Kategorie: Basel III

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Basel IV – CVA Risk Capital Charge 2.0

Das Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) hat das Rahmenwerk zur aufsichtsrechtlichen Behandlung für das Risiko einer Anpassung der Kreditbewertung (Credit Valuation Adjustment (CVA)) im Rahmen des neuen Basel IV-Pakets einer Überarbeitung unterzogen. Am 01. Juli 2015 wurde hierzu ein Konsultationspapier (Review of the Credit Valuation Adjustment (CVA) risk framework – consultative document (BCBS 325)) auf den Weg gebracht, welches die durch den Baseler Ausschuss vorgesehene Neuordnung des aufsichtsrechtlichen CVA-Rahmenwerks beschreibt.

Hintergrund

Das aufsichtsrechtliche Rahmenwerk zur Behandlung des CVA-Risikos und zur Ermittlung der regulatorischen Eigenkapitalanforderung für dieses Risiko (CVA Risk Capital Charge) wurde ursprünglich im Jahre 2010 mit dem Basel III-Rahmenwerk veröffentlicht und in Europa im Zuge der Basel III-Umsetzung zum 1. Januar 2014 mit der CRR eingeführt. Den Auslöser hierfür stellten die signifikanten Verluste zahlreicher Banken auf ihre OTC-Derivateportefeuilles während der Finanzkrise dar. Diese waren meist weniger durch echte Gegenparteiausfälle, sondern vielmehr durch Bonitätsverschlechterungen der Gegenparteien und den danach notwendigen Marktwertabschreibungen der OTC-Derivategeschäfte verursacht worden. Insofern beinhaltet die CVA Risk Capital Charge seit Umsetzung von Basel III neben der Eigenkapitalanforderung für Gegenparteiausfallrisiken eine zusätzliche regulatorische Eigenkapitalanforderung für OTC-Derivategeschäfte. Nur eineinhalb Jahre nach der CRR-Einführung hat der Baseler Ausschuss nun Schwachstellen und unangemessen berücksichtigte Aspekte im bestehenden aufsichtsrechtlichen CVA-Rahmenwerk identifiziert, welche durch die Überarbeitung adressiert werden sollen.

Schwächen des bisherigen CVA-Rahmenwerks

Das aktuelle CVA-Rahmenwerk lässt zwei Methoden zur Ermittlung der CVA Risk Capital Charge zu. Zum einen die „Fortgeschrittene Methode“, deren Anwendung wiederum an die Voraussetzung geknüpft ist, dass die Bank die Zustimmung der Aufsicht zur Anwendung der Internen Modelle Methode für die Zwecke der Quantifizierung des Gegenparteiausfallrisikos besitzt, und zum anderen die „Standardmethode“, welche ohne weitere Restriktionen anwendbar ist. Beide Methoden sind so konstruiert, dass in der Ermittlung der Eigenkapitalanforderung für das CVA-Risiko ausschließlich die Variabilität widergespiegelt und abgedeckt wird, die durch das Credit Spread-Risiko der Gegenpartei hervorgerufen wird. Spiegelbildlich hierzu gelten im aktuellen CVA-Rahmenwerk ausschließlich jene Hedging-Maßnahmen als aufsichtsrechtlich zulässig, welche das Credit Spread-Risiko absichern. Hierzu zählen Single-Name CDS, die direkt auf die Gegenpartei referenzieren, sowie – unter bestimmten Voraussetzungen – Index CDS.

Wesentliche Ziele und Änderungen des überarbeiteten CVA-Rahmenwerks

Mit der Überarbeitung des CVA-Rahmenwerks verfolgt der Baseler Ausschuss drei Ziele.

  • Erfassung aller relevanten Einflussfaktoren für das CVA-Exposure und eine bessere Berücksichtigung von Hedging-Maßnahmen

Bisher wird einer der wichtigsten Treiber des CVA-Risikos, die Exposure-Komponente, nicht im aktuellen CVA-Rahmenwerk abgedeckt. Die Exposure-Komponente inkl. ihrer sensitiven Beziehung zu Marktrisikofaktoren hat jedoch einen erheblichen Einfluss auf die CVA Risk Capital Charge. Das überarbeitete CVA-Rahmenwerk berücksichtigt daher die Exposure-Komponente inkl. zugehöriger Hedging-Maßnahmen der Marktrisikofaktoren.

  • Angleichung an Industrie-Praktiken, die für Zwecke der Rechnungslegung Anwendung finden

Es hat sich in der Praxis herausgestellt, dass diverse Banken die CVA für Rechnungslegungszwecke (IFRS 13); auf Grundlage marktimplizierter Modellkalibrierungen ermitteln. Diese Vorgehensweise hat sich als sog. „Best Practice“ etabliert. Um dieser „Best Practice“ gerecht zu werden und um eine Konvergenz zwischen Rechnungslegung und Aufsichtsrecht gewährleisten zu können, berücksichtigt das überarbeitete CVA Rahmenwerk Elemente aus der CVA-Behandlung für Rechnungslegungszwecke.

  • Angleichung an die Anforderungen des „Fundamental Review of the Trading Book“ (FRTB)

Da es sich bei der CVA um eine Marktwert-Anpassung von Derivateinstrumenten handelt, sollte die regulatorische Eigenkapitalunterlegung für das CVA-Risiko an die Kapitalanforderung für das Marktrisiko gekoppelt sein. Als Konsequenz hieraus und zum Zwecke der Konsistenz basiert das überarbeitete CVA-Rahmenwerk somit auf dem ebenfalls kürzlich überarbeiteten Rahmenwerk für die regulatorische Behandlung des Marktrisikos, welches Sensitivitäten von Marktrisikofaktoren in den Mittelpunkt stellt (Fundamental review of the trading book: outstanding issues – consultative document (BCBS 305), Fundamental review of the trading book – second consultative document (BCBS 265).

 Anwendungsbereich der CVA Risk Capital Charge

Der Baseler Ausschuss beabsichtigt mit der Überarbeitung des CVA-Rahmenwerks die Ermittlung der CVA Risk Capital Charge für alle Derivatetransaktionen einzuführen, die ein Gegenparteiausfallrisiko beinhalten. Hierbei soll es keine Rolle spielen, ob für diese Transaktionen eine Besicherungsvereinbarung vorliegt oder nicht. Ferner sollen auch Instrumente, welche zum Zwecke des Hedge-Accountings im Bankbuch gehalten werden (z.B. Zinsderivate im Bankbuch), der CVA Risk Capital Charge unterliegen. Darüber hinaus sieht der Baseler Ausschuss vor, dass marktbewertete Wertpapierfinanzierungsgeschäfte (SFTs) ebenso in den Anwendungsbereich der CVA Risk Capital Charge fallen sollen. Die Ausnahme von der CVA Risk Capital Charge sieht der Baseler Ausschuss im überarbeiteten Rahmenwerk ausschließlich für Transaktionen mit qualifizierten zentralen Gegenparteien vor. Der vom Baseler Ausschuss überarbeitete empfohlene Anwendungsbereich für die CVA Risk Capital Charge stellt eine deutliche Ausweitung der bisherigen Regelungen im Rahmen der CRR dar. Darüber hinaus werden in der CRR diverse Geschäfte, vor allem mit privilegierten Gegenparteien, von der CVA Risk Capital Charge ausgenommen. Der finale Anwendungsbereich für die CVA Risk Capital Charge wird abzuwarten sein. In jedem Fall handelt es sich hierbei um ein Thema, das aktuell intensiv von den Aufsichtsbehörden diskutiert wird. Bereits am 25. Februar 2015 veröffentlichte die European Banking Authority (EBA) ein an die europäische Kommission adressiertes Dokument (Opinion of the European Banking Authority on Credit Valuation Adjustment (CVA) (EBA/OP/2015/02)), aus dem hervorgeht, dass die EBA eine Reduzierung der bisherigen Ausnahmeregelungen innerhalb der CVA Risk Capital Charge nach der CRR empfiehlt.

Die Ansätze des überarbeiteten „BCBS 325“-Rahmenwerk im Einzelnen

Das überarbeitete CVA-Rahmenwerk unterteilt sich in zwei weitere „Teil-Rahmenwerke“. Zum einen das sog. „FRTB-CVA Rahmenwerk (FRTB-CVA)“, welches eine annähernde Adaption aus den Marktrisiko-Anforderungen darstellt und seinen Namen erhalten hat, um die Konsistenz mit dem überarbeiteten Marktrisiko-Rahmenwerk „Fundamental Review of the Trading Book (FRTB)“ zu reflektieren, und zum anderen das sog. „Basic CVA Rahmenwerk (B-CVA)“.

  1. Das B-CVA Rahmenwerk stellt eine Weiterentwicklung der aktuellen Standardmethode dar und kann von Banken angewendet werden, die keine Zustimmung für das FRTB-CVA Rahmenwerk besitzen oder für jene, welche das FRTB-CVA Rahmenwerk nicht anwenden wollen. Somit besteht hier ein Wahlrecht für die Institute. In Abweichung zum FRTB-CVA müssen im Rahmen des B-CVA keine eigenen Sensitivitäten für Marktrisikofaktoren ermittelt werden.
  2. Die Anwendung des FRTB-CVA unterliegt der Zustimmung durch die Aufsicht, welche ausschließlich dann erteilt wird, sofern ein umfangreicher Kriterienkatalog vom Institut erfüllt wird. Das FRTB-CVA Rahmenwerk wurde für Institute konstruiert, die eine eigene Ermittlung für Preissensitivitäten gegenüber Marktrisikofaktoren vornehmen können. Analog zum Marktrisiko-Rahmenwerk (FRTB) besteht das FRTB-CVA Rahmenwerk aus einem internen Modellansatz (IMA-CVA) und einem Standardansatz (SA-CVA). Während die Anwendung des SA-CVA, bei bereits erteilter Zustimmung der Aufsicht für das FRTB-CVA Rahmenwerk, keinen weiteren Voraussetzungen unterliegt, muss ein Institut für die Anwendung des IMA-CVA ein zusätzliches Bündel an Anforderungen erfüllen. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Zustimmung zur Anwendung der IMA-CVA ist, dass ein Institut bereits die Zustimmung für den internen Modellansatz im Marktrisiko (IMA-TB) erhalten hat. Auch bei erhaltener Zustimmung zur IMA-CVA-Anwendung muss ein Institut parallel den SA-CVA anwenden und seine Eigenmittelunterlegung für das CVA-Risiko nach diesem melden. 

