Basel IV – CVA Risk Capital Charge 2.0

Das Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) hat das Rahmenwerk zur aufsichtsrechtlichen Behandlung für das Risiko einer Anpassung der Kreditbewertung (Credit Valuation Adjustment (CVA)) im Rahmen des neuen Basel IV-Pakets einer Überarbeitung unterzogen. Am 01. Juli 2015 wurde hierzu ein Konsultationspapier (Review of the Credit Valuation Adjustment (CVA) risk framework – consultative document (BCBS 325)) auf den Weg gebracht, welches die durch den Baseler Ausschuss vorgesehene Neuordnung des aufsichtsrechtlichen CVA-Rahmenwerks beschreibt.

Hintergrund

Das aufsichtsrechtliche Rahmenwerk zur Behandlung des CVA-Risikos und zur Ermittlung der regulatorischen Eigenkapitalanforderung für dieses Risiko (CVA Risk Capital Charge) wurde ursprünglich im Jahre 2010 mit dem Basel III-Rahmenwerk veröffentlicht und in Europa im Zuge der Basel III-Umsetzung zum 1. Januar 2014 mit der CRR eingeführt. Den Auslöser hierfür stellten die signifikanten Verluste zahlreicher Banken auf ihre OTC-Derivateportefeuilles während der Finanzkrise dar. Diese waren meist weniger durch echte Gegenparteiausfälle, sondern vielmehr durch Bonitätsverschlechterungen der Gegenparteien und den danach notwendigen Marktwertabschreibungen der OTC-Derivategeschäfte verursacht worden. Insofern beinhaltet die CVA Risk Capital Charge seit Umsetzung von Basel III neben der Eigenkapitalanforderung für Gegenparteiausfallrisiken eine zusätzliche regulatorische Eigenkapitalanforderung für OTC-Derivategeschäfte. Nur eineinhalb Jahre nach der CRR-Einführung hat der Baseler Ausschuss nun Schwachstellen und unangemessen berücksichtigte Aspekte im bestehenden aufsichtsrechtlichen CVA-Rahmenwerk identifiziert, welche durch die Überarbeitung adressiert werden sollen.

Schwächen des bisherigen CVA-Rahmenwerks

Das aktuelle CVA-Rahmenwerk lässt zwei Methoden zur Ermittlung der CVA Risk Capital Charge zu. Zum einen die „Fortgeschrittene Methode“, deren Anwendung wiederum an die Voraussetzung geknüpft ist, dass die Bank die Zustimmung der Aufsicht zur Anwendung der Internen Modelle Methode für die Zwecke der Quantifizierung des Gegenparteiausfallrisikos besitzt, und zum anderen die „Standardmethode“, welche ohne weitere Restriktionen anwendbar ist. Beide Methoden sind so konstruiert, dass in der Ermittlung der Eigenkapitalanforderung für das CVA-Risiko ausschließlich die Variabilität widergespiegelt und abgedeckt wird, die durch das Credit Spread-Risiko der Gegenpartei hervorgerufen wird. Spiegelbildlich hierzu gelten im aktuellen CVA-Rahmenwerk ausschließlich jene Hedging-Maßnahmen als aufsichtsrechtlich zulässig, welche das Credit Spread-Risiko absichern. Hierzu zählen Single-Name CDS, die direkt auf die Gegenpartei referenzieren, sowie – unter bestimmten Voraussetzungen – Index CDS.

Wesentliche Ziele und Änderungen des überarbeiteten CVA-Rahmenwerks

Mit der Überarbeitung des CVA-Rahmenwerks verfolgt der Baseler Ausschuss drei Ziele.

  • Erfassung aller relevanten Einflussfaktoren für das CVA-Exposure und eine bessere Berücksichtigung von Hedging-Maßnahmen

Bisher wird einer der wichtigsten Treiber des CVA-Risikos, die Exposure-Komponente, nicht im aktuellen CVA-Rahmenwerk abgedeckt. Die Exposure-Komponente inkl. ihrer sensitiven Beziehung zu Marktrisikofaktoren hat jedoch einen erheblichen Einfluss auf die CVA Risk Capital Charge. Das überarbeitete CVA-Rahmenwerk berücksichtigt daher die Exposure-Komponente inkl. zugehöriger Hedging-Maßnahmen der Marktrisikofaktoren.

