Neues aus Basel zum Verbriefungsregelwerk – Revisions to the Basel Securitisation Framework

Am 18. Dezember 2012 hat das Basel Committe on Banking Supervision ein Konsultationspapier zur Überarbeitung des Verbriefungsregelwerks (Revisions to the Basel Securitisation Framework – consultative document) veröffentlicht. Die Konsultationsphase läuft bis zum 15. März 2013.

Hintergrund

Während die Änderungen am Verbriefungsregelwerk nach dem Ausbruch der Finanzmarktkrise 2009 lediglich „Erste-Hilfe-Maßnahmen“ zur Behebung der größten identifizierten Schwächen darstellten, wird mit dem Änderungsvorschlag eine grundlegende Überarbeitung des Verbriefungsregelwerks vorgenommen. Im Laufe der Krise erfolgten in 2009  einerseits Nachjustierungen bei den Risikogewichten, insbesondere für Verbriefungspositionen des Handelsbuchs und Wiederverbriefungspositionen, sowie andererseits eine Reihe von operationellen Anforderungen (due-diligence Anforderungen) und ein Selbstbehalt für Initiatoren von Verbriefungstransaktionen eingeführt. Das eigentliche Defizit, nämlich das blinde Vertrauen auf externe Ratings, wurde mit den damaligen Änderungen nicht behoben. Dies soll nun mit der vorliegenden Konsultation nachgeholt werden.

Wesentliche Inhalte

Im Folgenden sollen die wesentlichen Änderungsvorschläge kurz vorgestellt werden.

Die Konsultation beinhaltet u.a.:

  • eine neue Rangfolge in der die zur Verfügung stehenden verschiedenen Berechnungsansätze anzuwenden sind,
  • Änderungen bei den bestehenden Berechnungsansätze für die Ermittlung der Eigenkapitalunterlegung von Verbriefungspositionen und
  • die Einführung neuer Berechnungsansätze, insbesondere auch als Rückfallposition zur 1.250% Gewichtung.

Sowohl für die Änderung der bestehenden Berechnungsansätze als auch für die neue Rangfolge bei der Anwendung der Ansätze werden Alternativen vorgeschlagen.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass

  • die Berechnung der Eigenkapitalanforderungen für Verbriefungspositionen zukünftig komplexer wird,
  • die überarbeiteten Ansätze überwiegend als neues Kriterium die Laufzeit des zugrundeliegenden Forderungspools und ggf. die Tranchendicke berücksichtigen und
  • die Kapitalanforderungen differenzierter ausfallen und dabei tendenziell für höherrangige Tranchen steigen (Mindestrisikogewicht 20 %), während sie im Gegenzug bei mezzaninen und unteren Tranchen weniger schnell zu einer 1.250% Gewichtung bzw. zum Kapitalabzug führen.

Die differenzierteren Kapitalanforderungen sollen insbesondere bisherige Fehlanreize durch sogenannte regulatorische „Klippeneffekte“ reduzieren und regulatorische Arbitrage verhindern.

Vorschlag einer neuen Rangfolge für die Anwendung der verschiedenen Berechnungsansätze

Die Berechnung der Eigenkapitalunterlegung von Verbriefungspositionen war bisher relativ  einfach. Sobald ein externes Rating vorlag, war dieses als Grundlage für die Eigenkapitalunterlegung heranzuziehen (Rating Based Approach – RBA). War die Position nicht extern geratet, bestand für KSA-Verbriefungspositionen die Möglichkeit der Durchschau, wenn die Zusammensetzung des zugrundeliegenden Pools bekannt war. Für ABCP Programme und qualifizierte Liquiditätsfazilitäten bestanden spezielle Regelungen. Für IRBA-Verbriefungspositionen konnte zusätzlich ein abgeleitetes Rating ermittelt oder der aufsichtliche Formelansatz (Supervisory Formula Approach – SFA) bzw. in bestimmten Fällen das interne Einstufungsverfahren (Internal Assessment Approach – IAA) angewendet werden. Lagen die Voraussetzungen für die Anwendung dieser alternativen Berechnungsansätze nicht vor, war die Position mit 1.250% zu gewichten oder vom Kapital abzuziehen.

Galt bisher der absolute Vorrang des RBA, werden nunmehr folgende Alternativen zur Konsultation gestellt:

  • Alternative A: Anwendungsvorrang für einen überarbeiteten SFA und subsidiär die Anwendung eines überarbeiteten RBA bzw. vereinfachten SFA je nach Ausübung eines nationalen Wahlrechts durch die jeweilige Jurisdiktion
  • Alternative B: nach Wahl des Instituts die Anwendung eines überarbeiteten RBA bzw. überarbeiteten SFA nur für senior und high-quality Tranchen, während auf alle anderen Tranchen ein neuer Concentration Ratio Approach anzuwenden ist.

Bei beiden Alternativen wird zusätzlich zur bisher geltenden Rückfalllösung einer 1.250% Gewichtung bzw. Kapitalabzug ein neuer sogenannter Backstop Concentration Ratio Approach (im Folgenden BCRA) eingeführt.

