Neue Konsultationspapiere zu den ITS on Supervisory Reporting – Teil 1: Meldeanforderungen nach CRR II

Die European Banking Authority (EBA) hat in den letzten Wochen drei Konsultationspapiere zu den ITS on Supervisory Reporting veröffentlicht, die die Anpassungen der Meldevorschriften gemäß CRR II, die spezifischen aufsichtsrechtlichen Berichtsanforderungen zum Marktrisiko und hier insbesondere zum Fundamental Review of the Trading Book (FRTB) sowie neue Meldeanforderungen zu MREL und TLAC inkl. der Offenlegung dieser Meldungen zum Inhalt haben.

Die Inhalte dieser drei Konsultationspapiere werden wir Ihnen im Rahmen unserer dreiteiligen Serie zum Supervisory Reporting vorstellen, um Ihnen eine Überblick über die relevanten kommenden Änderungen in den Meldebögen zu geben. Teil I unserer Serie fasst die wesentlichen Änderungen aus dem EBA-Konsultationspapier zu den Meldeanforderungen nach CRR II zusammen.

EBA-Konsultationspapier zu den Meldeanforderungen nach CRR II (2019-10)

Am 16. Oktober 2019 hat die EBA eine Konsultation zur Anpassung der aufsichtsrechtlichen Meldevorschriften gem. CRR II gestartet (Consultation Paper on Draft Implementing Technical Standards on supervisory reporting requirements for institutions under Regulation (EU) No 575/2013 (EBA-CP-2019-0)). Dieses Konsultationspapier deckt die mit der Inkraftsetzung der CRR II geänderten bzw. neuen aufsichtsrechtlichen Meldeanforderungen, aber auch die Anforderungen an die Verlustabdeckung von Non-Performing Exposures ab. Die überarbeiteten Meldevorschriften sollen ab dem Meldestichtag 30. Juni 2021 anzuwenden sein und werden die bisherigen Meldeanforderungen aus der Verordnung (EU) Nr. 680/2014 ablösen.

Basierend auf dem Proportionalitätsgedanken der CRR II, enthält auch der aufsichtsrechtliche Berichtsrahmen vordefinierte Größen  sowie risikospezifische Kriterien und Schwellenwerte, die bestimmte Berichtsanforderungen auszulösen, um so der Art, der Komplexität und der Risikobereitschaft der Geschäftsaktivitäten der Institute entsprechend Rechnung zu tragen.

Insbesondere die beiden neuen Definitionen zu „kleinen und nicht komplexen Instituten“ und „großen Instituten“ in der CRR II tragen dabei zur verbesserten Verhältnismäßigkeit bei. Kleine und nicht komplexe Institute profitieren damit u.a. von weniger häufigen und weniger detaillierten Offenlegungsanforderungen und der Möglichkeit, eine vereinfachte NSFR zu melden. Dahingegen sind große Institute dazu verpflichtet, granulare Offenlegungsanforderungen zu erfüllen und u.a. zusätzliche Meldebögen im Zuge der Leverage Ratio und der FinRep-Meldung einzureichen.

Ein Überblick über die angepassten Meldebögen

Mit der Inkraftsetzung der NSFR-Mindestanforderung von 100% sowie der Kalibrierung von Gewichtungsfaktoren erfolgt auch die Einführung von vollständig neuen Meldebögen, mit denen die Einhaltung der neuen Anforderungen sichergestellt werden kann. Gleichzeitig wird, wie bereits in der CRR II vorgegeben, auch bei den Meldebögen zwischen der Standard-NSFR und der vereinfachten NSFR (simplified-NSFR), unterschieden. Dabei haben insbesondere kleine und nicht komplexe Institute nach vorheriger Genehmigung durch die zuständige Aufsichtsbehörde die Möglichkeit, die NSFR mit der vereinfachten Methode zu ermitteln und demnach die simplified-NSFR-Meldebögen einzureichen. Wir unterstützen Sie gerne bei der Implementierung der neuen NSFR-Anforderungen, aber auch bei der Analyse, ob Sie die qualitativen und quantitativen Anforderungen an ein kleines und nicht komplexes Institut erfüllen, um die NSFR nach dem simplified-Ansatz berechnen zu können.

