Kategorie: Basel III

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CRD IV – Die neuen Liquiditätsstandards: Liquidity Coverage Ratio und Net Stable Funding Ratio

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Finanzmarktkrise war, das Institute nicht genügend liquide Mittel zur Verfügung haben, um finanzielle Engpässe und Krisenzeiten zu überbrücken. Als Folge wurden bereits sehr früh neue quantitative Messverfahren für Liquiditätsstandards diskutiert: Die Liquidity Coverage Ratio (LCR) zur kurzfristigen Liquiditätssicherung und die Net Stable Funding Ratio (NSFR) für den längerfristigen Liquiditätshorizont (dazu auch unser Blog-Beitrag vom 30.12.2010: Einheitliche Spielregeln für die Liquiditätsanforderungen an Banken – Das Konzept der Liquidity Coverage Ratio). Beide haben in den CRD-IV Entwurf der Verordnung  („Regulation on prudential requirements for credit institutions and investment firms“ KOM (2011) 452) Eingang gefunden (Part IV, Art. 400ff), wobei für die NSFR erst innerhalb der Beobachtungsphase ein Konzept entwickelt wird.

Liquidity Coverage Ratio (LCR)

Das kurzfristige Liquiditäts-Risikoprofil der Institute wird durch die Liquidity Coverage Ratio (LCR) verbessert: Ein Mindestbestand an hochliquiden Aktiva muss vorgehalten werden, um im Rahmen der „30-day-liquidity coverage ratio“ den Liquiditätsbedarf unter Stress für die nächsten 30 Tage zu decken und so das Überleben des Instituts kurzfristig zu sichern. Die LCR deckt damit den potentiellen Nettoabfluss von Zahlungsmitteln bei einem akuten Stressszenario ab.

Was sind liquide Assets ?

Um als geeignete liquide Assets bzw. Aktiva anerkannt zu werden, müssen die Assets bestimmte qualitative Anforderungen erfüllen (Art 404). Aktiva sind u.a. dann ausreichend liquide, wenn:

  • sie notenbankfähig sind;
  • sie nicht vom Institut selbst bzw. seinem Mutter- oder Tochterunternehmen emittiert wurden;
  • der Preis auf Basis öffentlich zugänglicher Parameter einfach zu bestimmen ist (und eben nicht auf Annahmen basiert, wie dies bei strukturierten oder „exotischen“ Produkten der Fall sein kann);
  • sie an einer anerkannten Börse gehandelt werden;
  • sie marktgängig sind, d.h. an aktiven Märkten mit einer hohen Zahl von Marktteilnehmern handelbar sind.

Da bislang eine einheitliche europäische Definition für die liquiden und hochliquiden Aktiva fehlt, wird von Instituten erwartet, dass sie bei der Identifizierung ihrer liquiden/hochliquiden Aktiva objektive und transparente Kriterien zugrundlegen. Dazu gehören auch Anforderung an ein Mindestvolumen für den Handel in den entsprechenden Aktiva, transparente Preisbildung, nachgewiesen Preisstabilität, Umsatzvolumen etc. (vgl. Art 482 (2)). Die endgültige Festlegung der qualitativen Anforderungen durch die EBA in Form von technischen Standards wird bis 2013 erfolgen.

Darüber hinaus stellt die Verordnung auch operationelle Anforderungen an den Bestand der liquiden Aktiva (Art. 405). Damit soll sichergestellt werden, dass die entsprechenden Aktiva tatsächlich für den gedachten Zweck, nämlich kurzfristig den Liquiditätsbedarf in der Krise zu decken, zur Verfügung stehen. Entsprechend wird gefordert, dass die Aktiva unter anderem

  • rechtlich und praktisch jederzeit innerhalb des 30-Tage-Zeitraums veräußert werden können. Im Zusammenhang damit soll für einen Teil des Portfolios regelmäßig Testverkäufe stattfinden, um die Marktfähigkeit sowie den Liquidationsprozess zu testen.
  • ausreichend diversifiziert sein müssen;
  • zu 60% aus hochliquiden Aktiva, d.h. Bargeld, Guthaben bei Zentralbanken, Staatsanleihen und staatlich garantierte Anleihen;
  • von einer innerhalb des Instituts zu schaffenden Stelle Liquiditätsmanagementfunktion kontrolliert und überwacht werden.