Anpassungen der bestehenden und Einführung neuer Berechnungsansätze für die Ermittlung der Eigenkapitalunterlegung von Verbriefungspositionen

Änderungen des Rating Based Approach – RBA

Nach dem RBA gelten bisher unterschiedliche Mappingtabellen für KSA- und IRBA-Verbriefungspositionen, die anhand des externen Ratings bestimmen, welches Risikogewicht für eine Verbriefungsposition anzuwenden ist. Die IRBA-Mappingtabelle ist dabei differenzierter als die KSA-Mappingtabelle und stellt auf zusätzliche Kriterien wie Höchstrangigkeit der betreffenden Tranche und Granularität des zugrundeliegenden Forderungspools ab.

Basel schlägt mit dem Konsultationspapier nunmehr vor, einheitliche Mappingtabellen für KSA- und IRBA-Verbriefungspositionen einzuführen. Für langfristige Ratings soll sich die neue Mappingtabelle an der bisherigen IRBA-Mappingtabelle orientieren. Zusätzlich sollen neben dem Kriterium der Höchstrangigkeit aber nunmehr auch die Tranchendicke und die durchschnittliche Laufzeit des zugrundeliegenden Forderungspools für die Festlegung der Höhe des Risikogewichts eine Rolle spielen. Das Kriterium der Granularität wird hingegen gestrichen.

Für kurzfristige Ratings, also insbesondere im Bereich von ABCP-Programmen, soll eine einheitliche Mappingtabelle für KSA- und IRBA-Verbriefungspositionen gelten, die sich an der bisherigen KSA-Mappingtabelle orientiert.

Änderung des Supervisory Formula Approach – SFA

Der bisher existierende SFA soll in zwei Varianten aufgeteilt werden, einen Modified Supervisory Formula Approach (MSFA) und einen Simplified Supervisory Formula Approach (SSFA). Beide neu vorgeschlagenen Varianten unterscheiden sich vom bisherigen SFA. Der MSFA soll, wie der bisherige SFA, nur für IRBA-Institute gelten.

In der Berechnungsformel des MFSA wird nunmehr ebenfalls die Laufzeit der zugrundeliegenden Forderung berücksichtigt. Ferner werden bestimmte in der Berechnungsformel enthaltene aufsichtliche Parameter deutlich angepasst.

Für den SSFA werden ähnliche Parameter, wie für den MSFA benötigt. Allerdings entfällt das Kriterium der Laufzeit. Als Ausgleich dafür werden andere Parameter so angepasst, dass gewährleistet ist, dass die Risikogewichte nach dem SSFA in jedem Fall höher ausfallen als nach dem MSFA. Der SSFA ist auch für KSA-Institute anwendbar.

Einführung eines neuen Concentration Ratio Approach based on KIRB (CRKIRB)

Für die zweite Alternative der Rangfolge der in Betracht kommenden Berechnungsansätze soll ein sogenannter CRKIRB eingeführt werden. Wie bereits oben dargestellt, wäre dieser Ansatz lediglich auf solche Tranchen anzuwenden, bei denen es sich nicht um „senior, high quality“ Tranchen handelt. Weitere Voraussetzung ist, dass es sich um ein IRBA-Institut handelt und es in der Lage ist, die IRBA-Kapitalanforderungen für das zugrundeliegende Portfolio (KIRB) zu berechnen.

Einführung eines neuen Backstop Concentration Ratio Approach (BCRA)

Schließlich soll unter beiden vorgeschlagenen Varianten der Rangfolge der Berechnungsansätze vor einer Risikogewichtung von 1.250% ein neuer Berechnungsansatz als Rückfalllösung eingeführt werden, der BCRA. Parameter der Berechnungsformel des BCRA sind die zugrundeliegenden Forderungen, die nach den Grundsätzen des KSA risikogewichtet werden, der Rang der Tranche sowie die Tranchendicke.

Wiederverbriefungen

Für Wiederverbriefungen soll allein der BCRA anwendbar sein, wobei in der Berechnungsformel besondere Parameter speziell für Wiederverbriefungspositionen gesetzt werden, um in jedem Fall ein konservatives Risikogewicht zu erreichen.

Wie geht es weiter?

Neben der Konsultation soll im ersten Quartal 2013 eine Quantitative Impact Study (QIS) durchgeführt werden. Hierfür wird der Baseler Ausschuss noch eine „technical note“ mit Einzelheiten zur Berechnung der Kapitalanforderungen nach dem überarbeiteten RBA veröffentlichen. Bereits jetzt lassen sich jedoch anhand der Vorgaben aus dem Konsultationspapier Schätzungen über die Höhe der künftigen Kapitalanforderungen durchführen. Ebenso kann bereits jetzt begonnen werden, die Verfügbarkeit der benötigten Inputparameter für die Berechnungen zu prüfen. Eine generelle Aussage, ob die Kapitalunterlegung mittels der neuen Verfahren tendenziell über oder unter den aktuellen Werten liegen wird, ist jedoch nicht möglich, sondern stark von dem betroffenen Portfolio abhängig.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

/* */