EBA und EZB Stresstests 2016

Am 24.02.2016 veröffentlichte die European Banking Authority (EBA) ein umfangreiches Dokumentenpaket zum anstehenden EBA Stresstest 2016 inkl. der auch für den gleichzeitigen EZB Stresstest verwendeten finalen Methodik, der Szenarien sowie der ersten allgemeinen FAQs (EBA EU-wide stress testing methodology and scenario). Ziel dieses Blogbeitrags ist es einen kurzen Überblick über den anstehende Supervisory Stresstest zu geben sowie auf die Herausforderungen im Vergleich zum EBA/EZB Stresstest 2014 einzugehen. Zudem möchten wir auf wesentliche Veränderungen zwischen der Draft Methodological Note und dem finalen Methodenpapier, welche Auswirkungen auf die Institute haben, hinzuweisen.

Überblick

Wie im Jahr 2014 werden auch in diesem Jahr ein Großteil der Institute in Europa vom Stresstest betroffen sein. Zwar bezieht die EBA „nur“ 51 Institute – und damit deutlich weniger Institute als noch 2014 – in den Stresstest mit ein, jedoch nutzt auch die EZB die Möglichkeit, weitere von ihr direkt beaufsichtigte Institute dem Stresstest zu unterziehen, um die Ergebnisse im SREP verwenden zu können (zu den Einzelheiten des SREP die Serie von Blogeinträgen zum Thema im Risk Blog) . Insgesamt werden rund 100 Institute in den Stresstest 2016 einbezogen, wodurch (weit) mehr als die von der EBA genannten 70 % der konsolidierten Bilanzsummen des europäischen Banksektors abgedeckt werden.

Methodisch nutzen sowohl die EBA als auch die EZB die in der vergangenen Woche veröffentlichte Methodik, wobei es in einzelnen Fällen – in Abhängigkeit der Größe und Komplexität der Institute – seitens der EZB zu Vereinfachungen kommen kann („Stresstest light“). Auch zeitlich orientiert sich die EZB an den Planungen der EBA, wobei eine abschließende Ergebnisveröffentlichung nur für die im EBA-Sample beinhalteten Institute erfolgen wird.

Die Stresstest-Methodik sieht dabei vor, dass die Institute auf Basis der Ist-Werte zum 31. Dezember 2015 (u.a. COREP, FINREP und Risikomanagement-Daten) unter Annahme einer statischen Bilanz bei unverändertem Geschäftsmodell und Business-Mix die Entwicklung ihrer Kreditrisiken (inkl. Verbriefungs- und Länderrisiko), Marktpreisrisiken (einschl. Emittenten-, Kontrahenten- und Länderrisiko) und operationeller Risiken (inkl. Conduct Risiko) für die kommenden 3 Jahre – d.h. bis zum Jahr 2018 – prognostizieren sollen. Refinanzierungsrisiken sind dabei über die Prognose des Zinsergebnisses sowie sonstige Effekte über das nicht-zinsabhängige GuV-Ergebnis zu betrachten.

Für die Prognose sind grundsätzlich zwei Szenarien zu berechnen: Das Baseline Szenario, welches von der Europäischen Kommission vorgegeben wird und ihrem regelmäßigen wirtschaftlichem Forecast entspricht sowie das Adverse Szenario, welches vom European Systemic Risk Board (ESRB) entwickelt wird. Darüber hinaus sind im Marktpreisrisiko auch zwei historische Szenarien (Finanzmarktkrise (2007 – 2009) und die EU-Staatenkrise (2010 – 2012)) zu betrachten. Das Adverse Szenario ist dabei im Vergleich zu 2014 insgesamt, abgesehen von z.B. Gewerbeimmobilienpreisen etwas optimistischer ausgestaltet worden.

Aufbauend auf den teils sehr granularen Vorgaben erfolgt die Beurteilung und Analyse der Auswirkungen der Stressszenarien auf das Zins- und Jahresergebnis (P&L-Effekt) sowie auf die risikogewichteten Aktiva (RWA bzw. REA). Im Ergebnis werden somit gestresste Kapitalquoten (CET1, Kernkapital- und Gesamtkapitalquote) ermittelt, wobei es in diesem Jahr jedoch keine festen Ziel-Kapitalquoten (sog. hurdle rates) zu erreichen gibt. Ein hartes „Bestehen“ oder „Durchfallen“ ist somit nicht vorgesehen. Im Gegenzug werden die Ergebnisse jedoch im SREP-Prozess einfließen und auch bei der späteren Bestimmung der Kapitalaufschläge in Form der SREP-Quote berücksichtigt werden.