Weitere Änderungen und Zeitplan

Die vom Baseler Ausschuss vorgeschlagenen neuen Ansätze sorgen für eine verstärkte und genauere Berücksichtigung der Abhängigkeiten von Marktrisikofaktoren und Hedgingmaßnahmen. Hierdurch wird die Ermittlung der CVA Risk Capital Charge erheblich risikosensitiver. Auf der anderen Seite führt die empfohlene Überarbeitung des CVA-Rahmenwerks zu einem erhöhten Aufwand. Zum einen erfordern die neuen Ansätze des überarbeiteten CVA-Rahmenwerks neue Inputparameter und Kalkulationsverfahren. Dies hat prozessuale Anpassungen und erhöhte Aufwände aus Sicht der betroffenen Institute zur Folge. Zum anderen bedeutet die durch den Baseler Ausschuss empfohlene Ausweitung des Anwendungsbereiches für die CVA Risk Capital Charge auf SFTs, dass die Anzahl der mit der CVA Risk Capital Charge zu unterlegenden Transaktionen wächst. Die Konsultation und die Durchführung einer Auswirkungsstudie (Quantitative Impact Study (QIS)) zur Überarbeitung des CVA-Rahmenwerks wurden im Oktober 2015 abgeschlossen. Die Einführung des überarbeiteten CVA-Rahmenwerks ist noch nicht fixiert. Möglicherweise erfolgt diese zusammen mit dem überarbeiteten Rahmenwerk für das Marktrisiko (Fundamental Review of the Trading Book (FRTB)). Deutlich wird jedoch vor allem durch das sehr enge Zeitfenster von Veröffentlichung, Konsultationszeitraum und Durchführung der QIS, dass der Baseler Ausschuss das Thema „CVA Risk Capital Charge“ intensiv vorantreibt. Die Bedeutung des Themas für die Aufsichtsbehörden zeigt sich ebenso in den jüngst veröffentlichten Richtlinien der EBA zur Behandlung der CVA innerhalb des SREP (Consultation on Guidelines on the treatment of CVA risk under the supervision review and evaluation process (SREP) (EBA/CP/2015/21)).

Liquiditätsmeldewesen im Wandel – Teil 2: Finales Papier des Baseler Ausschusses zur Net Stable Funding Ratio

Die Finanzkrise von 2007 ff. zeigte, dass viele Banken langfristige und illiquide Vermögenswerte durch kurzfristige Verbindlichkeiten refinanzierten. Diese Art der Fristentransformation gehört zwar zu den Kernaufgaben einer Bank, birgt jedoch besonders in Stresssituationen ein hohes Maß an Liquiditätsrisiken. Der Baseler Ausschuss will diesem Risiko mit der Einführung der Net Stable Funding Ratio (NSFR) entgegenwirken und sicherstellen, dass die Institute für einen Zeitraum von bis zu einem Jahr über eine ausreichend stabile Refinanzierung verfügen. Die Net Stable Funding Ratio ergänzt die an dieser Stelle in Teil 1 der Serie Liquiditätsmeldewesen im Wandel vorgestellte Liquidity Coverage Ratio (LCR) (siehe Regulatory Blog Beitrag: „Liquiditätsmeldewesen im Wandel – Teil 1: die Delegierte Verordnung zur Liquidity Coverage Ratio“ vom 16. Juli 2015) im Rahmen der bankaufsichtlichen Neuerungen im Liquiditätsmeldewesen um eine längerfristig ausgerichtete Refinanzierungsquote.

Hintergrund

Auf EU-Ebene regelt die CRR die Anforderungen an eine ausreichende und stabile Refinanzierung in den Artikeln 413, 427 und 428 CRR. Gemäß Artikel 413 Abs. 1 CRR sind Banken grundsätzlich dazu verpflichtet, eine hinreichend stabile Refinanzierung ihrer Geschäftsaktivitäten sicherzustellen. Da es jedoch keine darüber hinausgehende, verpflichtend einzuhaltende Mindestquote und keine Gewichtungsfaktoren für einzelne Bilanzpositionen zur Ermittlung einer solchen Quote gibt, umfasst die mit der CRR eingeführte Meldepflicht bislang nur die einzelnen Bestandteile der NSFR.

Auf Baseler Ebene wurden die Basel III Vorgaben zur Ermittlung und Einhaltung einer verpflichtenden NSFR-Mindestquote durch das am 31. Oktober 2014 veröffentlichte Papier des Baseler Ausschusses zur NSFR überarbeitet (Basel III: the net stable funding Ratio, BCBS 295). Diese ersetzen die vorherige Regelung aus dem Jahr 2010 (Basel III: International framework for liquidity risk measurement, standards and monitoring, BCBS 188).

Aufbau und Zusammensetzung der NSFR

Bei der NSFR handelt es sich um eine Bilanzstrukturkennziffer, die keine Stressszenarien widerspiegelt. Grundsätzlich sind Banken dazu angehalten, verfügbare stabile Refinanzierung (Available Stable Funding, ASF) vorzuhalten, die mindestens so groß ist wie die erforderliche stabile Refinanzierung (Required Stable Funding, RSF). Die Ermittlung der verfügbaren sowie der erforderlichen stabilen Refinanzierung ist so kalibriert, dass sie die Liquidität der Vermögenswerte und das vermutete Ausmaß der Stabilität der korrespondierenden Verbindlichkeiten abbilden soll.

NSFR

Als Bilanzstrukturkennziffer basiert die NSFR auf der bilanziellen Gliederung der Aktiv-, Passiv- und außerbilanziellen Positionen in ein vorgegebenes Schema. Hierbei wird soweit möglich auf bestehende Definitionen zurückgegriffen, beispielsweise die Definition der Privatkundeneinlage im Sinne der LCR. Den einzelnen Positionen werden dann Faktoren in Höhe von 0% bis 100% zugewiesen. Diese sind durch den Baseler Ausschuss vorgegeben und beinhalten die Einschätzung der Stabilität bzw. Liquidität der betreffenden Positionen. In einigen Fällen besteht darüber hinaus weiterhin die Möglichkeit, im Rahmen einer nationalen Umsetzung grundsätzlich abweichende Faktoren zu nutzen oder bezüglich der Mindestquote über die Vorgaben des Baseler Ausschuss hinauszugehen. Denkbar ist beispielsweise, dass künftig in der EU im Rahmen des SREP institutsspezifische NSFR-Mindestquoten festgelegt werden, um den spezifischen Fundingrisiken der Institute adäquat begegnen zu können.

Die Ermittlung der verfügbaren stabilen Refinanzierung (ASF)

Zur Ermittlung der verfügbaren stabilen Refinanzierung, die den Zähler der NSFR darstellt, werden die Verbindlichkeiten und Eigenkapitalbestandteile der Bank nach Laufzeit und Kontrahent in Kategorien eingeteilt. Die verfügbare stabile Refinanzierung stellt in ihrer Gesamtheit das Volumen der Passivseite dar, welches über den Betrachtungszeitraum der NSFR voraussichtlich dauerhaft zur Verfügung steht. Rechnerisch wird die Gesamtheit der verfügbaren stabilen Refinanzierung in drei Schritten ermittelt. Der erste Schritt umfasst die Zuordnung sämtlicher Passivpositionen zu den vom Baseler Ausschuss vorgegebenen fünf ASF-Kategorien. Im zweiten Schritt wird der Buchwert der Positionen ermittelt und daraufhin im letzten Schritt mit dem von der ASF-Kategorie abhängigen Faktor multipliziert. Bei der verfügbaren stabilen Refinanzierung werden ausschließlich Positionen verwendet, die auf der Passivseite der Bilanz ausgewiesen werden. Die fünf ASF-Kategorien können in Eigenmittel, stabile Einlagen, weniger stabile Einlagen, andere Einlagen und Verbindlichkeiten sowie sonstige Passiva untergliedert werden. Entsprechend wird diesen Kategorien ein ASF-Faktor in Höhe von 100%, 95%, 90%, 50% oder 0% zugewiesen. Alle nicht explizit genannten Positionen, wie zum Beispiel Rückstellungen oder latente Steuern, werden mit einem ASF-Faktor in Höhe von 0% berücksichtigt.

Im Detail setzt die Aufsicht in ihrem finalen Papier einen konservativen Ansatz für Verbindlichkeiten fort und spezifiziert die grundlegenden Anforderungen zu deren Behandlung (siehe Abschnitt „Änderungen zu den bisherigen Regelungen“). Sofern in Bezug auf aufgenommene Finanzierungsmittel Kündigungsoptionen o.ä. vorliegen, ist bei der Einteilung in Laufzeitbänder konservativ davon auszugehen, dass die Optionen zum frühesten möglichen Zeitpunkt ausgeübt werden. Eine Abweichung von diesem Grundsatz kann bei ausreichendem Nachweis gestattet werden. Im Vergleich zum Konsultationsstand aus dem Januar 2014 (Consultative Document Basel III: The Net Stable Funding Ratio, BCBS 271) haben sich im Bereich der verfügbaren stabilen Refinanzierung keine wesentlichen Änderungen ergeben. Die Anpassungen die auf Grundlage der QIS im Konsultationsprozess – zum Beispiel bei den Einlagen – vorgenommen wurden, haben sich auch im finalen Papier durchgesetzt. Das heißt, dass sowohl stabile Retaileinlagen ohne feste Laufzeit weiterhin mit einem AFS Faktor von 95% als auch operative Einlagen mit einem Faktor von 50% berücksichtigt werden. 

Die Ermittlung der erforderlichen stabilen Refinanzierung (RSF)

Die Ermittlung der erforderlichen stabilen Refinanzierung erfolgt mit der gleichen Logik in Schritten wie bei der verfügbaren stabilen Refinanzierung. Auch hier ist der Ausgangspunkt die Kategorisierung einzelner Bilanzaktiva und außerbilanzieller Risikopositionen in Abhängigkeit ihrer Laufzeit und Liquidität. Dabei soll ein konservativer Ansatz dahingehend angewendet werden, dass Verlängerungsoptionen, für die das Ausübungswahlrecht beim Kontrahenten liegt, stets als ausgeübt angenommen werden. Ebenso sollen Institute beispielsweise innerhalb eines Jahres auslaufende Kreditlinien aus Reputationsgründen zu einem erheblichen Anteil als verlängert betrachten. Bei der Kategorisierung der Aktiva zu den verschiedenen RSF-Faktoren werden im Wesentlichen drei Laufzeitbänder unterschieden: weniger als 6 Monate, zwischen 6 und 12 Monaten und mehr als 12 Monate. Belastete Aktiva, die beispielsweise als Sicherheiten gestellt oder verpfändet sind, werden dabei nicht anhand ihrer eigenen Laufzeit, sondern anhand der (Rest-)Laufzeit der Belastung eingestuft. Die Gruppierung der Aktiva orientiert sich in Teilen an den Definitionen liquider Aktiva nach dem Vorschlag des Baseler Ausschusses (Basel III: The Liquidity Coverage Ratio and liquidity risk monitoring tools, BCBS 238), welcher in weiten Teilen durch die Delegierte Verordnung (EU) 2015/61 vom 10. Oktober 2015 zur Ergänzung der VO (EU) Nr. 575/2013 in Bezug auf die Liquiditätsdeckungsanforderungen an Kreditinstitute bereits in geltendes EU-Recht umgesetzt wurde. Dabei sind Aktiva der Stufe 1 in der Regel mit 5% auf die RSF anzurechnen, während Aktiva der Stufe 2A zu 15% und Aktiva der Stufe 2B zu 50% stabil zu refinanzieren sind. Risikopositionen aus Krediten gegenüber Finanzinstituten mit einer Restlaufzeit von unter einem Jahr erhalten einen Anrechnungsfaktor zwischen 10% und 50%, während Risikopositionen gegenüber Unternehmens- und Privatkunden aufgrund der eingangs genannten Annahmen zur häufigen Prolongation tendenziell höhere Anrechnungssätze von mindestens 50% erhalten. Kredite gegenüber Nicht-Finanzkunden mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr sind dagegen nur mit 65% bis 85% anzurechnen, während Kredite an Finanzinstitute mit einer vergleichbaren Restlaufzeit eine Anrechnung von 100% erhalten sollen. Eine Anrechnung von 0% ist nur noch für wenige Assetklassen wie Münzen und Banknoten oder Forderungen gegenüber Zentralbanken mit einer Restlaufzeit von weniger als 6 Monaten möglich. Auch Forderungen aus Assetverkäufen sind, sofern eine Erfüllung kurzfristig zu erwarten ist, von der Pflicht zur stabilen Refinanzierung ausgenommen.

