Zweites Basler Konsultationspapier zur Überarbeitung des Kreditrisikostandardansatzes – Revisions to the Standardised Approach for credit risk

Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat am 10. Dezember 2015 sein zweites Konsultationspapier zur Überarbeitungen des Kreditrisikostandardansatzes (Revisions to the Standardised Approach for credit risk – second consultative document (BCBS 347)) veröffentlicht. Die Vorschläge stehen bis zum 11. März 2016 zur Konsultation. Parallel hierzu wird auf Basis der Daten zum 31. Dezember 2015 im Rahmen des Basel III-Monitorings eine umfassende quantitative Auswirkungsstudie durchgeführt werden.

Die grundsätzliche Zielsetzung des Basler Ausschusses bei Überarbeitung des Standardansatzes bleibt unverändert, allerdings führen die Vorschläge des aktuellen Konsultationspapiers teilweise zu wesentlichen Änderungen der im ersten Konsultationspapier vom Dezember 2014 diskutierten Methodik (dazu auch Regulatory Blog Beitrag: “ Basel IV? Neuer Standardansatz zur Messung des Kreditrisikos“ vom 12. Februar 2015).

Unter anderem enthält das Konsultationspapier die folgenden wesentlichen Änderungen gegenüber der vorherigen Version:

  • Bei Forderungen an Banken können im Rahmen eines „External Credit Risk Assessment Approach / ECRAexterne Ratings wieder verwendet werden. Die daraus resultierenden Risikogewichte entsprechen den Abstufungen im bisherigen Standardansatz und liegen zwischen 20 % und 150 %. Sofern keine externen Ratings verfügbar sind oder von der Aufsicht deren Verwendung nicht zugelassen wurde, kommt ein „Standardised Credit Risk Assessment Approach / SCRA“ zur Anwendung, in dessen Rahmen eine Einordung der Forderung in drei unterschiedliche Kategorien vorzunehmen ist. Die Zuordnung zu den Kategorien ist an verschiedene Kriterien (z.B. die Einhaltung von Pufferanforderungen) geknüpft und führt zu Risikogewichten von 50 %, 100 % oder 150 %. Für kurzfristige Forderungen liegen die entsprechenden Risikogewichte bei 20 %, 50 % und 100 %.
  • Sofern für Forderungen an Unternehmen externe Ratings verfügbar und anwendbar sind, führen diese analog zu dem aktuell geltenden Standardansatz zu Risikogewichtungen von 20 % bis 100 %. Forderungen ohne Rating erhalten ein Risikogewicht von 100 %. Darüber hinaus erhalten Forderungen an Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 50 Mio. EUR ein Risikogewicht von 85 %; Retailforderungen erhalten nach wie vor ein Risikogewicht von 75 %.
  • Sofern es sich bei den Forderungen um Spezialfinanzierungen handelt, können lediglich Emissionsratings verwendet werden. Die resultierenden Risikogewichte liegen zwischen 20 % und 150 %. Sofern – wovon in der Regel auszugehen ist – keine externen Ratings vorliegen, kommen in Abhängigkeit von der Art der Spezialfinanzierung und des Stadiums der Projektfinanzierungen Risikogewichte zwischen 100 %und 150 % zum Einsatz.
  • Nachrangige Schuldverschreibungen und Eigenkapitalinstrumente erhalten Risikogewichte von 150 % bzw. 250 %, im Gegensatz zu dem vorherigen Konsultationspapier mit Risikogewichten von bis zu 400%.
  • Für Wohnungsbaukredite, die alle qualitativen Anforderungen erfüllen, sieht der Basler Ausschuss die Risikogewichtung auf Basis des LTV vor. Diese kann für LTV-Werte bis zu 100 % zwischen 25 % und 55 % liegen. Sofern der LTV bei mehr als 100 % liegt, kommt das Risikogewicht des Schuldners zur Anwendung. Sollten einzelne Anforderungen, wie z.B. die Abhängigkeit der Rückzahlung von den Cashflows des Objektes) nicht eingehalten werden, können die Risikogewichte bis auf 120 % bzw. 150 % steigen.
  • Gewerbliche Realkredite, deren Rückzahlung nicht von den Cashflows aus den Objekten abhängt, erhalten bei einem LTV von bis zu 60 % ein Risikogewicht von 60%. Bei höheren LTV kommt das Risikogewicht des Schuldners zur Anwendung. Sofern die Rückzahlung von den Cashflows aus den Objekten abhängt erhalten die Positionen je nach LTV ein RW zwischen 80% und 130%

Das Konsultationspapier enthält analog zu dem ersten Konsultationspapier noch keine Vorschläge für die zukünftige Risikogewichtung für Staaten. Diese werden, zusammen mit Zentralbanken und öffentlichen Stellen Gegenstand gesonderter Überprüfungen („broader and holistic review of sovereign related risks“) sein.

Inwieweit die geänderten Vorgaben gegenüber der Vorgängerversion zu deutlich unterschiedlichen Kapitalbelastungen führen werden, hängt im Einzelfall von den institutsindividuellen Konstellationen ab.

Mehr zu diesem Thema in Kürze hier im Regulatory Blog.

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