im Dezember 2017 veröffentlicht wurden.

Institute, die ein Derivateportfolio innerhalb der oben beschriebenen Schwellenwerte aufweisen und für die sich kein ökonomischer Vorteil durch die Anwendung des Full SA CCR ergibt, können den sogenannte Simplified SA-CCR anwenden, welcher durch die EU vor dem Hintergrund der Proportionalität eingeführt wird und sich nicht in den Baseler Vorgaben wiederfindet.  Die Struktur entspricht grundlegend dem SA-CCR, jedoch wird für einzelne Parameter ein konstanter Wert gesetzt und die Anrechenbarkeit von Sicherheiten eingeschränkt, so dass diese Methode zwar etwas einfacher ist, jedoch zu einer geringeren Risikosensitivität und damit zu höheren EADs und zu höheren Kapitalanforderungen führen wird. Wir empfehlen daher genau zu untersuchen, ob die Erleichterungen in der Umsetzung die möglichen ökonomischen Nachteile überwiegen oder ob die Anwendung des Full SA CCR in Frage in kommt.

Für Institute mit einem Derivatevolumen unterhalb der vorgegebenen Schwellenwerte wird eine modifizierte Ursprungsrisikomethode zur Verfügung gestellt, welche mit der aktuellen Marktbewertungsmethode vergleichbar ist. Im Laufe der Konsultation wurde hierbei der Umfang der möglichen Produkte für die Anwendung der Ursprungsrisikomethode erweitert, so dass diese allen Instituten mit einem Derivateportfolio unterhalb der vorgegebenen Schwellen zur Verfügung steht – unabhängig von der Art des Derivats. Für die Berechnung des EADs müssen lediglich die Wiederbeschaffungskosten berechnet werden und die Nominalwerte mit den entsprechenden Volatilitätsraten der jeweiligen Asset-Klasse multipliziert werden. Der Berechnungsaufwand und die Datenanforderungen sind dementsprechend deutlich geringer als in den vorgenannten Ansätzen.

Für eine detaillierte Beschreibung der einzelnen Ansätze möchten wir Sie auch gerne auf unsere Basel IV Homepage und unseren Youtube Channel verweisen.

Geschäfte mit zentralen Gegenparteien

Im Bereich der RWA-Berechnung für Geschäfte mit zentralen Kontrahenten, werden im Zuge der CRR II ebenfalls die Vorgaben des Baseler Ausschuss (BCBS 282) in EU-Recht umgesetzt, wodurch sich insbesondere Vereinfachungen für direkt geclearte Geschäfte im Verhältnis Clearing Member gegenüber einem CCP ergeben. So existiert zukünftig nur noch eine Methode zur RWA-Ermittlung für Exposure gegenüber qualifizierten CCP, wobei insbesondere die Berechnung der Kapitalanforderungen für vorfinanzierte Beiträge zum Ausfallfonds angepasst wurde. Ferner entfällt in der Berechnungsmethodik für Beiträge zum Ausfallfonds einer nicht qualifizierten zentralen Gegenpartei ein konstanter Faktor, wodurch die Eigenmittelanforderungen insgesamt sinken werden.

Hinsichtlich der Geschäfte zwischen Clearing Member und Kunden wird die Nachschuss-Risikoperiode an die neuen Methoden zur EAD Berechnung angepasst, die bislang anzuwendenden Skalare für die EAD-Ermittlung entfallen damit.

Schlussendlich werden die Bedingungen für die Anwendung eines präferierten Risikogewichts (2% / 4%) für Institute, die als Kunden von Clearing-Mitgliedern auftreten, vereinfacht bzw. an die Praxis angepasst. Zukünftig ist, anstelle eines unabhängigen schriftlichen Rechtsgutachtens über die Verlustfreiheit eines Kunden im Insolvenzfall eines Clearing-Mitglieds, ein Rückgriff auf einen entsprechenden Präzedenzfall zulässig. Entsprechend sollten Institute, welche die präferierten Risikogewichte von 2% und 4% nicht anwenden, überprüfen, ob zukünftig eine Anwendung unter diesen Regelungen möglich wäre.

Sollten Sie Fragen zu den Änderungen im Detail haben, unterstützen wir Sie gerne bei der weiteren Aufarbeitung des Entwurfs und der Analyse der Auswirkungen für Ihr Institut. Sprechen Sie uns einfach an.

 

 

Jasmin Pandya

Telefon:+49 69 9585 2861

jasmin.pandya@pwc.com

 

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