Neue Berichts- und Meldeanforderungen im Bail-in

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat am 4. Juli 2019 ihre finale Fassung des Rundschreibens zu den Mindestanforderungen zur Umsetzbarkeit eines Bail-in (MaBail-in) veröffentlicht. Auf europäischer Ebene ist die Finalisierung entsprechender Anforderungen durch das SRB vorgesehen.

Damit die Abwicklungsbehörde im Zeitpunkt des Bail-in handlungsfähig ist, werden über die Meldung der Minimum Requirement for own funds and Eligible Liabilities (MREL) hinausgehende Berichts- und Meldeanforderungen definiert. Die Herausforderung liegt dabei schwerpunktmäßig auf den bekannten drei Achsen: Zeit bis zur Datenlieferung, Datenumfang und Datenqualität.

Wir möchten Ihnen im Folgenden die Eckpunkte der MaBail-in und des ergänzenden Merkblatts vorstellen und Ihnen die wesentlichen Handlungsbedarfe aufzeigen. (zum Vergrößern bitte Grafik anklicken)

Rundschreiben 05/2019 zu den Mindestanforderungen zur Umsetzbarkeit eines Bail-in (MaBail-in)

Die MaBail-in richten sich direkt an die von der BaFin beaufsichtigten Institute und beschreiben Anforderungen, welche im Rahmen der Abwicklungsplanung zu berücksichtigen sind. Da die Abwicklung eines Instituts oder einer Gruppe ein schnelles, zielgerichtetes Handeln der Abwicklungsbehörde erfordert, enthält die MaBail-in Mindestanforderungen an bereitzustellende Informationen, die die Institute der BaFin innerhalb kürzester Zeit zur Verfügung stellen. Des Weiteren werden Anforderungen an die technische und organisatorische Ausstattung der Institute konkretisiert. Hierbei soll der Proportionalitätsgrundsatz berücksichtigt werden.

Im Einzelnen werden seitens der BaFin im Rahmen der MaBail-in folgende Anforderungen gestellt:

  • Bereitstellung von Detailinformationen an die Abwicklungsbehörde zu wesentlichen Positionen der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung, zu den aufsichtsrechtlichen Eigenmitteln und risikogewichteten Aktiva sowie wesentlichen Methoden, Annahmen und Einschätzungen der Abwicklungseinheit zu einem beliebigen Anfragestichtag der BaFin, und innerhalb von 24 Stunden.
  • Ermittlung institutsinterner Auswirkungen eines potentiellen Bail-in (interne Auswirkungsanalyse) durch Berechnung von Aktiv- und Passivpositionen gemäß den jeweils anzuwendenden Rechnungslegungsvorschriften, Adjustierung der zuvor auf den Anfragestichtag fortgeschriebenen Gewinn- und Verlustrechnung und Auswirkungen auf die risikogewichteten Aktiva und Eigenmittel innerhalb von 12 Stunden.
  • Vorbereitung der externen Ausführung der Herabschreibung und/oder Umwandlung innerhalb von 12 Stunden sowie technische und bilanzielle Verbuchung der Herabschreibung und Umwandlung auf Basis der Abwicklungsanordnung innerhalb von 24 Stunden. Hierbei wurde der mögliche Zeitraum für die Vorbereitung der externen Ausführung gegenüber der externen Konsultation um 12 Stunden reduziert.
  • Implementierung geeigneter und jederzeit einsatzbereiter Systeme und Prozesse in Form einer technischen und organisatorischen Ausstattung, die eine Bereitstellung vollständiger, sachlich und inhaltlich richtiger, konsistenter sowie zeitlich und rechtlich korrekt zugeordneter Informationen gewährleisten.

Hinsichtlich der bereitzustellenden Detailinformationen wurden in den MaBail-in eine Gläubigerliste mit 41 Datenfeldern veröffentlicht. Anpassungsbedarf daraus resultiert auch für Institute, die bereits eine MREL-Meldung abgeben, da 20 dieser 41 Datenfelder nicht Bestandteil der MREL-Meldung sind.