Änderungen zu den bisherigen Regelungen

Im Vergleich zum ersten Baseler Konsultationspapier aus dem Jahr 2010 (BCBS 188) fällt auf, dass die neuen Kriterien je nach Geschäftsmodell einer Bank sowohl zu einer Verschärfung wie auch zu einer Erleichterung führen können. Wesentliche Änderungen umfassen unter anderem die folgenden Punkte:

  • Auf Seiten der verfügbaren stabilen Refinanzierung müssen künftig innerhalb eines Jahres abfließende Cashflows aus dem Positionswert herausgerechnet werden.
  • Belastungen von Aktiva mit einer Restlaufzeit von weniger als einem Jahr führen nach dem neuen Papier zu deutlich höheren Refinanzierungsanforderungen, während die alte Veröffentlichung eine Encumbrance von weniger als einem Jahr in der Regel gänzlich unbeachtet ließ.
  • Dem gegenüber wurde die Anrechnung von Forderungen gegenüber Nicht-Finanzkunden bei der Ermittlung der RSF deutlich herabgesetzt, was zu Erleichterungen bei typischen Geschäftsbanken führen dürfte.

Auch im Vergleich zur Konsultation aus dem Januar 2014 (BCBS 271) fallen in der endgültigen Fassung einige Veränderungen auf, beispielsweise:

  • Überarbeitete Regelungen zur Erfassung von Derivaten unter Berücksichtigung von Nettingvereinbarungen sowie Initial und Variation Margins.
  • Bei Reverse-Repo Geschäften unterscheidet der Abflussfaktor zwischen einer Besicherung mit Level 1-HQLA und anderen Papieren.

Ausblick auf die Entwicklung auf EU-Ebene

Die Vereinbarung des Baseler Ausschusses hat noch keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Institute in der EU. In der Vergangenheit konnten die Empfehlungen des Baseler Ausschusses jedoch stets als Wegweiser für die künftige Gesetzgebung in Europa angesehen werden.

Auf Grundlage des EBA-Mandats, die Einführung einer verpflichtenden Quote zur stabilen Refinanzierung gem. Art. 510 Abs.1 CRR bis zum 31.12.2015 zu bewerten, ist davon auszugehen, dass das aktuelle Baseler Papier zumindest in Teilen eine Umsetzung in der europäischen Regulierung finden wird. Ein entsprechender Gesetzesvorschlag wäre dann gemäß Artikel 510 Abs. 3 CRR durch die Europäische Kommission bis zum 31.12.2016 vorzulegen. Die verpflichtende Einführung der NSFR-Quote auf EU-Ebene würde sich in diesem Fall voraussichtlich an den Vorgaben des Baseler Papiers zum 01.01.2018 orientieren, wie bereits in Erwägungsgrund Nr. 112 der CRR dargelegt. Um die Einführung der NSFR zu unterstützen, wird die EBA bis Ende 2015 einen Bericht über die Kalibrierung der Anforderungen finalisieren und an die Europäische Kommission weiterleiten. Der Entwurf des Reports wurde am 15. Oktober 2015 im Rahmen eines EBA Hearings (Draft Report on the calibration of a stable funding requirement under Art. 510 CRR) vorgestellt und unterstreicht in einer vorläufigen Zusammenfassung die Notwendigkeit der stabilen Refinanzierungsanforderung. Einen Standard für die verpflichtende Offenlegung der NSFR, der sämtliche Anpassungen des neuen Papiers beinhaltet, hat der Baseler Ausschuss bereits im Juni 2015 veröffentlicht (Net Stable Funding Ration disclosure standards, BCBS 324).

Europäische Regulierung – wichtige Daten

Die Regulierung für die Banken ist noch nicht abgeschlossen. Vielmehr erfordert die Harmonisierung der Vorschriften eine fortlaufende Umsetzung europäischer Richtlinien in deutsches Recht sowie eine Angleichung an die europäischen Standards.

Unterschiedliche Fristen und Übergangsregelungen auf europäischer und nationaler Ebene stellen eine weitere Herausforderung dar, wenn es darum geht einen Überblick über die aktuellen Maßnahmen zu erlangen. Die wichtigsten europäischen Vorhaben und Eckdaten haben wir für Sie als Übersicht zusammengestellt.

Weitere wichtige Konsultationen, Gesetzesänderungen und Veröffentlichungen finden Sie im Regulatorischen Kalender.

Europäische Regulierung - wichtige Daten

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Diesen Fahrplan zur europäischen und deutschen Regulierung finden Sie auch auf unseren FS-Branchenseiten unter www.pwc.de.

 

Guidelines on Corporate Governance Principles for banks

Das Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) hat am 08. Juli 2015 die finalen Guidelines on Corporate Governance Principles for banks (BCBS 328) veröffentlicht. Mit diesen Grundsätzen soll ein Rahmen geschaffen werden, innerhalb dessen Banken und Aufseher Risikomanagement und Entscheidungsfindung transparent und zuverlässig gestalten, um das öffentliche Vertrauen in die Sicherheit und Zuverlässigkeit des Bankensystems zu stärken.

Hintergrund

Die Grundsätze sollen die Mitglieder der Aufsichts-/Verwaltungsorgane, Senior Management, Inhaber von Kontrollfunktionen und nationale Aufseher bei ihrer Aufgabenerfüllung leiten. Bereits 2010 hatte das BCBS erstmals “Principles for enhancing corporate governance“ (BCBS 176) veröffentlicht. Eine Überprüfung der Risk Governance durch den Financial Stability Board (FSB) in 2013 zeigte, dass trotz vielfältiger Maßnahmen der Institute und nationalen Aufsichtsbehörden noch Verbesserungs- und Handlungsbedarf bei der Etablierung wirksamer Governance-Regeln besteht.

Die jetzt erfolgte Überarbeitung hat zum einen das Ziel, die kollektive Verantwortlichkeit des Überwachungsorgans (board) für die Wahrnehmung der Überwachung und die Beherrschung des Risikos zu stärken. Zum anderen werden die Schlüsselfaktoren einer effektiven Risk Governance betont: Risikokultur, Risikoappetit und deren Beziehung zur Risikotragfähigkeit der Bank. Die insgesamt 13 Grundsätze decken darüber hinaus die Schlüsselfunktionen einer stabilen Governance ab und grenzen die spezifischen Rollen der Überwachungsfunktion, des Risikoausschusses sowie der Management- und Kontrollfunktionen (einschließlich CRO und Interner Revision) deutlicher gegenüber der Vorversion voneinander ab.

Die Verantwortungsbereiche und Aufgaben der Beteiligten sind im deutschen Bankaufsichtsrecht vor allem im KWG und in den MaRisk geregelt. Im Folgenden werden daher nur einige Teilaspekte der Grundsätze für die Corporate Governance der Banken aufgegriffen.

Stakeholder versus Shareholder

Mit den Grundsätzen sollen die Interessen der verschiedenen Stakeholder im Einklang mit dem öffentlichen Interesse auf nachhaltiger Basis geschützt werden. Dabei steht der Einlegerschutz an erster Stelle und damit explizit vor den Interessen der Anteilseigner.

Überwachungsorgan/board (Principles 1-3)

  • Gesamtverantwortung

Die Gesamtverantwortung des Überwachungsorgans ist umfassend. Das gilt insbesondere für die Genehmigung und Überwachung folgender Bereiche: Geschäftsstrategie, wirtschaftliche Lage, wichtige Personalentscheidungen, interne Organisation, Governance-Strukturen und –Praktiken sowie Pflichten des Risikomanagements, der Compliance Funktion und der Interne Revision. Die Wahrnehmung der Gesamtverantwortung durch das Überwachungsorgan erfolgt unter Beachtung von Sorgfalts- und Loyalitätspflicht („duty of care“ /„duty of loyalty“) gegenüber der Bank. Verantwortungsvolles und ethisches Verhalten wird als besonders wichtig für die Risikokultur der Bank angesehen (Tone at the Top). In diesem Zusammenhang wird explizit das sog. „conduct risk“ herausgestellt. Das conduct risk als Ausprägung des Operationalen Risikos ist bereits Bestandteil des Supervisory Review Process SREP (zum Thema auch unser Blog Beitrag: „Update zu den Finalen Guidelines for the SREP“ vom 06. Februar 2015). Ein Fehlverhalten kann hierbei zum Beispiel aus missbräuchlichen Verkäufen von Finanzprodukten, Gesetzesverstößen oder Finanzmarktmanipulationen (Manipulation von LIBOR- oder Fremdwährungskursen etc.) resultieren. Hierbei umfasst die Verantwortung des Überwachungsorgans die Festlegung, welche Verhaltensweisen nicht akzeptabel sind bzw. als Fehlverhalten zu werten sind. Durch einen “Code of ethics” bzw. “Code of conduct” soll eine Atmosphäre von Ehrlichkeit und Eigenverantwortlichkeit gegenüber den Kunden und Anteilseignern gefördert werden.

Ein wichtiger Aspekt der Gesamtverantwortung ist die Festlegung des Rahmens für die Risk Governance und die damit verbundene verbindliche Formulierung der Risikobereitschaft (risk appetite statement / RAS). Neben qualitativen und quantitativen Aspekten beinhaltet das RAS die Festlegung auf die Risikoarten und –limite, die die Bank bereit ist, einzugehen, sowie die Einbettung dieser Risikotoleranz in die täglichen strategischen Entscheidungen.

  • Qualifikation und Zusammensetzung des Überwachungsorgans

Voraussetzung für die Tätigkeit ist die entsprechende Qualifikation: Die Mitglieder des Überwachungsorgan müssen zuverlässig und unabhängig sein sowie über ausreichend Zeit und die erforderliche Sachkunde verfügen. Die einzelnen Mitglieder sollen eine individuelle Grundhaltung haben, die die Kommunikation, Zusammenarbeit und kritische Auseinandersetzung bei Entscheidungen erleichtert.

Mandatsbegrenzungen, wie sie in § 25d KWG explizit vorgesehen sind, enthalten die Grundsätze jedoch nicht (zum Ganzen auch Blog-Beitrag: „Neue Merkblätter zu den Anforderungen an Geschäftsleiter und Aufsichtsrat“ vom 12. März 2015).

