Neues Meldewesen für Millionenkredite, Finanzdaten und Risiko – Informationen für die Zukunft – Teil I

Die Finanzmarktkrise hat zu deutlichen Verschärfungen und Reformen der Finanzaufsicht geführt. Entsprechend sind auch die Anforderungen an die Überwachung durch die jeweiligen Aufsichtsbehörden gestiegen.  Für eine effektive Überwachung müssen  ausreichende Information  zur Verfügung stehen. Vor diesem Hintergrund haben BaFin und Deutsche Bundesbank ein Konzept zur Modernisierung des bankaufsichtlichen Meldewesens entwickelt. Das Konzept steht jetzt (und nach Verlängerung der ursprünglichen Frist vom 31.03.2011 noch bis zum 23.05.2011) zur Konsultation. Die Grundzüge des neuen Meldewesens möchte ich Ihnen im Folgenden erläutern. Teil I befasst sich mit dem neuen Konzept für  Meldungen von unterjährigen Finanzdaten und Risikotragfähigkeit. Im Teil II, den Sie demnächst auf diesen Seiten finden, werde ich auf die Änderungen im Bereich des Millionenkreditmeldewesen eingehen.

Module des neuen Meldewesen

Das neue Konzept ist modular aufgebaut. Im Wesentlichen beziehen sich die Änderungen auf Meldungen von unterjährigen Finanzdaten (Modul A), Millionenkreditmeldungen (Modul B), Umsetzung von COREP (Modul C) und Meldungen im Zusammenhang mit der Erstellung eines Risikotragfähigkeitsberichts (Modul D). Die Umsetzung der einzelnen Module erfolgt stufenweise. Teile des Basismeldewesens im Modul A sollen bereits zum Stichtag 30.06.2011 verbindlich sein. Einen etwas längeren Vorlauf bis 31.12.2012 – weil als europäische Vorgaben erstmals in deutsches Recht umgesetzt – haben die im Modul A enthaltenen Änderungen bezüglich der Guidelines on Financial Reporting (FINREP).

Die Umsetzung der Änderungen im Millionenkreditwesen  soll schrittweise, beginnend zum 31.12.2012, erfolgen. Da es hier nicht  nur um zusätzliche Meldeerfordernisse geht, sondern vor allem um inhaltliche Änderungen der Meldetatbestände (z.B. Kreditbegriff, Kreditnehmereinheiten)   sowie eine deutlich niedrigere Meldegrenze, ist ein stufenweiser Umsetzungsplan bis 31.12.2015 vorgesehen.

Modul C mit dem COREP Reporting  ist ab Ende 2012 als ein einheitliches europäisches Solvenz- und Großkreditmeldewesen anzuwenden. Für den Bericht zur Risikotragfähigkeit (Modul D) geht man derzeit davon aus, dass eine Einreichung dieser Meldungen nicht vor  Ende 2011 zu erwarten ist.

Unterjährige Finanzdaten (Modul A)

Der Reformvorschlag sieht die Verbesserung des Informationsflusses bei unterjährigen Finanzdaten vor. Unterjährige Ertragsdaten, die einen laufenden Einblick in die aktuelle Ertragslage ermöglichen, sind aus den bisherigen standardisierten Meldepflichten für die Aufsicht nicht ablesbar. Hinzu kommt, dass im Rahmen der europäischen Vorgaben seit längerem mit den Financial Reporting Standards für IAS/IFRS-Abschlüsse an der Vereinheitlichung der Meldepflichten für Finanzdaten gearbeitet wird. Entsprechend soll das neue Konzept auch diese  – in Deutschland bisher noch nicht umgesetzten – europäische Vorgaben berücksichtigen.
Ein sog. Basismeldewesen für alle Institute auf Basis von Einzel- sowie Konzernabschlüssen nach HGB deckt die Angaben zu Gewinn- und Verlustdaten sowie sonstigen Angaben, die für die Beurteilung der Finanzsituation von Bedeutung sind (z. B. stille Reserven und Lasten), ab. Berücksichtigt werden dabei auch neue Kennziffern wie z. B. die Leverage Ratio.

Institutsgruppen mit IFRS-Konzernabschluss – sogenannte FINREPbasis-Anwender – sollen die Meldepflichten nach FINREP (IFRS-Konzernbilanz, IFRS-Gewinn- und Verlustrechnung, Aktiva, Verbindlichkeiten, Eigenkapital und Minderheitsanteile aus der Konzernbilanz, Gewinn- und Verlustrechnung) erfüllen. Darüber hinaus sind weitergehende Meldepflichten beispielsweise über Derivate zu Handelszwecken oder als Sicherungsinstrument, Aufgliederung der Finanzaktiva,  Informationen zu Wertminderungen und Fälligkeiten, zum Kreditrisiko und zu Wertminderungen, zum fair value, über Darlehenszusagen, finanzielle Sicherheiten, sonstige Zusagen oder Eigenkapitalveränderungsrechnung zu beachten.

Einem Teil der FINREP-Anwender (sog. FINREPplus-Anwender) obliegen daneben zusätzliche Meldepflichten  wie z.B. Ertragsdaten  segmentiert nach Geschäftsbereichen (inkl. Plandaten), Angaben zu aufsichtlichen Eigenmitteln und Zinsänderungsrisiken.

COREP (Modul C)

Basierend auf dem gemeinsamen europäischen standardisiertes Melde-Format für Solvenzzahlen COREP der EBA/vormals CEBS (Revised Framework on Common Reporting COREP, Jan. 2010  und CEBS Revised Guidelines on Common Reporting, Jan. 2010) werden die Meldedaten der Institute im Hinblick auf Eigenkapital und eigenkapitalunterlegungspflichtige Positionen wesentlich vertieft.

Bericht Risikotragfähigkeit (Modul D)

Das Konzept für einen Bericht Risikotragfähigkeit, befindet sich derzeit noch in der aufsichtlichen Entwicklung. Klar ist, dass seitens der Aufsicht einen möglichst aktuellen und tiefen Einblick in die bankinternen Verfahren zur Risikotragfähigkeitssteuerung – wie er nach dem Internal Capital Adequacy Assessment Process (ICAAP) im Rahmen von Basel II vorgesehen ist  – erhalten soll. Zu melden sind dann qualitativ unterlegte Zahlen aus der Risikosteuerung der Institute. Im Wesentlichen geht es dabei um den konzeptionellen Ansatz der dem Risikotragfähigkeitskonzept zugrunde liegt, welche Risikoarten, berücksichtigt werden (z. B. Risikobeträge, Risikolimite), sowie Informationen über die eingesetzten Risikomessverfahren  und  der vom Institut ggf. ergriffenen Steuerungsmaßnahmen. Bereits jetzt ist bezüglich des Risikotragfähigkeitsberichts eine weitere Konsultation angekündigt.

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