Neues EBA Konsultationspapier zur Offenlegung bringt neue Herausforderungen für Institute (CP-2019-09)

Am 15. Februar 2019 hat der Rat der Europäischen Union die finalen Entwürfe zur Änderung des Banking Package, darin unter anderem die finalen Entwürfe der CRR II und der CRD V, gebilligt. Im Rahmen der CRR II wurden einige aufsichtsrechtliche Vorgaben, wie z.B. die Leverage Ratio, die Net Stable Funding Ratio , die Anforderungen an die Eigenmittel und die anrechenbaren Verbindlichkeiten oder das Adressenausfallrisiko, zum Teil erheblich überarbeitet. Daneben sieht sie auch deutliche Anpassungen im Bereich der bankaufsichtsrechtlichen Offenlegung (Säule III) vor, die auf Arbeiten des Baseler Ausschusses (BCBS 356 , BCBS 455) zurückgehen.

Auf Grundlage des Mandats des Artikels 434a CRR II entwickelt die EBA derzeit Technische Implementierungsstandards für einheitliche Offenlegungsformate sowie entsprechende Anweisungen für die Säule III-Anforderungen der Institute (Draft ITS on public disclosures by institutions of the information referred to in Titles II and III of Part Eight of Regulation (EU) No 575/2013 (EBA-CP-2019-09)). Seit dem 16. Oktober 2019 steht dieser ITS-Entwurf zur Konsultation.

Die wichtigsten Inhalte

Die grundlegenden Prinzipien der Offenlegung – Konsistenz und Vergleichbarkeit der offengelegten Informationen – sollen durch den ITS-Entwurf gestärkt werden. Die EBA optimiert das Offenlegungsrahmenwerk, indem sie die bestehenden Leitlinien in einem ITS zur Offenlegung vereint. Damit werden die Vorgaben der CRR II und die Prinzipien des Basel IV-Rahmenwerks gleichermaßen integriert. Die Bestrebungen, Offenlegung und regulatorisches Reporting weiter einander anzugleichen, stellen einen weiteren Kernpunkt des Konsultationspapiers dar. So werden die offenzulegenden und die zu meldenden Informationen stärker aufeinander abgestimmt. Parallel läuft bereits eine Konsultation der neuen Meldebögen, die die geänderten Vorgaben der CRR II aufgreifen (erste Inhalte und Auswirkungen finden Sie in unserem Regulatory Blog Beitrag: „Neue Konsultationspapiere zu den ITS on Supervisory Reporting“ vom 28. November 2019.)

Begleitet wird der ITS-Entwurf durch ein „Mapping Tool“ zwischen Reporting und Offenlegung. Dieses stellt ein umfassendes Set von Excel-Dateien zur Verfügung, welche die Zuordnung der meisten quantitativen Offenlegungsvorlagen zu den relevanten COREP-Datenpunkten ermöglichen soll. Die benötigten Informationen der Offenlegungsvorlagen können entweder direkt aus den Säule I – Reportings entnommen (one-to-one-mapping) oder mithilfe mehrerer Datenpunkte der COREP-Meldungen abgeleitet werden (flexible mapping)(zum Vergrößern bitte anklicken):

Den Baseler Vorgaben folgend sowie zur Erfüllung der Offenlegungsanforderungen gemäß Art. 447 CRR II, enthält der ITS-Entwurf ein Template für Schlüsselkennzahlen (EU KM1 – Key Metrics Template). Demnach sind unabhängig von der Größe eines Instituts die wichtigsten aufsichtlichen Kennzahlen sowie Anforderungen der Säule III zu Eigenmitteln, zur Verschuldungsquote sowie zur LCR und NSFR in einer Tabelle offenzulegen. Gänzlich neu ist auch die Tabelle EU OVC, welche mit ICAAP-Informationen zu befüllen ist, sowie das Template EU LIQ2 zur Offenlegung der NSFR.

