Konsultationspapier des Baseler Ausschuss zur Nutzung des IRBA

Bis Ende 2016 will der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) seine Arbeiten im Zusammenhang mit der übermäßigen Spreizung der risikogewichteten Aktiva (RWA) bei den einzelnen Banken beendet haben.

Hintergrund

Die zur Diskussion stehenden Messverfahren betreffen die Risikokategorien operationelle Risiken sowie Kreditrisiken. Zu der Abschaffung des Advanced Measurement Approachs (AMA) für die Messung des operationellen Risikos hat der Baseler Ausschuss zuletzt ein zweites Konsultationspapier veröffentlicht (Standardised Measurement Approach for operational risk – Consultative Document (BCBS 355) – ausführlicher dazu unser Regulatory Blog Beitrag: „Operationelles Risiko – Wegfall des AMA und ein neuer Standardansatz für alle Banken“ vom 10. März 2016). Die Änderungsvorschläge zur Nutzung interner Rating Ansätze zur Messung des Kreditrisikos (IRBA) werden in dem im März 2016 veröffentlichten Konsultationspapier (Reducing variation in credit risk-weighted assets – constraints on the use of internal model approaches – Consultative Document BCBS 362) behandelt.

Wesentliche Änderungsvorschläge

Anwendungsbereich für die Nutzung des IRBA

Der Anwendungsbereich für den IRBA soll deutlich eingeschränkt werden. Das gilt insbesondere für die sogenannten „Low default“ Portfolien: Banken und andere Finanzinstitute sowie große Unternehmen und Beteiligungen. Dort soll nur noch der Standardansatz zur Anwendung kommen. Darüber hinaus ist vorgesehen, die Nutzung des A-IRB (mit Schätzung von LGD und CCF) nicht mehr bei Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als EUR 200 Mio zuzulassen. Kritisch sieht der Ausschuss zudem die Anwendung des IRBA bei Spezialfinanzierungen und will die IRBA Schätzverfahren auch hier verbieten. Lediglich die Supervisory Slotting Methode soll noch als IRBA Ansatz verwendet werden dürfen. Die IRBA Anwendung für das Staatenportfolio ist weiterhin in der Diskussion.

Am Ende verbleibt im Wesentlichen das Retailportfolio bzw. das KMU Portfolio für die IRBA Berechnung.

Untergrenzen für die Modellparameter PD, LGD, EAD/CCF

Auch wenn für Forderungen an kleine Unternehmen und für Retailforderungen die IRBA Nutzung bestehen bleibt, werden für die Schätzparameter PD, LGD und EAD/CCF Untergrenzen in Form von sogenannten „exposure level floors“ eingezogen, um die potentiellen Spreizungen in den RWA zu begrenzen.

Anforderungen an die Methoden zur Schätzung der Modellparameter

Unter anderem ist vorgesehen, die LGD Berechnungen für besicherte Unternehmensforderungen im Basis-IRBA zu verändern. Bei Nutzung des fortgeschrittenen IRBA muss für den LGD eine langfristige LGD Komponente sowie eine Downturn-Komponente geschätzt werden. CCF Schätzungen sollen sehr eingeschränkt werden.

Fazit

Die Vorschläge stehen bis 24. Juni 2016 zur Konsultation. Die Auswirkungen auf die Kapitalanforderungen könnten die Errungenschaften von Basel II zunichtemachen. Es wird vermutet, dass die Eigenkapitalanforderungen je nach Portfoliostruktur um mehr als das 2 bis 3-fache ansteigen könnten. Den betroffenen Instituten ist anzuraten, unbedingt an den in diesem Jahr geplanten QIS Studien teilzunehmen. Eine erfolgversprechende Begleitung der Konsultation funktioniert am ehesten mit belastbarem Zahlenmaterial zu den Auswirkungen auf die Institute und die Realwirtschaft (EK-Kosten, Kreditkonditionen, Kreditvergabebereitschaft).

Ihre Ansprechpartner

 Stefan Röth

roeth.stefan@de.pwc.com

Friedemann Loch

friedemann.loch@de.pwc.com

 

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