Bewertung der liquiden Assets

Die Verordnung unterscheidet zwischen Assets mit „extremly high liquidity and credit quality“ und Assets mit „high liquidity and credit quality“ (Art 404). Entsprechend dieser Einschätzung können die Assets für die LCR anerkannt werden. Extrem liquide Assets – auf gleicher Stufe mit Barmitteln und Staatsanleihen sowie Guthaben bei Zentralbanken – müssen 60% des LCR-Deckungspools ausmachen.

Die restlichen 40% können mit anderen „high liquid assets“ gedeckt werden, wobei im Rahmen der Bewertung ein Abschlag (haircut) in Kauf zu nehmen ist, der u.a. Marktwert, Haltedauer und Risikopotential der jeweiligen Aktiva spiegelt (Art 406). Für „high liquid assets“ darf der Bewertungsabschlag nicht unter 15% liegen.

Auch für Investmentanteile müssen Einschränkungen in Kauf genommen werden: Abschläge bis zu 20% sind hier vorgesehen (Art. 406). Insgesamt können Investmentanteile nur bis zu einem Maximalbeitrag von € 250 Mio im Rahmen der LCR angerechnet werden (Art 404 (3)).

Die oft geführte Diskussion um die Anerkennung von Covered Bonds bei der Bildung des Liquiditätspuffers im Rahmen der LCR ist auch im aktuellen Verordnungsvorschlag noch nicht endgültig entschieden. Derzeit dürfte man wohl davon ausgehen können, dass Covered Bonds sich als „high liquid assets“ qualifizieren können und entsprechend einem Abschlag von 15% unterliegen. Ausgeschlossen sind Forderungen gegen Finanzinstitute: diese können nicht als liquide Assets anerkannt werden (Art 404 (2)).

Ebenfalls als high liquid assets können sich auch Pfandbriefe qualifzieren. Wie alle anderen high liquid assets gilt auch hier eine Anerkennung bis zu 40% des Pools und ein Abschlag von 15%.

Damit ergeben sich erhebliche Unterschiede zu der derzeit gültigen LiqV, die heute im Zähler auch die Kredite mit Restlaufzeiten von weniger als 30 Tagen inkl. der Forderungen an Kreditinstitute als Zahlungsmittel zulässt.

Zahlungsmittelabflüsse

Der Grundstock der liquiden Assets muss den Nettozahlungsmittelabfluss decken. Dieser ergibt sich aus der Differenz der Zahlungsmittelabflüsse abzüglich der zu erwartenden Zuflüsse. Von welchen Zahlungsabflüssen jeweils auszugehen ist, regeln Art 408 – 412. Danach ist beispielsweise für Einlagen im Retailgeschäft, soweit sie durch ein Deposit Guarantee Scheme gesichert sind, ein Abflussfaktor von 5% anzunehmen, ansonsten gilt für Einlagen im Retailgeschäft ein Abflusspotential von 10% (Art 408). Für Kredit-/Liquiditätszusagen im Retailgeschäft wird ein Abflusspotential von 5% unterstellt, 10% sind es dagegen, wenn es sich um Kredit-/Liquiditätszusagen außerhalb des Finanzsektors handelt (Art. 409). Secured lending von Zentralbanken oder sonstigen öffentlichen Stellen wird mit 25% angesetzt (Art 410), Einlagen und Deposits, die nicht aus dem Finanzsektor stammen, erhalten einen Abflussfaktor von 75% (Art 410). Alle anderen Verbindlichkeiten und Einlagen, denen kein besonders privilegierter Abflussfaktor zugewiesen wird, müssen mit 100% angesetzt werden. Die Diskussion um die besondere Stellung des Pfandbriefs wird an dieser Stelle sicher erneut ansetzen, denn der unterstellte Zahlungsabfluss für Pfandbriefe beträgt damit 100%. Dies wird der tatsächlichen Stellung des Pfandbriefs als Refinanzierungsinstrument im Krisenfall wohl nicht gerecht.

Nicht außer Acht lassen dürfen die Institute auch Zahlungsmittelabflüsse, die aus Reputationsgründen erfolgen könnten. Verweigern die Institute die finanzielle Unterstützung bei bestimmten Produkten oder Services, die mit ihnen in Verbindung gebracht werden, können daraus substantielle Reputationsschäden erwachsen (Art. 408 (2)).