Im Einklang mit den im Rahmen der CRR II eingeführten  neuen Verfahren zur Ermittlung des Gegenparteiausfallrisikos beinhaltet der ITS-Entwurf auch eine ganze Reihe an überarbeiteten Templates, die auf die offenlegungsrelevanten Inhalte dieser Verfahren (SA-CCR, vereinfachter SA-CCR und modifizierte Ursprungsrisikomethode) eingehen.

Im Bereich der Kreditrisikoqualität wurden die Templates der bestehenden EBA-Leitlinien zur Offenlegung (2016/11) sowie zu Non-Performing Exposures (NPE, GL 2018/10 GL 2018/10) auf Überschneidungen geprüft. Damit werden nach derzeitigem Stand künftig zehn Templates, die bisher in der Leitlinie 2016/11 enthalten sind, entfallen.

Der ITS-Entwurf bringt ferner weitere Neuerungen mit sich, die sich in den folgenden Punkten niederschlagen:

  • Template EU PV1- Prudent valuation adjustments (PVA),
  • überarbeitete Templates für die Leverage Ratio, die unter anderem die Änderungen des Baseler Ausschusses von 2018 berücksichtigen (Vermeidung von „Window Dressing“),
  • Klarstellungen zur Vergütungspolitik sowie
  • neue Templates für die Offenlegung operationeller Risiken.

Auswirkungen auf die Institute

Durch die CRR II wird im Rahmen der Offenlegung der Institute, wie auch im Meldewesen, ein wesentlicher Schwerpunkt auf den Aspekt der Proportionalität gelegt. Dies zeigt sich vor allem in der Einführung einer Unterscheidung der Offenlegungspflichten und -häufigkeiten nach Institutsgröße, Komplexität und Kapitalmarktorientierung. Hier wird zwischen „kleinen und nicht komplexen Instituten“ und „großen Instituten“ (Bilanzsumme größer 30 Mrd. EUR) differenziert. Institute, die nicht zu einer dieser Kategorien gehören, werden als „andere“ Institute bezeichnet. Auf der einen Seite bringt das Proportionalitätsprinzip eine Erleichterung für kleine und nicht komplexe Institute, deren Offenlegungspflichten sich zukünftig stark auf die Veröffentlichung von Schlüsselkennzahlen gemäß Vorlage EU KM 1 konzentrieren.

Große Institute haben bereits Erfahrungen bei der Umsetzung der EBA Leitlinie 2016/11 gesammelt. Bei ihnen wird hingegen der zukünftige Aufwand bei der Umsetzung der neuen CRR II Ansätze liegen (beispielsweise SA-CCR), was mit der Umsetzung der Reporting-Anforderungen einhergehen wird. Außerdem werden durch den ITS-Entwurf Schwellenwerte eingeführt, um zusätzliche Offenlegungspflichten für Großbanken aufgrund ihrer Risikoprofile zu veranlassen. Dies betrifft vor allem die Offenlegung der Kreditrisikoqualität (Informationen zu Non-Performing Exposures) sowie die Offenlegung von belasteten und unbelasteten Vermögenswerten.

Neben den inhaltlichen Herausforderungen, die in erster Linie das Reporting betreffen, sind für gr0ße Banken insbesondere Optimierungs- und Automatisierungsmöglichkeiten für die Erstellung des Offenlegungsberichts relevant. Erfahrungsgemäß haben zahlreiche Institute aufgrund der Flut an regulatorischen Neuerungen in der Vergangenheit immer neue, teils manuelle Prozesse eingeführt. Nach der ersten Umsetzung stellt sich jedoch auch immer die Frage nach einer weiteren Automatisierung und Optimierung dieser Prozesse. Des Weiteren sind einige Abstimmungsprozesse sehr aufwendig und unterliegen häufig unterschiedlichen Validierungsschritten.  Unsere Experten stehen Banken gerne bei einer Analyse der Offenlegungsprozesse auf Optimierungspotenziale und Vereinfachungsmöglichkeiten zur Seite. Beispielsweise lassen sich bei wiederkehrenden Prozessen, wie sie im Rahmen der Offenlegung auftauchen, oft Effizienzvorteile durch den Einsatz von modernen Technologien wie Robotics realisieren. So kann im Rahmen einer Detail-Prozess-Analyse die Einwertung der Effizienzhebel auf Ebene einzelner Prozessschritte erfolgen. Mit einem einmaligen Aufwand für die Prozessanalyse lassen sich kurz-, mittel- und langfristige Effizienz- und Einsparpotenziale identifizieren.

