Finale EBA Leitlinien und RTS zur Definition des Schuldnerausfalls

Die European Banking Authority (EBA) hat die Ausfalldefinition nach Art 178 CRR finalisiert. Die Harmonisierung der Ausfalldefinition erfolgt im Rahmen der Überarbeitung des IRB Ansatzes (RTS on the assessment methodology for IRB approach, EBA/RTS/2016/03). Zugleich ist die Definition auch für Banken relevant, die den KSA nutzen; daraus ergibt sich die Zuordnung in die Risikopositionsklasse ausgefallene Forderungen. Die aktuelle Überarbeitung umfasst neben den finalen Leitlinien zur Definition des Schuldnerausfalls (Guidelines on the application of the definition of default under Article 178 CRR, (EBA/GL/2016/07)) auch die ergänzenden RTS zur Festlegung der Materialitätsschwelle für überfällige Forderungen (RTS on the materiality theshold for credit obligation past due under Article 178 CRR, (EBA/RTS/2016/06).

Hintergrund

Vorangegangen waren umfangreiche Konsultationen und Auswirkungsanalysen, um die einzelnen Ausfallkriterien näher zu bestimmen (siehe hierzu auch Blog-Beitrag: „EBA Leitlinien zur Definition des Schuldnerausfall – definition of default“ vom 08. Februar 2016)

RTS on materiality threshold for past due credit obligations

Ziel des Standards ist es, innerhalb der verschiedenen Jurisdiktionen eine einheitliche Materialitätsschwelle für überfällige Forderungen festzulegen. Dabei können die nationalen Aufsichtsbehörden auch die lokalen Besonderheiten berücksichtigen.

Die Materialitätsschwelle umfasst ein absolutes und ein relatives Limit. Sind beide zusammen für 90 aufeinanderfolgende Tage erreicht, ist die Materialitätsschwelle überschritten. Für Forderungen, die durch Wohn- oder KMU-Gewerbeimmobilien in der Retail-Forderungsklasse besichert sind, sowie für Forderungen gegenüber öffentlichen Stellen, können die zuständigen Behörden wie schon bisher den Zeitraum auf 180 aufeinanderfolgende Tage verlängern (vgl. Art 178 Abs. 1 b) CRR).

Absolutes Limit

Das absolute Limit wird erreicht, wenn die Summe aller überfälligen Forderungen des Schuldners im Zusammenhang mit seinen Kreditverpflichtungen 500 EUR überschreitet (bei Retailforderungen 100 EUR).

Relatives Limit

Für die relative Grenze werden die überfälligen Kreditforderungen ins Verhältnis zu den gesamten Forderungen gegenüber dem Schuldner gesetzt. Liegt der Anteil der überfälligen Forderungen über 1%, ist das relative Limit überschritten. Nationale Aufsichtsbehörden können das Limit bis zu einem Prozentsatz von 2,5 anheben, wenn sie dies unter (nationalen) Risikoaspekten für erforderlich halten.

Umsetzungsfrist

Die Materialitätsschwellen müssen bis Ende 2020 in den Instituten implementiert werden.

Guidelines on the application of the default definition

Die Leitlinien stellen klar, welche Anforderungen an die Anwendung von Artikel 178 CRR gelten. Insbesondere definieren sie die Ausfall-Kriterien gemäß Art 178 CRR näher, wie zum Beispiel.:

  • Überfälligkeit,
  • Hinweise darauf, dass eine Verbindlichkeit nicht beglichen wird,
  • die Verwendung externer Daten bei der Verlustdatenschätzung,
  • Kriterien für eine Zurücksetzung des Ausfallstatus sowie
  • die Anwendung der Ausfalldefinition im Mengengeschäft näher.

Darüber hinaus legen die Guidelines umfangreiche Anforderungen an die Dokumentation und die Internal Governance im Zusammenhang mit der Ausfalldefinition fest (zum Thema ausführlich unser Blog-Beitrag: „EBA Leitlinien zur Definition des Schuldnerausfall – definition of default“ vom 08. Februar 2016).

Neben Klarstellungen im Hinblick auf diese Kriterien haben sich Änderungen gegenüber dem Konsultationsentwurf vor allem durch die jetzt eingefügte mögliche Sonderbehandlung von Staatskrediten, Forderungen gegenüber Behörden oder öffentlichen Stellen ergeben. Da hier die Rückzahlung der Forderungen von administrativen Akten abhängen kann, die unter Umständen länger dauern als ursprünglich angenommen, können Institute in diesen spezifischen Fällen einen Zahlungsverzug erst nach Ablauf von 180 Tagen (gegenüber sonst 90 Tagen) annehmen.

Umsetzungsfrist

Die Frist zur Umsetzung der Guidelines läuft bis zum 01. Januar 2021. Spätestens bis dahin müssen alle Institute – auch die KSA Banken – die Anforderungen der Guidelines in den internen Prozessen und IT-Systemen implementiert haben. IRB-Institute müssen zudem ihre Risikoparameterschätzungen prüfen und ggfs. anpassen. Änderungen unterliegen den Anforderungen der RTS zur Beurteilung der Wesentlichkeit von Erweiterungen und Änderungen des auf internen Beurteilungen basierenden Ansatzes und des fortgeschrittenen Messansatzes (Delegierte VO (EU) 529/2014 vom 12. März 2014)). Soweit eine Zustimmung oder Genehmigung der nationalen Aufsichtsbehörde erforderlich ist, sollen die Institute mit der jeweiligen Aufsichtsbehörde eine entsprechende Frist zur Einholung vereinbaren.

Herausforderungen

Wichtig ist festzuhalten, dass von diesem RTS und den Guidelines alle Institute – auch die KSA Banken – betroffen sind. Zwar wird ihnen eine großzügige Umsetzungsfrist gewährt, aber bis dahin ist auch eine umfangreiche Agenda abzuarbeiten. Eine detaillierte Analyse, inwieweit die aktuellen Ausfalldefinitionen den EBA-Vorgaben entsprechen und die daraus folgenden Anpassungen der Prozesse und Systeme sind unumgänglich. Die historischen Ausfallraten müssen (neu) kalkuliert werden, Auswirkungen auf RWA ggfs. neu geschätzt werden. Darüber hinaus muss eine Konsistenz zu weiteren Überarbeitungen im Rahmen von Basel IV, wie beispielsweise die intendierten Anpassungen bei der Verwendung des IRBA-Ansatzes, sichergestellt werden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

/* */