Institute sind zudem angehalten, eine Dokumentation aller für die Erfüllung der Anforderungen notwendigen Prozesse und Systeme sowie die technischen und personellen Ressourcen anzufertigen und die Einhaltung der Anforderungen regelmäßig zu überwachen.

Konsultation 10/2019, Entwurf eines Merkblattes zur externen Bail-in-Implementierung

Als Ergänzung zur MaBail-in hat die BaFin in Zusammenarbeit mit der Deutsche Börse Gruppe und WM Datenservice ein Konzept zur externen Implementierung der Herabschreibung und Umwandlung erarbeitet und in einem Merkblatt festgehalten. Dieses Merkblatt wurde von April bis Juni 2019 konsultiert und gibt einen Überblick über den Gesamtprozess der externen Bail-in-Implementierung gemäß den Vorgaben der Abwicklungsanordnung. In diesem Zusammenhang werden die zeitlichen Abläufe, die beteiligten Akteure (u.a. BaFin, Bank/Agent, Zentralverwahrer, Börse) inklusive deren Zuständigkeiten sowie die zu verwendenden Kommunikationswege und -schnittstellen beschrieben und die auszutauschenden Informationen definiert.

Der beschriebene Gesamtprozess – bestehend aus 20 Prozessschritten – wurde zunächst für ein zuvor definiertes Basisszenario erarbeitet und soll sukzessive um weitere Komplexitätsstufen erweitert werden.

Steigende Anforderungen an die Ad Hoc-Meldefähigkeit der Institute

Obwohl es sich bei den MaBail-in um eine Gone Concern-Thematik handelt, stellen die neuen Berichts- und Meldeanforderungen eine Weiterentwicklung der laufenden Bilanzierungs- und Meldewesenfunktionalitäten voraus.

Ziel muss es sein, Prozesse zu beschleunigen, um die relevanten Informationen innerhalb kürzester Zeit („ad hoc“) der Abwicklungsbehörde auch untermonatlich zur Verfügung stellen zu können und dabei dennoch eine hohe Meldequalität sicherzustellen. Wie unsere Analysen mit dem PwC-Datenqualitätstool ART zeigen, kommt der Vollständigkeit und Qualität der Daten sowie der Konsistenz zur Rechnungslegung und zum COREP-Datenhaushalt eine besondere Bedeutung zu.

Komplexitätssteigernd wirkt hierbei, dass die Anforderungen der MaBail-in nicht nur seitens der Abwicklungseinheit auf Einzelinstitutsebene, sondern nach einer entsprechenden Aufforderung der BaFin auch für die Abwicklungsgruppe umzusetzen sind. Des Weiteren behält sich die BaFin vor, die Mindestanforderungen institutsspezifisch zu erweitern.

Institute stehen also insgesamt vor der Herausforderung, Prozesse zu beschleunigen und dennoch eine hohe Meldequalität sicherzustellen. Aktuelle Diskussionen zeigen jedoch, dass viele Institute derzeit noch nicht über entsprechende Systeme und Prozesse verfügen, um den Vorgaben der MaBail-in effektiv und zielgerichtet begegnen zu können. Um den Mindestanforderungen gerecht zu werden, empfehlen wir betroffenen Instituten eine strukturierte Gap-Analyse und die Abstimmung von Lösungsansätzen unter Nutzung der sich aktuell stark weiterentwickelnden technischen Möglichkeiten. Grundlage für die Implementierung einer angemessenen Ad Hoc-Meldefähigkeit ist dabei eine strukturierte Analyse sämtlicher relevanter Systeme und Datenfelder sowie der technischen und prozessualen Abläufe, um die wesentlichen Werttreiber und Zulieferprozesse zu identifizieren und Engpässe gezielt zu beseitigen.

Sie haben Fragen zu den Anforderungen im Detail? Gerne unterstützen wir Sie bei der weiteren Aufarbeitung der für Sie relevanten Themen und der Analyse der Auswirkungen auf Ihr Institut. Sprechen Sie uns einfach an.

 

 

Dr. Matthias Maucher

Telefon:+49 711 25034 3557

matthias.maucher@pwc.com

 

 

Andreas Gerlach

Telefon:+49 30 2636 1026

andreas.gerlach@pwc.com

 

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