Kategorie: Basel III

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Konsultationspapier der Europäischen Kommission – Umsetzung der NSFR in der EU

Am 26. Mai 2016 hat die Europäische Kommission ein Konsultationspapier zum Thema Umsetzung der Net Stable Funding Ratio (NSFR) in der Europäischen Union (Consultation Document: On Further Considerations for the implementation of the NSFR in the EU) veröffentlicht.

Ausführliche Informationen zur NSFR finden sich im Regulatory Blog Beitrag: „Liquiditätsmeldewesen im Wandel – Teil 2: Finales Papier des Baseler Ausschusses zur Net Stable Funding Ratio“ vom 05. November 2015. Zudem hat der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht zuletzt ein lang erwartetes FAQ-Dokument zur NSFR veröffentlicht (Basel III – The Net Stable Funding Ratio: frequently asked questions (BCBS 375)).

Hintergrund

Bereits im Dezember 2015 hat die EBA in ihrer Stellungnahme zur Kalibrierung der NSFR im europäischen Kontext eine Reihe von Vorschlägen für den Umgang mit europäischen Besonderheiten konkretisiert (EBA Report on Net Stable Funding Requirements under Article 510 of the CRR (EBA/OP/2015/22)). Daneben lassen zahlreiche Rückmeldungen der Konsultation „Call for Evidence – EU Regulatory Framework for Financial Services“ („Call for Evidence“) der Europäischen Kommission den Schluss zu, dass mit Einführung der NSFR die Finanzierung der Real-Wirtschaft eingeschränkt werden könnte.

Im Zuge des Gesetzgebungsverfahrens der Europäischen Kommission zur Einführung der NSFR soll die Konsultation zur Umsetzung der NSFR dazu dienen, den EBA-Report zu ergänzen sowie die Rückmeldungen des „Call for Evidence“ zu konkretisieren.

Wesentliche Inhalte

  • Auswirkungen einer NSFR Implementierung

Die EBA kommt in Ihrer Stellungnahme zu dem Schluss, dass sich die BCBS Standards zur NSFR nicht nachteilig auf die Kreditvergabe, Vermögensmärkte oder Handelsbuchpositionen von Finanzinstituten auswirken. Andererseits deuten Rückmeldungen des „Call for Evidence“ der Europäischen Kommission auf Auswirkungen u.a. auf den Bond-Märkten hin. Da möglicherweise betroffene Bankaktivitäten, Transaktionen oder Geschäftsmodelle nicht hinreichend konkretisiert wurden, bittet die Europäische Kommission neben Angaben über die erwarteten Einschränkungen um genauere Rückmeldungen zu den Effekten einer NSFR-Einführung.

  • Derivative Transaktionen

Zur Ermittlung des erforderlichen Betrags an stabiler Refinanzierung für Derivatekontrakte schlägt der BCBS NSFR Standard ein mehrstufiges Vorgehen vor, welches zur Konsultation steht: Im ersten Schritt werden Derivateforderungen bzw. –verbindlichkeiten anhand ihrer positiven bzw. negativen Wiederbeschaffungswerte bestimmt und mit erhaltenen bzw. gestellten Sicherheiten (Variation Margins) verrechnet. Im nächsten Schritt werden die ermittelten Derivateverbindlichkeiten mit den Derivateforderungen aufgerechnet. Während ein Überhang an Derivateverbindlichkeiten nicht als Quelle stabiler Refinanzierungsmittel angesehen wird, muss ein Überhang an Derivateforderungen mit stabilen Refinanzierungsmitteln unterlegt werden (RSF 100%). Zusätzlich verlangt der BCBS NSFR Standard verfügbare stabile Refinanzierung in Höhe von 20% der Derivateverbindlichkeiten vor Aufrechnung von Sicherheiten.

Die EBA unterstützt die Vorgehensweise sowie den 20%-igen RSF-Aufschlag für Derivateverbindlichkeiten, da Sicherheitennachschüsse angemessen abgebildet würden. Die Europäische Kommission sieht hingegen die Dynamik eines Derivateportfolios über ein Jahr nicht angemessen berücksichtigt, weswegen das zukünftige Funding Risiko unter- bzw. überschätzt werden kann. Derzeit prüft die Europäische Kommission die Verwendung andere Methoden zur Bestimmung des zukünftigen Funding Risikos von Derivateverbindlichkeiten und schlägt insbesondere den Standardised Approach für Counterparty Credit Risk (SA-CRR) als einen risikoorientierten Ansatz zur Konsultation vor.

  • Kurzfristige Transaktionen zwischen Finanzinstituten

Der BCBS NSFR Standard sieht eine asymmetrische Behandlung von kurzfristigen Kreditvergaben (inkl. Reverse Repos) an Finanzinstitute bzw. aufgenommene Refinanzierungsmittel (inkl. Repos) von Finanzinstituten vor. Refinanzierungsmittel mit einer Laufzeit bis zu sechs Jahren erhalten einen ASF-Faktor von 0%. Für die kurzfristige Kreditvergabe an andere Finanzinstitute wird je nach Art der Besicherung hingegen ein RSF-Faktor von 10% bzw. 15% gewählt. Die Europäische Kommission stellt diese Vorgehensweise zur Konsultation und bittet um Vorschläge für alternative Vorgehensweisen.

  • Anwendung des Proportionalitätsprinzips

Für den Anwendungsbereich der NSFR auf europäischer Ebene schlägt die Europäische Kommission ein analoges Vorgehen wie für den Anwendungsbereich der LCR vor und bittet um Rückmeldung an welchem Kriterium das Proportionalitätsprinzip ausgerichtet werden kann.

Ausblick / Fazit

Finanzinstitute sollten die Konsultation nutzen, um sich genauer mit den Auswirkungen der NSFR auf ihr Institut zu beschäftigen. Einen Überblick gibt das Poster zur Übersicht der Liquiditätsanforderungen von PwC. Es zeigt die gesetzlichen Grundlagen sowie das Zusammenspiel der einzelnen Regelungen untereinander (die Auswirkungen in den einzelnen Säulen der Bankenaufsicht), die einzuhaltenden Quoten, relevante Meldetermine und viele weitere wichtige Informationen rund um das Themengebiet Liquidität.

 

IRRBB – Update zu den finalen Standards

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat am 22. April 2016 die finalen Standards zu Zinsänderungsrisiken im Bankbuch veröffentlicht (Standards – Interest rate risk in the banking book (BCBS 368)).

Hintergrund

Die jetzt veröffentlichten finalen Standards sind das Ergebnis der Überarbeitung der vom BCBS 2004 erstmals festgelegten Principles for the management and supervision of interest rate risk (IRR Principles). Die seit 2004 erfolgten Veränderungen der Finanzmärkte und Aufsichtspraktiken erforderten eine Anpassung der Grundlagen für die Identifizierung, Messung, Überwachung und Kontrolle der Zinsänderungsrisiken im Bankbuch. Die überarbeiteten Principles waren in 2015 Gegenstand einer Konsultation, in deren Rahmen der Baseler Ausschuss zwei Optionen zur Messung der Zinsänderungsrisiken im Bankbuch vorgestellt hat: einen standardisierten Ansatz als zusätzlichen Bestandteil der Säule I sowie einen erweiterten Säule II-Ansatz, der als Teil des aufsichtlichen Überwachungsprozesses auch die Anwendung bankinterner Modelle und Messeverfahren vorsieht (ausführlich zur Konsultation: Regulatory Blog Beitrag: „Zinsänderungsrisiken im Bankbuch – Konsultation des Baseler Ausschusses“ vom 11. Juni 2015).

Die Rückmeldungen zur Konsultation haben gezeigt, dass die Formulierung eines standardisierten Messverfahrens aufgrund der Komplexität und des heterogenen Charakters der Zinsänderungsrisiken keine ausreichend genaue und risikoangemessene Kapitalanforderungen liefern kann. Insoweit sieht der Baseler Ausschuss die Zinsänderungsrisiken im Bankbuch sachgerechter im Rahmen der Säule 2 erfasst. Neben den neugefassten Principles, die sich auf die bankinternen Risikomesssysteme und Modelle beziehen, umfassen die finalen Standards des Baseler Ausschusses auch einen Standardrahmen zur IRRBB-Messung, in den die Überlegungen zum standardisierten Säule I-Ansatz aus der vorhergehenden Konsultationspapier eingeflossen sind.

Die wesentlichen Änderungen

  • Anforderungen an die internen Prozesse

Die Erwartungen an die bankinternen IRRBB-Managementprozesse im Hinblick auf die Entwicklungen der Zinsschock und –stresszenarien sind deutlich umfangreicher gegenüber den IRR Principles. Das bankinterne Messsystem umfasst einen ganzen Katalog durchzuführender Szenarien. Neben einem in Abhängigkeit vom Risikoprofil und dem internen Risikotragfähigkeits­prozess (internal capital adequacy assessment process (ICAAP)) ausgewählten Zinsschock sind auf historischen und hypothetischen Daten beruhende Zins-Stresstestverfahren durchzuführen. Weiter sind sechs verschiedene Zinsschockszenarien (Annex 2) vorgeschrieben. Dazu gehören nicht nur Szenarien mit (Zins-)Parallelverschiebungen nach oben und unten, sondern auch Short-Rate-Erhöhung und –Senkung sowie Steepener-Schocks (mit Abstieg der kurzfristigen Zinssätze und Anstieg der langfristigen Zinssätze) bzw. Flattener-Schocks (Anstieg der kurzfristigen Zinssätze und Abstieg der langfristigen Zinssätze). Darüber hinaus können weitere aufsichtlich geforderte Szenarien hinzukommen.

Weiter wurden die Schlüsselaspekte und Modellannahmen, die die Institute bei der Messung ihrer Zinsänderungsrisiken berücksichtigen sollen, näher festgelegt. Für eine Reihe von gängigen Produkten werden im Rahmen der Standards die einzubeziehenden Kennzeichen definiert. Darüber hinaus sind regelmäßige Tests und Sensitivitätsanalysen erforderlich.

