Das finale Verbriefungsrahmenwerk des Baseler Ausschusses wurde durch die Kapitalanforderungen für STC Verbriefungen erweitert

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat sein finales Rahmenwerk für Verbriefungen vom Dezember 2014 um die Neuregelungen zu „einfachen, transparenten und vergleichbaren“, so genannten (simple, transparent, comparable) STC-Verbriefungen ergänzt und am 11. Juli 2016 als überarbeiteten Standard zu der regulatorischen Behandlung von Verbriefungspositionen veröffentlicht (Revisions to the securitisation framework (BCBS 374)).

Hintergrund

Den Aktualisierungen im Verbriefungsregelwerk sind zwei Veröffentlichungen aus Basel hinsichtlich der STC Verbriefungen vorausgegangen. Ziel der im Juli 2015 zusammen mit der Internationalen Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden (IOSCO) veröffentlichten, finalen Kriterien für die Identifizierung der STC Verbriefungen (Criteria for identifying simple, transparent and comparable securitisations (BCBS 332)) ist es, einen Markt für qualifizierte Verbriefungen zu etablieren, der sowohl für Investoren als auch für Originatoren und andere Parteien mit treuhänderischen Verantwortungen die Vergleichbarkeit solcher Verbriefungen erhöhen soll. Zudem soll eine verstärkte Transparenz der Verbriefungsstrukturen eine zuverlässigere Einschätzung der mit diesen Strukturen verbundenen Risiken und Erträge hervorbringen.

Darüber hinaus hat der BCBS im November 2015 ein Konsultationspapier über die Kapitalunterlegung für STS Verbriefungen (Capital treatment for „simple, transparent and comparable“ securitisations – consultative document ( BCBS 343 )) publiziert. Dabei wurden die Kriterien für STC Verbriefungen vom Juli 2015 um spezifische Kapitalvorschriften für diese Transaktionen erweitert. In diesem Papier schlägt der BCBS grundsätzlich eine Reduzierung der Eigenmittelanforderungen für STC Verbriefungen vor.

Nach der Konsultationsphase und einer quantitativen Auswirkungsstudie (QIS) hat der Baseler Ausschuss die STC Kriterien und die Kalibrierung der STC-Kapitalvorschriften finalisiert (vgl. BCBS 374).

Die STC Kriterien

Die Merkmale von qualifizierten oder STC-Verbriefungen zielen darauf ab, dass die mit Verbriefungsstrukturen verbundenen Risiken durch Anforderungen an die Ausgestaltung der Struktur, der Auswahl der verbrieften Vermögenswerte (Underlyings) und an das Reporting über die Wertentwicklung verringert werden. Diejenigen „nicht-ABCP“- und „True-Sale“-Transaktionen, die diese Eignungskriterien für STC-Verbriefungen erfüllen, sollen grundsätzlich mit einem geringeren strukturellen und Modellrisiko verbunden sein. Die Änderungen sind mit dem Ziel der Neubelebung eines vertrauenswürdigen Verbriefungsmarkts verbunden. Letztlich soll damit die Unternehmensfinanzierung gefördert werden.

Im Hinblick auf die Eigenkapitalunterlegung sind STC-Verbriefungstransaktionen nur dann begünstigt, wenn sie neben den bereits genannten auch zusätzliche Kriterien erfüllen. Diese sind:

    • Die zugrundeliegenden Risikopositionen müssen zum Portfolio-Abschlussstichtag den Bedingungen des KSA entsprechen und nach Risikominderung sind die standardisierten Risikogewichte wie folgt festgelegt:
      • [40%] auf den gewichteten Durchschnittswert der gesamten Positionen im Portfolio, die durch Wohnbauhypotheken oder Garantien gesichert sind
      • [50%] auf einzelne Positionen, die durch gewerbliche Hypotheken besichert sind
      • [75%] auf einzelne Mengengeschäftspositionen
      • [100%] auf jegliche andere einzelne Positionen
    • Eine explizitere Definition der Granularität: der Anteil von Risikopositionen gegenüber einem einzelnen Schuldner an dem gesamten Pool zum Zeitpunkt der Aufnahme in die Verbriefung darf 1% nicht übersteigen.