Zahlungsmittelzufluss

Die eingehenden Zahlungsströme werden bis zur Kappungsgrenze von maximal 75% in die Berechnung des Nettozahlungsmittelabflusses einbezogen. Welche Zahlungen als „liquidity inflow“ anerkannt werden können, und welche Abschläge dabei ggfs. In Kauf zu nehmen sind, regelt Art 413. So werden z.B. nicht in Anspruch genommene Kredit- und Liquiditätszusagen nicht mit eingerechnet. Zahlungen von Kunden außerhalb des Finanzsektors können nur mit der Hälfte ihres Werts als Liquiditätszufluss angerechnet werden.

Net Stable Funding Ratio (NSFR)

Die zweite neue Liquiditätskennzahl ist auf ein Minimum an längerfristiger Refinanzierungsausstattung ausgerichtet. Sie stellt das Verhältnis zwischen erhaltener stabiler Refinanzierung und benötigter belastbarer Refinanzierung eines Instituts dar. Eine verbindliche Kennzahl bzw. deren Berechnung ist noch weitgehend offen. Bis 2018 soll die schon durch Basel III festgelegte Beobachtungsphase beibehalten werden. Während der Beobachtungsphase müssen die Elemente der erhaltenen Refinanzierung (u.a. Eigenkapital, Einlagen, erhaltene Finanzmittel von Kunden des Finanzsektors sowie Verbindlichkeiten) und der benötigten Refinanzierung (u.a. liquide Aktiva, Schuldverschreibungen, börsengehandelte Aktien von Nichtfinanzunternehmen, Gold und Edelmetalle, Forderungen aus derivativen Geschäften, nicht in Anspruch genommene Kreditfazilitäten) nach ihrer Laufzeit (unter 3 Monate bis über 1 Jahr) gemeldet werden (Art 413, 414).

Auftrag an die EBA

Endgültig als verbindliche Kennzahl soll die LCR nach einer Beobachtungsphase in 2015 eingeführt werden. Die Institute werden aber schon ab 2013 verpflichtet sein, eine ausreichende Liquiditätsabdeckung vorzuhalten. Während der Beobachtungsphase melden die Institute die jeweiligen Daten, die für die endgültige Bestimmung und Kalibrierung der LCR notwendig sind. Die entsprechenden Meldeformate entwickelt die EBA.

Darüber hinaus entwickelt die EBA technische Standards unter anderem für die Bestimmung der liquiden Aktiva, für ihre Bewertung sowie für die Bestimmung der Zahlungsabflüsse. Spannend wird dabei vor allem die Frage sein, wie die „liquiden Assets“ letztlich definiert werden. Insbesondere bei der Anerkennung der Covered Bonds besteht noch Diskussionsstoff.

Umfangreiche Aufgaben für die Institute

Für die Institute ergeben sich daraus schon jetzt neue Anforderungen: Die aktuelle Liquiditätsreserve gilt es zu analysieren. Soweit die Mindestanforderungen nicht erfüllt werden können, muss eine Umstrukturierung der Liquiditätsreserve frühzeitig in Angriff genommen werden. Dabei sind natürlich auch die Ertragsauswirkungen zu berücksichtigen.

Nicht außer Acht zu lassen sind auch die Anforderungen, die sich durch die Meldungen der entsprechenden Kennzahlen ergeben. Hier werden Institute ihre Datenverfügbarkeit genau analysieren müssen. Letztlich müssen alle Daten verfügbar sein, um die Meldefähigkeit für die LCR sicherzustellen. Neben neuen Zuständigkeiten werden auch neue Prozesse implementiert werden müssen.

Die neuen quantitativen Liquiditätsvorgaben bergen insbesondere für kleinere Institute, die Verbünden angeschlossen sind, erhebliche Zielkonflikte. Sie legen i.d.R. ihre Liquidität bei den Zentralinstituten an. Im Gegensatz zur derzeit gültigen LiqV können diese Posten in der kurzfristigen Liquiditätsdeckungsrechnung nicht mehr angesetzt werden.

Ebenso können Kunden- und Bankenforderungen mit kurzen Restlaufzeiten generell nicht mehr berücksichtigt werden. Vielmehr werden regulatorische Anreize gesetzt, in Staatspapiere oder Covered Bonds zu investieren. Die potentiellen negativen Auswirkungen dieser neuen Anreize auf die Realwirtschaft sollten vor der finalen Einführung intensiv überprüft werden. Zudem ergeben sich Zielkonflikte zwischen den Liquiditätsanforderungen einerseits und der Leverage Ratio andererseits, deren Anreizpotential kritisch zu beobachten ist.