  • Offenlegung

Deutlich ausgeweitet wurden auch die Anforderungen an die Offenlegung des mit dem Zinsänderungsrisiko verbunden Risikopotenzials des jeweiligen Instituts. Zum einen betrifft dies die jährlich offenzulegenden qualitativen und quantitativen Informationen im Zusammenhang mit der Beschreibung der bankinternen Zinsrisikomanagementziele und –strategien (Table A, BCBS 368). Zum anderen sind die quantitativen Auswirkungen der verschiedenen Zinsschockszenarien auf Economic Value of Equity (EVE) und Net Interest Income (NII) offenzulegen.

  • Aufsichtlicher Prüfungsprozess

Der Rahmen für die regelmäßige aufsichtliche Prüfung der Zinsänderungsrisiken und die damit verbundenen Managementprozesse der Banken wurde ebenfalls überarbeitet und transparenter gemacht: Die Faktoren, die die Aufsicht bei ihrer Prüfung berücksichtigt, werden ausführlich dargestellt.

  • Schwellenwert für „Ausreißer”-Institute

Der Schwellenwert zur Identifizierung von sogenannten Ausreißer-Instituten (outlier banks), die kein angemessenes Zinsänderungsrisikomanagement betreiben wurde gegenüber der Vorversion gesenkt. Als Ausreißer gelten Institute, bei denen die Zinsschockszenarien zu einem Verlust von 15% des CET1-Kapitals führen (vormals 20%). Ausreißer-Institute müssen mit aufsichtlichen Konsequenzen rechnen, insbesondere mit zusätzlichen Kapitalanforderungen.

  •  Standardised Framework

Den standardisierten Rahmen zur Messung der IRRBB können die Banken alternativ anwenden oder – wenn die aufsichtliche Prüfung Mängel der bankinternen Messverfahren ergibt – seitens der Bankenaufsicht dazu verpflichtet werden. Der Standardrahmen basiert bei der Berechnung der IRRBB Mindestkapitalanforderungen allein auf den Änderungen des ökonomischen Kapitals (EVE). Für die Berechnung sind 5 Schritte vorgesehen (im Einzelnen dazu die Darstellung im Regulatory Blog Beitrag: „Zinsänderungsrisiken im Bankbuch – Konsultation des Baseler Ausschusses“ vom 11. Juni 2015)

Anwendungsbereich und Umsetzung

Die Standards zu den Zinsänderungsrisiken im Bankbuch richten sich in erster Linie an international tätige Banken auf konsolidierter Ebene. Es steht den nationalen Aufsehern jedoch frei, die Anforderungen auch auf die anderen Kreditinstitute anzuwenden. Von den Banken wird erwartet, die Standards bis 2018 umzusetzen.

Auswirkungen

Die Zinsschockszenarien erfordern komplexe Berechnungsmethoden. Gleiches gilt für die innerhalb der bankinternen Messverfahren und Methoden berücksichtigenden Faktoren und Optionalitäten. Ebenso werden die erweiterten Offenlegungsanforderungen zu einem erheblichen Ressourcen- und Zeitaufwand führen.

Operationelles Risiko – Wegfall des AMA und ein neuer Standardansatz für alle Banken

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat am 04. März 2016 das zweite Konsultationspapier zur Ermittlung der Eigenkapitalanforderungen für operationelle Risiken veröffentlicht (Standardised Measurement Approach for operational risk – Consultative Document (BCBS 355)).

Hintergrund

Die aktuelle Konsultation baut auf dem im Oktober 2014 veröffentlichten Konsultationspapier zur Überprüfung der bisherigen Verfahren zur Ermittlung der Eigenkapitalanforderungen für operationelle Risiken (Operational risk – Revisions to the simpler approaches – Consultative Document (BCBS 291)) auf. Unter dem Titel „Standardised Measurement Approach for operational risk“ stellt es einen aktualisierten Standardansatz für die Ermittlung der Eigenmittelanforderungen für operationelle Risiken vor. Zukünftig soll ein einfacher standardisierter Ansatz die Vergleichbarkeit zwischen den Instituten sicherstellen. Zusätzlich soll die Berücksichtigung von internen Verlusten als maßgeblicher Indikator für die Berechnung der operationellen Risiken integriert werden.

Der Baseler Ausschuss plant neben der Konsultationsphase bis zum 3. Juni 2016 eine weitere QIS durchzuführen, um die in dem zweiten Konsultationspapier enthaltenen Regelungen final zu kalibrieren.

Bezüglich der bisherigen Messverfahren für das operationelle Risiko sowie deren Überprüfung im ersten Konsultationspapier verweisen wir auf unseren dazugehörigen Beitrag im Risk Blog: Weiterentwicklung des Standardansatzes für operationelle Risiken (BCBS Konsultationspapier)“.

Notwendigkeit der Anpassungen im Rahmen des zweiten Konsultationspapiers (BCBS 355)

Das erste Konsultationspapier (BCBS 291) sah vor allem die Zusammenführung der beiden bisherigen Ansätze – BIA und STA – und die damit verbundene Überarbeitung der identifizierten Schwächen durch eine neu entwickelte Berechnungsmethodik vor.

Die Abschaffung des AMA wurde seitens des Baseler Ausschusses zwar diskutiert und angekündigt, jedoch erst mit dem zweiten Konsultationspapier (BCBS 355) konkret vorgeschlagen. Die inhärente Komplexität der ambitionierten Messansätze und eine fehlende Vergleichbarkeit, bedingt durch ein breites Spektrum an internen Modellen, haben dazu geführt, dass der AMA als Berechnungsmethodik Vertrauen verloren hat und rechtfertigt letztendlich dessen Abschaffung.

Da der Revised Standardised Approach aus dem ersten Konsultationspapier jedoch erwartungsgemäß keine Alternative für AMA-Banken darstellt, berücksichtigt der Baseler Ausschuss nun im Rahmen des Standardised Measurement Approach (SMA) zusätzlich interne Verlustdaten als maßgeblichen Indikator für die Berechnung des operationellen Risikos. Darüber hinaus sollen die im Zuge der ersten Konsultationsphase identifizierten Schwächen adressiert werden. Dazu gehört insbesondere die Benachteiligung gewisser Geschäftsmodelle, die zukünftig mit Hilfe verschiedener Anpassungen vermieden werden soll. Die Funktionsweise wird nachfolgend erläutert.

Funktionsweise des überarbeiteten Standardansatzes

Die Funktionsweise basiert auf dem Grundprinzip des im ersten Konsultationspapier dargestellten Business Indicator (BI) als neuem Proxy-Indikator (inkl. der Einordnung in so genannte größenabhängige „Buckets“) und kombiniert diesen mit bankspezifischen internen Verlustdaten. Die Berechnung des BI erfolgt weiterhin auf Basis der Gewinn- und Verlustrechnung. Gemäß dem zweiten Konsultationspapier setzt sich der BI aus drei Komponenten zusammen:

  1. Zins-, Leasing- und Dividendenkomponente
  2. Servicekomponente
  3. Finanzielle Komponente

Im Vergleich zum ersten Konsultationspapier haben sich insbesondere die folgenden Änderungen ergeben:

  • Berechnung der Zins-, Leasing und Dividendenkomponente:

Im zweiten Konsultationspapier werden in der ersten Komponente zusätzlich Dividendenerträge berücksichtigt und es erfolgt eine veränderte Berücksichtigung des Leasingergebnisses. Damit greift der Baseler Ausschuss die Kritik auf, dass deren inkonsistente Behandlung zu Arbitragemöglichkeiten innerhalb des Business Indicators führen könnte.

  • Berechnung der Servicekomponente:

Der neu eingeführten Parameter uBI (Unadjusted Business Indicator) adressiert unter anderem die bisher vergleichsweise hohen Eigenmittelanforderungen in Relation zu den operationellen Risiken von Instituten mit einer hohen Nettozinsmarge. Darüber hinaus wird der höhere der beiden Posten Provisionsaufwendungen und Provisionserträge berücksichtigt. Das ist zwar günstiger als im ersten Konsultationspapier, aber noch deutlich konservativer als heute.

  • Berechnung der finanziellen Komponente:

Die Berechnungslogik der finanziellen Komponente hat sich im Vergleich zum ersten Konsultationspapier nicht verändert. Sowohl das Nettoergebnis des Handelsbuches als auch des Bankbuchs werden als Durchschnitt der letzten drei Jahre (Absolutwert) berücksichtigt.

Analog zu den Vorschlägen des ersten Konsultationspapiers, erfolgt auch beim SMA eine Unterteilung des BI in fünf Buckets, welche jeweils mit einem Koeffizienten zur Berechnung der BI Komponente versehen sind. Im Vergleich zum ersten Konsultationspapier findet aufgrund der Berücksichtigung der Verlustkomponenten keine stufenweise Anwendung der Buckets mehr statt. Die Banken berechnen ihren BI ausschließlich in „ihrem“ Bucket. Darüber hinaus erfolgte auf Basis der Ergebnisse einer Auswirkungsstudie (QIS) eine Rekalibrierung der einzelnen Buckets im Vergleich zum ersten Konsultationspapier.

Die Eigenmittelanforderungen für Banken in Bucket 1 entsprechen denen der BI Komponente. Kleinere Banken mit einem BI bis zu € 1 Mrd. müssen somit keine Verlustdaten ermitteln. Bei Banken in den Buckets 2 bis 5 resultieren die Eigenmittelanforderungen aus der Multiplikation der BI Komponente mit dem Multiplikator interner Verluste. Die Berechnungsmethodik ist allerdings so kalibriert, dass auch bei größeren Instituten die erste € 1 Mrd. des BI nicht mit dem Multiplikator interner Verluste multipliziert wird. Erste Analysen haben gezeigt, dass Institute mit Schwerpunkten im Kreditgeschäft mit einer Bilanzsumme zwischen € 20 und 40 Mrd. in den Bucket 2 fallen können.