  • Struktur und Organisation

Das Überwachungsorgan soll sich eine eigene Struktur geben, die es in die Lage versetzt, seine Aufsichtsfunktion und -verantwortung sachgerecht auszuüben, dazu gehört auch bei Bedarf die Einrichtung von verschiedenen Ausschüssen (Prüfungsausschuss, Risikoausschuss, Vergütungsausschuss, Nominierungsausschuss, Complianceausschuss). Diese Strukturen sollen regelmäßig überprüft werden.

Risiko Management Funktion/ Chief Risk Officer (CRO) (Principle 6)

Große Bedeutung wird der Leitung der Risikomanagementfunktion zugeschrieben. Vor allem bei großen und komplexen international tätigen Banken soll ein CRO benannt werden: Er verantwortet das unternehmensweite Risikomanagement und unterstützt das Überwachungsorgan bei seinen Aufgaben im Hinblick auf die Risikokontrolle. Nach den BCBS-Grundsätzen handelt es sich hierbei um eine Leitungsfunktion, die exklusiv und unabhängig ausgeübt werden sollte. Das entspricht schon den bisherigen nationalen MaRisk-Vorgaben. Entsprechend sind auch Aufgaben wie „chief operating officer, CFO, chief auditor oder andere senior manager Aufgaben“ unvereinbar mit dem Amt des CRO.

Compliance Function (Principle 9)

Zu den Aufgaben des Überwachungsorgans zählt auch die Überwachung des Managements des Compliance Risikos der Bank. Die unabhängige compliance function als „zweite Verteidigungslinie“ soll dafür sorgen, dass die Bank mit Integrität und unter Beachtung der anzuwendenden Gesetze, Verordnungen und internen Regeln handelt. Die Einrichtung der compliance function obliegt der Geschäftsleitung, die durch die compliance function bezüglich der Einhaltung und Umsetzung der rechtlichen Regelungen und Vorgaben unterstützt und beraten wird. Die compliance function soll unabhängig vom Management sein. Die Grundsätze sehen (should) eine direkte Berichtspflicht der compliance function an das Überwachungsorgan vor.

In Deutschland ist gemäß den MaRisk die Compliance Funktion der Geschäftsführung unterstellt. Die Compliance Funktion ist unmittelbar gegenüber der Geschäftsleitung berichtspflichtig – die Berichte werden zudem an das Überwachungsorgan weitergeleitet.

Interne Revision/ Internal Audit (Principle 10)

Als “dritte Verteidigungslinie” muss die interne Revision kompetent und unabhängig agieren, um ihre Aufgaben – Prüfung der Qualität und Angemessenheit des internen Kontrollsystems, des Risikomanagements und der Governancesysteme und –prozesse – zu erfüllen.

Die Kommunikation zwischen Überwachungsorgan und interner Revision ist ein Schwerpunkt der BCBS-Grundsätze: Die hauptsächliche Berichtslinie soll zwischen Interner Revision und dem Überwachungsorgan (bzw. Prüfungsausschuss) bestehen.

Dagegen spiegeln die derzeitigen Regelungen der MaRisk die gesellschaftsrechtliche „Two Tier“ Struktur in Deutschland mit Aufsichts-/Verwaltungsrat und Vorstand wider. Daher existiert derzeit die direkte Berichtspflicht der Internen Revision gegenüber der Geschäftsleitung (MaRisk AT 4.4.3, Tz 2). Allerdings besteht auch hier ein direktes Informationsrecht des Vorsitzendes des Risikoausschusses oder, falls keiner gebildet wurde, des Aufsichtsratsvorsitzenden gegenüber der Internen Revision, wobei die Geschäftsleitung hierüber zu unterrichten ist. Die Rolle der Internen Revision gewinnt im Rahmen der BCBS-Grundsätze an Bedeutung. Das zeigt sich daran, dass ein Wechsel an der Spitze des Internen Revision öffentlich zu machen ist; die Gründe für den Wechsel soll die Bank mit der Aufsichtsbehörde diskutieren.

Die Rolle der Aufsicht (Principle 13)

Die Aufsicht bewertet, wie das Überwachungsorgan und die Geschäftsleitung ihre Aufgaben im Hinblick auf die Anwendung einer wirksamen Corporate Governance erfüllen. Wesentlicher Aspekt bei der Überprüfung durch die Aufsicht ist die regelmäßige Kommunikation mit der Bank (Überwachungsorgan und Geschäftsleitung), was sich auch auf die wichtigsten Positionen der Corporate Governance-Organisation der Bank (Interne Revision, Risiko Management Funktion, Compliance Funktion) bezieht. Offener Dialog durch geplante und ad-hoc Gesprächstermine soll die Einbindung der Aufsicht unterstützen.

Fazit

Die Anforderungen an die Ausgestaltung der Corporate Governance, die im Rahmen der BCBS-Grundsätze erläutert werden, entsprechen im Wesentlichen den bisher im KWG und in den Mindestanforderungen an das Risikomanagement festgelegten Strukturen. Im Hinblick auf die Ausübung der Aufsichtsfunktion werden durch § 25d KWG und die dort explizit aufgezählten Mandatsbeschränkungen die Anforderungen an die sog. duty of care näher konkretisiert.

Dagegen sehen die BCBS-Grundsätze eine engere Anbindung der Schlüsselfunktionen an das Überwachungsorgan vor. Das betrifft insbesondere die „Internal Audit Function“, deren Berichte ungefiltert an das Überwachungsorgan geliefert werden sollen.

Liquiditätsmeldewesen im Wandel – Teil 1: die Delegierte Verordnung zur Liquidity Coverage Ratio

Als Folge der Finanzmarktkrise der Jahre 2007 ff. steht das Liquiditätsrisiko vermehrt im Fokus des bankaufsichtsrechtlichen Meldewesens. Während in vielen anderen Bereichen nach dem Inkrafttreten der CRR zum 1. Januar 2014 eine kurze Verschnaufpause eingetreten ist, stehen in Bezug auf das Liquiditätsmeldewesen auch in 2015 und 2016 zahlreiche Neuerungen an. Im Fokus dieses Beitrags steht die Delegierte Verordnung (EU) 2015/61 zu den Liquiditätsdeckungsanforderungen („Liquidity Coverage Ratio“ – LCR), die im Oktober 2014 durch die EU erlassen wurde (D-VO 2015/61). Sie konkretisiert die bestehenden Vorgaben für die LCR auf europäischer Ebene. Die Anforderungen sind zum 1. Oktober 2015 umzusetzen.

Hintergrund

Die CRR enthält bereits Regelungen zur Meldung der Bestandteile der LCR. Aufgrund der fehlenden Erfahrung mit einer verbindlichen Liquiditätsvorgabe auf EU-Ebene wurde jedoch keine verbindliche Mindestquote eingeführt. Stattdessen wurde über Art. 460 CRR festgehalten, dass erst nach einer Analyse der Auswirkungen der LCR auf den Bankensektor und die Realwirtschaft detailliertere Vorgaben zur LCR erarbeitet und in Form einer Delegierten Verordnung Seitens der EU Kommission erlassen werden sollten (vgl. auch Erwägungsgrund 101 der CRR).

Ursprünglich waren hierfür ein Erlass der Delegierten Verordnung bis Juni 2014 und ein Inkrafttreten 6 Monate später vorgesehen. Vor dem Hintergrund der erforderlichen Analysen und Abwägungen der Interessenlagen hat sich dieser Zeitplan der EU Kommission jedoch um ein halbes Jahr verschoben.

Wesentliche Änderungen durch die Delegierte Verordnung

Aufbau und Zusammensetzung des Liquiditätspuffers

Die Delegierte Verordnung enthält wesentlich konkretere Vorgaben zu den Vermögenswerten, die als hochliquide Aktiva („High Quality Liquid Assets“ – HQLA) im Zähler der LCR anrechenbar sind. Sie werden je nach Kreditqualität und Liquidität in Level 1, Level 2A und Level 2B unterteilt. Ebenso konkretisiert die Delegierte Verordnung die Bewertungsabschläge, die auf die Aktiva der verschiedenen Stufen vorzunehmen sind und zwischen 0% und 55% liegen. Schließlich sieht die D-VO 2015/61 auch Kappungsgrenzen für die Aktiva der einzelnen Stufen vor, durch die sichergestellt wird, dass der Liquiditätspuffer immer überwiegend aus Level 1 HQLA besteht und nur zu maximal 15% aus Level 2B Aktiva.

  •  Allgemeine Anforderungen

Auch bei den allgemeinen Anforderungen an liquide Aktiva wurden Änderungen vorgenommen, die sich jedoch oft auf Details bzw. Klarstellungen beschränken. Im direkten Vergleich mit den korrespondierenden Regelungen der CRR fällt insbesondere auf, dass die Anforderung an die Zentralbankfähigkeit ersatzlos gestrichen wurde – ein Kriterium das gerade in der Praxis von vielen Instituten aufgegriffen worden war, da es vergleichsweise einfach zu operationalisieren ist.

  •  Operative Vorgaben

Auch bei den operativen Vorgaben wurden zahlreiche Präzisierungen der bestehenden Regelungen vorgenommen. So werden beispielsweise konkrete Kriterien genannt, anhand derer die ausreichende Diversifizierung des Liquiditätspuffers nachzuweisen ist. Ebenso werden verschiedene Möglichkeiten genannt, anhand derer die Kontrolle durch die Liquiditätsmanagementfunktion operationalisiert werden kann. Und auch für das in der Praxis oft vernachlässigte Thema „Testverkäufe“ wird im Gegensatz zur CRR eine explizite Strategie gefordert, so dass der Verweis auf die regelmäßige Durchführung von Repo-Geschäften über HQLA alleine künftig nicht mehr ausreichen dürfte. Level 1 Aktiva sind hiervon grundsätzlich ausgenommen.

In Bezug auf die Denominierung der HQLA in Fremdwährungen enthält die Delegierte Verordnung weiterhin die Anforderung der Konsistenz zu den Nettozahlungsmittelabflüssen, verlangt also nicht die Einhaltung einer Mindestquote in jeder Währung, in der Nettozahlungsmittelabflüsse bestehen. Hier sind die Institute gefragt, den Begriff der Konsistenz für sich auszulegen. Der Bericht der European Banking Authority (EBA) über die Definition der HQLA (Report on appropriate uniform definitons of extemely high quality liquid assets (extremely HQLA) and high quality assets (HQLA) and on operational requirements for liquid assests under Article 509(3) and (5) CRR) aus 2013 hat die Überarbeitung der operativen Anforderungen maßgeblich mit geprägt.

  •  Anrechnungsmöglichkeiten

Bei den hochliquiden Aktiva führt die Kommission – analog den Vorgaben des Baseler Ausschusses (Basel III: Mindestliquiditätsquote und Instrumente zur Überwachung des Liquiditätsrisikos BCBS 238) – eine Dreiteilung in die Kategorien Level 1, 2A und 2B ein. Bei den einzelnen Bestandteilen der drei Stufen weicht sie jedoch zum Teil deutlich von den Vorgaben aus Basel ab. Dies betrifft insbesondere die Anrechnungsmöglichkeit gedeckter Schuldverschreibungen. Die Anrechnung ist zunächst abhängig von verschiedene Kriterien (Bonitätsstufe, Qualität und Transparenz des Deckungsstocks, Emissionsvolumen). Grundsätzlich können sich gedeckte Schuldverschreibungen jedoch für jede Aktivaklasse qualifizieren; auch für die Aktiva der Stufe 1.