Einheitliche Spielregeln für die Liquiditätsanforderungen an Banken – Das Konzept der Liquidity Coverage Ratio

Hintergrund

Einen weltweit einheitlichen Standard für die kurzfristigen Liquiditätsanforderungen  gab es bisher nicht. Das soll mit der Einführung der Liquidity Coverage Ratio (LCR) anders werden. Die Grundzüge der Ausgestaltung der LCR wurden bereits im Sommer 2010 vorgestellt (dazu auch Blog-Beitrag: “ Neues Tuning bei Basel III?“). Mit dem jetzt veröffentlichten Papier „Basel III: International framework for liquidity risk measurements, standards  and monitoring“ werden einheitliche  Anrechnungsverfahren für die Liquiditätsüberwachung der  Institute festgelegt.

Mit der Reform sollen die Banken zukünftig „schock-resistenter“ gegenüber finanziellen und/oder ökonomischen Krisen werden. Insbesondere soll dadurch auch das Risiko eines Übergreifens von Krisen im  Finanzsektor auf die übrigen Wirtschaftsbereiche verhindert werden.

Liquidity Coverage Ratio

Mit der Liquidity Coverage Ratio wird das kurzfristige Liquiditäts-Risikoprofil der Bank verbessert. Banken müssen künftig einen Mindestbestand an hochliquiden Aktiva vorhalten, um im Rahmen der „30-day-liquidity coverage ratio“ den Liquiditätsbedarf unter Stress für die nächsten 30 Tage zu decken und so das Überleben des Instituts kurzfristig zu sichern. Die LCR deckt den damit den potentiellen Nettoabfluss von Zahlungsmitteln bei einem akuten Stressszenario ab. 

G20 macht den Weg frei – Die Beschlüsse von Seoul

Die aktuellen Beschlüsse des G20-Gipfels in Seoul haben den Reformen Basel III zugestimmt. Im Wesentlichen wurden die Vorarbeiten des Baseler Ausschusses bestätigt (Basel III auf der Zielgeraden). Damit ist der Weg frei für die geplanten Eigenkapitalverschärfungen: die Erhöhung der Mindestquote von zwei auf 4,5% und bis 2019 dann auf 7%. Gleiches gilt für die Liquiditätsvorschriften. Ihre Einführung bis 2018 entsprechend dem Zeitplan des Baseler Ausschusses ist auch beschlossen.

Offen bleibt jedoch die Frage nach den für systemrelevante Großbanken (systemically important financial institutions) geltenden Regelungen. Klar ist, dass systemrelevante Banken strengeren Vorschriften unterliegen werden. Mit der Ausarbeitung der Regeln im Einzelnen sind weiterhin der Financial Stability Board (FSB) und Baseler Ausschuss beauftragt. Für international systemrelevante Banken soll bis Ende 2011 ein Regelwerk vorliegen, für die national relevanten Banken ist Ende 2012 der ausschlaggebende Termin.

Zur Umsetzung der in Seoul beschlossenen Regelungen hat die europäische Kommission bereits angekündigt, im März 2011 einen entsprechenden Vorschlag zu machen. Die gesetzgeberischen werden in eine weitere Änderungen Eigenkapitalrichtlinie (dann „CRD IV“) münden. Bereits jetzt läuft ein Konsultationsverfahren zur Festlegung der antizyklischen Kapitalpuffer.
Es bleibt also spannend.

Neue Vergütungsregeln in Banken und Instituten – wie ist der aktuelle Stand ?

Der Ausschuss der europäischen Bankaufsichtsbehörden (CEBS) hat am 08. Oktober den Entwurf für die Richtlinien zur Vergütungspraxis veröffentlicht (Draft guidelines on Remuneration Policies and Practices). Der Entwurf umfasst die bisherigen Arbeiten auf europäischer und internationaler Ebene zum Thema Vergütungssysteme. Nahezu zeitgleich hat der deutsche Gesetzgeber die Verordnung über die aufsichtsrechtlichen Anforderungen an Vergütungssysteme von Instituten (Instituts-Vergütungsverordnung – InstitutsVergV) verabschiedet.
In meinem aktuellen Beitrag möchte ich die Hintergründe und die neuen Entwicklungen der Vergütungsregeln erläutern.