Die Analysen des Baseler Ausschusses haben ergeben, dass das Geschäftsvolumen einer Bank nur ein Einflussfaktor auf das operationelle Risiko ist. Zur Steigerung der Risikosensitivität ist jedoch die Berücksichtigung weiterer Indikatoren unerlässlich. Auf Basis der Analysen wurden interne Verlustdaten als ein wesentlicher Indikator identifiziert, die Banken ab Bucket 2 in ihrer Berechnung des OpRisk berücksichtigen müssen.

Gemäß den Vorgaben der MaRisk (BTR 4) haben heute schon alle Banken in Deutschland zumindest wesentliche operationelle Risiken mindestens jährlich zu identifizieren und zu beurteilen. Anwender der ambitionierten Messansätze sammeln derartige Informationen zu den Verlustdaten schon jetzt auf granularer Ebene und sollten daher in der Lage sein, basierend auf vorhandenen Informationen zukünftig die Verlustkomponente zu berechnen. Die eingetretenen internen Verluste werden im Rahmen des SMA über den Multiplikator interner Verluste (MIV) berücksichtigt, welcher sich aus einer Verlustkomponente und einer BI Komponente zusammensetzt. Die Verlustkomponente unterscheidet zwischen Verlustfällen über € 10 Mio und € 100 Mio sowie geringeren eingetretenen operationellen Verlusten. In diesem Zusammenhang sind die Verlustdaten der letzten zehn Jahre in die Berechnung einzubeziehen. Während des Übergangszeitraumes gibt es die Möglichkeit, sofern die entsprechenden Daten der letzten zehn Jahre nicht vorliegen, einen mindestens fünfjährigen Zeithorizont zu berücksichtigen. Liegen auch für diesen Zeitraum keine entsprechenden Daten vor, wird das operationelle Risiko bis dahin ausschließlich basierend auf der BI Komponente kalkuliert.

Ausblick

Auf Basis der Ergebnisse der QIS soll zukünftig sichergestellt werden, dass die Kombination von Verlustkomponente und Business Indicator eine stabile Eigenmittelunterlegung für operationelle Risiken gewährleistet. Insbesondere im Rahmen der zweiten Konsultationsphase wird der Baseler Ausschuss weiter an einer sinnvollen und wirksamen Kalibrierung dieses Indikators arbeiten.

Für alle Banken, die bisher den BIA oder den STA verwendet haben und zukünftig in die Buckets 2 bis 5 fallen, werden die neuen Regelungen zu komplexeren Berechnungen der OpRisk-Anforderungen führen. Im Hinblick auf die Verlustdaten werden umfangreiche Datenerhebungen und Analysen notwendig sein. Für diese Banken wird sich durch den neuen Ansatz erstmalig ein effektives OpRisk-Management auf die Kapitalanforderungen positiv auswirken und somit kompensierend zu den tendenziell steigenden Anforderungen aufgrund der neuen Systematik wirken. Die größten Auswirkungen auf die Kapitalanforderungen werden sich allerdings voraussichtlich für diejenigen Banken ergeben, die aktuell den AMA nutzen. Hier ist insbesondere aufgrund der vorgegebenen einheitlichen Ermittlung des BI eine deutliche Erhöhung der Kapitalanforderungen zu erwarten.

Auf Basis des aktuell vorliegenden zweiten Konsultationspapiers sollten sich die Banken insbesondere heute schon mit den folgenden Fragen beschäftigen:

  • Liegen alle relevanten Daten in der notwendigen Granularität vor?
  • Welche Maßnahmen müssen bereits heute schon eingeleitet werden, um mögliche steigende Kapitalanforderungen durch ein potenziell optimiertes Management operationeller Risiken zu kompensieren?

Weitere Details zur Abschaffung des AMA und zur Umsetzungsphase des Standardised Measurement Approaches kündigte der Baseler Ausschuss im aktuellen Konsultationspapier für den Jahresverlauf 2016 an.

Ihre Ansprechpartner:

Martin Neisen

Peter Büttel

Basel IV Channel: Online Einführung in Basel IV

Basel IV nimmt seit dem Erscheinen der Baseler Papiere zum neuen Standardansatz für Kreditrisiken (Revisions to the Standardised Approach for credit risk – second consultative document) und Marktrisiken (Minimum capital requirements for market risk) im Dezember 2015 und Januar 2016 Gestalt an und wird zu einem immer wichtigeren Thema für die Bankenwelt. Wir schätzen den Umfang der durch Basel IV auf die Banken zukommenden Neuerungen und Anpassungsbedarfe als weitaus größer ein als die aus Basel III resultierenden und teilweise noch in der Umsetzung befindlichen Anforderungen!

Wir sehen es als unsere Aufgabe an, Sie zeitnah und flexibel über die bereits erschienenen und noch zu erwartenden Neuerungen im Zusammenhang mit Basel IV zu informieren. Anstatt einer weiteren Flut von E-Mails oder Newslettern haben wir hierzu mit dem „Basel IV Channel“ eine moderne Form der Kommunikation gewählt.

Der Channel ist unser neues Sprachrohr, um Ihnen in regelmäßigen Abständen einen Überblick zu einem gerade aktuellen Thema rund um Basel IV zu verschaffen. Dahinter verbirgt sich eine regelmäßige Reihe von folienunterstützten Online-Vorträgen. Sie wählen sich dazu ganz unkompliziert über einen Weblink ein. Im Zeitfenster von 15 bis 30 Minuten liefern wir Ihnen in sehr kompakter Form einen Überblick zu aktuellen Themen rund um Basel IV.

Wir möchten Sie hiermit zu unserem Basel IV Channel einladen.

Unsere Serie von Veranstaltungen startet am

11. März 2016 um 15 Uhr mit dem Pilot zum Thema „Basel IV – Eine Einführung“.

Wir laden Sie herzlich ein, sich kostenfrei und unverbindlich zu dem genannten Termin über den untenstehenden Link anzumelden. Sie werden live durch die Veranstaltung geführt. Information how to follow the Webinar in english are available soon – check out on this Website. Basel IV Channel in english: April 1st, 2016

Die nächsten Termine für den Basel IV Channel sind am 8. April 2016: „Revisions to the Standardised Approach for Credit Risk – second consultative document“ und am 6. Mai 2016: „Revised Market Risk Framework Part 1: SBA – Sensitivities-Based Approach“

Wir freuen uns, Sie zu dieser neuen Reihe begrüßen zu dürfen !

Herzlichst Ihr Martin Neisen,

Global Basel IV Leader

Und hier geht es direkt zur Anmeldeseite für unseren Basel IV Channel !

 

Finalisierung des Baseler Regelwerks zum Fundamental Review of the Trading Book – Minimum Capital Requirements for Market Risk

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat am 14. Januar 2016 den finalen Standard zur Ermittlung der Eigenkapitalanforderungen für Marktpreisrisiken (Minimum capital requirements for market risk, BCBS 352) veröffentlicht. Damit findet die im Mai 2012 gestartete und sich über mehrere Konsultationspapiere erstreckende Diskussion über eine grundlegende Überarbeitung der Handelsbuchvorschriften („Fundamental review of the trading book“) ihren Abschluss. Das Rahmenwerk sieht eine Umsetzung auf nationaler Ebene bis Januar 2019 vor. Die Institute haben bis Ende 2019 Zeit die neuen Anforderungen umzusetzen.
Die grundsätzliche Zielsetzung des Baseler Ausschusses ist dabei seit dem ersten Konsultationspapier unverändert (dazu unser Regulatory Blog Beitrag: „Konsultation zum Handelsbuch – Baseler Ausschuss zu Marktpreisrisiken, Handelsbuchabgrenzung und Standardmethoden“ vom 15. Mai 2012)
Das finale Regelwerk enthält wesentliche Änderungen zu drei Regelungsbereichen: Handelsbuchabgrenzung, Marktpreisrisikostandardansatz und Interne Modelle für Marktpreisrisiken.

Abgrenzung des Handelsbuches

Die Definition des Handelsbuches ist insbesondere für die Ermittlung der Kapitalanforderung für Marktpreisrisiken von Bedeutung, da diese Risiken im Anlagebuch (mit Ausnahme von Fremdwährungs- und Rohwarenrisiken) nicht mit Eigenkapital unterlegt werden. Bislang basiert die Abgrenzung der Bücher auf der nicht ausreichend konkretisierten Definition einer Handelsabsicht. Alle Positionen, die nicht mit einer Handelsabsicht gehalten werden, sind grundsätzlich dem Bankbuch zuzuordnen. Der Baseler Ausschuss hat dieses Vorgehen im finalen Regelwerk wie folgt geändert:

  • Vorgaben für eine zwingende Zuordnung zum Handels- bzw. Bankbuch für explizit genannte Geschäftsarten bzw. wenn ein bestimmter Haltegrund gegeben ist. So sind z.B. alle Handelstischpositionen zwingend dem Handelsbuch zuzuordnen. Anteile an einem Fonds mit fehlender Durchschaumöglichkeit, nicht-börsennotierte Eigenkapitaltitel oder Derivate auf Bankbuchpositionen sind hingegen zwingend dem Bankbuch zuzuordnen.
  • Definition bestimmter Geschäfte, die der Baseler Ausschuss in begründeten und vorab genehmigten Ausnahmefällen nicht unter dem Handelsbuch sieht. Darunter fallen z.B. Anteile an Fonds mit täglicher Durchschau, Handelspositionen gemäß Rechnungslegung und börsennotierte EK-Titel. Die Aufsicht behält sich das Recht vor, jederzeit eine Umwidmung von einzelnen Positionen veranlassen zu können.
  • Begrenzung der institutseigenen Entscheidung zu Umwidmung von Positionen zwischen den Büchern. Eine Umwidmung soll grundsätzlich nur noch in Ausnahmefällen zugelassen werden.
  • Definition von Anforderungen, die an einen Handelstisch gestellt werden. So ist ein Handelstisch durch eine Gruppe von Händlern und Konten mit einer klar definierten Geschäftsstrategie und definiertem Risikomanagement gekennzeichnet. Jeder Handelstisch ist dabei vom Aufseher vorab zu genehmigen.
  • Spezifische Anforderungen an den internen Risikotransfer zwischen Anlage- und Handelsbuch.