Zudem sieht die Delegierte Verordnung bei den Level 2B Aktiva weitreichende Anrechnungsmöglichkeiten vor. Über diese Stufe können sich beispielsweise bestimmte Verbriefungspositionen für den Puffer qualifizieren, sofern der Verbriefungspool aus Forderungen aus Hypothekendarlehen, dem Mengengeschäft, KMU oder Kfz-Finanzierungen besteht – mit entsprechend höheren Abschlägen zwischen 25-35%.

Die bewussten Abweichungen zu den Basler Vorgaben sollen sicherstellen, dass eine ausreichende Diversifizierung des Liquiditätspuffers erzielt werden kann und die Institute nicht gezwungen sind, in einzelne Assetklassen zu investieren um die LCR einhalten zu können.

Auswirkungen auf die Zahlungsmittelabflüsse

Wie bei den qualitativen und operationellen Anforderungen an die HQLA kommt es in Bezug auf die Zahlungsmittelabflüsse nicht zu großen Verschiebungen, wohl aber zu einer Reihe von Detailänderungen durch die Delegierte Verordnung.

Abgrenzung von Privatkundeneinlagen

  • weniger stabile Privatkundeneinlagen

Nachdem bereits die EBA und die BaFin im Januar 2013 bzw. März 2013 Richtlinien zur Abgrenzung weniger stabiler Privatkundeneinlagen veröffentlicht haben, werden diese nun wiederum durch die EU-Kommission genauer spezifiziert. Da hiermit eine konkrete Vorgabe in Form einer EU-Verordnung vorliegt, entfällt die Notwendigkeit zur Umsetzung der EBA Guidelines (Guidelines on retail deposits subject to different outflows for purposes of liquidity reporting (EBA/GL/2013/01)) und des BaFin Merkblatts zu den Anforderungen an die Kategorisierung von Privatkundeneinlagen gemäß Artikel 421 (1) bis (3) CRR durch die Institute.

Die Risikofaktoren, aus denen ein erhöhtes Abflussrisiko abgeleitet wird, bleiben unverändert (Höhe der Einlage, reines Internetkonto, besondere Zinskonditionen, fällige Termingeldeinlagen, Fremdwährungseinlagen). Im Gegensatz zu den Vorgaben der EBA wird eine Einlage jedoch erst ab 500.000 €, nicht bereits ab 100.000 € als risikoreich angesehen und das Zusammenspiel der verschiedenen Risikofaktoren wurde vereinfacht. Hingegen bleibt es bei der Vorgabe von Abflussraten für Einlagen mit erhöhtem Abflussrisiko in Höhe von 10 bis 15% und 15 bis 20% und damit bei einem Ermessensspielraum für die Institute, der im Rahmen der SREP Prüfungen genauer beleuchtet werden dürfte.

  • stabile Privatkundeneinlagen

Die Definition der stabilen Privatkundenlagen, für die eine erleichterte Abflussrate von 5% angesetzt werden kann, wird annähernd unverändert übernommen.

Schließlich sieht die Delegierte Verordnung, ebenfalls analog der Baseler Vorgaben, eine weitere Erleichterung für die Zeit ab 2019 vor: Die EU-Kommission kann, nach Antrag bei der zuständigen Aufsichtsbehörde, eine Abflussrate für einlagengesicherte Einlagen unter 100.000 € von 3% statt 5% genehmigen.

Auswirkungen auf die Zahlungsmittelzuflüsse

  • Obergrenze für Zahlungsmittelzuflüsse

Mit der Einführung einer Obergrenze für die Zahlungsmittelzuflüsse in Höhe von 75% der Zahlungsmittelabflüsse in der CRR wurden alle Institute gezwungen, auch bei einer vollständig fristenkongruenten Refinanzierungsstruktur einen Liquiditätspuffer von 25% der Zahlungsmittelabflüsse zu halten.

  • Ausnahmeregelungen für die Limitierung von Zuflüssen

Über die Delegierte Verordnung wird nun für einige Geschäftsmodelle und Konstellationen eine Ausnahmeregelung eröffnet. Intragruppenforderungen, die auch bei der Berechnung der Eigenmittelquote privilegiert werden, sowie bestimmte Förderdarlehen können vollständig von der Kappung ausgenommen werden. Gleiches gilt für vertragliche Zuflüsse bei Leasing- und Factoring- Unternehmen; die Zustimmung der Aufsicht vorausgesetzt. Eine Obergrenze von 90% kann für Unternehmen mit Hauptaktivitäten in der Finanzierung von Autokäufen bzw. der Vergabe von Konsumentenkredite erfolgen.

 Die nächsten Schritte

Banken müssen bis zum Inkrafttreten der Delegierten Verordnung am 1. Oktober 2015 ihre bestehende LCR-Umsetzung genau unter die Lupe nehmen. Insbesondere aus den zahlreichen Detailänderungen der Delegierten Verordnung resultiert regelmäßig Anpassungsbedarf mit Relevanz für die Höhe der LCR-Quote.

Ebenso müssen die Institute bereits ab dem 1. Oktober in der Lage sein, die LCR-Quote nach den Vorgaben der Delegierten Verordnung berechnen zu können. Die damit einhergehende Meldepflicht wird voraussichtlich jedoch erst in 2016 in Kraft treten, weil die aktualisierten Meldebögen nicht vorher im Amtsblatt der EU erscheinen bzw. die datentechnischen Voraussetzungen nicht geschaffen sein werden. Ein finaler Entwurf der EBA für die neuen Meldebögen liegt bereits vor. Die überarbeiteten Formulare enthalten erstmals auch die anzuwendenden Abschlags-, Abfluss- und Zuflussfaktoren, die auf die jeweiligen Meldepositionen anzuwenden sind sowie den Ausweis der tatsächlichen LCR-Quote. In den bisherigen Formularen war dem Anwender hingegen nicht ersichtlich, welche Quote die zuständige Behörde aus den gemeldeten Positionen ermittelte.

Unangetastet bleibt durch die Delegierte Verordnung der Zeitplan. Ausgehend von 60% der LCR, die ab 1. Oktober 2015 einzuhalten sind, wird die Mindestquote bis 2018 auf 100% erhöht; ggf. kann die EU Kommission auch erst in 2019 eine Quote von 100% verlangen. Bis zur Vollumsetzung in 2019 können die zuständigen Aufseher jedoch eine höhere Quote festlegen. Zusätzlich wird den zuständigen Aufsichtsbehörden über den SREP die Möglichkeit eingeräumt, institutsindividuell eine höhere Quote als 100% vorzusehen, sofern Defizite in der Liquiditätsausstattung bestehen.

 

Ihr Ansprechpartner für Fragen zum Liquiditätsmeldewesen bei PwC FS Regulatory Management: Stefan Röth

Baseler Ausschuss – finales neues Rahmenwerk für Verbriefungen

Im Dezember 2014 hat das Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) das Rahmenwerk für Verbriefungen überarbeitet (Revisions to the securitisations framework), dieser Überarbeitung vorausgegangen sind zwei Konsultationen in 2009 und 2012 (Dazu auch Regulatory Blog Beitrag: „Neues aus Basel zum Verbriefungsregelwerk – Revisions to the Basel Securitisation Framework“ vom 20. Dezember 2012).

Hintergrund

Ziel der Überarbeitung war es, die bisher nicht ausreichend in den Basel II-Verbriefungsregeln berücksichtigten Aspekte bzw. die dort aufgetretenen Schwachstellen zu adressieren. Insbesondere die Abhängigkeit von externen Ratings, die fehlende Risikosensitivität, das Auftreten von sogenannten Klippeneffekten und die unzureichende Kapitalunterlegung für Verbriefungspositionen stehen im Fokus der Überarbeitung.

Das überarbeitete Verbriefungsrahmenwerk soll ab 01. Januar 2018 in Kraft treten. Flankiert werden die Überarbeitungen von Konsultationen zu den Kriterien von einfachen, transparenten und vergleichbaren Verbriefungstransaktionen (Criteria for identifying simple, transparent and comparable securitisations – consultative paper).

Schwächen des bisherigen Regelwerks

Die Finanzkrise hat Schwächen innerhalb des Basel II Verbriefungs-Regelwerks aufgedeckt. Der Basler Ausschuss nennt hier namentlich die mechanische Verwendung externer Ratings und besonders niedrige Risikogewichte für hoch geratete Risikopositionen bzw. besonders hohe Risikogewichte für niedrig geratete Senior-Risikopositionen. Auch Klippeneffekte durch das Auftreten einer erheblichen Erhöhung der Kapitalanforderungen für die Verbriefungsposition bereits bei minimalen Veränderungen der Portfolioqualität und eine mangelnde Risikosensitivität aufgrund des Fehlens bestimmter Risikotreiber wurden angeführt.

Durch das neue Rahmenwerk wird zum einen die Hierachie der auf internem und externem Rating basierenden Ansätze für die Beurteilung und Bewertung der Risiken aus Verbriefungspositionen überarbeitet. Zum anderen wird gegenüber dem Basel II-Rahmenwerk für Verbriefungen die Bedeutung des externen Ratings reduziert. Darüber hinaus sollen die Anzahl der verwendeten Ansätze begrenzt und ihre Verwendung vereinfacht werden.

Hierarchie der Ansätze

Die Rangfolge, in der die (neuen) zur Verfügung stehenden verschiedenen Berechnungsansätze anzuwenden sind, lässt sich wie folgt abbilden:

Ansätze

 

Quelle: BCBS Revisions to the securitisation framework

An der Spitze der Hierachie der Ansätze steht der Internal Ratings-Based Approach (SEC-IRBA). Diesen Ansatz – analog dem bisherigen SFA – können die Institute nutzen, wenn ihre relevanten internen Modelle zur Messung von Kreditrisiken aufsichtlich genehmigt worden sind. Sofern die Bank keine internen Modelle nutzt und die Verbriefungspositionen gerated sind, steht mit dem SEC-ERBA ein Ansatz zur Verfügung, der auf externen Kreditbewertungen beruht. Der Standardansatz SEC-SA ist die Alternative zum auf internen Ratings basierenden Ansatz und kommt besonders in Jurisdiktionen in Betracht, in denen die Verwendung externer Ratings nicht gestattet ist. Zudem ist er der einzige Ansatz, der für Wiederverbriefungen zulässig ist.

Ein Institut darf den jeweiligen Ansatz nur nutzen, wenn es in der Lage ist, sämtliche für die Berechnung erforderlichen Parameter zu ermitteln. Gelingt dies nicht, muss der nächst einfachere Ansatz verwendet werden. Dabei gilt für alle Ansätze ein Mindestrisikogewicht (Floor) von 15 %. Sofern keiner der drei Ansätze gerechnet werden kann, ist für die Verbriefungsposition ein Risikogewicht von 1.250 % anzusetzen.