  • Angleichung an Industrie-Praktiken, die für Zwecke der Rechnungslegung Anwendung finden

Es hat sich in der Praxis herausgestellt, dass diverse Banken die CVA für Rechnungslegungszwecke (IFRS 13); auf Grundlage marktimplizierter Modellkalibrierungen ermitteln. Diese Vorgehensweise hat sich als sog. „Best Practice“ etabliert. Um dieser „Best Practice“ gerecht zu werden und um eine Konvergenz zwischen Rechnungslegung und Aufsichtsrecht gewährleisten zu können, berücksichtigt das überarbeitete CVA Rahmenwerk Elemente aus der CVA-Behandlung für Rechnungslegungszwecke.

  • Angleichung an die Anforderungen des „Fundamental Review of the Trading Book“ (FRTB)

Da es sich bei der CVA um eine Marktwert-Anpassung von Derivateinstrumenten handelt, sollte die regulatorische Eigenkapitalunterlegung für das CVA-Risiko an die Kapitalanforderung für das Marktrisiko gekoppelt sein. Als Konsequenz hieraus und zum Zwecke der Konsistenz basiert das überarbeitete CVA-Rahmenwerk somit auf dem ebenfalls kürzlich überarbeiteten Rahmenwerk für die regulatorische Behandlung des Marktrisikos, welches Sensitivitäten von Marktrisikofaktoren in den Mittelpunkt stellt (Fundamental review of the trading book: outstanding issues – consultative document (BCBS 305), Fundamental review of the trading book – second consultative document (BCBS 265).

 Anwendungsbereich der CVA Risk Capital Charge

Der Baseler Ausschuss beabsichtigt mit der Überarbeitung des CVA-Rahmenwerks die Ermittlung der CVA Risk Capital Charge für alle Derivatetransaktionen einzuführen, die ein Gegenparteiausfallrisiko beinhalten. Hierbei soll es keine Rolle spielen, ob für diese Transaktionen eine Besicherungsvereinbarung vorliegt oder nicht. Ferner sollen auch Instrumente, welche zum Zwecke des Hedge-Accountings im Bankbuch gehalten werden (z.B. Zinsderivate im Bankbuch), der CVA Risk Capital Charge unterliegen. Darüber hinaus sieht der Baseler Ausschuss vor, dass marktbewertete Wertpapierfinanzierungsgeschäfte (SFTs) ebenso in den Anwendungsbereich der CVA Risk Capital Charge fallen sollen. Die Ausnahme von der CVA Risk Capital Charge sieht der Baseler Ausschuss im überarbeiteten Rahmenwerk ausschließlich für Transaktionen mit qualifizierten zentralen Gegenparteien vor. Der vom Baseler Ausschuss überarbeitete empfohlene Anwendungsbereich für die CVA Risk Capital Charge stellt eine deutliche Ausweitung der bisherigen Regelungen im Rahmen der CRR dar. Darüber hinaus werden in der CRR diverse Geschäfte, vor allem mit privilegierten Gegenparteien, von der CVA Risk Capital Charge ausgenommen. Der finale Anwendungsbereich für die CVA Risk Capital Charge wird abzuwarten sein. In jedem Fall handelt es sich hierbei um ein Thema, das aktuell intensiv von den Aufsichtsbehörden diskutiert wird. Bereits am 25. Februar 2015 veröffentlichte die European Banking Authority (EBA) ein an die europäische Kommission adressiertes Dokument (Opinion of the European Banking Authority on Credit Valuation Adjustment (CVA) (EBA/OP/2015/02)), aus dem hervorgeht, dass die EBA eine Reduzierung der bisherigen Ausnahmeregelungen innerhalb der CVA Risk Capital Charge nach der CRR empfiehlt.

Die Ansätze des überarbeiteten „BCBS 325“-Rahmenwerk im Einzelnen

Das überarbeitete CVA-Rahmenwerk unterteilt sich in zwei weitere „Teil-Rahmenwerke“. Zum einen das sog. „FRTB-CVA Rahmenwerk (FRTB-CVA)“, welches eine annähernde Adaption aus den Marktrisiko-Anforderungen darstellt und seinen Namen erhalten hat, um die Konsistenz mit dem überarbeiteten Marktrisiko-Rahmenwerk „Fundamental Review of the Trading Book (FRTB)“ zu reflektieren, und zum anderen das sog. „Basic CVA Rahmenwerk (B-CVA)“.