Die Herausforderung für mittelgroße Institute liegt in der Tatsache begründet, dass sie bisher nicht gezwungen waren, die EBA Leitlinie 2016/11 umzusetzen und daher die CRR-Anforderungen in weiten Teilen ohne vorgegebene Formatvorlagen erfüllen konnten. Die von der EBA vorgegebenen Tabellen fordern eine strengere Konsistenz, Genauigkeit und vor allem Abstimmbarkeit zwischen unterschiedlichen Datenquellen, was sich bei der Umsetzung der EBA Leitlinie 2016/11 als große Herausforderung erwiesen hat. Als besonders wichtige Themen sind hier unterschiedliche Definitionen und Granularität zwischen COREP und FINREP, sowie die Verknüpfung von Bilanz- und Aufsichtsrechtsinformationen (die sogenannten L1 und L2 Tabellen) hervorzuheben. Gerade bei der ersten Umsetzung der neuen Offenlegungsanforderungen ist es notwendig, die Prozesse möglichst schlank und automatisiert zu gestalten, damit eine stabile und robuste Berichterstattung sichergestellt ist. Die Finalisierung der ITS zur Offenlegung ist ein geeigneter Zeitpunkt, um die bestehenden Prozesse zu überprüfen und eine optimale Lösung für die Berichtserstattung sicherzustellen. Gerne teilen wir unsere Erfahrung aus Umsetzungsprojekten zur EBA Leitlinie im Rahmen einer institutsindividuellen Gap- Analyse. Neben fachlicher Unterstützung bieten wir Validierungstools als effiziente Lösungen für eine Abstimmbarkeit zwischen unterschiedlichen Datenquellen.

Die Harmonisierung von Meldewesen und Offenlegung kann einerseits zu Effizienzsteigerungen führen, da weniger Zahlen ausschließlich für die Offenlegung erhoben werden müssen. Hierzu dienen insbesondere die Mappingtabellen der EBA. Gleichzeitig werden hierdurch Anpassungen an den Erstellungsprozessen der Säule III-Berichterstattung notwendig, die institutsindividuell überprüft werden müssen. Bei allen Fragen rund um diese und andere aufsichtliche Themen stehen Ihnen die Experten von PwC gerne zur Seite.

Anwendungsbereich und Inkrafttreten

Die Konsultationsfrist, in deren Rahmen eine öffentliche Anhörung am 12. Dezember 2019 geplant ist, endet am 16. Januar 2020. Die Einreichung des finalen ITS bei der EU Kommission wird für Juni 2020 erwartet. Das geplante Inkrafttreten ist damit am 28. Juni 2021, was eine erstmalige Offenlegung der überarbeiteten Templates und Tabellen zum Stichtag 30. Juni 2021 zur Folge hat. Weitere Themen wie z.B. Offenlegung von Zinsrisiken im Anlagebuch, Indikatoren der globalen Systemrelevanz und Umweltrisiken werden Teil eines weiteren ITS sein. In der Zwischenzeit hat die EBA auch die ITS für die Offenlegung von TLAC und MREL zur Konsultation gestellt und der Baseler Ausschuss veröffentlichte eine neue Konsultation zur Meldung gemäß FRTB, die im dritten und letzten Teil unserer Serie zum Supervisory Reporting näher erläutert werden.

Stefan Röth

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