Die Ansätze im Einzelnen

  • Securitisation Internal-Ratings Based Approach (SEC-IRBA)

Der SEC-IRBA basiert auf dem Simplified Supervisory Formula Approach (SSFA) zur Ermittlung des Risikogewichts für die jeweilige Verbriefungsposition. Seine Anwendung erfordert ein genehmigtes IRB-Modell für die Forderungen im Verbriefungspool. Berücksichtigung finden zudem die Tranchendicke (T) und nunmehr auch die Laufzeit der Verbriefungstranche (MT). Letztere soll der Vermeidung der bereits erwähnten Klippeneffekte dienen, die bisher im Supervisory Formula Approach auftreten konnten. Als weiterer Inputparameter fließen die Kapitalanforderungen ein, die für die Forderungen gegolten hätten, wenn sie nicht verbrieft worden wären (KIRB).

Grundsätzlich muss das Institut in der Lage sein, sämtliche Inputparameter für den SSFA zu bestimmen. Ist bei einem bestimmten Pool aber nur ein Teil der Forderungen IRBA-fähig, muss dieser mindestens bei 95 % liegen, um den SEC-IRBA anwenden zu können. Wird diese Schwelle nicht erreicht, muss die Bank zwingend einen einfacheren Ansatz wählen.

  • Securitisation External-Ratings Based Approach (SEC-ERBA)

Nach dem Basel II Rating Based Ansatz wurde das Risikogewicht anhand externer Ratings, der Seniorität der Verbriefungsposition und der Granularität des zugrunde liegenden Pools ermittelt. Nach dem aktuellen Basler Papier wird die Bedeutung der Ratings zur Bemessung signifikanter Risiken verringert. Zum einen fließt die Tranchendicke (T) bei mezzaninen Tranchen mit ein, zum anderen wird die Seniorität berücksichtigt. Weiter bildet die Restlaufzeit der Verbriefungsposition einen Inputparameter. Demgegenüber entfällt das Kriterium der Granularität, da es nach Ansicht des Basler Ausschusses bereits in ausreichendem Umfang durch die Ratingagenturen berücksichtigt wird. Diese gehen bei steigender Granularität von einer Bonitätsverbesserung aus.

Zur Anwendung des SEC-ERBA müssen externe bzw. zumindest abgeleitete Ratings für die zu gewichtenden Verbriefungspositionen vorliegen. Bei vorhandenem Kurzzeitrating können die Risikogewichte anhand einer Mappingtabelle ermittelt werden. Für Langzeitratings existiert ebenfalls eine Tabelle, aus der sich die Risikogewichte für Senior und Nicht-Senior Tranchen bei einer Restlaufzeit (MT) von einem und fünf Jahren ablesen lässt. Für dazwischen liegende Laufzeiten muss das Risikogewicht durch lineare Interpolation ermittelt werden. Für Nicht-Senior Tranchen muss zudem die Tranchendicke (T) zur Berechnung herangezogen werden. Außerdem darf das ermittelte Risikogewicht nie niedriger sein als das entsprechende Risikogewicht einer Seniortranche derselben Verbriefung mit identischem Rating und gleicher Restlaufzeit.

  • Securitisation Standardised Approach (SEC-SA)

Zur Anwendung des Standardansatzes wird ebenfalls der SSFA herangezogen (wie im SEC-IRBA) und es müssen die folgenden Inputparameter vorhanden sein: Die Kreditrisikostandardansatz (KSA)-Kapitalanforderungen (KSA) für die zugrunde liegenden Exposures, der Anteil der leistungsgestörten Positionen (W) und die Tranchendicke.

Die Kapitalanforderungen nach KSA ergeben sich aus der Division der risikogewichteten Aktiva durch die Risikopositionswerte multipliziert mit 8 %. Der Anteil der leistungsgestörten Positionen (W) errechnet sich als Quotient aus der Summe aller leistungsgestörten Positionen im Verhältnis zu allen Positionen im Pool. Als leistungsgestört gelten alle Exposures mit einem Leistungsverzug von 90 Tagen oder mehr, die Gegenstand eines Insolvenz- oder Zwangsvollstreckungsverfahrens sind oder nach Vertragsdokumentation der Verbriefung als ausgefallen gelten. Dabei muss die Bank das Vorliegen einer Leistungsstörung für mindestens 95 % der Positionen ermitteln können. Andernfalls werden die Verbriefungspositionen mit einem Risikogewicht von 1.250 % angesetzt.

Fazit

Mit den neuen Ansätzen wird die Ermittlung der Kapitalanforderungen für Verbriefungspositionen erheblich risikosensitiver und in Summe auch konservativer. Andererseits wird der erforderliche Aufwand für die betroffenen Institute tendenziell erhöht, da die Zahl der Inputparameter angestiegen ist. Dabei bleibt bei realistischer Betrachtung die Anwendung des SEC-IRBA den verbriefenden Instituten (Originatoren) vorbehalten, da z.B. ein Investor nicht über die notwendige Datengranularität verfügt. Andererseits ist aufgrund der eingangs erwähnten Konsultationen zu den Kriterien für einfache, transparente und vergleichbare Verbriefungstransaktionen eine Privilegierung von sog. „qualifizierten“ Transaktionen bei der Eigenkapitalunterlegung zu erwarten. Institute sollten in der Zeit bis zur Einführung der neuen Regelungen ihre Geschäftstätigkeit im Verbriefungsbereich überprüfen, um zu ermitteln, welche prozessualen Anpassungen bei ihnen notwendig werden bzw. inwieweit sich potentielle Auswirkungen auf die Kapitalquoten ergeben könnten.

Zinsänderungsrisiken im Bankbuch – Konsultation des Baseler Ausschusses

Das Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) hat am 08. Juni 2015 ein Konsultationspapier zu den Zinsänderungsrisiken im Bankbuch veröffentlicht (Interest rate risk in the banking book IRRBB – Consultative Document BCBS 319)). Der Entwurf steht noch bis September 2015 zur Konsultation.

Hintergrund

Zinsänderungsrisiken im Bankbuch sind Teil des Basel Säule II Überwachungsprozesses (Supervisory Review Process). Die Grundlagen für die Identifizierung, Messung, Überwachung und Kontrolle der Zinsänderungsrisiken im Bankbuch hatte der BCBS bereits 2004 in den Principles for the management and supervision of interest rate risk (IRR Principles) festgelegt.

Die aktuelle Überarbeitung der Behandlung von Zinsänderungsrisiken greift vor einerseits die ausreichende Kapitalausstattung der Banken für das Abfedern von potentiellen Verlusten aus Zinsänderungsrisiken auf. Dabei soll nicht nur das allgemeine Zinsänderungsrisiko erfasst werden, sondern auch das Risiko aus Credit Spreads (im erweiterten Säule II Ansatz vorgesehen). Andererseits sollen Möglichkeiten der Kapitalarbitrage zwischen Bankbuch- und Handelsbuch verhindert werden sowie die Arbitragemöglichkeiten zwischen verschiedenen Bankbuchportfolios, die unterschiedlichen Rechnungslegungsstandards unterliegen. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund der schon länger laufenden Arbeiten zur Überarbeitung des Handelsbuch wichtig (dazu auch unser Regulatory Blog Beitrag: „Neues Konsultationspapier zur Überarbeitung der Handelsbuchregelungen“).

Anwendungsbereich

Wie beim gesamten Basel Rahmenwerk wird auch in diesem Konsultationspapier klargestellt, dass sich die vorliegenden Vorschläge an international tätige Banken auf konsolidierter Ebene richten. Gleichwohl steht es den nationalen Aufsehern frei, die Anforderungen auch auf die anderen Kreditinstitute anzuwenden.

Die Ansätze

Der Entwurf stellt zwei Optionen zur Messung der Zinsänderungsrisiken im Bankbuch vor:

  • Standardisierter Ansatz als zusätzlicher Bestandteil der Säule I Mindestkapitalanforderungen (IRRBB standardised approach under Pillar 1).
  • Erweiterter Säule 2 Ansatz als Element des aufsichtlichen Überwachungsprozesses und zudem Erfassung bei der Offenlegung nach der Säule 3 (enhanced Pillar 2 approach). Für die Nutzung des erweiterten Säule II Ansatzes im Rahmen der Überprüfung der ausreichenden Kapitalausstattung benötigen die Institute wie bei anderen internen Modell auch eine Vorabgenehmigung durch die Aufsicht. In diesen Fällen dient der Standardansatz Säule I als „fall-back“ zu den bankinternen Messverfahren.

Standardansatz Säule I (IRRBB standardised approach under Pillar 1)

Die bisherigen Grundsätze zur Messung der Zinsänderungsrisiken wurden in den einzelnen Jurisdiktionen unterschiedlich umgesetzt, so dass die Berechungsmethoden durchaus variieren, auch bedingt durch unterschiedliche Bankbilanzstrukturen, Märkt bzw. deren Volatilität. Ein einheitlicher Standardansatz zur Messung des IRRBB könnte insoweit eine bessere Vergleichbarkeit bzw. ein ausgewogeneres level-playing-field schaffen.

Gleichwohl ist eine Standardisierung nicht für alle Positionen des Anlagebuchs gleich geeignet. Vor allem Innovationen und Weiterentwicklungen bei Anlagebuchprodukten können eine standardisierte Beurteilung schwierig werden lassen. Diesem Umstand versucht der IRRBB standardised approach dadurch Rechnung zu tragen, dass die Banken für bestimmte Produkte auch interne Parameter einbeziehen dürfen.

Die Berechnung IRRBB Mindestkapitalanforderungen soll in 6 Stufen erfolgen und nicht nur Änderungen des ökonomischen Kapitals, sondern auch Auswirkungen auf das Nettozinsergebnis umfassen:

 

Flowchart IRRBB

Quelle: Basel Committee on Banking Supervision, BCBS 309

Stufe 1: In einem ersten Schritt werden die risikosensitiven Positionen des Anlagebuchs daraufhin untersucht, ob sie für eine Standardisierung geeignet/weniger geeignet/nicht geeignet sind und einer dieser Kategorien zugeordnet.

Stufe 2: Zuordnung der angenommenen cash flows nach ihrer vertraglichen Fälligkeit in verschiedene Zeitbänder (19 insgesamt). Für eine Standardisierung weniger geeignete Positionen sind davon ausgenommen. Bei Positionen, die für eine Standardisierung nicht geeignet sind, z.B. Einlagen ohne feste Laufzeit und bestimmte Optionen müssen erst weitere Untersuchungen vor der Zuordnung in die Zeitband erfolgen. Der Entwurf sieht hier verschiedene Ansätze vor, die eine Aufspaltung der einzelnen Elemente der Positionen vornehmen.

Stufe 3: Bestimmung der Veränderungen des Economic Value of Equity (EVE) und Net Interest Income (NII) durch Zinsschock-Szenarien.