Insgesamt wird deutlich, dass der neue Standard einen intensiveren Einbezug des Aufsehers vorsieht. Darüber hinaus erhöhen sich die Anforderungen an die Datenbereitstellung sowie die Dokumentation. Somit sind z.B. die Einstufung der Positionen und das Vorgehen bei einer Umwidmung in internen Richtlinien festzuhalten und jährlich zu aktualisieren und der Aufsicht bzw. teilweise zunächst der internen Revision zur Genehmigung vorzulegen.
Die neuen Vorgaben für die Handelsbuchabgrenzung sind auch für sogenannte Nichthandelsbuchinstitute von großer Bedeutung. Diese Institute sollten sich bereits jetzt intensiv mit den Vorgaben beschäftigen. Das betrifft sowohl die potentiellen Auswirkungen auf die derzeitige Einordnung der vorhandenen Geschäfte zum Handels-bzw. Anlagebuch wie auch die Behandlung zukünftig anstehender Aktivitäten.

Marktpreisrisikostandardansatz

Im Vordergrund des überarbeiteten Marktpreisrisikostandardansatzes steht vor allem die erhöhte Berücksichtigung der Risikosensitivität. Die finalen Anforderungen zeigen, dass die Erfüllung dieses Ziels grundsätzlich mit einem Anstieg der Komplexität und damit auch der benötigten Datenqualität bei den Instituten einhergeht. Darüber hinaus verfolgt die Überarbeitung das Ziel, die durch die Finanzkrise aufgezeigten Schwächen zu beheben und eine internationale Vergleichbarkeit zwischen den Instituten herzustellen.
Das finale Rahmenwerk enthält – sowohl im Vergleich zu dem bisherigen Rahmenwerk wie auch zum dritten Konsultationspapier aus Dezember 2014 (Fundamental review of the trading book: outstanding issues – consultative document, BCBS 305) – deutlichen Veränderungen in der Struktur und Kalibrierung des Standardansatzes. In den meisten Fällen wird dies zu einem signifikanten Anstieg der Kapitalanforderung für Marktpreisrisiken führen. Die im Jahr 2015 durch den Baseler Ausschuss durchgeführte Auswirkungsstudie quantifizierte den Kapitalanstieg dabei bereits um 40%. Die wesentlichen Änderungen betreffen:

  • Änderung in der Zusammensetzung der Eigenmittelanforderung. In Zukunft ermittelt sich die Eigenmittelanforderung aus der Summe der bereits durch die Konsultation bekannten Risikoarten (Delta-, Vega-, Gamma- und Default Risiko) und einen pauschalen Add-on für alle durch den Standardansatz nicht erfassten Positionen (Residual Risk Add-on).
  • Änderungen bei der Berechnung des Curvature-Risikos und Beseitigung von mathematischen Fehlern.
  • Anwendung der neuen Berechnungslogik für Fremdwährungs- und Rohwarenpositionen auch im Bankbuch. Wie bisher unterscheidet das Regelwerk für die Ermittlung von Fremdwährungs- und Rohwarenrisiken nicht zwischen Bankbuch- und Handelsbuchpositionen. Insoweit kommt der überarbeitete Standardansatz für alle Positionen zur Anwendung.
  • Einführung einer Korrelationsszenario-Analyse um das Risiko von steigenden und fallenden Korrelationen in Stresszeiten zu adressieren. Bei dieser sind die Banken dazu angehalten insgesamt drei Korrelationsshifts zu betrachten (hohe Korrelation, mittlere Korrelation und niedrige Korrelation).
  • Überarbeitung der Methodik zur Berechnung der Korrelationen für das Delta- und Gamma- (Curvature)-Risiko. Gesonderte Korrelationsanforderungen bestehen, anders als in den vorherigen Konsultationen, für das Vega Risiko.
  • Anpassungen bei der Definition der Sensitivitäten, auf die der Standardansatz abstellt. Die von den Banken erwarteten Validierungsvorschriften dieser Sensitivitäten sind allerdings auch im finalen Rahmenwerk nicht vorhanden.

Interne Modelle

Die zwei wesentlichen Änderungen in Bezug auf die Nutzung interner Marktpreisrisikomodelle sind die Ablösung des VaR Verfahrens durch die Expected Shortfall Methodik sowie die Möglichkeit, Modelle zukünftig auch auf einzelne Handelstische einzuschränken. Gleichwohl muss grundsätzlich eine Parallelrechnung des Standardansatzes erfolgen, da dieser u.a. als Rückfallgröße, Benchmark und Rekalibrierungsbasis dient.
Die durch das finale Papier entstehenden bzw. sich ändernden Offenlegungsvorschriften sind nicht Teil dieses Standards, sondern werden vom Baseler Ausschuss in einem separaten Papier zur Konsultation gestellt werden.

Mehr zu diesen Themen in Kürze hier im Regulatory Blog von PwC.

Zweites Basler Konsultationspapier zur Überarbeitung des Kreditrisikostandardansatzes – Revisions to the Standardised Approach for credit risk

Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat am 10. Dezember 2015 sein zweites Konsultationspapier zur Überarbeitungen des Kreditrisikostandardansatzes (Revisions to the Standardised Approach for credit risk – second consultative document (BCBS 347)) veröffentlicht. Die Vorschläge stehen bis zum 11. März 2016 zur Konsultation. Parallel hierzu wird auf Basis der Daten zum 31. Dezember 2015 im Rahmen des Basel III-Monitorings eine umfassende quantitative Auswirkungsstudie durchgeführt werden.

Die grundsätzliche Zielsetzung des Basler Ausschusses bei Überarbeitung des Standardansatzes bleibt unverändert, allerdings führen die Vorschläge des aktuellen Konsultationspapiers teilweise zu wesentlichen Änderungen der im ersten Konsultationspapier vom Dezember 2014 diskutierten Methodik (dazu auch Regulatory Blog Beitrag: “ Basel IV? Neuer Standardansatz zur Messung des Kreditrisikos“ vom 12. Februar 2015).

Unter anderem enthält das Konsultationspapier die folgenden wesentlichen Änderungen gegenüber der vorherigen Version:

  • Bei Forderungen an Banken können im Rahmen eines „External Credit Risk Assessment Approach / ECRAexterne Ratings wieder verwendet werden. Die daraus resultierenden Risikogewichte entsprechen den Abstufungen im bisherigen Standardansatz und liegen zwischen 20 % und 150 %. Sofern keine externen Ratings verfügbar sind oder von der Aufsicht deren Verwendung nicht zugelassen wurde, kommt ein „Standardised Credit Risk Assessment Approach / SCRA“ zur Anwendung, in dessen Rahmen eine Einordung der Forderung in drei unterschiedliche Kategorien vorzunehmen ist. Die Zuordnung zu den Kategorien ist an verschiedene Kriterien (z.B. die Einhaltung von Pufferanforderungen) geknüpft und führt zu Risikogewichten von 50 %, 100 % oder 150 %. Für kurzfristige Forderungen liegen die entsprechenden Risikogewichte bei 20 %, 50 % und 100 %.
  • Sofern für Forderungen an Unternehmen externe Ratings verfügbar und anwendbar sind, führen diese analog zu dem aktuell geltenden Standardansatz zu Risikogewichtungen von 20 % bis 100 %. Forderungen ohne Rating erhalten ein Risikogewicht von 100 %. Darüber hinaus erhalten Forderungen an Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 50 Mio. EUR ein Risikogewicht von 85 %; Retailforderungen erhalten nach wie vor ein Risikogewicht von 75 %.
  • Sofern es sich bei den Forderungen um Spezialfinanzierungen handelt, können lediglich Emissionsratings verwendet werden. Die resultierenden Risikogewichte liegen zwischen 20 % und 150 %. Sofern – wovon in der Regel auszugehen ist – keine externen Ratings vorliegen, kommen in Abhängigkeit von der Art der Spezialfinanzierung und des Stadiums der Projektfinanzierungen Risikogewichte zwischen 100 %und 150 % zum Einsatz.
  • Nachrangige Schuldverschreibungen und Eigenkapitalinstrumente erhalten Risikogewichte von 150 % bzw. 250 %, im Gegensatz zu dem vorherigen Konsultationspapier mit Risikogewichten von bis zu 400%.
  • Für Wohnungsbaukredite, die alle qualitativen Anforderungen erfüllen, sieht der Basler Ausschuss die Risikogewichtung auf Basis des LTV vor. Diese kann für LTV-Werte bis zu 100 % zwischen 25 % und 55 % liegen. Sofern der LTV bei mehr als 100 % liegt, kommt das Risikogewicht des Schuldners zur Anwendung. Sollten einzelne Anforderungen, wie z.B. die Abhängigkeit der Rückzahlung von den Cashflows des Objektes) nicht eingehalten werden, können die Risikogewichte bis auf 120 % bzw. 150 % steigen.
  • Gewerbliche Realkredite, deren Rückzahlung nicht von den Cashflows aus den Objekten abhängt, erhalten bei einem LTV von bis zu 60 % ein Risikogewicht von 60%. Bei höheren LTV kommt das Risikogewicht des Schuldners zur Anwendung. Sofern die Rückzahlung von den Cashflows aus den Objekten abhängt erhalten die Positionen je nach LTV ein RW zwischen 80% und 130%

Das Konsultationspapier enthält analog zu dem ersten Konsultationspapier noch keine Vorschläge für die zukünftige Risikogewichtung für Staaten. Diese werden, zusammen mit Zentralbanken und öffentlichen Stellen Gegenstand gesonderter Überprüfungen („broader and holistic review of sovereign related risks“) sein.