Die Mindestanforderung an die Verschuldungsquote in Höhe von 3% bringt ebenfalls Anpassungsbedarf in den Meldebögen mit sich. Neben der Berücksichtigung entsprechender Positionen zur Ermittlung des Gegenparteiausfallrisikos (siehe auch Ausführungen zum SA-CCR) haben veränderte Definitionen in der CRR II hinsichtlich der Zuordnung verschiedener Exposure, Auswirkungen auf nahezu alle Meldebögen der Leverage Ratio. Für große Institute stellt die wesentlichste Änderung ein neuer Meldebogen dar, mit dem die Volatilität der Leverage Ratio basierend auf ermittelten Durchschnittswerten überwacht wird.

Einzelne Erweiterungen im Meldebogen zur Aufstellung der anrechenbaren Eigenmittel finden sich ebenso wie die Aufnahme des Infrastrukturunterstützungsfaktors und des angepassten KMU-Faktors in der COREP-Meldung wieder. Während die Meldebögen zur Ermittlung der Eigenmittel um einzelne Zeilen erweitert werden, werden insbesondere sechs neue Meldebögen zur Berechnung der Eigenmittelanforderungen für das Kreditrisiko basierend auf dem IRB-Ansatz eingeführt. Hieraus ergeben sich für große Institute zudem Veränderungen im Meldeturnus, die von wesentlicher Bedeutung sein werden.

Maßgebliche Auswirkungen auf eine Vielzahl von Meldebögen hat die Einführung von neuen Berechnungsmethoden für die Bemessungsgrundlage des Gegenparteiausfallrisikos. Für jede der mit der CRR II eingeführten Berechnungsmethode, d.h. SA-CCR, simplified SA-CCR sowie die überarbeitete Ursprungsrisikomethode, wurden eigene Meldebögen entwickelt. Abhängig von der eingesetzten Berechnungsmethode variiert nicht nur die Komplexität bei der Berechnung des Gegenparteiausfallrisikos und die Höhe der erforderlichen Eigenmittelunterlegung, sondern auch der entsprechende Meldeumfang. Hierbei sollte jedes Institut bereits vorab überprüfen, welche der drei Methoden basierend auf der Komplexität und der Größe des Derivateportfolios und unter Berücksichtigung der ebenfalls zu meldenden Schwellenwerte die passendste Methode ist. Unsere Proberechnungen haben gezeigt, dass für viele Kreditinstitute der Einsatz einer komplexeren Methode im Hinblick auf die Eigenmittelunterlegung empfehlenswert ist, obwohl eine einfachere Methode auf Basis der Schwellenwerte genutzt werden könnte. Gerne unterstützen wir Sie ebenfalls mit Proberechnungen bei der Entscheidung für die für Ihr Institut geeignete Methode und helfen Ihnen bei der Anbindung der relevanten Meldedaten an Ihre Meldewesensoftware.

Auch die aufsichtsrechtliche Kapitalvorsorge für die Non-performing Exposures (NPE) finden mit dem neuen ITS Berücksichtigung in verschiedenen Meldebögen. Die COREP-Meldung wird um drei Meldebögen zu den NPE erweitert, die Angaben zur Besicherung der NPE, zur Entwicklung der Wertberichtungen sowie zu erfolgten Abschreibungen enthalten. Während diese Erweiterung in der COREP-Meldung der Ermittlung der Verlustabdeckung und der Eigenmittelanforderungen dient, wird die FINREP-Meldung um Meldebögen erweitert, die die Höhe bestehender NPE sowie deren Wertberichtigung aus Accounting-Perspektive berücksichtigen. Im Rahmen der FINREP-Meldung erfolgt zudem die Implementierung eines neuen Meldebogen, der halbjährlich bei der Aufsicht einzureichen ist und in dem NPE und deren Wertberichtigungen in verschiedene Zeiträume aufzugliedern sind.

