„Fast Track“ – CRR Übergangsbestimmungen für die IFRS 9-Auswirkungen auf die regulatorischen Eigenmittel

Am 27. Dezember 2017 wurde die Anpassung der CRR hinsichtlich der Übergangsbestimmungen zur Abmilderung der Effekte aus der IFRS 9 Einführung auf die regulatorischen Eigenmittel (Art. 473a CRR) im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht (EU-Verordnung 2017/2395). Die CRR-Anpassung trat am 28. Dezember 2017 in Kraft und kann ab dem 01. Januar 2018 als Wahlrecht angewendet werden.

Hintergrund

Mit der CRR-Übergangsbestimmung reagiert die EU auf einen möglichen, signifikanten CET1-Rückgang, der durch die Einführung der IFRS 9 Regelungen bei der Berechnung der Risikovorsorge für Finanzinstrumente für Geschäftsjahre, die ab dem 01. Januar 2018 beginnen, verursacht werden kann. Der IFRS 9 Standard setzt hierbei die Vorgaben der G20 Finanzminister für eine vorausschauende Bildung von Risikovorsorge durch die Einführung eines Expected Credit Loss (ECL) Modells um, das eine deutlich höhere Risikovorsorge im Vergleich zu IAS 39 im Erstanwendungszeitpunkt oder bei einer Verschlechterung der makroökonomischen Gesamtsituation zu einem späteren Zeitpunkt zur Folge haben kann (vgl. dazu Accounting FS Blog: „Das Expected Credit Risk Model nach IFRS 9“ vom 13. Januar 2015).

Die Übergangsvorschriften im Detail

Die EU sieht daher sowohl Übergangsregelungen zur Abmilderung des Erstanwendungseffektes (im Vergleich zur IAS 39 Risikovorsorge) als auch eines möglichen Folgeeffektes für nicht ausgefallene Positionen (im Vergleich zu dem Zeitpunkt der Erstanwendung) vor und verbindet somit einen statischen Ansatz für die Erstanwendungseffekte mit einem dynamischen Ansatz für Folgeeffekte. Der Übergangszeitraum beträgt fünf Jahre, beginnend ab dem 01. Januar 2018, wobei keine vollständige Neutralisierung der IFRS 9 Effekte in den regulatorischen Eigenmitteln während des Übergangszeitraums vorgesehen ist. Die Phase-In Faktoren betragen deswegen 95% in 2018, 85% in 2019, 70% in 2020, 50% in 2021 und 25% in 2022. Die letztendliche Umsetzung der Übergangsvorschriften innerhalb der EU folgt somit nur in Teilen den Empfehlungen der EBA, welche sich zum einen für einen ausschließlich statischen Ansatz, zum anderen für einen kürzeren Übergangszeitraum von vier Jahren ausgesprochen hatte (vgl. Accounting FS Blog: „EBA-Meinung zu den Übergangsvorschriften aufgrund von IFRS 9“ vom 08. März 2017).

Die Übergangsvorschriften sehen eine Berechnung eines Phase-In Betrages vor, welcher getrennt für KSA- und IRBA-Portfolien zu ermitteln ist. Verbriefungen sind von den Phase-In Regelungen ausgeschlossen. Die Übergangsregeln sind für IRB-Banken in den Fällen besonders wichtig, wenn aufgrund von IFRS 9 ein Überschuss der bilanziellen Risikovorsorge über die regulatorisch erwarteten Verluste (Wertberichtigungsüberschuss) entsteht oder sich der Wertberichtigungsüberschuss erhöht. Dieser Wertberichtigungsüberschuss wird GuV-wirksam zu Lasten des Eigenkapitals und damit des CET1 gebildet. Nach den CRR Vorgaben kann der Wertberichtigungsüberschuss aber nur als Tier 2 Kapital angerechnet werden. Durch Anwendung der Übergangsvorschriften wird dieser Effekt gedämpft. Für KSA-Portfolien bieten die Übergangsvorschriften grundsätzlich eine deutliche Erleichterung, da der negative CET 1 Effekt aus der Bildung der Risikovorsorge abgemildert wird. Die Inanspruchnahme der Übergangsregelung macht eine Korrektur nicht nur des CET1, sondern auch weiterer Positionen erforderlich. Das betrifft insbesondere die KSA-Bemessungsgrundlagen, das Tier 2-Kapital und Abzüge für aktive latente Steuern (DTA), die ebenfalls durch IFRS 9 beeinflusst werden können. Insoweit kann die Anwendung Übergangsregelungen eine gewisse prozessuale Komplexität mit sich bringen.