Im finalen Dokument ist eine Bedingung für die Anrechnung als STC Verbriefung, welche die Verwendung eines Third-Party-Servicer außer bei RMBS ausschließen sollte (D 17), entfallen. Die restlichen Bedingungen (A1-D16) bleiben im Wesentlichen unverändert.

Neukalibrierung der wesentlichen Parameter für die STC Verbriefungen

Die Berechnungsansätze und die Anwendungshierarchie sind gegenüber dem Konsultationspapier unverändert geblieben (Siehe hierzu den Blogbeitrag: „Baseler Ausschuss – Finales neues Rahmenwerk für Verbriefungen“ vom 22. Juli 2015). In Anlehnung an die Ergebnisse einer quantitativen Auswirkungsstudie wurden jedoch wesentliche Parameter, die in dem methodischen Rahmenwerk genutzt werden, neu kalibriert. Konkret sinkt die Risikogewichtsuntergrenze (floor) von 15% für vorrangige Verbriefungspositionen auf 10% für vorrangige STC Verbriefungspositionen. Darüber hinaus beinhaltet die Ermittlung des aufsichtlichen Parameters p für STC-Verbriefungen im SEC-IRBA nun den Faktor x, der auf 0,5 gesetzt ist, während im Konsultationspapier, Werte im Intervall [0,6; 0,8] vorgesehen waren. Im SEC-SA sinkt der aufsichtliche Parameter p von 1 für nicht-STC Verbriefungen auf 0,5 für STC-Verbriefungen ab.

Fazit

Die Änderungen der Eigenkapitalbehandlung von STC Verbriefungen privilegieren STC-konforme Transaktionen durch tendenziell geringere Risikogewichte, insbesondere für die vorrangigen Tranchen, was deren Emission ankurbeln soll. Dennoch ist das überarbeitete Regelwerk an einigen Stellen nach wie vor konservativer als das bestehende CRR-Verbriefungsrahmenwerk. Beispielsweise liegt der verringerte Floor für die Risikogewichtung von STC-Verbriefungen in Höhe von 10% dennoch über dem aktuell geltenden CRR-Mindestrisikogewicht von 7%. Institute sollten daher genauer durchrechnen, wie hoch die Auswirkungen auf die Risikogewichte bzw. Kapitalkosten infolge der Modifikationen tatsächlich sind.

Dabei ist zu beachten, dass die privilegierte Kapitalbehandlung ausschließlich für Verbriefungen zulässig ist, die die umfangreichen STC Kriterien erfüllen. Bereits die Nicht-Einhaltung einer einzigen Anforderung kann zu wesentlich höheren Risikogewichten führen und signifikant höhere Kapitalanforderungen nach sich ziehen. Die Anforderungen an die Ausgestaltung von Verbriefungsstrukturen und deren Dokumentation gewinnen insoweit weiterhin an Bedeutung.

Der Zeitplan für die Umsetzung des überarbeiteten Verbriefungsrahmenwerks wird gemäß den ursprünglichen Bestimmungen beibehalten; das Rahmenwerk soll ab dem 1. Januar 2018 in Kraft treten.

Unklar ist, welche Auswirkungen die finalen Kriterien des BCBS 374 auf die folgenden Entwürfe der Europäischen Kommission zum Verbriefungsregelwerk haben werden:

Diese beinhalten aktuell bereits eigene Kriterien zur Identifizierung von einfachen, standardisierten und transparenten (simple, transparent, standardised) oder STS-Verbriefungen, die den STC Kriterien des Baseler Ausschusses sowie auch den geringeren Kapitalanforderungen für STC-Verbriefungen ähneln. Damit setzt BCBS 374 vergleichbare Anreize, verstärkt in solche Verbriefungen zu emittieren bzw. in diese zu investieren. Es bleibt abzuwarten, in welchem Ausmaß die Anforderungen aus BCBS 374 Eingang in das finale, für das Jahr 2016 angekündigte EU-Verbriefungsregelwerk finden.

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