Inwieweit die geänderten Vorgaben gegenüber der Vorgängerversion zu deutlich unterschiedlichen Kapitalbelastungen führen werden, hängt im Einzelfall von den institutsindividuellen Konstellationen ab.

Mehr zu diesem Thema in Kürze hier im Regulatory Blog.

Basel IV – CVA Risk Capital Charge 2.0

Das Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) hat das Rahmenwerk zur aufsichtsrechtlichen Behandlung für das Risiko einer Anpassung der Kreditbewertung (Credit Valuation Adjustment (CVA)) im Rahmen des neuen Basel IV-Pakets einer Überarbeitung unterzogen. Am 01. Juli 2015 wurde hierzu ein Konsultationspapier (Review of the Credit Valuation Adjustment (CVA) risk framework – consultative document (BCBS 325)) auf den Weg gebracht, welches die durch den Baseler Ausschuss vorgesehene Neuordnung des aufsichtsrechtlichen CVA-Rahmenwerks beschreibt.

Hintergrund

Das aufsichtsrechtliche Rahmenwerk zur Behandlung des CVA-Risikos und zur Ermittlung der regulatorischen Eigenkapitalanforderung für dieses Risiko (CVA Risk Capital Charge) wurde ursprünglich im Jahre 2010 mit dem Basel III-Rahmenwerk veröffentlicht und in Europa im Zuge der Basel III-Umsetzung zum 1. Januar 2014 mit der CRR eingeführt. Den Auslöser hierfür stellten die signifikanten Verluste zahlreicher Banken auf ihre OTC-Derivateportefeuilles während der Finanzkrise dar. Diese waren meist weniger durch echte Gegenparteiausfälle, sondern vielmehr durch Bonitätsverschlechterungen der Gegenparteien und den danach notwendigen Marktwertabschreibungen der OTC-Derivategeschäfte verursacht worden. Insofern beinhaltet die CVA Risk Capital Charge seit Umsetzung von Basel III neben der Eigenkapitalanforderung für Gegenparteiausfallrisiken eine zusätzliche regulatorische Eigenkapitalanforderung für OTC-Derivategeschäfte. Nur eineinhalb Jahre nach der CRR-Einführung hat der Baseler Ausschuss nun Schwachstellen und unangemessen berücksichtigte Aspekte im bestehenden aufsichtsrechtlichen CVA-Rahmenwerk identifiziert, welche durch die Überarbeitung adressiert werden sollen.

Schwächen des bisherigen CVA-Rahmenwerks

Das aktuelle CVA-Rahmenwerk lässt zwei Methoden zur Ermittlung der CVA Risk Capital Charge zu. Zum einen die „Fortgeschrittene Methode“, deren Anwendung wiederum an die Voraussetzung geknüpft ist, dass die Bank die Zustimmung der Aufsicht zur Anwendung der Internen Modelle Methode für die Zwecke der Quantifizierung des Gegenparteiausfallrisikos besitzt, und zum anderen die „Standardmethode“, welche ohne weitere Restriktionen anwendbar ist. Beide Methoden sind so konstruiert, dass in der Ermittlung der Eigenkapitalanforderung für das CVA-Risiko ausschließlich die Variabilität widergespiegelt und abgedeckt wird, die durch das Credit Spread-Risiko der Gegenpartei hervorgerufen wird. Spiegelbildlich hierzu gelten im aktuellen CVA-Rahmenwerk ausschließlich jene Hedging-Maßnahmen als aufsichtsrechtlich zulässig, welche das Credit Spread-Risiko absichern. Hierzu zählen Single-Name CDS, die direkt auf die Gegenpartei referenzieren, sowie – unter bestimmten Voraussetzungen – Index CDS.

Wesentliche Ziele und Änderungen des überarbeiteten CVA-Rahmenwerks

Mit der Überarbeitung des CVA-Rahmenwerks verfolgt der Baseler Ausschuss drei Ziele.

  • Erfassung aller relevanten Einflussfaktoren für das CVA-Exposure und eine bessere Berücksichtigung von Hedging-Maßnahmen

Bisher wird einer der wichtigsten Treiber des CVA-Risikos, die Exposure-Komponente, nicht im aktuellen CVA-Rahmenwerk abgedeckt. Die Exposure-Komponente inkl. ihrer sensitiven Beziehung zu Marktrisikofaktoren hat jedoch einen erheblichen Einfluss auf die CVA Risk Capital Charge. Das überarbeitete CVA-Rahmenwerk berücksichtigt daher die Exposure-Komponente inkl. zugehöriger Hedging-Maßnahmen der Marktrisikofaktoren.

  • Angleichung an Industrie-Praktiken, die für Zwecke der Rechnungslegung Anwendung finden

Es hat sich in der Praxis herausgestellt, dass diverse Banken die CVA für Rechnungslegungszwecke (IFRS 13); auf Grundlage marktimplizierter Modellkalibrierungen ermitteln. Diese Vorgehensweise hat sich als sog. „Best Practice“ etabliert. Um dieser „Best Practice“ gerecht zu werden und um eine Konvergenz zwischen Rechnungslegung und Aufsichtsrecht gewährleisten zu können, berücksichtigt das überarbeitete CVA Rahmenwerk Elemente aus der CVA-Behandlung für Rechnungslegungszwecke.

  • Angleichung an die Anforderungen des „Fundamental Review of the Trading Book“ (FRTB)

Da es sich bei der CVA um eine Marktwert-Anpassung von Derivateinstrumenten handelt, sollte die regulatorische Eigenkapitalunterlegung für das CVA-Risiko an die Kapitalanforderung für das Marktrisiko gekoppelt sein. Als Konsequenz hieraus und zum Zwecke der Konsistenz basiert das überarbeitete CVA-Rahmenwerk somit auf dem ebenfalls kürzlich überarbeiteten Rahmenwerk für die regulatorische Behandlung des Marktrisikos, welches Sensitivitäten von Marktrisikofaktoren in den Mittelpunkt stellt (Fundamental review of the trading book: outstanding issues – consultative document (BCBS 305), Fundamental review of the trading book – second consultative document (BCBS 265).

 Anwendungsbereich der CVA Risk Capital Charge

Der Baseler Ausschuss beabsichtigt mit der Überarbeitung des CVA-Rahmenwerks die Ermittlung der CVA Risk Capital Charge für alle Derivatetransaktionen einzuführen, die ein Gegenparteiausfallrisiko beinhalten. Hierbei soll es keine Rolle spielen, ob für diese Transaktionen eine Besicherungsvereinbarung vorliegt oder nicht. Ferner sollen auch Instrumente, welche zum Zwecke des Hedge-Accountings im Bankbuch gehalten werden (z.B. Zinsderivate im Bankbuch), der CVA Risk Capital Charge unterliegen. Darüber hinaus sieht der Baseler Ausschuss vor, dass marktbewertete Wertpapierfinanzierungsgeschäfte (SFTs) ebenso in den Anwendungsbereich der CVA Risk Capital Charge fallen sollen. Die Ausnahme von der CVA Risk Capital Charge sieht der Baseler Ausschuss im überarbeiteten Rahmenwerk ausschließlich für Transaktionen mit qualifizierten zentralen Gegenparteien vor. Der vom Baseler Ausschuss überarbeitete empfohlene Anwendungsbereich für die CVA Risk Capital Charge stellt eine deutliche Ausweitung der bisherigen Regelungen im Rahmen der CRR dar. Darüber hinaus werden in der CRR diverse Geschäfte, vor allem mit privilegierten Gegenparteien, von der CVA Risk Capital Charge ausgenommen. Der finale Anwendungsbereich für die CVA Risk Capital Charge wird abzuwarten sein. In jedem Fall handelt es sich hierbei um ein Thema, das aktuell intensiv von den Aufsichtsbehörden diskutiert wird. Bereits am 25. Februar 2015 veröffentlichte die European Banking Authority (EBA) ein an die europäische Kommission adressiertes Dokument (Opinion of the European Banking Authority on Credit Valuation Adjustment (CVA) (EBA/OP/2015/02)), aus dem hervorgeht, dass die EBA eine Reduzierung der bisherigen Ausnahmeregelungen innerhalb der CVA Risk Capital Charge nach der CRR empfiehlt.

Die Ansätze des überarbeiteten „BCBS 325“-Rahmenwerk im Einzelnen

Das überarbeitete CVA-Rahmenwerk unterteilt sich in zwei weitere „Teil-Rahmenwerke“. Zum einen das sog. „FRTB-CVA Rahmenwerk (FRTB-CVA)“, welches eine annähernde Adaption aus den Marktrisiko-Anforderungen darstellt und seinen Namen erhalten hat, um die Konsistenz mit dem überarbeiteten Marktrisiko-Rahmenwerk „Fundamental Review of the Trading Book (FRTB)“ zu reflektieren, und zum anderen das sog. „Basic CVA Rahmenwerk (B-CVA)“.

