EBA-Konsultation zu RTS zur Homogenität der einer Verbriefung zugrundeliegenden Exposures nach dem neuen Verbriefungsrahmenwerk

Die EBA hat am 15. Dezember einen Entwurf für einen technischen Regulierungsstandard (RTS) zur Homogenität der Underlyings einer Verbriefung veröffentlicht (Draft RTS on the homogeneity of the underlying exposures in securitisation under Art. 20(14) and 24(21) of [Regulation (EU) XXX/201X … laying down a general framework for securitisation and creating a specific framework for simple, transparent and standardised securitisation] (EBA/CP/2017/21)). Der RTS spezifiziert, welche Anforderungen der einer Verbriefung zugrundeliegende Asset-Pool an die Homogenität dieser Assets erfüllen muss, um als einfache, transparente, standardisierte Verbriefung (STS-Verbriefung) gemäß der neuen europäischen Verbriefungsverordnung (EU-VVO) eingestuft werden zu können.

Hintergrund

Am 28. Dezember 2017 wurde die neue Verordnung zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für Verbriefungen und zur Schaffung eines spezifischen Rahmens für STS Verbriefung (VO (EU) 2017/2402) im EU Amtsblatt veröffentlicht. Die neue Verordnung tritt am 1. Januar 2019 in Kraft. Mitte Dezember 2018 veröffentlichte die EBA das Konsultationspapier zu dem RTS, der Konkretisierungen zu den Anforderungen an die Homogenität von Portfolien nach den Art. 20 und 24 der VO 2017/2042 enthält.

Mit dem Thema Homogenität behandelt die EBA eines der wichtigsten Verbriefungs-Themen als erstes, weil die Zusammensetzung des Asset-Pools ausschlaggebend für die ökonomische Vorteilhaftigkeit einer Verbriefung ist. Analysen zum Erfordernis etwaiger Anpassungen des von Verbriefungen betroffenen Geschäftsmodells können demnach bald beginnen.

Inhalt

Ziel der Regelungen ist es, den Investoren die Durchführung einer belastbaren Due Diligence- Prüfung des Asset-Pools zu ermöglichen und zu vereinfachen, indem dieser möglichst homogen ist. Eine Unterscheidung nach Laufzeiten ist nicht vorgesehen. Daher schlägt die EBA vor, für ABCP- (Art. 24 (15) der EU-VO) und nicht-ABCP-Verbriefungen (Art. 20(8) der EU-VO) dieselben Kriterien zu benutzen. Die EBA hat für die Beurteilung der Homogenität 4 Kriterien entwickelt. Diese sollen den Investoren helfen, die Risiken aus Verbriefungen besser beurteilen zu können:

  • Ähnliche Kreditvergabestandards für alle Assets im Pool (zusätzlich zur Anforderung einer hohen Qualität dieser Standards in Art. 20(5) EU-VVO).
  • Einheitliche Servicing-Standards für den Asset-Pool (Prozesse, Systeme und Governance des Servicings), um den Investoren die Benutzung derselben Cashflow-Methodik zu ermöglichen.
  • Zugehörigkeit zur selben Asset-Kategorie entsprechend den Vorgaben des RTS. Die Kategorien sind am Marktstandard ausgerichtet (u.a. durch Hypotheken besicherte Wohnimmobilienkredite, Kreditfazilitäten an natürliche Personen, Autokredite und Autoleasing, Kreditkartenforderungen) und nicht abschließend, um Marktentwicklungen nicht zu behindern (Überprüfung geplant). Dasselbe Asset kann verschiedenen Kategorien zugeordnet werden (z.B. Private KfZ-Finanzierung sowohl „credit facilities to natural persons“ als auch „Autokredite und Autoleasing“„auto loans and auto leases“).
  • Einheitliche Risikofaktoren des Asset-Pools entsprechend den Vorgaben des RTS. Die Risikofaktoren (u.a. Schuldnertyp, gestellte Sicherheit, Rang der Sicherheit, Sektor des Verkäufers) sollen zur Anwendung kommen, um die einer Kategorie angehörenden Assets im Pool weiter zu differenzieren. Der RTS legt tabellarisch fest, welche Risikofaktoren für die einzelnen Asset-Kategorien überhaupt zur untersuchen sind (z.B. seniority on collateral bei residential loans). Aus diesen sind dann für einen konkreten Asset-Pool die tatsächlich relevanten Risikofaktoren abzuleiten und zu erfüllen.

Homogenität und andere Anforderungen

Die EBA stellt klar, dass die Anwendung der Risikofaktoren die geltenden Marktstandards abbilden und keine zusätzlichen Anforderungen schaffen soll. Überdies sollen Homogenitätsanforderungen und die Möglichkeit zur Diversifikation von Risiken im Portfolio in einem angemessenen Verhältnis stehen.

Der Nachweis der Homogenität des Asset-Pools ist Gegenstand der Offenlegung von Informationen (z.B. im Rahmen der Anzeige der Einhaltung der STS-Kriterien oder anderer Offenlegungspflichten). Anforderungen an die Offenlegung sind nicht Gegenstand des RTS, sondern werden durch die ESMA in separaten technischen Standards festgelegt.

Umsetzung und Inkrafttreten

Die Konsultationsfrist läuft bis zum 15. März 2018. Der finale Entwurf wird dann der Kommission zur Veröffentlichung im EU-Amtsblatt innerhalb von 6 Monaten zugeleitet. Bei voller Ausnutzung der sechs Monate könnten den Instituten nur noch 3 Monate für die Umsetzung der finalen Vorgaben zur Verfügung stehen.

Fazit

Die EBA hat sich für einen qualitativ geprägten Ansatz für die Erfüllung der Homogenitätskriterien entschieden. Die Spielräume, die sich aus den vergleichsweise offen formulierten Asset-Kriterien ergeben, sollen durch die Risikofaktoren wieder beschränkt werden. Vor allem bei letzteren ist offen, wieviel Spielraum die Institute bei der Auswahl der anzuwendenden Faktoren haben werden. Daraus ergibt sich trotz der auf den ersten Blick einfachen Struktur mit vier Kriterien ein weiteres komplexeres Regelwerk.

Die Institute sollten in einem ersten Schritt die Kriterien sowohl auf ihre Bestandsverbriefungen als auch auf die Asset-Pools geplanter Verbriefungen anwenden. Daraus lassen sich Auswirkungen der Homogenitätskriterien auf das Neugeschäft ableiten. Ein Schwerpunkt der Analyse sollte dabei auf der Frage liegen, wie sich unterschiedliche Risikofaktoren auf die Ergebnisse auswirken.

Aufgrund der großen Bedeutung des Themas sollte trotz des noch in der Konsultationsphase befindlichen RTS zügig mit der Umsetzung der Anforderungen gestartet werden. Die Erfahrung aus vergangenen Konsultationen der EBA hat gezeigt, dass die wesentlichen Elemente eines Konsultationspapiers in der Regel nicht mehr geändert werden.

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