Frohe Weihnachten und alles Gute für 2019 !

Liebe Leserinnen und Leser des Regulatory Blogs,

sicher werden Sie sich noch gut erinnern: Im letzten Jahr gab es mit der Veröffentlichung des finalen Basel IV-Pakets kurz vor den Feiertagen noch einen echten Paukenschlag für die Banken- und Finanzbranche. Schnell war klar, dass dieses Thema auch unsere alljährlichen Weihnachtsgrüße bestimmen würde– zu lange und zu gespannt hatte man auf die Finalisierung und Veröffentlichung gewartet. Vielleicht geht es Ihnen ein wenig wie uns und Sie fragen sich gerade, während Sie sich daran zurückerinnern, wo denn schon wieder die Zeit geblieben ist („Was, das ist schon ein Jahr her? Das war doch gefühlt erst vorgestern! Ich wollte mir das doch einmal alles in Ruhe durchlesen!“). Woran das genau liegt und ob die heutige Zeit nun wirklich schnelllebiger ist als die „gute alte Zeit“, können wir nicht abschließend beurteilen. Was wir aber mit Fug und Recht behaupten können, ist, dass in der „regulatorischen Welt“ seither schon wieder so viel passiert ist, dass wir uns gar nicht wundern müssen, warum die Zeit zumindest in unserer Wahrnehmung so schnell verging.

So haben wir uns gemeinsam mit unseren Mandanten von Beginn des Jahres 2018 an – und sicherlich nicht zum letzten Mal – mit den vielfältigen Auswirkungen des finalen Basel IV-Pakets beschäftigt. Die Probe- und Szenariorechnungen haben gezeigt, dass man an einer institutsspezifischen Betrachtung nicht vorbeikommen wird und sich nun spätestens in 2019 mit den Effekten auf die Mehrjahresplanung und die geschäftspolitische Ausrichtung beschäftigen muss. Aber auch die ersten Bemühungen zur Umsetzung der tiefgreifenden Neuerungen – insbesondere im Bereich der internen Ratingverfahren („IRBA 2.0“) – können nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen, um zum geplanten Start von Basel IV in 2022 bestens gerüstet zu sein.

Gleichzeitig zu den Diskussionen um Basel IV liefen in 2018 die intensiven TRIM-Prüfungen weiter und der turnusmäßige Stresstest von EBA und EZB hat nicht zuletzt aufgrund der neuartigen IFRS 9-Effekte wieder einmal für spannende Diskussionen und äußerst kurzweilige Wochen und Monate gesorgt.

Parallel zu diesen täglichen Herausforderungen haben wir natürlich auch immer wieder einen Blick auf die Webseiten der EU-Behörden geworfen, um über den letzten Stand der Verhandlungen um die anstehenden Änderungen der CRR („CRR II“) informiert zu sein. Die abschließende Einigung der Trilog-Partner und Verabschiedung der CRR II auf EU-Ebene scheint nun kurz bevorzustehen, von einer Veröffentlichung im ersten Halbjahr 2019 kann wohl  ausgegangen werden. Die Änderungen, die spätestens dann auch operativ angegangen und umgesetzt werden müssen, betreffen vor allem die Kapitalanforderungen für Marktrisiken („FRTB“) und Kontrahentenrisiken („SA-CRR“). Ferner werden die Leverage Ratio und die Net Stable Funding Ratio final kalibriert und nun auch mit einer verpflichtend einzuhaltenden Mindestquote versehen. Und schließlich ergeben sich neben diversen vermeintlichen Detailänderungen (u.a. im Bereich Großkredite und Investmentfonds) neue Anforderungen im Zusammenhang mit der Abwicklung und Restrukturierung (TLAC/ MREL) sowie zusätzliche Offenlegungspflichten.

Davon losgelöst ist die Reform des Verbriefungsregelwerks schon in trockenen Tüchern und wird noch während der anstehenden „Winterpause“ am 1. Januar 2019 in Kraft treten. Für alle Akteure am Verbriefungsmarkt beginnt dann eine andere Zeitrechnung, da sie es mit einer neuen, regulatorisch bevorzugten Gattung – den sogenannten Simple, Transparent and Standardised (STS)-Verbriefungen – sowie einer vollständig überarbeiteten RWA-Methodik zu tun bekommen werden. Ob bis dahin aber auch schon alle technischen und fachlichen Fragestellungen gelöst wurden, steht auf einem anderen Blatt. So warten noch eine Vielzahl an finalen Standards und Guidelines von EBA und ESMA zur konkreten Auslegung des neuen Regelwerks auf ihre Finalisierung bzw. Verabschiedung in 2019.

Ganz oben auf der Agenda der Aufsichtsbehörden wird aber auch im kommenden Jahr der Umgang mit Non-Performing Loans (NPL) stehen. EZB und EBA haben sich schon vor geraumer Zeit auf den Weg gemacht, eines der großen Probleme europäischer Banken nach der Finanzkrise anzugehen. Inzwischen wurden verschiedene Maßnahmenpakete entworfen und veröffentlicht, die von hohen operativen Anforderungen im NPL-Management über deutlich erweiterte Offenlegungs- und Meldepflichten bis hin zu einer zusätzlichen Kapitalbelastung in Säule 1 und / oder Säule 2 reichen. Aber auch hier liegt natürlich der Teufel im Detail und die Umsetzung der Anforderungen in 2019 wird vermutlich mit großen Herausforderungen im Kapital- und Datenmanagement einhergehen.

Vielleicht werden wir heute in einem Jahr an dieser Stelle aber auch resümieren, dass ganz andere Themen die Agenda des Jahres 2019 bestimmt haben. So haben die Aufsichtsbehörden ihren Fokus für das kommende Jahr insbesondere auf Risiken wie Cyberkriminalität und IT-Störungen, das wirtschaftliche und finanzielle Umfeld im Euroraum, die Entwicklungen an den Immobilienmärkten, Konkurrenz durch Nichtbanken (FinTechs, Schattenbanken) sowie klimabedingte Risiken gelenkt. Es wird interessant sein zu sehen, wie man sich den Umgang mit diesen Risiken aus bankaufsichtsrechtlicher Perspektive im Detail vorstellt.

Schon dieser kleine Ausblick zeigt: Die „regulatorische Welt“ wird sich auch in 2019 wieder zügig weiterdrehen. Es wird für alle Beteiligten eine große Herausforderung bleiben, bei der Vielfältigkeit und Komplexität all dieser Themen und der weiterhin zu erwartenden hohen Frequenz an Veröffentlichungen der Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden den Überblick zu behalten. Hier wird es vor allem darauf ankommen, die Themen zu priorisieren und die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Mit unserem Regulatory Blog werden wir auch im kommenden Jahr dazu wieder einen kleinen Beitrag leisten.
Wir möchten hier aber auch die Gelegenheit nutzen, uns bei Ihnen ganz herzlich für Ihr reges Interesse an unseren Beiträgen im zurückliegenden Jahr zu bedanken. Bleiben Sie uns auch im neuen Jahr gewogen und zögern Sie nicht, mit Fragen, Anmerkungen oder Kritik auf uns zuzukommen.

Bis dahin wünschen wir Ihnen fröhliche und geruhsame Feiertage und einen gesunden Start in das neue Jahr!

Herzlichst,

Ihr PwC-Team Regulatory Management

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