Umsetzung der CRD III in deutsches Recht – Eigenmittelunterlegung im Handelsbuch, Wiederverbriefung und Offenlegung

Im Rahmen der aktuellen Konsultation 12/2011 hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einen Referentenentwurf der Zweiten Verordnung zur weiteren Umsetzung der geänderten Bankenrichtlinie und der geänderten Kapitaladäquanzrichtlinie vorgelegt. Mit diesem Entwurf sollen weitere Bestandteile der geänderten Richtlinien – insbesondere Regelungen zur Erhöhung der Eigenmittelanforderungen im Handelsbuch, zu  Eigenkapitalanforderungen für Wiederverbriefungen und zu den Offenlegungsanforderungen – in deutsches Recht umgesetzt werden. Die aktuelle Konsultation läuft noch bis zum 15.07.2011.



Hintergrund

Die ursprüngliche Baseler Rahmenvereinbarung zu Eigenkapitalvorschriften von 2004 („Basel II“) wurde auf europäischer Ebene durch die Richtlinien 2006/48/EG („Bankenrichtlinie“)  und 2006/49/EG ( „Kapitaladäquanzrichtlinie“)  umgesetzt. Die Adaption dieser Richtlinien als Capital Requirements Directive („CRD“) in deutsches Recht erfolgte durch das „Gesetz zur Umsetzung der neu gefassten Bankenrichtlinie und der neu gefassten Kapitaladäquanzrichtlinie“ vom 17. November 2006.

Als Reaktion auf die Finanzmarktkrise wurden die Vorschriften der CRD kontinuierlich weiterentwickelt und 2009 durch die  weitere Richtlinien 2009/111/EG, 2009/83/EG und 2009/27/EG als CRD II geändert. Die Umsetzung dieser Regelungen in deutsches Recht erfolgte  in 2010.

Weitere Neuerungen betreffen die Regelungen zu den Eigenkapitalanforderungen für Handelsbuchpositionen und Wiederverbriefungen sowie zur Überprüfung der Vergütungspolitik. Beide Bereiche haben sich im Zuge der Finanzmarktkrise als nicht ausreichend reguliert herausgestellt. Der Basler Ausschuss veröffentlichte hierzu mit Basel II.5 diverse regulatorische Änderungen, die die EU über die  Richtlinie 2010/76/EU (CRD III) übernommen hat. Im Hinblick auf die Vergütungspolitik sind die Regeln u.a. bereits durch die Institutsvergütungsverordnung in deutsches Recht umgesetzt (vgl. dazu Blog-Beitrag: Neue Vergütungsregeln für Banken und Institute).

Die Änderungen der CRD III in Bezug auf Eigenkapitalanforderungen im Handelsbuch und für Wiederverbriefungen sowie im Hinblick auf die Offenlegungsanforderungen müssen bis zum  31. Dezember 2011 in deutsches Recht umgesetzt werden.

Erweiterte Anforderungen an die Eigenmittelunterlegung im Handelsbuch

  • Zusätzlicher Krisen-Risikobetrag  – interne Marktriskomodelle

Um den besonderen Risiken aufgrund von negativen Marktentwicklungen künftig besser Rechnung tragen zu können, werden den Instituten, die eigene Risikomodelle zur Ermittlung der Anrechnungs-oder Teilanrechnungsbetrags für Marktrisikopositionen verwenden, neue Anforderungen auferlegt. Zusätzlich zum bisher schon zu unterlegenden potenziellen Risikobetrag (Value-at-Risk ) wird jetzt ein potenzieller Krisen-Risikobetrag (sog. stressed Value at risk) eingeführt, der wöchentlich zu berechnen ist. Der  Krisen-Risikobetrag  bezieht sich auf die negative Marktentwicklung bei Marktkursen, -preisen oder -zinssätzen im Falle einer Krise. Daher ist ein Beobachtungszeitraum von 12 Monaten heranzuziehen (§ 315 Abs. 3 SolvV-neu).

  •  Zusätzliches Ausfall- und Migrationsrisiko – interne Marktrisikomodelle

Ein weiteres, bisher nicht besonders erfasstes Marktrisiko, stellt das Ausfall- und Migrationsrisiko dar, d.h. das Risiko einer Ratingveränderung verbunden mit der Erhöhung der Ausfallwahrscheinlichkeit.  Zur Abdeckung dieses Risikos wird eine sogenannten Incremental Risk Charge (IRC) eingeführt. 

Institute, die ein eigenes Modell für  die Ermittlung des besonderen Kursrisikos Zinsnettoposition verwenden, müssen zukünftig auch  das zusätzliche Ausfall- und Migrationsrisiko (§ 318a SolvV neu) bei der Berechnung der Eigenkapitalanforderungen berücksichtigen. Die in der SolvV festgelegten Anforderungen für dieses Incremental Risk Charge Modell (IRC-Modell) sind Mindestanforderungen.  Es dürfen  daher auch Ansätze zur Anwendung kommen,  die anderweitige Risiken einbeziehen. Der institutseigene IRC-Ansatz muss darüber hinaus für die interne Risikosteuerung des Instituts eine wesentliche Rolle spielen und entsprechend dokumentiert sein.