  1. Das B-CVA Rahmenwerk stellt eine Weiterentwicklung der aktuellen Standardmethode dar und kann von Banken angewendet werden, die keine Zustimmung für das FRTB-CVA Rahmenwerk besitzen oder für jene, welche das FRTB-CVA Rahmenwerk nicht anwenden wollen. Somit besteht hier ein Wahlrecht für die Institute. In Abweichung zum FRTB-CVA müssen im Rahmen des B-CVA keine eigenen Sensitivitäten für Marktrisikofaktoren ermittelt werden.
  2. Die Anwendung des FRTB-CVA unterliegt der Zustimmung durch die Aufsicht, welche ausschließlich dann erteilt wird, sofern ein umfangreicher Kriterienkatalog vom Institut erfüllt wird. Das FRTB-CVA Rahmenwerk wurde für Institute konstruiert, die eine eigene Ermittlung für Preissensitivitäten gegenüber Marktrisikofaktoren vornehmen können. Analog zum Marktrisiko-Rahmenwerk (FRTB) besteht das FRTB-CVA Rahmenwerk aus einem internen Modellansatz (IMA-CVA) und einem Standardansatz (SA-CVA). Während die Anwendung des SA-CVA, bei bereits erteilter Zustimmung der Aufsicht für das FRTB-CVA Rahmenwerk, keinen weiteren Voraussetzungen unterliegt, muss ein Institut für die Anwendung des IMA-CVA ein zusätzliches Bündel an Anforderungen erfüllen. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Zustimmung zur Anwendung der IMA-CVA ist, dass ein Institut bereits die Zustimmung für den internen Modellansatz im Marktrisiko (IMA-TB) erhalten hat. Auch bei erhaltener Zustimmung zur IMA-CVA-Anwendung muss ein Institut parallel den SA-CVA anwenden und seine Eigenmittelunterlegung für das CVA-Risiko nach diesem melden. 

Weitere Änderungen und Zeitplan

Die vom Baseler Ausschuss vorgeschlagenen neuen Ansätze sorgen für eine verstärkte und genauere Berücksichtigung der Abhängigkeiten von Marktrisikofaktoren und Hedgingmaßnahmen. Hierdurch wird die Ermittlung der CVA Risk Capital Charge erheblich risikosensitiver. Auf der anderen Seite führt die empfohlene Überarbeitung des CVA-Rahmenwerks zu einem erhöhten Aufwand. Zum einen erfordern die neuen Ansätze des überarbeiteten CVA-Rahmenwerks neue Inputparameter und Kalkulationsverfahren. Dies hat prozessuale Anpassungen und erhöhte Aufwände aus Sicht der betroffenen Institute zur Folge. Zum anderen bedeutet die durch den Baseler Ausschuss empfohlene Ausweitung des Anwendungsbereiches für die CVA Risk Capital Charge auf SFTs, dass die Anzahl der mit der CVA Risk Capital Charge zu unterlegenden Transaktionen wächst. Die Konsultation und die Durchführung einer Auswirkungsstudie (Quantitative Impact Study (QIS)) zur Überarbeitung des CVA-Rahmenwerks wurden im Oktober 2015 abgeschlossen. Die Einführung des überarbeiteten CVA-Rahmenwerks ist noch nicht fixiert. Möglicherweise erfolgt diese zusammen mit dem überarbeiteten Rahmenwerk für das Marktrisiko (Fundamental Review of the Trading Book (FRTB)). Deutlich wird jedoch vor allem durch das sehr enge Zeitfenster von Veröffentlichung, Konsultationszeitraum und Durchführung der QIS, dass der Baseler Ausschuss das Thema „CVA Risk Capital Charge“ intensiv vorantreibt. Die Bedeutung des Themas für die Aufsichtsbehörden zeigt sich ebenso in den jüngst veröffentlichten Richtlinien der EBA zur Behandlung der CVA innerhalb des SREP (Consultation on Guidelines on the treatment of CVA risk under the supervision review and evaluation process (SREP) (EBA/CP/2015/21)).

Liquiditätsmeldewesen im Wandel – Teil 2: Finales Papier des Baseler Ausschusses zur Net Stable Funding Ratio

Die Finanzkrise von 2007 ff. zeigte, dass viele Banken langfristige und illiquide Vermögenswerte durch kurzfristige Verbindlichkeiten refinanzierten. Diese Art der Fristentransformation gehört zwar zu den Kernaufgaben einer Bank, birgt jedoch besonders in Stresssituationen ein hohes Maß an Liquiditätsrisiken. Der Baseler Ausschuss will diesem Risiko mit der Einführung der Net Stable Funding Ratio (NSFR) entgegenwirken und sicherstellen, dass die Institute für einen Zeitraum von bis zu einem Jahr über eine ausreichend stabile Refinanzierung verfügen. Die Net Stable Funding Ratio ergänzt die an dieser Stelle in Teil 1 der Serie Liquiditätsmeldewesen im Wandel vorgestellte Liquidity Coverage Ratio (LCR) (siehe Regulatory Blog Beitrag: „Liquiditätsmeldewesen im Wandel – Teil 1: die Delegierte Verordnung zur Liquidity Coverage Ratio“ vom 16. Juli 2015) im Rahmen der bankaufsichtlichen Neuerungen im Liquiditätsmeldewesen um eine längerfristig ausgerichtete Refinanzierungsquote.

Hintergrund

Auf EU-Ebene regelt die CRR die Anforderungen an eine ausreichende und stabile Refinanzierung in den Artikeln 413, 427 und 428 CRR. Gemäß Artikel 413 Abs. 1 CRR sind Banken grundsätzlich dazu verpflichtet, eine hinreichend stabile Refinanzierung ihrer Geschäftsaktivitäten sicherzustellen. Da es jedoch keine darüber hinausgehende, verpflichtend einzuhaltende Mindestquote und keine Gewichtungsfaktoren für einzelne Bilanzpositionen zur Ermittlung einer solchen Quote gibt, umfasst die mit der CRR eingeführte Meldepflicht bislang nur die einzelnen Bestandteile der NSFR.

Auf Baseler Ebene wurden die Basel III Vorgaben zur Ermittlung und Einhaltung einer verpflichtenden NSFR-Mindestquote durch das am 31. Oktober 2014 veröffentlichte Papier des Baseler Ausschusses zur NSFR überarbeitet (Basel III: the net stable funding Ratio, BCBS 295). Diese ersetzen die vorherige Regelung aus dem Jahr 2010 (Basel III: International framework for liquidity risk measurement, standards and monitoring, BCBS 188).

Aufbau und Zusammensetzung der NSFR

Bei der NSFR handelt es sich um eine Bilanzstrukturkennziffer, die keine Stressszenarien widerspiegelt. Grundsätzlich sind Banken dazu angehalten, verfügbare stabile Refinanzierung (Available Stable Funding, ASF) vorzuhalten, die mindestens so groß ist wie die erforderliche stabile Refinanzierung (Required Stable Funding, RSF). Die Ermittlung der verfügbaren sowie der erforderlichen stabilen Refinanzierung ist so kalibriert, dass sie die Liquidität der Vermögenswerte und das vermutete Ausmaß der Stabilität der korrespondierenden Verbindlichkeiten abbilden soll.

NSFR

Als Bilanzstrukturkennziffer basiert die NSFR auf der bilanziellen Gliederung der Aktiv-, Passiv- und außerbilanziellen Positionen in ein vorgegebenes Schema. Hierbei wird soweit möglich auf bestehende Definitionen zurückgegriffen, beispielsweise die Definition der Privatkundeneinlage im Sinne der LCR. Den einzelnen Positionen werden dann Faktoren in Höhe von 0% bis 100% zugewiesen. Diese sind durch den Baseler Ausschuss vorgegeben und beinhalten die Einschätzung der Stabilität bzw. Liquidität der betreffenden Positionen. In einigen Fällen besteht darüber hinaus weiterhin die Möglichkeit, im Rahmen einer nationalen Umsetzung grundsätzlich abweichende Faktoren zu nutzen oder bezüglich der Mindestquote über die Vorgaben des Baseler Ausschuss hinauszugehen. Denkbar ist beispielsweise, dass künftig in der EU im Rahmen des SREP institutsspezifische NSFR-Mindestquoten festgelegt werden, um den spezifischen Fundingrisiken der Institute adäquat begegnen zu können.

Die Ermittlung der verfügbaren stabilen Refinanzierung (ASF)

Zur Ermittlung der verfügbaren stabilen Refinanzierung, die den Zähler der NSFR darstellt, werden die Verbindlichkeiten und Eigenkapitalbestandteile der Bank nach Laufzeit und Kontrahent in Kategorien eingeteilt. Die verfügbare stabile Refinanzierung stellt in ihrer Gesamtheit das Volumen der Passivseite dar, welches über den Betrachtungszeitraum der NSFR voraussichtlich dauerhaft zur Verfügung steht. Rechnerisch wird die Gesamtheit der verfügbaren stabilen Refinanzierung in drei Schritten ermittelt. Der erste Schritt umfasst die Zuordnung sämtlicher Passivpositionen zu den vom Baseler Ausschuss vorgegebenen fünf ASF-Kategorien. Im zweiten Schritt wird der Buchwert der Positionen ermittelt und daraufhin im letzten Schritt mit dem von der ASF-Kategorie abhängigen Faktor multipliziert. Bei der verfügbaren stabilen Refinanzierung werden ausschließlich Positionen verwendet, die auf der Passivseite der Bilanz ausgewiesen werden. Die fünf ASF-Kategorien können in Eigenmittel, stabile Einlagen, weniger stabile Einlagen, andere Einlagen und Verbindlichkeiten sowie sonstige Passiva untergliedert werden. Entsprechend wird diesen Kategorien ein ASF-Faktor in Höhe von 100%, 95%, 90%, 50% oder 0% zugewiesen. Alle nicht explizit genannten Positionen, wie zum Beispiel Rückstellungen oder latente Steuern, werden mit einem ASF-Faktor in Höhe von 0% berücksichtigt.