  1. Das B-CVA Rahmenwerk stellt eine Weiterentwicklung der aktuellen Standardmethode dar und kann von Banken angewendet werden, die keine Zustimmung für das FRTB-CVA Rahmenwerk besitzen oder für jene, welche das FRTB-CVA Rahmenwerk nicht anwenden wollen. Somit besteht hier ein Wahlrecht für die Institute. In Abweichung zum FRTB-CVA müssen im Rahmen des B-CVA keine eigenen Sensitivitäten für Marktrisikofaktoren ermittelt werden.
  2. Die Anwendung des FRTB-CVA unterliegt der Zustimmung durch die Aufsicht, welche ausschließlich dann erteilt wird, sofern ein umfangreicher Kriterienkatalog vom Institut erfüllt wird. Das FRTB-CVA Rahmenwerk wurde für Institute konstruiert, die eine eigene Ermittlung für Preissensitivitäten gegenüber Marktrisikofaktoren vornehmen können. Analog zum Marktrisiko-Rahmenwerk (FRTB) besteht das FRTB-CVA Rahmenwerk aus einem internen Modellansatz (IMA-CVA) und einem Standardansatz (SA-CVA). Während die Anwendung des SA-CVA, bei bereits erteilter Zustimmung der Aufsicht für das FRTB-CVA Rahmenwerk, keinen weiteren Voraussetzungen unterliegt, muss ein Institut für die Anwendung des IMA-CVA ein zusätzliches Bündel an Anforderungen erfüllen. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Zustimmung zur Anwendung der IMA-CVA ist, dass ein Institut bereits die Zustimmung für den internen Modellansatz im Marktrisiko (IMA-TB) erhalten hat. Auch bei erhaltener Zustimmung zur IMA-CVA-Anwendung muss ein Institut parallel den SA-CVA anwenden und seine Eigenmittelunterlegung für das CVA-Risiko nach diesem melden. 

Weitere Änderungen und Zeitplan

Die vom Baseler Ausschuss vorgeschlagenen neuen Ansätze sorgen für eine verstärkte und genauere Berücksichtigung der Abhängigkeiten von Marktrisikofaktoren und Hedgingmaßnahmen. Hierdurch wird die Ermittlung der CVA Risk Capital Charge erheblich risikosensitiver. Auf der anderen Seite führt die empfohlene Überarbeitung des CVA-Rahmenwerks zu einem erhöhten Aufwand. Zum einen erfordern die neuen Ansätze des überarbeiteten CVA-Rahmenwerks neue Inputparameter und Kalkulationsverfahren. Dies hat prozessuale Anpassungen und erhöhte Aufwände aus Sicht der betroffenen Institute zur Folge. Zum anderen bedeutet die durch den Baseler Ausschuss empfohlene Ausweitung des Anwendungsbereiches für die CVA Risk Capital Charge auf SFTs, dass die Anzahl der mit der CVA Risk Capital Charge zu unterlegenden Transaktionen wächst. Die Konsultation und die Durchführung einer Auswirkungsstudie (Quantitative Impact Study (QIS)) zur Überarbeitung des CVA-Rahmenwerks wurden im Oktober 2015 abgeschlossen. Die Einführung des überarbeiteten CVA-Rahmenwerks ist noch nicht fixiert. Möglicherweise erfolgt diese zusammen mit dem überarbeiteten Rahmenwerk für das Marktrisiko (Fundamental Review of the Trading Book (FRTB)). Deutlich wird jedoch vor allem durch das sehr enge Zeitfenster von Veröffentlichung, Konsultationszeitraum und Durchführung der QIS, dass der Baseler Ausschuss das Thema „CVA Risk Capital Charge“ intensiv vorantreibt. Die Bedeutung des Themas für die Aufsichtsbehörden zeigt sich ebenso in den jüngst veröffentlichten Richtlinien der EBA zur Behandlung der CVA innerhalb des SREP (Consultation on Guidelines on the treatment of CVA risk under the supervision review and evaluation process (SREP) (EBA/CP/2015/21)).

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