Maßnahmen zum Umgang mit COVID-19 und Auswirkungen auf das Bankgeschäft

Staaten weltweit ergreifen Maßnahmen in bislang nicht gekanntem Umfang, um die Ausbreitung der Pandemie zu verlangsamen und Menschen vor einer Ansteckung zu schützen. Gleichzeitig passen die OECD und der IWF ihre Erwartungen an die Auswirkungen auf einzelnen Volkswirtschaften und die Weltwirtschaft regelmäßig an. Für die Banken reagieren EBA und EZB/SSM auf die gegenwärtigen Umstände.

Ziel der vereinbarten Maßnahmen ist es, die Funktionsfähigkeit der Banken aufrecht zu erhalten sowie die Stabilität des Finanzsystems zu schützen, so Andrea Enria, Vorsitzender des Aufsichtsgremiums der EZB: „Das Coronavirus erweist sich als erheblicher Schock für unsere Volkswirtschaften. Die Banken müssen weiterhin in der Lage sein, privaten Haushalten und Unternehmen, die sich vorübergehend in Schwierigkeiten befinden, Finanzmittel zur Verfügung zu stellen. Die […] aufsichtlichen Maßnahmen zielen darauf ab, Banken bei der Finanzierung der Wirtschaft und der Bewältigung ihrer operativen Herausforderungen, unter anderem die Belastung ihrer Beschäftigten, zu unterstützen“.

Folgend finden Sie eine Übersicht der Stand 12. März 2020 von der EZB beschlossenen Maßnahmen.

Der Maßnahmenkatalog umfasst Anpassungen bei der Einhaltung aufsichtsrechtlicher Anforderungen sowie zeitliche Aspekte:

  • Nutzung von Kapital- und Liquiditätspuffern, einschließlich der Säule-2-Empfehlung (P2G)
  • Vorwegnahme der ab 1. Januar 2021 gemäß CRD V geltenden Zusammensetzung des Kapitals für die Säule-2-Anforderung
  • Verschiebung ausgewählter Aufsichtsmaßnahmen, bspw. des EBA-/EZB-Stresstests 2020 auf das Jahr 2021; zu weiteren Terminen, bspw. On-Site-Inspections, ist die Aufsicht im direkten Austausch mit den einzelnen Banken
  • Nationale Behörden haben bereits den antizyklischen Kapitalpuffer aufgehoben oder prüfen aktuell eine Vereinfachung der makroprudenziellen Anforderungen

Gleichzeitig stehen die Mitarbeiter/innen vor der Herausforderung nicht nur die laufenden Prozesse aufrecht zu erhalten, sondern zusätzlich auch die unmittelbar mit den aufsichtlichen Maßnahmen verbundenen Aktivitäten zu bearbeiten.

Entscheidend für das aktive Management Ihres Eigenkapitals ist jetzt die frühzeitige Identifikation von ausfallgefährdeten Kunden. Auch als Grundlage einer fundierten Kapitalplanung empfehlen wir für das Neugeschäft eine Prüfung und ggf. Anpassung der Kreditvergabepraxis. Beim Bestandsgeschäft gilt es die Frühwarnindikatoren und die Operationalisierung der Sanierungsstrategie auf die neuen Gegebenheiten hin anzupassen. Zudem nehmen die  Notfallmaßnahmen der Bundesregierung Einfluss auf Kreditrisiko-Management. So sieht das BMF die erhebliche Ausweitung bestehender Programme für Liquiditätshilfen vor, um den Zugang der Unternehmen zu günstigen Krediten zu erleichtern. Unternehmen werden aufgefordert sich jetzt über ihre Hausbank an die KfW wenden. Inwiefern die „regulatorischen“ Ausfälle damit reduziert werden, hängt, neben der Ausgestaltung der jeweiligen Kreditverträge, im Wesentlichen von der Stellung des Unternehmens in der (Zu-)lieferungskette sowie dem Ausmaß, mit dem die Pandemie die Nachfrageseite beeinflusst, ab.

 Weitere wesentliche Folge-Aktivitäten aus den EZB/SSM-Maßnahmen sind:

  • Integration der erwarteten makroökonomischen Entwicklungen in die interne Szenario-Analyse sowie Auswirkungsanalyse und Erfassung von Planabweichungen
  • Ableitung von Anpassungsbedarf an Risikoparametern wie PD und LGD, bspw. im Rückgriff auf bestehende Szenarien und/oder auf Basis sensitivitätsbasierter zukunftsorientierter Daten
  • Identifikation der am stärksten betroffenen Kunden und Portfolien, sowie Umsetzung von Mitigationsmaßnahmen
  • Prüfung der betroffenen Kunden und weiterer Portfolien im Hinblick auf die Kreditvergabepraxis bei Neugeschäft sowie Frühwarnindikatoren und Sanierungsstrategie bei ausgefallenem Geschäft
  • Anpassung Ihrer normativen und ökonomischen Kapital- und Liquiditätsplanung, sowie Steuerung der Kommunikation der Aufsicht bspw. zur Nutzung und geplanten Rückführung von Kapitalpuffern oder Liquiditätslinien
  • Ganzheitliche Sicht, also aus Fach-, IT-, Governance-Perspektive, auf das Projektportfolio, und Priorisierung in Absprache mit Ihren extern unterstützenden Gesellschaften

Live-Webcast: Responding to the impacts of COVID-19

Um Sie bei den nächsten Schritten bestmöglich zu unterstützen, möchten wir Sie gerne zu unserem Live-Webcast “Responding to the impacts of COVID-19” am 19. März um 14 Uhr mit internationalen Experten (auf Englisch) einladen – Anmeldungen sind über diesen Link möglich.

Dabei geht es weniger um die fachlich/ methodischen Auswirkungen der aufsichtlichen Ad-Hoc-Maßnahmen auf die Gesamtbanksteuerung, sondern um die folgenden Fragen: Wie gehen Unternehmen international mit COVID-19 um? Welche Schlüsse können wir aus den bisherigen Entwicklungen ziehen? Was sollten Unternehmen jetzt beachten, um effektiv auf COVID-19 zu reagieren und wie können Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dieser herausfordernden Phase unterstützen? Natürlich stehen wir Ihnen auch bei der Lösung Ihrer fachlichen und methodischen Fragestellungen wie gewohnt zur Seite. Sprechen Sie gerne einfach Ihre bekannten PwC-Expert/innen an.

Wir freuen uns über Ihre Teilnahme am Webcast. Und: Bleiben Sie gesund!

 

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