Finale Basel IV Regelungen für die CVA Risk Capital Charge durch den Baseler Ausschuss veröffentlicht

Am 8. Juli 2020 hat der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) den finalen Standard zum Baseler Rahmenwerk zur Bestimmung der aufsichtsrechtlichen CVA Risk Capital Charge (BCBS 507) veröffentlicht. Damit erfolgt eine erneute Überarbeitung des Basel IV CVA-Rahmenwerks, welches zunächst im Dezember 2017 zusammen mit den Regelungen zum KSA, IRB und OpRisk unter Basel IV finalisiert wurde (siehe Blogbeitrag Finalisierung von Basel III oder Basel IV: Die nächste Generation der risikogewichteten Aktiva – Teil II: CVA, operationelle Risiken und Floor-Regelungen).Die erneute Überarbeitung dient der Vereinheitlichung der Vorgaben im Einklang mit dem weiter entwickelten Marktpreisrisikorahmenwerk (FRTB), welches im Januar 2019 erneut angepasst wurde und als Basis für die CVA Risk Capital Charge dient. Der überarbeitete Standard für die regulatorische Behandlung des CVA-Risikos enthält

  • Anpassungen des Anwendungsbereichs der CVA Risk Capital Charge
  • Rekalibrierungen von Risikogewichten im CVA-Standardansatz und CVA-Basisansatz sowie
  • Generelle Rekalibrierung beider Ansätze

Die Modifikationen des revidierten Standards treten am 1. Januar 2023 in Kraft.

Wesentliche Änderungen im Überblick

Im Vergleich zum CVA-Rahmenwerk aus 2017 (BCBS 424) erfolgt eine Reduktion des Umfanges der Geschäfte, für welche die CVA Risk Capital Charge zu ermitteln ist. So ist für Wertpapierfinanzierungsgeschäfte (SFTs) nur dann eine CVA Risk Capital Charge zu ermitteln, sofern die CVA-Risiken durch die zuständigen Aufsichtsbehörden als wesentlich eingestuft werden. Insofern kehrt der Baseler Ausschuss zurück zu den Vorgaben aus Basel III (BCBS 189). Darüber hinaus werden indirekt zentral geclearte Derivate nun ebenfalls im Baseler Standard ausgeschlossen, welche jedoch bereits heute in der EU-Umsetzung in der CRR nicht im Anwendungsbereich enthalten sind. Im Ergebnis dürfte gerade die Anpassung für SFTs für die Institute eine Erleichterung bedeuten.

Beim CVA-Standardansatz hat der Baseler-Ausschuss den im Konsultationsprozess geforderten Anpassungen der Risikogewichte zugestimmt. Insbesondere werden alle Delta-Risikogewichte der Zinsrisikoklasse um 30% reduziert. Delta-Risikogewichte der Fremdwährungsrisikoklasse werden um 50% gesenkt. Eine weitere Reduktion der Risikogewichte erfolgt sowohl im Bereich der Delta-Risikogewichte für das Credit-Spread Risiko der Gegenparteien (CS-CCR) als auch des Referenz Credit-Spreads (REF-CS). Für hochverzinsliche und nicht geratete Staatsanleihen sinken die entsprechenden Risikogewichte von drei auf zwei Prozent. Darüber hinaus werden Vega-Risikogewichte im CVA-Standardansatz auf 100% begrenzt.

Neben den Anpassungen von Risikogewichten werden neue Indexbereiche in Anlehnung an das überarbeitete Marktrisikorahmenwerk eingeführt. In den Risikoklassen Credit-Spread-Risiko der Gegenpartei, Referenz Credit Spreads und Aktienrisiko des CVA-Standardansatzes können Banken die Kapitalanforderungen unter Verwendung von qualifizierten Kredit- oder Aktienindizes direkt (ohne Durchschau) berechnen.

Weitere Änderungen des CVA-Standardansatzes betreffen neben einer verkürzten Nachschuss-Risikoperiode für Gegenparteien den Multiplikator zur Adressierung von Modellrisiken. Dieser wird für Banken, die den CVA-Standardansatz verwenden, von 1,25 auf 1 gesenkt. Folglich führen die Anpassungen zu geringeren Kapitalanforderungen und werden lediglich auf Basis einer vorgegebenen Formel und der entsprechenden Korrelation berechnet. Sofern die Aufsichtsbehörden jedoch ein zu hohes CVA-Modellrisiko für die Berechnung der CVA-Sensitivitäten feststellen oder die Abhängigkeit zwischen dem Engagement der Bank gegenüber einer Gegenpartei und der Bonität der Gegenpartei in den CVA-Berechnungen nicht angemessen berücksichtigt wird, kann ein höherer Multiplikator verlangt werden. Darüber hinaus werden die Aggregationsannahmen an das überarbeitete Marktpreisrisiko-Regime angepasst. Die Rekalibrierungen im Standardansatz führen dabei auch insgesamt zu einer niedrigeren Kapitalanforderung im Vergleich zu den Vorgaben aus 2017.

 

Änderungen im CVA-Basisansatz betreffen ebenfalls die Rekalibrierung der Risikogewichte. Für hochverzinsliche und nicht geratete Staaten, inklusive Engagements bei Zentralbanken und multilateralen Entwicklungsbanken, werden die Risikogewichte von drei auf zwei Prozent gesenkt. Um eine angemessene relative Kalibrierung zwischen dem CVA-Standardansatz und dem CVA-Basisansatz zu generieren, hat der Ausschuss für den CVA-Basisansatz einen einheitlichen Discount-Faktor von 0,65 eingeführt. Die Kapitalanforderungen unterliegen somit einer erheblichen, pauschalen Reduktion. Darüber hinaus enthält der neue Standard keine Änderungen am vereinfachten Ansatz.

Nächste Schritte

Die durch die Änderungen am Baseler Rahmenwerk induzierten Kapitalerleichterungen können je nach Portfoliostruktur recht deutlich ausfallen und Einfluss auf die RWA-Planung und -steuerung entfalten. Wir empfehlen die Durchführung einer Auswirkungsanalyse, um die Änderungen für die CVA Risk Capital Charge und die damit einhergehenden Kapitalerleichterungen zu quantifizieren.

Wir unterstützen Sie hierbei sehr gerne mit unseren bewährten Kalkulationstools und führen eine entsprechende Quantifizierung der Erleichterungen durch. Natürlich beraten wir Sie auch bei der IT-technischen Umsetzung und Dokumentation der neuen Anforderung. Sprechen Sie uns gerne an.

Sie haben darüber hinaus Fragen zu dem CVA Rahmenwerk im Detail? Besuchen Sie auch unseren Youtube Channel. Hier haben wir für Sie die wichtigsten Inhalte zu den verschiedenen Ansätzen der CVA Risk Capital Charge zusammengefasst.

 

 

 

Dr. Marius Schulte-Mattler

Tel.: +49 69 9585-3197

marius.schulte-mattler@pwc.com

 

 

 

Lukas Krzikalla

Tel.: +49 69 9585-6338

lukas.krzikalla@pwc.com

 

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