  •  Eigenmittelunterlegung für das besondere Kursrisiko von Verbriefungspositionen im Handelsbuch

Mit der Umsetzung der CRD III wird  eine neue Standardmethode eingeführt, mit der das besondere Kursrisiko von Verbriefungspositionen im Handelsbuch angemessen berücksichtigt werden soll (§ 303  Abs. 5 SolvV-neu). Die Vorschriften  entsprechen im Wesentlichen den bereits bekannten Regelungen zur Berücksichtigung von Verbriefungspositionen des Anlagebuches (KSA- bzw. IRBA Positionswerte). Grundsätzlich soll aber die Summe der Long- und  Shortpositionen für die Eigenkapitalunterlegung herangezogen werden. Jedoch räumt man den Instituten eine Übergangsfrist für diese strenge Vorgabe ein. Bis Ende 2013 ist nur der Höchstbetrag (Long- oder Shortposition) mit Eigenkapital zu unterlegen.

Für sogenannte Correlation Trading Portfolien (CTP) ist ein modifiziertes Standardverfahren vorgesehen. (§ 303 Abs. 5 SolvV-neu). Ein Correlation Trading Portfolio umfasst  synthetische Verbriefungsprodukte. Die Basiswerte dieser synthetischen Verbriefungsprodukte können Unternehmen, Institute oder Zentralregierungen sein. Voraussetzung für die Nutzung dieses Ansatzes ist, dass die strengen Anforderungen an die Verbriefungspositionen erfüllt werden (u.a. keine Wiederverbriefung, nur ein Referenzschuldner, hohe Marktliquidität).

Nach dem modifizierten Standardverfahren berechnet  sich die Eigenkapitalunterlegung für das CTP dauerhaft aus dem größeren der Berücksichtigungsbeträge für die Long-Positionen und die  Short-Positionen.

Im Gegensatz zum Standardverfahren kann ein Institut  für die Unterlegung des CTP einen eigenen Modellansatz beantragen. Dieser Comprehensive Risk Measure–Ansatz (CRM) muss alle Wertänderungsrisiken aus dem CTP berücksichtigen.

Die wesentlichen Änderungen betreffen also in erster Linie nur die Institute, die eigene Risikomodelle verwenden. Dies sind in der Regel diejenigen Institute, deren Handelsaktivitäten eine große Bedeutung haben. Parallel dazu haben diese – zahlenmäßig nur wenigen – Institute aber eine hohe Marktbedeutung. Für alle anderen Institute wird durch die CRD III-Regelungen eine erhöhte Unterlegung von Aktienpositionen im Handelsbuch eingeführt. Konkret müssen Institute für das besondere Kursrisiko Aktiennettoposition künftig generell 8% (anstatt 4 % bzw. 2% für hochliquide Aktien mit hoher Anlagequalität) des Positionswertes mit Eigenmitteln unterlegen.

Erhöhung der Eigenkapitalanforderungen für Wiederverbriefungen

Gerade die häufig intransparent gestalteten Verbriefungsstrukturen haben eine angemessene Risikoeinschätzung erschwert. Um die Risiken aus komplexen Produkten künftig besser erfassen zu können,  sind jetzt gesonderte Verbriefungsrisikogewichte für Wiederverbriefungspositionen im KSA und IRBA eingeführt worden. Beispielsweise ergibt sich für Wiederverbriefungspositionen je nach Bonitätsstufe (1-5) ein KSA- Verbriefungsgewicht von 40%, 100%, 225%, 650% und 1250%. Sowohl im KSA als auch im IRBA sind Wiederverbriefungen aufgrund des erhöhten Risikos mit größeren Eigenkapitalanforderungen verbunden.

 Verschärfung der Offenlegungsanforderungen

Die Neuerungen bei der  Nutzung interner Ansätze und Modelle  ziehen auch eine Erweiterung der Offenlegungsanforderungen  nach sich. Sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Hinsicht werden die Offenlegungsanforderungen erhöht. Institute müssen bei Verwendung eigener Risikomodelle Angaben zum potenziellen Krisen-Risikobetrag machen. Die Offenlegungsanforderungen erfassen zudem das neu eingeführte zusätzliche Ausfall- und  Migrationsrisiko, sowie den eigenen Ansatz zur Berücksichtigung der Wertänderungsrisiken bei CTP (§ 330 Abs. 3 – 5 SolvV-neu).  

Wesentliche Änderungen ergeben sich ein weiteres mal für die Angaben zum Verbriefungsgeschäft. Institute müssen jetzt zu allen Verbriefungsaktivitäten Angaben machen, nicht nur – wie bislang – zu denen, für die risikogewichtete Verbriefungspositionswerte ermittelt werden (vgl. § 334 Abs. 1 SolvV-neu). Dabei ist der Katalog der offenzulegenden Informationen lang: Angaben zu den mit den Verbriefungsaktivitäten verfolgten Zielen, den übernommenen Risiken (auch für zurückbehaltene und übernommene Wiederverbriefungen), den internen Prozessen und insbesondere dem Risikomanagement, den übernommenen Funktionen des Instituts im Rahmen des Verbriefungsprozesses sowie dem Umfang der jeweiligen Funktion.

Letztlich dienen diese Regelungen dazu, dass Vertrauen in den  Verbriefungsmarkt wieder herzustellen.

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