Aufsichtsrechtliche Behandlung von Operationellen Risiken im Fokus (Teil 1): Höchste Zeit für ein umfassendes NFR-Management

Sowohl der neue Standardansatz für Operationelle Risiken gemäß Basel IV als auch die steigenden Anforderungen der Aufseher an das Management von Non-Financial Risks (NFR) stellen Institute vor die Herausforderung, ihr Risikomanagement anzupassen oder gar neu auszurichten. In einer Beitragsserie stellen wir die wichtigsten Zusammenhänge dar und skizzieren Möglichkeiten einer integrierten Lösung für die anstehenden Herausforderungen.

Im Bereich der Operationellen Risiken werden Institute mit Inkrafttreten von Basel IV dazu verpflichtet, den von der Aufsicht neu eingeführten und deutlich risikosensitiveren Standardansatz zur Berechnung der Eigenmittelanforderung zu implementieren. Insbesondere bei größeren Instituten, AMA-Anwendern oder Instituten mit speziellen Geschäftsmodellen kann dies mit einem erheblichen Anstieg der Eigenmittelanforderung einhergehen. In Bezug auf die Non-Financial Risks erwarten Aufsicht und Regulatoren eine höhere Transparenz und Risikoüberwachung in diesen Risikoarten. So wird in den EBA Guidelines on Internal Governance (EBA/GL/2017/11) gefordert, dass alle relevanten Risiken von dem Rahmenwerk des Risikomanagements erfasst werden sollten, wobei neben den finanziellen Risiken auch Non-Financial Risks wie beispielsweise IT-Risiken, Reputationsrisiken, Rechtsrisiken, Wohlverhaltens-, Compliance und strategische Risiken angemessen berücksichtigt werden sollten. Die Leitlinien gelten seit dem 30. Juni 2018. Auch die EZB setzt ihren Fokus nun stärker auf Non-Financial Risks. Im Juni 2018 hat die EZB ihr Asset Quality Review (AQR) Manual aktualisiert und in ihren Bankenprüfplan erstmalig Verhaltensrisiken (Conduct Risk) aufgenommen.

Da Regulatoren immer stärker einen ganzheitlichen Umgang mit Risiken fordern, ist es von essentieller Bedeutung, die Zusammenhänge zwischen dem neuen Standardansatz und dem Management der Non-Financial Risks (NFR) genauestens zu analysieren, um dadurch nicht zuletzt auch Chancen und Effizienzgewinne zu generieren.

Eine Optimierung der Eigenmittelanforderungen kann durch ein effizientes Non-Financial Risk Management erzielt werden. Die Identifizierung, Quantifizierung und Steuerung der NFR ist jedoch deutlich herausfordernder als die Steuerung der finanziellen Risiken. Mit Hilfe des PwC NFR Frameworks können Non-Financial Risks umfassender identifiziert und gesteuert werden, um Kosten zu senken und perspektivisch die Eigenkapitalanforderungen zu reduzieren.

Dieser Beitrag ist der erste Teil einer Beitragsserie, die in den kommenden Wochen auf dem PwC Regulatory Blog und auf dem PwC Compliance Blog veröffentlicht werden wird. Im ersten Beitrag werden die Grundzüge der Berechnungsmethodik des neuen OpRisk-Standardansatzes erläutert und ein Überblick über das PwC NFR-Framework mit seinen einzelnen Komponenten gegeben. In zwei weiteren Teilen werden die Details der im Beitrag dargestellten Anforderungen und Rahmenwerke näher diskutiert.

Neuer Standardansatz für Operationelle Risiken

Mit Veröffentlichung des finalen Basel IV Standardansatzes durch den Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS 424) werden alle bisherigen Ansätze zur Ermittlung der Eigenmittelanforderung für Operationelle Risiken durch einen neuen Standardansatz ersetzt (für weitere Details siehe unseren Blog-Beitrag „Operationelles Risiko – ein Ansatz für alle Institute“). Dies bedeutet, dass die den Instituten bekannten Verfahren -– Basisindikatoransatz (BIA), Standardansatz (STA) und fortgeschrittene Messansätze (AMA) – ab voraussichtlich 2021 nicht mehr verwendet werden dürfen. Hintergrund dafür ist die Kritik der Aufsicht, dass die genannten Ansätze das Operationelle Risiko der Institute nicht adäquat abschätzen. Die überarbeitete Berechnungsmethodik der Eigenmittelanforderungen für Operationelle Risiken ist in nachfolgender Abbildung dargestellt. (zum Vergrößern bitte Grafik anklicken)

Demnach wird die Eigenmittelanforderung für Operationelle Risiken aus einer Multiplikation der Business Indikator Komponente (BIK) mit dem so genannten internen Verluste Multiplikator (ILM) ermittelt. Die BIK setzt sich dabei aus einer Multiplikation des Business Indikators mit einem größenabhängigen Koeffizienten zusammen.

NFR rücken in den aufsichtsrechtlichen Fokus

Neben der Implementierung des neuen Standardansatzes für Operationelle Risiken müssen Banken weitere regulatorische Anforderungen im Bereich der NFR erfüllen. Das in der folgenden Abbildung dargestellte PwC NFR Framework unterstützt bei der Erfüllung der regulatorischen Anforderung und bei der Optimierung des Risikomanagements: (zum Vergrößern bitte Grafik anklicken)

Das PwC NFR Framework besteht aus verschiedenen Komponenten, um eine ganzheitliche und effiziente Betrachtung von NFR sicherzustellen. Mit der Analyse des bestehenden Geschäftsmodells werden Risiken identifiziert und einer institutsspezifischen homogenen Taxonomie zugeordnet. Die Festlegung der Risikostrategie und des Risikoappetits sind elementar für die Risikosteuerung. Mit einem methodischen Ansatz werden die NFR standardisiert bewertet, um eine effiziente Steuerung zu gewährleisten. Das adressatengerechte Reporting verschafft Transparenz über alle Risikoarten hinweg und bietet der Geschäftsführung und der Aufsicht Transparenz. Ein weiterer wesentlicher Aspekt für eine erfolgreiche Umsetzung des NFR Frameworks sind die Schaffung einer starken Risikokultur und Governance sowie der Ausbau bzw. die Optimierung der Technologien.

Erfahren Sie in unserem nächsten Beitrag, welche Schritte im Detail bei der erfolgreichen Einführung eines NFR Frameworks entscheidend sind und welche neuen regulatorischen Anforderungen aus der Implementierung des neuen Standardansatzes für Operationelle Risiken resultieren

Wenn Sie Unterstützung bei der Optimierung ihres Risikomanagements benötigen, sprechen Sie uns gerne an.

Ullrich Hartmann

Telefon:+49 69 9585 2115

ullrich.hartmann@pwc.com

Martin Neisen

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martin.neisen@pwc.com

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Saadia Ahmad

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