EBA 1Mit der Veröffentlichung des Stresstest-Pakets in der vergangenen Woche ist der Startschuss für die Durchführung des Stresstests gefallen und der aktuelle Zeitplan der EBA sieht vor, die Ergebnisse der berechneten Szenarien im dritten Quartal 2016 zu veröffentlichen. Den aktuellen Zeitplan kann der folgenden Abbildung entnommen werden:EBA 2

Nach unseren Erfahrungen aus den letzten EU-weiten Stresstests und unserer aktuellen Einschätzung der Methodik sehen wir für den EU-weiten Stresstest in 2016 insbesondere die folgenden Herausforderungen auf die Institute zukommen:

  • Sicherstellung der ausreichenden Datenqualität vor dem Hintergrund diverser Schnittstellen zu verschiedenen, zuliefernden Fachbereichen
  • Hoher Kalibrierungsaufwand der Stresstestparameter sowie Aufwand für die Datenaufbereitung
  • Umfangreiche Abstimmungsrunden mit der EZB/EBA vor dem Hintergrund der nachgelagerten Qualitätssicherung durch die Aufsichtsbehörden
  • Hoher interner Ressourcenbedarf für die Vorbereitung und Durchführung des Stresstests sowie Abstimmung der Stresstestergebnisse – sofern nicht automatisierbar
  • Schwere Einschätzbarkeit der Auswirkungen der Stresstestergebnisse auf den SREP und den späteren Kapitalaufschlag (SREP-Quote)

Kreditrisiko

Im Bereich der Berechnung des Kreditrisikostress gab es im Vergleich zum Stresstest 2014 drei wesentliche Veränderungen: Zum einen sind zukünftig explizit Migrationsmatritzen zu berücksichtigen, welche in den Modellen für die Point-in-Time Parameterschätzungen zur Simulation der Ausfälle und die damit verbundenen (erfolgswirksamen) Wertberichtigungen zu berücksichtigen sind. Des Weiteren wurde die Modellierung der Verlusthöhe bei Ausfall (LGD) für neue Ausfälle sowie für die sich bereits im Ausfall befindlichen Positionen konkretisiert. Ferner sind zukünftig Kredite, bei denen die Währung des Kreditnehmers nicht der Kreditwährung entspricht (FX Lending), differenzierter zu beachten, denn hier können durch Fremdwährungsveränderungen zusätzliche Risiken entstehen.

In der finalen Version der Methodological Note wurden die Formulierungen zu den ersten beiden Punkten im Vergleich zu den Entwürfen aus November 2015 weiter verfeinert. Demnach ist die Anwendungspflicht an die Ausgestaltung der Modelle geknüpft. Bei fortgeschrittenen Modellierungsansätzen, die den notwendigen Detailgrad aufweisen, können die entsprechenden Anforderungen als verpflichtend interpretiert werden. In anderen Fällen stellt die EBA auf detailliertere Erläuterungen zum Modellierungsansatz in der begleitenden Dokumentation anstelle einer expliziten Modellierung ab.

Als Konsequenz müssen die teilnehmenden Banken für die einzelnen (Sub-)Portfolien entscheiden, welche dieser konkretisierten Anforderungen als verpflichtend einzustufen ist. Der zugehörige Umsetzungsaufwand kann in Abhängigkeit von der verwendeten IT-Infrastruktur stark variieren und sollte in der Zeit- und Ressourcenplanung frühzeitig berücksichtigt werden. Aus unserer Erfahrung sind die Umsetzungsaufwände für die vollständige Berücksichtigung und Ausweis der Migrationseffekte auf Basis von Migrationsmatrizen als am höchsten einzuschätzen.

 Marktpreisrisiko, Counterparty Credit Risk und CVA-Risk Capital Charge

In diesem Bereich ergeben sich für die Berechnung der RWA Änderungen, die jedoch keine besonderen Herausforderungen in der Durchführung darstellen. Die RWA für das Marktrisiko im Standardansatz werden sowohl im Baseline Szenario als auch im Adverse Szenario als konstant angenommen. Des Weiteren wird das regulatorische Exposure für Counterparty Credit Risk und CVA Risk Capital Charge in beiden Szenarien nun konstant gehalten, was die Berechnung gegenüber 2014 erleichtert. Für die CVA Risk Capital Charge wurde gegenüber 2014 ein Floor neu eingeführt, der auf dem Anstieg der RWA für IRBA-Positionen basiert.

Bei der Berechnung des Einflusses auf die Eigenmittel (GuV-Auswirkung) ergibt sich eine besondere Herausforderung durch die Berücksichtigung von bilanziellen und ökonomischen Sicherungsbeziehungen. Des Weiteren setzt der Stress der Held-for-Trading (HFT) Positionen im Comprehensive Approach (CA) auf der durch das jeweilige Institut selbst erstellte Projektion des Zinsnettoergebnisses (NTI) auf. Bei der Neubewertung von Positionen muss 2016 auch der CVA unter den gestressten Parametern erneut berechnet werden.