Im Detail setzt die Aufsicht in ihrem finalen Papier einen konservativen Ansatz für Verbindlichkeiten fort und spezifiziert die grundlegenden Anforderungen zu deren Behandlung (siehe Abschnitt „Änderungen zu den bisherigen Regelungen“). Sofern in Bezug auf aufgenommene Finanzierungsmittel Kündigungsoptionen o.ä. vorliegen, ist bei der Einteilung in Laufzeitbänder konservativ davon auszugehen, dass die Optionen zum frühesten möglichen Zeitpunkt ausgeübt werden. Eine Abweichung von diesem Grundsatz kann bei ausreichendem Nachweis gestattet werden. Im Vergleich zum Konsultationsstand aus dem Januar 2014 (Consultative Document Basel III: The Net Stable Funding Ratio, BCBS 271) haben sich im Bereich der verfügbaren stabilen Refinanzierung keine wesentlichen Änderungen ergeben. Die Anpassungen die auf Grundlage der QIS im Konsultationsprozess – zum Beispiel bei den Einlagen – vorgenommen wurden, haben sich auch im finalen Papier durchgesetzt. Das heißt, dass sowohl stabile Retaileinlagen ohne feste Laufzeit weiterhin mit einem AFS Faktor von 95% als auch operative Einlagen mit einem Faktor von 50% berücksichtigt werden. 

Die Ermittlung der erforderlichen stabilen Refinanzierung (RSF)

Die Ermittlung der erforderlichen stabilen Refinanzierung erfolgt mit der gleichen Logik in Schritten wie bei der verfügbaren stabilen Refinanzierung. Auch hier ist der Ausgangspunkt die Kategorisierung einzelner Bilanzaktiva und außerbilanzieller Risikopositionen in Abhängigkeit ihrer Laufzeit und Liquidität. Dabei soll ein konservativer Ansatz dahingehend angewendet werden, dass Verlängerungsoptionen, für die das Ausübungswahlrecht beim Kontrahenten liegt, stets als ausgeübt angenommen werden. Ebenso sollen Institute beispielsweise innerhalb eines Jahres auslaufende Kreditlinien aus Reputationsgründen zu einem erheblichen Anteil als verlängert betrachten. Bei der Kategorisierung der Aktiva zu den verschiedenen RSF-Faktoren werden im Wesentlichen drei Laufzeitbänder unterschieden: weniger als 6 Monate, zwischen 6 und 12 Monaten und mehr als 12 Monate. Belastete Aktiva, die beispielsweise als Sicherheiten gestellt oder verpfändet sind, werden dabei nicht anhand ihrer eigenen Laufzeit, sondern anhand der (Rest-)Laufzeit der Belastung eingestuft. Die Gruppierung der Aktiva orientiert sich in Teilen an den Definitionen liquider Aktiva nach dem Vorschlag des Baseler Ausschusses (Basel III: The Liquidity Coverage Ratio and liquidity risk monitoring tools, BCBS 238), welcher in weiten Teilen durch die Delegierte Verordnung (EU) 2015/61 vom 10. Oktober 2015 zur Ergänzung der VO (EU) Nr. 575/2013 in Bezug auf die Liquiditätsdeckungsanforderungen an Kreditinstitute bereits in geltendes EU-Recht umgesetzt wurde. Dabei sind Aktiva der Stufe 1 in der Regel mit 5% auf die RSF anzurechnen, während Aktiva der Stufe 2A zu 15% und Aktiva der Stufe 2B zu 50% stabil zu refinanzieren sind. Risikopositionen aus Krediten gegenüber Finanzinstituten mit einer Restlaufzeit von unter einem Jahr erhalten einen Anrechnungsfaktor zwischen 10% und 50%, während Risikopositionen gegenüber Unternehmens- und Privatkunden aufgrund der eingangs genannten Annahmen zur häufigen Prolongation tendenziell höhere Anrechnungssätze von mindestens 50% erhalten. Kredite gegenüber Nicht-Finanzkunden mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr sind dagegen nur mit 65% bis 85% anzurechnen, während Kredite an Finanzinstitute mit einer vergleichbaren Restlaufzeit eine Anrechnung von 100% erhalten sollen. Eine Anrechnung von 0% ist nur noch für wenige Assetklassen wie Münzen und Banknoten oder Forderungen gegenüber Zentralbanken mit einer Restlaufzeit von weniger als 6 Monaten möglich. Auch Forderungen aus Assetverkäufen sind, sofern eine Erfüllung kurzfristig zu erwarten ist, von der Pflicht zur stabilen Refinanzierung ausgenommen.

Änderungen zu den bisherigen Regelungen

Im Vergleich zum ersten Baseler Konsultationspapier aus dem Jahr 2010 (BCBS 188) fällt auf, dass die neuen Kriterien je nach Geschäftsmodell einer Bank sowohl zu einer Verschärfung wie auch zu einer Erleichterung führen können. Wesentliche Änderungen umfassen unter anderem die folgenden Punkte:

  • Auf Seiten der verfügbaren stabilen Refinanzierung müssen künftig innerhalb eines Jahres abfließende Cashflows aus dem Positionswert herausgerechnet werden.
  • Belastungen von Aktiva mit einer Restlaufzeit von weniger als einem Jahr führen nach dem neuen Papier zu deutlich höheren Refinanzierungsanforderungen, während die alte Veröffentlichung eine Encumbrance von weniger als einem Jahr in der Regel gänzlich unbeachtet ließ.
  • Dem gegenüber wurde die Anrechnung von Forderungen gegenüber Nicht-Finanzkunden bei der Ermittlung der RSF deutlich herabgesetzt, was zu Erleichterungen bei typischen Geschäftsbanken führen dürfte.

Auch im Vergleich zur Konsultation aus dem Januar 2014 (BCBS 271) fallen in der endgültigen Fassung einige Veränderungen auf, beispielsweise:

  • Überarbeitete Regelungen zur Erfassung von Derivaten unter Berücksichtigung von Nettingvereinbarungen sowie Initial und Variation Margins.
  • Bei Reverse-Repo Geschäften unterscheidet der Abflussfaktor zwischen einer Besicherung mit Level 1-HQLA und anderen Papieren.

Ausblick auf die Entwicklung auf EU-Ebene

Die Vereinbarung des Baseler Ausschusses hat noch keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Institute in der EU. In der Vergangenheit konnten die Empfehlungen des Baseler Ausschusses jedoch stets als Wegweiser für die künftige Gesetzgebung in Europa angesehen werden.

Auf Grundlage des EBA-Mandats, die Einführung einer verpflichtenden Quote zur stabilen Refinanzierung gem. Art. 510 Abs.1 CRR bis zum 31.12.2015 zu bewerten, ist davon auszugehen, dass das aktuelle Baseler Papier zumindest in Teilen eine Umsetzung in der europäischen Regulierung finden wird. Ein entsprechender Gesetzesvorschlag wäre dann gemäß Artikel 510 Abs. 3 CRR durch die Europäische Kommission bis zum 31.12.2016 vorzulegen. Die verpflichtende Einführung der NSFR-Quote auf EU-Ebene würde sich in diesem Fall voraussichtlich an den Vorgaben des Baseler Papiers zum 01.01.2018 orientieren, wie bereits in Erwägungsgrund Nr. 112 der CRR dargelegt. Um die Einführung der NSFR zu unterstützen, wird die EBA bis Ende 2015 einen Bericht über die Kalibrierung der Anforderungen finalisieren und an die Europäische Kommission weiterleiten. Der Entwurf des Reports wurde am 15. Oktober 2015 im Rahmen eines EBA Hearings (Draft Report on the calibration of a stable funding requirement under Art. 510 CRR) vorgestellt und unterstreicht in einer vorläufigen Zusammenfassung die Notwendigkeit der stabilen Refinanzierungsanforderung. Einen Standard für die verpflichtende Offenlegung der NSFR, der sämtliche Anpassungen des neuen Papiers beinhaltet, hat der Baseler Ausschuss bereits im Juni 2015 veröffentlicht (Net Stable Funding Ration disclosure standards, BCBS 324).

Europäische Regulierung – wichtige Daten

Die Regulierung für die Banken ist noch nicht abgeschlossen. Vielmehr erfordert die Harmonisierung der Vorschriften eine fortlaufende Umsetzung europäischer Richtlinien in deutsches Recht sowie eine Angleichung an die europäischen Standards.

Unterschiedliche Fristen und Übergangsregelungen auf europäischer und nationaler Ebene stellen eine weitere Herausforderung dar, wenn es darum geht einen Überblick über die aktuellen Maßnahmen zu erlangen. Die wichtigsten europäischen Vorhaben und Eckdaten haben wir für Sie als Übersicht zusammengestellt.

Weitere wichtige Konsultationen, Gesetzesänderungen und Veröffentlichungen finden Sie im Regulatorischen Kalender.

Europäische Regulierung - wichtige Daten

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Diesen Fahrplan zur europäischen und deutschen Regulierung finden Sie auch auf unseren FS-Branchenseiten unter www.pwc.de.

 

Guidelines on Corporate Governance Principles for banks

Das Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) hat am 08. Juli 2015 die finalen Guidelines on Corporate Governance Principles for banks (BCBS 328) veröffentlicht. Mit diesen Grundsätzen soll ein Rahmen geschaffen werden, innerhalb dessen Banken und Aufseher Risikomanagement und Entscheidungsfindung transparent und zuverlässig gestalten, um das öffentliche Vertrauen in die Sicherheit und Zuverlässigkeit des Bankensystems zu stärken.

Hintergrund

Die Grundsätze sollen die Mitglieder der Aufsichts-/Verwaltungsorgane, Senior Management, Inhaber von Kontrollfunktionen und nationale Aufseher bei ihrer Aufgabenerfüllung leiten. Bereits 2010 hatte das BCBS erstmals “Principles for enhancing corporate governance“ (BCBS 176) veröffentlicht. Eine Überprüfung der Risk Governance durch den Financial Stability Board (FSB) in 2013 zeigte, dass trotz vielfältiger Maßnahmen der Institute und nationalen Aufsichtsbehörden noch Verbesserungs- und Handlungsbedarf bei der Etablierung wirksamer Governance-Regeln besteht.

