Neue Details zur Leverage Ratio – Framework and disclosure requirements

Das Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) hat am 26. Juni 2013 ein Konsultationspapier zu den Anforderungen an die Leverage Ratio sowie die damit zusammenhängenden  Offenlegungspflichten veröffentlicht (Revised Basel III Leverage Ratio framework and disclosure requirements). Noch bis zum 20. September 2013 stehen die Vorschläge zur Konsultation.

Hintergrund

Im ursprünglichen Basel III Rahmenwerk war vorgesehen, dass während einer Übergangs- bzw. Beobachtungsphase zur Einführung der Leverage Ratio beginnend ab Januar 2011 die Auswirkungen der zunächst festgelegten Richtgröße von 3% getestet werden sollte (dazu auch unser Blog-Beitrag vom 13.09.2010: „Basel III auf der Zielgeraden – Die finalen Quoten und Termine„). Nach Ablauf der Testphase soll dann die Leverage Ratio endgültig kalibriert werden. Bereits ab 2015 müssen die Institute die Elemente ihrer Leverage Ratio offenlegen. Das aktuelle Konsultationspapier präzisiert Fragestellungen im Hinblick auf den Konsolidierungskreis und auf die Berechnung der Quote. Dabei geht es vor allem um den Nenner der Formel, der das relevante Exposure umfasst (sogenannte Exposure Measure). Ziel ist dabei vor allem, auch dann eine Vergleichbarkeit zu schaffen, wenn unterschiedliche Rechnungslegungsstandards (z.B. US-GAAP und IFRS) zum Einsatz kommen.

Exposure Measure

Die Leverage Ratio wird gebildet als Quotient aus dem Kernkapital  Tier 1  (Kapitalmessgröße – Capital Measure) und dem Gesamtengagement (Engagement-Messgröße – Exposure measure). Letzteres umfasst bilanzielle, außerbilanzielle und derivative Positionen.

Konsolidierungskreis der einzubeziehenden Exposures

Im aktuellen Vorschlag des BCBS werden Details zur Einbeziehungen von Beteiligungen im Konsolidierungskreis erläutert. Beteiligungen innerhalb des Konsolidierungskreises (aufsichtsrechtlich & bilanzrechtlich) können unter bestimmten Voraussetzungen verrechnet werden, um eine doppelte Anrechnung zu vermeiden.

Behandlung von Derivaten und damit verbundener Sicherheiten

Im Rahmen der Leverage Ratio sollen alle aus Derivatepositionen resultierenden Exposures erfasst werden: Das sind zum einen Forderungen, die sich aus den zugrundeliegenden Verträgen ergeben und zum anderen solche aus dem Kontrahentenrisiko. Derivative Forderungen werden mit den Wiederbeschaffungskosten und einem Add-on für  potenzielle zukünftige Forderungen angesetzt. Dabei können bilaterale Netting-Regeln berücksichtigt werden, erhaltene oder hingegebene Sicherheiten jedoch nicht.

Behandlung von Kreditderivaten beim Sicherungsgeber

Für die als Sicherungsgeber verkauften Kreditderivate soll dem Verschuldungsrisiko der Bank durch die Einbeziehung des vollen Nominalwerts des zugrundeliegenden Engagements Rechnung getragen werden.  Dieser Wert durch erworbene Kreditderivate kann reduziert bzw. verrechnet werden, soweit Referenzschuldner und Rangfolge gleich sind.

Behandlung von Wertpapierfinanzierungsgeschäften – Securities financing transactions

Securities financing transactions (SFT) werden ebenfalls in die Exposure Measure einbezogen. Abhängig davon, ob die Bank in eigenem Namen (principal) oder für andere Wertpapierfinanzierungsgeschäfte abschließt (Agent), ergeben sich verschiedene Berechnungs- und Verrechnungsmethoden. Keinesfalls ist aber der reinen Rechnungslegungspraxis zu folgen. Vielmehr sollen die Unterschiede in den Rechnungslegungsstandards eliminiert werden.

Außerbilanzielle Risiken

Außerbilanzielle Positionen müssen in die Exposure Measure einbezogen werden. Beispielhaft werden hier  u.a. unwiderrufliche Kreditzusagen (inklusive Liquiditätsfazilitäten), unmittelbare Kreditsubstitute, Akzepte, standby letters of credit, Handelsakkreditive oder noch nicht abgewickelte Wertpapiergeschäfte genannt. Da aus diesen Positionen bedeutende Leverage-Effekte resultieren können, soll bei der Einbeziehung ein einheitlicher Kreditumrechnungsfaktor (credit conversion factor(CCF)) von 100 % angewendet werden. Ausnahmen gelten nur für bedingungslos kündbare Zusagen: Diese können mit einem CCF von 10% angesetzt werden.

Offenlegung

Damit die Leverage Ratio als Vergleichsgröße dienen kann, müssen Banken für die Veröffentlichung ab 01. Januar 2015 einheitliche Templates zur Offenlegung und Meldung ihrer Leverage Ratio verwenden. Vorzulegende Dokumente sind dabei:

  • Zusammengefasste Vergleichstabelle (summary comparison table), die einen Vergleich zwischen den bilanzierten Vermögenswerten und der Engagement-Messgröße für die Leverage Ratio ermöglicht sowie einen Überblick über die Unterschiede gibt
  • Allgemeines Template zur Offenlegung (common disclosure template), welches eine detailliertere Aufgliederung der wesentlichen Elemente der Leverage Ratio  umfasst
  • Informationen zur Überleitung (reconciliation requirement), mit denen Banken die Ursachen für wesentliche Unterschiede zwischen bilanziellen  Vermögenswerten in der Rechnungslegung  und den nach der Leverage Ratio angesetzten bilanziellen Gesamtengagements darlegen

Die erforderlichen Angaben sollen im selben Rhythmus und zeitgleich mit Abschlüssen veröffentlicht werden. Große Banken müssen aber davon unabhängig nach den Anforderungen der Säule 3 bestimmte Mindestangaben vierteljährlich offenlegen.

Die Finanzberichterstattung der Bank muss entweder die Offenlegungsanforderungen bezüglich der Leverage Ratio einschließen oder zumindest direkt darauf verlinken. Über die Webseiten oder öffentlich zugängliche aufsichtsrechtliche Berichte müssen die Banken ein laufendes Archiv für die Templates vorangegangener Berichtszeiträume bereithalten.

Endgültige Kalibrierung bei 3% ?

Im ursprünglichen Basel III Rahmenwerk wurde die Leverage Ratio zunächst mit einer Quote von 3% angesetzt, wobei während der Beobachtungsphase geprüft werden sollte, ob die vorgeschlagene Ausgestaltung und Kalibrierung einer Leverage Ratio über einen gesamten Kreditzyklus sowie für die verschiedenen Geschäftsmodelle  der Banken angemessen ist (Basel III: Ein globaler Regulierungsrahmen für widerstandsfähigere Banken und Bankensysteme Dezember 2010 (rev. Juni 2011) Tz 165). Dagegen wird im aktuellen Konsultationspapier betont, dass das BCBS weiterhin eine Kennzahl von 3% für die Leverage Ratio testet – ohne auf die Frage einer möglichen Anpassung nach unten (oder oben) einzugehen.

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