Weitere Änderungen finden sich in den Meldebögen zur Large Exposure Meldung, in der die Berücksichtigung des Kernkapitals als neue Großkreditgrenze sowie die neue Sonder-Obergrenze für Exposures zwischen G-SIIs aufgenommen wurden. Die Meldebögen LE4 und LE5 zur Aufgliederung der Restlaufzeiten der jeweils zehn größten Risikopositionen gegenüber Instituten und nicht regulierten Unternehmen der Finanzbranche sind hingegen entfallen. Dies stellt also für Institutsgruppen eine deutliche Erleichterung dar.

Darüber hinaus hat die EBA im Rahmen der Überprüfung der Melde- und Offenlegungspflichten eine Integration von aufsichtsrechtlichen Meldeanforderungen und der Offenlegung vorgenommen. Neben der Verbesserung der Konsistenz zwischen den Melde- und Offenlegungspflichten, einschließlich einer Standardisierung der Formate und Definitionen, soll dies auch die Einhaltung der Anforderungen erleichtern, da die gleichen Daten zur Erfüllung der Melde- und Offenlegungspflichten verwendet werden. Darüber hinaus soll die angestrebte Integration die Qualität der offengelegten Daten verbessern, da diese der Beurteilung der zuständigen Aufsichtsbehörde unterliegen.

Die Integration von den Meldeanforderungen und der Offenlegung ist ebenfalls Grundgedanke des parallel erschienenen Konsultationspapiers zum ITS für Offenlegung (Consultation Paper on Draft Implementing Technical Standards on public disclosures by institutions of the information referred to in Titles II and III of Part Eight of Regulation (EU) No 575/2013 (EBA-CP-2019-09))

Anwendungsbereich und Inkrafttreten

Die Konsultationsfrist, in deren Rahmen eine öffentliche Anhörung am 12. Dezember 2019 geplant ist, endet am 16. Januar 2020. Die Einreichung des finalen ITS bei der EU Kommission wird für Juni 2020 erwartet. Das geplante Inkrafttreten ist am 28. Juni 2021, was eine erstmalige Meldung der überarbeiteten Meldebögen zum Stichtag 30. Juni 2021 zur Folge hat.

Neben dem in diesem Konsultationspapier vorgestellten neuen ITS für die Erfüllung der aufsichtsrechtlichen Meldeanforderungen, sind zwei weitere Anpassungen aufgrund der Änderungen aus CRR II, CRD V und BRRD II geplant:

  • Neuer ITS zur Berichterstattung über die neuen Marktrisikoanforderungen (v2.10) und
  • Neuer ITS für MREL/TLAC-Berichte und Offenlegungen (v3.0).

Diese Anpassungen sollen gesammelt in dem neuen Reporting-Framework v3.0 nach dem in der Abbildung dargestellten Zeitplan umgesetzt werden (zum Vergrößern bitte anklicken).

 

Auswirkungen auf die Institute

Insbesondere die Integration der EBA-Vorgaben zur Offenlegung nach Teil 8 CRR in die Meldeanforderungen kann zu einer erheblichen Effizienzsteigerung und Verbesserung der Datenkonsistenz für die Institute führen. Die erforderlichen Anpassungen sowie Erleichterungen im Rahmen der Meldungserstellung müssen individuell durch die Institute überprüft werden. Hierbei ist von einer Erleichterung im Meldeumfang und der Meldefrequenz für kleine und nicht komplexe Institute auszugehen.

Bei Fragen rund um die Auswirkungen der neuen CRR II-Anforderungen sowie zur Umsetzung der neuen Anforderungen an die Meldebögen kommen Sie gerne auf uns zu. Wir unterstützen Sie bei der Analyse sowie der Implementierung der erforderlichen Anpassungen und stehen Ihnen bei sämtlichen Fragestellungen zum Thema Aufsichtsrecht zur Seite.

 

 

Daniel Knödler

Telefon: +49 69 9585 1030

daniel.knoedler@pwc.com

 

 

Carolien Lehnen

Telefon: +49 89 5790 5797

carolien.lehnen@pwc.com

 

 

Elena Arndt

Telefon: +49 89 5790 5224

elena.arndt@pwc.com

 

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