Die jetzt erfolgte Überarbeitung hat zum einen das Ziel, die kollektive Verantwortlichkeit des Überwachungsorgans (board) für die Wahrnehmung der Überwachung und die Beherrschung des Risikos zu stärken. Zum anderen werden die Schlüsselfaktoren einer effektiven Risk Governance betont: Risikokultur, Risikoappetit und deren Beziehung zur Risikotragfähigkeit der Bank. Die insgesamt 13 Grundsätze decken darüber hinaus die Schlüsselfunktionen einer stabilen Governance ab und grenzen die spezifischen Rollen der Überwachungsfunktion, des Risikoausschusses sowie der Management- und Kontrollfunktionen (einschließlich CRO und Interner Revision) deutlicher gegenüber der Vorversion voneinander ab.

Die Verantwortungsbereiche und Aufgaben der Beteiligten sind im deutschen Bankaufsichtsrecht vor allem im KWG und in den MaRisk geregelt. Im Folgenden werden daher nur einige Teilaspekte der Grundsätze für die Corporate Governance der Banken aufgegriffen.

Stakeholder versus Shareholder

Mit den Grundsätzen sollen die Interessen der verschiedenen Stakeholder im Einklang mit dem öffentlichen Interesse auf nachhaltiger Basis geschützt werden. Dabei steht der Einlegerschutz an erster Stelle und damit explizit vor den Interessen der Anteilseigner.

Überwachungsorgan/board (Principles 1-3)

  • Gesamtverantwortung

Die Gesamtverantwortung des Überwachungsorgans ist umfassend. Das gilt insbesondere für die Genehmigung und Überwachung folgender Bereiche: Geschäftsstrategie, wirtschaftliche Lage, wichtige Personalentscheidungen, interne Organisation, Governance-Strukturen und –Praktiken sowie Pflichten des Risikomanagements, der Compliance Funktion und der Interne Revision. Die Wahrnehmung der Gesamtverantwortung durch das Überwachungsorgan erfolgt unter Beachtung von Sorgfalts- und Loyalitätspflicht („duty of care“ /„duty of loyalty“) gegenüber der Bank. Verantwortungsvolles und ethisches Verhalten wird als besonders wichtig für die Risikokultur der Bank angesehen (Tone at the Top). In diesem Zusammenhang wird explizit das sog. „conduct risk“ herausgestellt. Das conduct risk als Ausprägung des Operationalen Risikos ist bereits Bestandteil des Supervisory Review Process SREP (zum Thema auch unser Blog Beitrag: „Update zu den Finalen Guidelines for the SREP“ vom 06. Februar 2015). Ein Fehlverhalten kann hierbei zum Beispiel aus missbräuchlichen Verkäufen von Finanzprodukten, Gesetzesverstößen oder Finanzmarktmanipulationen (Manipulation von LIBOR- oder Fremdwährungskursen etc.) resultieren. Hierbei umfasst die Verantwortung des Überwachungsorgans die Festlegung, welche Verhaltensweisen nicht akzeptabel sind bzw. als Fehlverhalten zu werten sind. Durch einen “Code of ethics” bzw. “Code of conduct” soll eine Atmosphäre von Ehrlichkeit und Eigenverantwortlichkeit gegenüber den Kunden und Anteilseignern gefördert werden.

Ein wichtiger Aspekt der Gesamtverantwortung ist die Festlegung des Rahmens für die Risk Governance und die damit verbundene verbindliche Formulierung der Risikobereitschaft (risk appetite statement / RAS). Neben qualitativen und quantitativen Aspekten beinhaltet das RAS die Festlegung auf die Risikoarten und –limite, die die Bank bereit ist, einzugehen, sowie die Einbettung dieser Risikotoleranz in die täglichen strategischen Entscheidungen.

  • Qualifikation und Zusammensetzung des Überwachungsorgans

Voraussetzung für die Tätigkeit ist die entsprechende Qualifikation: Die Mitglieder des Überwachungsorgan müssen zuverlässig und unabhängig sein sowie über ausreichend Zeit und die erforderliche Sachkunde verfügen. Die einzelnen Mitglieder sollen eine individuelle Grundhaltung haben, die die Kommunikation, Zusammenarbeit und kritische Auseinandersetzung bei Entscheidungen erleichtert.

Mandatsbegrenzungen, wie sie in § 25d KWG explizit vorgesehen sind, enthalten die Grundsätze jedoch nicht (zum Ganzen auch Blog-Beitrag: „Neue Merkblätter zu den Anforderungen an Geschäftsleiter und Aufsichtsrat“ vom 12. März 2015).

  • Struktur und Organisation

Das Überwachungsorgan soll sich eine eigene Struktur geben, die es in die Lage versetzt, seine Aufsichtsfunktion und -verantwortung sachgerecht auszuüben, dazu gehört auch bei Bedarf die Einrichtung von verschiedenen Ausschüssen (Prüfungsausschuss, Risikoausschuss, Vergütungsausschuss, Nominierungsausschuss, Complianceausschuss). Diese Strukturen sollen regelmäßig überprüft werden.

Risiko Management Funktion/ Chief Risk Officer (CRO) (Principle 6)

Große Bedeutung wird der Leitung der Risikomanagementfunktion zugeschrieben. Vor allem bei großen und komplexen international tätigen Banken soll ein CRO benannt werden: Er verantwortet das unternehmensweite Risikomanagement und unterstützt das Überwachungsorgan bei seinen Aufgaben im Hinblick auf die Risikokontrolle. Nach den BCBS-Grundsätzen handelt es sich hierbei um eine Leitungsfunktion, die exklusiv und unabhängig ausgeübt werden sollte. Das entspricht schon den bisherigen nationalen MaRisk-Vorgaben. Entsprechend sind auch Aufgaben wie „chief operating officer, CFO, chief auditor oder andere senior manager Aufgaben“ unvereinbar mit dem Amt des CRO.

Compliance Function (Principle 9)

Zu den Aufgaben des Überwachungsorgans zählt auch die Überwachung des Managements des Compliance Risikos der Bank. Die unabhängige compliance function als „zweite Verteidigungslinie“ soll dafür sorgen, dass die Bank mit Integrität und unter Beachtung der anzuwendenden Gesetze, Verordnungen und internen Regeln handelt. Die Einrichtung der compliance function obliegt der Geschäftsleitung, die durch die compliance function bezüglich der Einhaltung und Umsetzung der rechtlichen Regelungen und Vorgaben unterstützt und beraten wird. Die compliance function soll unabhängig vom Management sein. Die Grundsätze sehen (should) eine direkte Berichtspflicht der compliance function an das Überwachungsorgan vor.

In Deutschland ist gemäß den MaRisk die Compliance Funktion der Geschäftsführung unterstellt. Die Compliance Funktion ist unmittelbar gegenüber der Geschäftsleitung berichtspflichtig – die Berichte werden zudem an das Überwachungsorgan weitergeleitet.

Interne Revision/ Internal Audit (Principle 10)

Als “dritte Verteidigungslinie” muss die interne Revision kompetent und unabhängig agieren, um ihre Aufgaben – Prüfung der Qualität und Angemessenheit des internen Kontrollsystems, des Risikomanagements und der Governancesysteme und –prozesse – zu erfüllen.

Die Kommunikation zwischen Überwachungsorgan und interner Revision ist ein Schwerpunkt der BCBS-Grundsätze: Die hauptsächliche Berichtslinie soll zwischen Interner Revision und dem Überwachungsorgan (bzw. Prüfungsausschuss) bestehen.

Dagegen spiegeln die derzeitigen Regelungen der MaRisk die gesellschaftsrechtliche „Two Tier“ Struktur in Deutschland mit Aufsichts-/Verwaltungsrat und Vorstand wider. Daher existiert derzeit die direkte Berichtspflicht der Internen Revision gegenüber der Geschäftsleitung (MaRisk AT 4.4.3, Tz 2). Allerdings besteht auch hier ein direktes Informationsrecht des Vorsitzendes des Risikoausschusses oder, falls keiner gebildet wurde, des Aufsichtsratsvorsitzenden gegenüber der Internen Revision, wobei die Geschäftsleitung hierüber zu unterrichten ist. Die Rolle der Internen Revision gewinnt im Rahmen der BCBS-Grundsätze an Bedeutung. Das zeigt sich daran, dass ein Wechsel an der Spitze des Internen Revision öffentlich zu machen ist; die Gründe für den Wechsel soll die Bank mit der Aufsichtsbehörde diskutieren.

Die Rolle der Aufsicht (Principle 13)

Die Aufsicht bewertet, wie das Überwachungsorgan und die Geschäftsleitung ihre Aufgaben im Hinblick auf die Anwendung einer wirksamen Corporate Governance erfüllen. Wesentlicher Aspekt bei der Überprüfung durch die Aufsicht ist die regelmäßige Kommunikation mit der Bank (Überwachungsorgan und Geschäftsleitung), was sich auch auf die wichtigsten Positionen der Corporate Governance-Organisation der Bank (Interne Revision, Risiko Management Funktion, Compliance Funktion) bezieht. Offener Dialog durch geplante und ad-hoc Gesprächstermine soll die Einbindung der Aufsicht unterstützen.

Fazit

Die Anforderungen an die Ausgestaltung der Corporate Governance, die im Rahmen der BCBS-Grundsätze erläutert werden, entsprechen im Wesentlichen den bisher im KWG und in den Mindestanforderungen an das Risikomanagement festgelegten Strukturen. Im Hinblick auf die Ausübung der Aufsichtsfunktion werden durch § 25d KWG und die dort explizit aufgezählten Mandatsbeschränkungen die Anforderungen an die sog. duty of care näher konkretisiert.

Dagegen sehen die BCBS-Grundsätze eine engere Anbindung der Schlüsselfunktionen an das Überwachungsorgan vor. Das betrifft insbesondere die „Internal Audit Function“, deren Berichte ungefiltert an das Überwachungsorgan geliefert werden sollen.

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