Zusätzliche neue Aufgaben kommen auf die Institute bei der Simulation des Kontrahenten-Ausfalls zu. Hier müssen nun die beiden verwundbarsten der zehn größten Kontrahenten mit Hilfe einer Experteneinschätzung unter Berücksichtigung der PD sowie szenariospezifischer Erwägungen ermittelt werden. Bei der Berechnung des GuV-Einfluss deren Ausfalls wird ebenfalls der CVA Effekt (hier positiv) berücksichtigt.

Net Interest Income

Der Stress des Net Interest Income (in 2014 „Cost of Funding“) dient der Abbildung der Auswirkungen von sich ändernden Zinssätzen innerhalb der Stressszenarien auf das Zinsergebnis der Bank, wodurch sich ein direkter Einfluss auf die GuV, nicht jedoch auf die RWA ergibt. Die Kalkulation des Net Interest Income wurde bereits 2014 europaweit als eine zentrale Herausforderung im Rahmen der Stresstestberechnung empfunden und auch in diesem Jahr gibt es wieder einige Herausforderungen, die es zu überwinden gibt. So sind z.B. zur institutseigenen Schätzung der Zinsänderungen entsprechende Daten und Modelle erforderlich, welche nicht von allen Instituten im Regelprozess eingesetzt werden und somit kurzfristig entwickelt und implementiert werden müssen. Eine weitere Herausforderung stellt erfahrungsgemäß zudem die Zusammenführung der Daten aus dem Treasury dar, denn meist werden dort keine, zu den FINREP-Kategorien passenden Kennzeichen gepflegt.

Conduct Risk und andere operationelle Risiken

Die Vorgaben zur Berücksichtigung der Effekte im Bereich des Operationalen Risikos sind in der aktuellen Methodik deutlich detaillierter ausgestaltet, als noch in 2014. Eine zentrale Veränderung ergibt sich hierbei unzweifelhaft durch die explizierte Aufnahme und Abgrenzung des Conduct Risk von anderen Operationellen Risiken. Doch auch zwischen der Draft Methodological Note und dem finalen Methodenpapier kam es noch einmal zu Verfeinerungen. So ist es nunmehr erforderlich, auch Schadenfälle einzubeziehen, die nicht direkt in eine OpRisk-Kategorie eingeordnet sind, welche jedoch die entsprechenden Kriterien erfüllen. Weiter sind die einzelnen Schadensfälle in Abhängigkeit ihres Wertes in vier Stufen einzugruppieren.

Non-interest income, expenses and capital

Die Methodik zur stressbedingten Veränderung des non-interest-income sind vergleichbar zu denen des Stresstest 2014. Herausforderungen bestehen jedoch im Bereich der Kapitalberechnung. Hervorzuheben sind insbesondere die korrekte Bestimmung der Kapitalabzüge im Bereich der Pensionsfonds, die korrekte Berücksichtigung von Phase-In-Regelungen sowie die konsistente Berücksichtigung der Effekte aus der Marktrisikobetrachtung. Ansonsten sind die methodischen Vorgaben zwischen der Draft und der finalen Methodik weitgehend unverändert.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Stresstest 2016 zwar vom Umfang und den methodischen Vorgaben vergleichbar zum Stresstest 2014 ist, jedoch liegen die Herausforderung auch aktuell in den fachlichen Details. Zudem ist es den Instituten nun nicht mehr selbst möglich zu beurteilen, ob sie den Stresstest erfolgreich absolviert oder nicht bestanden haben. Die wirklichen Ergebnisse liegen erst im Rahmen des SREP vor. Des Weiteren wird wohl auch der sehr ambitionierte Zeitplan der Aufsichtsbehörden die Institute fordern – dies gilt insbesondere für die von der EZB beaufsichtigten Banken, welche erst vor wenigen Tagen darüber informiert wurden, in welchem Umfang sie an der Übung teilnehmen werden. Besonders die Ankündigung der Aufsicht, verstärkt auf die Qualität der Berechnungen und die erstellte Explanatory Note der Institute zu achten wird in Kombination mit der zeitlichen Planung zusätzliche Ressourcen binden.

Sollten auch Sie Unterstützung im Rahmen des diesjährigen EBA oder EZB Stresstest benötigen, so zögern Sie nicht uns anzusprechen. Unsere Experten stehen Ihnen in sämtlichen Themenfeldern gern mit Rat und Tat zur Seite.

Kontakt: Martin Neisen, Jasmin Gehrlein

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