Stufe 4: In dieser Stufe werden sowohl für Wertänderungen bei EVE als auch bei NII Zuschläge (add-ons) vorgenommen, die sich nach komplexen Berechnungsmethoden richten.

Stufe 5: Aggregation der Währungen für EVE-Kapitalanforderungen und NII-Anforderungen, dabei wird jeweils vom worst-case Ergebnis der Schockszenarien ausgegangen.

Stufe 6: Die finalen IRRBB Mindestkapitalanforderungen ergeben sich aus dem aggregierten Änderungen bezogen auf EVE und NII aus den Zinsschockszenarien.

 

Erweiterter Säule II Ansatz (IRRB enhanced Pillar 2 approach)

Weniger als Alternative sondern vielmehr als Ergänzung zum standardised Pillar 1 approach sieht der Entwurf einen weiterentwickelten Ansatz vor, bei dem von der Aufsicht genehmigte bankinterne Messverfahren zur Ermittlung der Zinsänderungsrisiken zur Anwendung kommen sollen (zu weiteren Einzelheiten dieses Ansatzes der Risk Blog Beitrag: „EBA und BCBS zu Zinsänderungsrisiken im Bankbuch – Harmonie oder Widerspruch?„).

Die Kombination aus den (standardisierten) Kapitalanforderungen und den Elementen des SREP soll aus Sicht des BCBS zu größerer Einheitlichkeit, Transparenz und Vergleichbarkeit führen.

Zeitplan

Eine zeitliche Perspektive für die Anwendung ist derzeit nicht im Konsultationspapier enthalten. Die Konsultation selbst läuft noch bis zum 11. September 2015.

Und die EBA ?

Nahezu zeitgleich zu den Arbeiten des BCBS hat die European Banking Authority (EBA) ihre „Guidelines on technical aspects of the management of interest rate risk arising from non trading activities“ (EBA/GL/2015/08) überarbeitet.

Die Guidelines richten sich an die zuständigen Aufsichtsbehörden und stellen die Erwartungen gegenüber den Instituten an die Identifizierung und Absicherung der Zinsänderungsrisiken im Bankbuch in den Vordergrund. Insbesondere umfassen die Ausführungen die Anforderungen an die interne Unternehmensführung sowie die Kalkulation des Zinsschockszenarios nach Art. 98 (5) CRD IV.

Neues aus Basel zu den Capital Floors

Am 22. Dezember 2014 veröffentlichte der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht ein Konsultationspapier über einen neuen Standard zur Festlegung von Untergrenzen für die Mindesteigenmittelanforderungen („Capital floors: the design of a framework based on standardised approaches“). Der neue Standard soll die bisherige Regelung zum sogenannten Basel I – Floor ersetzen, der beispielsweise in Art. 500 CRR kodifiziert ist. Das Konsultationspapier ist Teil einer Reihe von neuen Standards, die dazu dienen sollen, die Zuverlässigkeit und Vergleichbarkeit von risikogewichteten Kapitalquoten in Zukunft zu verbessern. Die Konsultationsphase läuft bis zum 27. März 2015.

Hintergrund

Im Juli 2013 und Dezember 2013 hatte der Baseler Ausschuss bereits Studien zur Vergleichbarkeit der risikogewichteten Aktiva für Kreditrisiken und Marktpreisrisiken (BCBS 256 und BCBS 267) veröffentlicht. Allgemein kann festgehalten werden, dass die Nutzung interner Modelle zu stark abweichenden Kapitalanforderungen der Banken führt. Dies ist regulatorisch nicht erwünscht, da Positionen mit gleichartigen Risiko zu annähernd gleichen Kapitalanforderungen führen sollten. Dies begründet aus Sicht des Baseler Ausschusses die Notwendigkeit eines Floors. Dieser soll sicherstellen, dass ein Mindesteigenmittelniveau eingehalten wird und die Unschärfen, die mit der Nutzung interner Modelle-Ansätzen einhergehen, begrenzt werden. Die Neuregelungen zu den Capital Floors werden durch zusätzliche Baseler Projekte zur Weiterentwicklung der bankaufsichtlichen Regulierungen begleitet (wie die vollständige Überarbeitung der Standardansätze im Bereich der Kreditrisiken einschließlich der Verbriefungen, der Kontrahentenrisiken, der Marktpreisrisiken und der operationellen Risiken). Die vorgeschlagenen Überarbeitungen sollen zu einer genaueren Messung der Risiken bei Anwendung der Standardverfahren führen. Darüber hinaus dienen die nach den Standardverfahren ermittelten Kapitalanforderungen dem Aufseher zukünftig auch bei Banken, die interne Modelle nutzen, dazu die Kapitaluntergrenze zu bestimmen. Der Baseler Ausschuss sieht die neuen Vorschriften auch als eine Ergänzung der im Basel-III-Rahmenwerk eingeführten Leverage Ratio.

Wesentliche Inhalte

Das Konsultationspapier beschäftigt sich im Wesentlichen mit der grundsätzlichen Gestaltung der neuen Untergrenzen für die Eigenmittelanforderungen. Im Mittelpunkt des Papiers steht

  • die konzeptionelle Gestaltung des Capital Floors auf Ebene einzelner Risikoarten oder der gesamten RWA,
  • die Abbildung der Unterschiede bei der Berücksichtigung von Kreditrisikoanpassungen in dem neuen Kreditrisikostandardansatz und dem auf internen Ratings basierenden Ansatz sowie
  • die Wahl des für die Bestimmung der Untergrenze zu verwendenden Ansatzes.

Die Höhen der verschiedenen Kapitaluntergrenzen soll erst später nach einer diesbezüglichen Quantitative Impact Study (QIS) festgelegt werden. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Komplexität der Berechnung der Capital Floors im Vergleich zum Basel I-Floor auf jeden Fall erhöht wird. Somit sind auch Modelle-Banken gezwungen, sich intensiv mit den neuen Baseler Standardansätzen auseinanderzusetzen.

Aggregationsumfang bei den Risikokategorien

Grundsätzlich werden zwei Arten von Untergrenzen diskutiert, mit denen der Baseler Ausschuss seine intendierten Ziele erfüllen könnte: Risk Category-based Floors und Aggregate RWA-based Floor. Bei dem Risk Category-based Floors-Ansatz wird für jede bedeutende Risikokategorie, also für Kredit- und Marktrisiken sowie operationelle Risiken, eine Untergrenze festgelegt. Die Untergrenzen wirken in diesem Fall wie ein durchschnittliches Mindest-Risikogewicht für die genannten Risikoarten. Dieser Ansatz verhindert eine Verrechnung der Eigenmittelanforderungen zwischen den Risikoarten. Die Gesamtuntergrenze ist für die jeweilige Risikoart die Summe der jeweils höheren Eigenmittelanforderung nach dem neuen Floor-Standardansatz oder dem internen Modelle-Ansatz. Beim alternativen Aggregate RWA-based Floor-Ansatz schlägt der Baseler Ausschuss vor, die Untergrenze auf die Gesamtsumme der risikogewichteten Aktiva zu beziehen. Die aggregierte Untergrenze ist nicht so einschränkend wie die Untergrenzen für die verschiedenen Risikobereiche und würde deshalb auf einem höheren Niveau festgelegt, um für beide Ansätze die gleiche Mindesteigenmittelanforderung zu erzielen.

Behandlung von Wertberichtigungen

Die regulatorische Behandlung von Wertberichtigungen ist je nach der Anwendung des Standardansatz oder des IRB-Ansatzes unterschiedlich. Hieraus folgt, dass für die Floor-Ermittlung Anpassungen notwendig werden, für die der Basler Ausschuss zwei Optionen vorstellt. Die erste Option wäre eine Anpassung im Kapital, im Gegensatz zur zweiten Option, die eine Anpassung bei den risikogewichteten Aktiva beschreibt. Welche der beiden Option sich im finalen Standard durchsetzen wird, ist dabei noch offen.

Wahl des relevanten Standardansatzes

Zur Berechnung der Untergrenzen für die Mindesteigenmittelanforderungen für Banken wird, wie auch im derzeitigen Verfahren, auf ein standardisiertes Verfahren abgestellt. Dabei ist noch offen, wie man mit den unterschiedlichen länderspezifischen Ermessungsspielräumen in der Anwendung der Standardansätze umgeht. In der aktuellen Konsultationsfassung sind keine länderspezifischen Anpassungen vorgesehen.

Wie geht es weiter?

Nach Abschluss der Konsultation und Auswertung der Kommentare soll noch in diesem Jahr zur Kalibrierung der Untergrenzen eine Quantitative Impact Study (QIS) durchgeführt werden. Die Ergebnisse der Konsultation und der QIS werden in ein zweites Konsultationspapier eingehen, das Ende 2015 veröffentlicht werden soll. Ein endgültiger Baseler Standard wird im Jahr 2016 erwartet. Die Baseler Regelungen zu den Floors müssen dann noch in das europäische Aufsichtsrecht übernommen werden.

Basel IV? Neuer Standardansatz zur Messung des Kreditrisikos

Im Dezember 2014 hat das Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) einen Vorschlag für die Überarbeitung des Kreditrisikostandardansatzes (BCBS: Revisions to the Standardised Approach for credit risk (bcbs 307)) veröffentlicht. Die Vorschläge stehen noch bis Ende März 2015 zur Konsultation.

Hintergrund

Die Vorschläge zur Revision des Kreditrisikostandardansatzes stehen in engem Zusammenhang mit den bereits vorher gestarteten Überarbeitungen der Standardansätze für das operationelle Risiko sowie die Standardverfahren bei den Marktpreisrisiken und dem Kontrahentenrisiko. Insgesamt betrachtet soll die Überarbeitung der Standardansätze dazu führen, dass die Kapitalanforderungen dem inhärenten Risiko entsprechend kalibriert werden und die Standardverfahren eine geeignete Alternative bzw. Ergänzung der Internen Modelle darstellen. Die neuen Vorschläge stellen eine substantielle Überarbeitung der Risikomessverfahren zur Ermittlung der Eigenkapitalanforderungen dar. Diese Neuerungen – von vielen schon als Basel IV bezeichnet – werden für alle, d.h. auch für die IRB Banken mit erheblichem Implementierungsaufwand verbunden sein. Schließlich denkt der Baseler Ausschuss darüber nach, die neuen Standardverfahren auch für die sogenannte „Floorberechnung“ zu nutzen.

Die wesentlichen Ansatzpunkte der Überarbeitung

  • Abkehr von der Abhängigkeit von externen Ratings

Als wesentliche Schwachstellen der bisherigen Regelungen zum Kreditrisikostandardansatz hat der BCBS die Abhängigkeit von externen Ratings identifiziert. Insbesondere die im Zusammenhang mit externen Ratings verbundenen negativen Auswirkungen auf die Stabilität des Finanzsektors, die sich beispielsweise aus einem sprunghaftem Anstieg der Risikogewichte („cliff effects“) oder sog. Herdenverhalten der Finanzinstitute ergeben, sollen künftig vermieden werden. Hinzu kommt, dass ein großer Anteil an Unternehmensforderungen kein externes Rating hat. Dieser Problematik will der BCBS begegnen, in dem die Risikogewichte für Bankforderungen und Unternehmensforderungen an bestimmte Risikotreiber geknüpft werden.