Offenlegung

Die Nutzung der Erleichterungen ist mit einer Offenlegung der Kapitalquoten und der Leverage Ratio mit und ohne Anwendung der Übergangsvorschriften verbunden. Dazu hat die EBA hat am 12. Januar 2018 die finale Guideline mit einem detaillierten Offenlegungstemplate veröffentlicht (Leitlinien zur einheitlichen Offenlegung gemäß Artikel 473a der VO(EU) Nr. 575/2013 in Bezug
auf Übergangsbestimmungen zur Verringerung der Auswirkungen der Einführung des IFRS 9 auf die Eigenmittel (EBA/GL/2018/01)).

Voraussetzung für die Anwendung der Übergangsvorschriften

Institute müssen die Aufsichtsbehörden bis zum 01. Februar 2018 darüber informieren, ob sie die Übergangsregeln anwenden oder nicht. Die anfänglich getroffene Entscheidung können die Institute – mit vorherigen Genehmigung der Aufsichtsbehörden – einmalig während des Übergangszeitraums revidieren und so z.B. bei einer anfänglichen Nicht-Anwendung auch zu einem späteren Zeitpunkt auf die Übergangsregeln zurückgreifen. Dies könnte insbesondere für Institute interessant sein, bei denen ein deutlicher Anstieg der Risikovorsorge aus einer möglichen Verschlechterung der ökonomischen Gesamtsituation resultiert. Die Anwendung der Übergangsregeln für den Erstanwendungseffekt (statisches Element) kann dabei unabhängig von der Entscheidung über die Anwendung der Übergangsregeln für den Folgeeffekt (dynamisches Element) getroffen werden. Dagegen können die Übergangsbestimmungen für den Folgeeffekt nur gemeinsam mit dem Erstanwendungseffekt angewendet werden.

Vorteile der Nutzung der Übergangsvorschriften

Die Übergangsbestimmungen können eine deutliche Entlastung von den negativen CET1-Effekten aufgrund von IFRS 9 bewirken. Dabei ist jedoch zu beachten, dass neben den Kapitalquoten unter Berücksichtigung der Übergangsvorschriften auch die „Fully-Loaded“ Kapitalquoten d.h. die Kapitalquoten ohne Nutzung der Erleichterungen an die Aufsicht zu melden und offenzulegen sind. Erfahrungsgemäß orientieren sich die Stakeholder nur an den Fully-Loaded Kapitalquoten der Institute. Die Übergangsvorschriften sind insofern vor allem dann interessant, wenn damit ein Verstoß gegen die Mindesteigenkapitalanforderungen (gem. SREP) auf Phase-in-Basis verhindert werden kann. Während die Vorteile einer Nutzung der Übergangsvorschriften im Erstanwendungszeitpunkt möglicherweise noch überschaubar sind, kann sich dies bei einer deutlichen Verschlechterung der ökonomischen Gesamtsituation wegen der stark prozyklischen Wirkung von IFRS 9 deutlich anders darstellen. Insofern ist abzuwägen, ob nicht eine Nutzung der Übergangsvorschriften von Anfang an sinnvoll ist. Auch bei anfänglicher Nichtnutzung der Übergangsvorschriften erscheint es ratsam, die erforderlichen Voraussetzungen zu schaffen, um den Effekt weiter beobachten und ggf. später von der Übergangsvorschrift Gebrauch machen zu können.

Hinweis

Darüber hinaus enthält die CRR Ergänzungsverordnung weitere Übergangsbestimmungen im Hinblick auf die Behandlung bestimmter Forderungen gegenüber öffentlichen Stellen im Large Exposure Regime (Art. 293 Abs. 4 – 7 CRR), worüber wir Sie in Kürze in einem unserem Regulatory Blog informieren werden.

 

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