Für Bankforderungen sind diese Risikotreiber die harte Kernkapitalquote (capital adequacy ratio CET1) und eine sog. net non-performing assets ratio (net NPA ratio), mit deren Hilfe eine Einschätzung über die Qualität der Aktiva vorgenommen werden soll. Entsprechend der ermittelten Quoten ergeben sich dann Risikogewichte zwischen 30% und 300%. Im Vergleich zu den heute üblichen 20% Risikogewicht für Banken in Deutschland bzw. in der EU wird dieser Vorschlag deutlich höhere Eigenkapitalanforderungen für Bankforderungen nach sich ziehen. Zudem werden Banken nicht umhin kommen, die beiden Quoten auch unterjährig zu veröffentlichen. Darauf hat der Baseler Ausschuss bereits in seinem Konsultationspapier hingewiesen.

Für Unternehmensforderungen sind ausschlaggebende Risikotreiber der Umsatz (revenue) und der Verschuldungsgrad (leverage). Davon abhängig wird ein Risikogewicht von 60 – 300% anzusetzen sein, im Vergleich zu dem derzeit meist genutzten 100% Risikogewicht.

  • Verbesserung der Granularität und der Risikosensitivität

Bestimmten Forderungsklassen sind pauschalierte Risikogewichte zugeordnet und es stehen zu wenig Risikostufen zur Verfügung, um zwischen den tatsächlichen Risikoprofilen angemessen zu unterscheiden. Daher sieht der aktuelle Vorschlag eine Überarbeitung der Forderungsklassen vor. Insbesondere für die Nutzung des (beibehaltenen) Risikogewichts von 75% für Retail-Forderungen sollen strengere Kriterien definiert werden: Als zusätzliches Diversifizierungs-Kriterium dürfen Forderungen gegenüber einem Schuldner nicht mehr als 0,2% des gesamten „Regulatory Retail Portfolio“ betragen. Neu eingeführt wird auch für den Standardansatz die Risikokategorie der „Spezialfinanzierungen“ (Specialised lending) mit einem Risikogewicht zwischen 120% (für Projekt- und Objektfinanzierungen, Rohstoffhandelsfinanzierungen, Finanzierungen von Mietimmobilien) und 150% (Finanzierungen bei Grunderwerb, Erschließung und Bau) – alternativ (wenn höher) auch das Risikogewicht der Forderungsklasse Unternehmen.

  • Anpassung der Kalibrierung der Risikogewichte

Die Risikogewichte sollen unter anderem für Wohnimmobilienkredite risikosensibler werden. Anstatt des bislang angesetzten pauschalen Risikogewichts von 35% sollen die Risikogewichte von durch Wohnimmobilien besicherte Forderungen in Abhängigkeit von der „Loan-to-Value“ (LTV)-Quote ermittelt werden. Diese Quote ergibt sich aus dem Verhältnis von gesamter Forderungshöhe zum Wert des Sicherungsobjekts. Die danach abzuleitenden Risikogewichte betragen zwischen 25% – 100%. Für Wohnimmobilienkredite gegenüber Privatpersonen wird bei der Berechnung der LTV als zusätzlicher Risikotreiber die Kapitaldienstfähigkeit des Kreditnehmers im Rahmen einer sog. „Debt-Service-Coverage-Ratio (DSC)“ zu berücksichtigen sein. Diese ergibt sich aus dem Kapitaldienst des Schuldners im Verhältnis zu seinem Einkommen. Unter Berücksichtigung der DSC können sich dann Risikogewichte zwischen 25% und 80% ergeben.

Gewerbliche Immobilienkredite und ihre künftige Behandlung sind dagegen noch offen. Im Konsultationspapier werden zwei Varianten vorgeschlagen:

In Variante A werden die gewerblichen Immobilien nicht als Sicherheiten berücksichtigt. Vielmehr orientiert sich das Risikogewicht an den unbesicherten Unternehmensforderungen (60%-300%). In bestimmten (nationalen) Ausnahmefällen (entwickelte und etablierte Märkte, besondere Sicherungsobjekte) können in engen Grenzen bevorzugte Risikogewichte von 50% zum Tragen kommen.

Variante B dagegen berücksichtigt die bei Wohnimmobilien eingeführte LTV und leitet danach Risikogewichte zwischen 75% und 120% ab.

  • Verbesserung der Vergleichbarkeit der Kapitalanforderungen und Reduzierung der Diskrepanz zum IRB Ansatz

Die Überarbeitung der Kreditminderungstechniken ist ein weiterer Ansatzpunkt der aktuellen Vorschläge. Die Anzahl der für KSA-Banken zur Verfügung stehenden Methoden soll reduziert werden. Dies betrifft vor allem die Nutzung bankeigener Schätzungen von haircuts, sowie Value-at-risk Ansätze für bestimmte Wertpapierleihe-/Repo-Transaktionen (SFTs) oder die Nutzung Interner Modelle für SFTs und besicherte Transaktionen mit OTC-Derivaten.

 

Weitere Entwicklung – Basel IV?

Die Überarbeitung des Kreditrisikostandardansatz ist noch nicht abgeschlossen: Forderungen an Staaten und Zentralbanken werden in dem aktuellen Papier nicht berücksichtigt und sind Gegenstand einer separaten Überarbeitung. Das BCBS wird eine Auswirkungsstudie durchführen und anhand der dann gesammelten Daten die Überarbeitung vorantreiben. Die hierfür erforderlichen Datenblätter ergänzen die regelmäßigen halbjährlichen Basel III-Monitoring Abfragen.

Insgesamt ist die Überarbeitung des Kreditrisikostandardansatz Teil einer Reihe von laufenden Konsultationen und Überarbeitungen, die zusammen eine bedeutende Revision des Basel III Rahmenwerks darstellen werden:

Damit schließt sich der Kreis der Überarbeitung insoweit, als der Baseler Ausschuss plant, dass alle Institute die Risiken für die Eigenkapitalanforderungen sowohl nach dem Standardverfahren als auch ggf. nach den eigenen internen Modellen ermitteln sollen.

Auf die Banken kommt also ein erheblicher Mehraufwand für die Implementierung der neuen Anforderungen zu. KSA Banken müssen ihre bisher von externen Ratings abhängigen Zuordnungen durch die neuen Risikotreiber ersetzen und Anpassungen bei den Kreditrisikominderungstechniken vornehmen. Im Bereich der Governance sind Anweisungen, Prozesse und Kontrollen zu überarbeiten. Da die Standardverfahren für die Ermittlung des Floors genutzt werden, müssen auch IRB Banken mit erheblichem Zusatzaufwand rechnen. Zudem verfügen IRB Banken, die den fortgeschrittenen IRB nutzen, bis dato nicht unbedingt über die erforderlichen Prozesse zur Erfüllung der regulatorischen Anforderungen an die Risikominderungstechniken im Standardansatz. Einem eventuell erforderlichen zusätzlichen Kapitalbedarf ist bei den Kapitalplanungsprozessen Rechnung zu tragen.

Baseler Konsultationsentwurf zur aufsichtlichen Behandlung schwacher Banken

Schwache Banken sind ein weltweites Phänomen und stellen die zuständigen Aufsichtsbehörden vor große Herausforderungen. Das Baseler Komitee für Bankenaufsicht (BCBS) hat Ende Juni 2014 ein Konsultationspapier zu „Supervisory guidelines for identifying and dealing with weak banks“ veröffentlicht. Es soll den nationalen und supranationalen Aufsichtsinstanzen als Leitlinie dienen für die Identifikation von „schwachen“ Banken, für mögliche Korrekturmaßnahmen sowie Auflösungs- und Exit-Strategien – unter Nutzung bereits implementierter regulatorischer Standards und Konzepte. Die Guidelines werden die Richtlinien aus dem Jahr 2002 ablösen (Supervisory Guidance on Dealing with Weak Banks). Die Konsultationsfrist endet am 19. September 2014.

Identifikation von schwachen Banken

„Schwache“ Banken werden definiert als Banken, deren Liquidität und Bonität sich bereits verschlechtert hat oder sich zeitnah verschlechtern wird, sofern nicht eine maßgebliche Verbesserung der finanziellen Mittel, des Risikoprofils, des Geschäftsmodels, des Risikomanagement- und Kontrollsystems sowie der Qualität der Governance und des Managements geschieht.

Im Zuge des laufenden Aufsichtsprozesses durch Vor-Ort-Prüfungen, regulatorisches Reporting und die Nutzung von Frühwarnindikatoren oder Stresstests sind u.a. das Businessmodell der Banken, das Risikomanagement und das interne Kontrollsystem zu beachten. Soweit vorhanden, sind auch Sanierungspläne zu würdigen. Neben der institutsindividuellen Aufsicht sind auch übergreifende Betrachtungen durch peer-group-Vergleiche und systemweite Analysen von Bedeutung. So können Entwicklungen einzelner Banken im Vergleich sowie Entwicklungen von Gruppen von Banken erkannt werden und Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.

Schwächen können dabei in der Geschäftsstrategie, in der Kapitalausstattung, in der Assetqualität, im Bereich Governance und Management, in der Ertragskraft, in der Liquiditätsausstattung oder bei den Risikomanagementprozessen liegen.

Korrekturmaßnahmen der Aufsicht

Ohne Gegensteuern werden sich die Schwächen in einer Bank eher vergrößern. Neben der rechtzeitigen Identifikation schwacher Banken sind daher frühzeitige Korrekturmaßnahmen entscheidend.

Für aufsichtliche Gegenmaßnahmen bei als schwach identifizierten Banken ist eine individuelle und flexible Reaktion der Aufsicht notwendig. Dabei sind bestehende Sanierungspläne einzubeziehen. Insbesondere sind die Maßnahmen aber gezielt auf die Schwächen mit dem Ziel der Wiederherstellung des Instituts auszurichten.

Kommt die Aufsicht bei einem Institut zu der Einschätzung, dass Insolvenz oder Illiquidität nicht mehr vermeidbar sind, bleibt nur noch die geordnete Abwicklung. Für die Abwicklung sind bestehende Abwicklungspläne zu nutzen. Das Konsultationspapier geht auf verschiedene Aspekte der Abwicklung ein, z.B. Restrukturierung, Verkäufe von Portfolien, das geordnete Auslaufen einzelner Geschäftsaktivitäten, staatliche Unterstützung oder die Einrichtung einer Abwicklungsbank.

Handlungsbedarf der Institute

Das Papier richtet sich direkt an die Aufsichtsbehörden und löst insoweit bei den beaufsichtigten Instituten nur indirekt Handlungsbedarf aus. In der Europäischen Union und in der Bundesrepublik Deutschland sind verschiedene gesetzliche Voraussetzungen u.a. in Bezug auf die Einrichtung von Sanierungs- und Abwicklungsplänen sowie organisatorische Voraussetzungen bereits geschaffen (vgl dazu auch Regulatory Blog-Beitrag: „Neuer Rahmen für die Sanierung und Abwicklung“ vom 01. Juil 2014).

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