Der europäische Zeitplan für neue Vergütungsregeln 

Im Rahmen der Aufarbeitung der Finanzmarktkrise war klar, dass auch die Vergütungsstrukturen innerhalb der Institute dazu beigetragen haben, übermäßige Risikopositionen einzugehen.
Bereits 2009 hatte der Financial Stability Board (FSB) die ersten Principles for Sound Compensation Practices – Implementation Standards verfasst. Die Weiterentwicklung der globalen Standards obliegt dem Baseler Ausschuss, der jetzt einen Bericht zur Methodik einer risiko- und leistungsgerechten Anpassung von Vergütungsregeln zur Konsutaltion veröffentlicht hat (Range of Methodologies for Risk and Performance Alignment of Remuneration, BIS vom 14.10.2010).

Die Prinzipien und Standards des FSB sind auch Gegenstand von Richtlinienvorhaben auf EU-Ebene (Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Änderung der Richtlinien 2006/48/EG und 2006/49/EG im Hinblick auf die Eigenkapitalanforderungen für Handelsbuch und Weiterverbriefungen und im Hinblick auf die aufsichtliche Überprüfung der Vergütungspolitik – CRD III). Die CRD III Änderungen zu den Vergütungsregeln (Art. 22(4) sowie Anhänge V und XII) sollen bereits ab 1. Januar 2011 zur Anwendung kommen. Die  CRD III verlangt  die Ausarbeitung von  „Guidelines on Sound Remuneration Policies“ durch CEBS, die jetzt als Entwurf veröffentlicht wurden und auch die methodischen Arbeiten des Baseler Ausschusses berücksichtigen.

Neues „Tuning“ bei Basel III ?

Hintergrund

Der Gouverneursrat des Baseler Ausschusses, hat dem geplanten Reformpaket vom Dezember 2009 "Consultative proposals to strengthen the resilience of the banking sector "  und " International Framework for Liquidity Risk Measurement, Standards and Monitoring“  im wesentlichen zugestimmt, aber auch weitere Modifikationen angekündigt.

Die wesentlichen Aspekte

  • Leverage ratio ("Verschuldungsgrenze")

Die Leverage Ratio zeigt das Verhältnis zwischen Eigenkapital und Bilanzaktiva zuzüglich außerbilanziellen Positionen. Als volumenbasierte, risikounabhängige Kennziffer soll sie dazu beitragen, übermäßige Leverageeffekte zu vermeiden. Die Kennziffer soll so kalibriert werden, dass sie als glaubwürdige zusätzliche Maßzahl zu den risikobezogenen Anforderungen der Säule 1 dient.  Der  Baseler Ausschuss schlägt jetzt eine Tier 1 Leverage Ratio von 3% vor. Damit können sich Institute mit dem 33-fachen ihres Kernkapitals verschulden. Allerdings wird diese Grenze zunächst auch nur als Beobachtungsgröße im Rahmen eines Parallellaufs überwacht. Erst 2018 soll hier  Verbindlichkeit erreicht werden. Damit dieses Instrument nicht den Wettbewerb verzerrt, ist die Harmonisierung der Rechnungslegungsvorschriften eine essentielle Voraussetzung für die Wirksamkeit.

  • Regulatory buffers (Kapitalpuffer)

Geplant ist die Einführung eines capital conservation buffer, der verhindern soll, dass das Kapital  krisenbedingt zu schnell aufgezehrt wird. Weiter ist ein zeitvariabler Kapitalpuffer (countercyclical buffer) vorgesehen, der in Rezessionsphasen der Verlustabsorption dienen soll. An beiden Kapitalpuffern will man festhalten und bis Jahresende weitere Details festlegen.

Nach 2 kommt 3 – oder doch nicht ?

Als Folge der internationalen Finanzmarktkrise reißt die Flut der Änderungen zur Stärkung und  Stabilisierung der internationalen Finanzmärkt nach wie vor nicht ab. Was passiert wann in Basel, Brüssel oder Berlin? – der jeweilige Umsetzungsstand der vorgeschlagenen Änderungen ist nicht leicht zu durchschauen. Die neuen Entwicklungen möchte ich zum Anlass nehmen, Ihnen einen kurzen Überblick zu geben.

Im Juli 2009 veröffentlichte der Baseler Ausschuss eine Überarbeitung des Basel-II-Rahmenwerks („Revisions to the Basel II market risk framework„, „Guidelines for computing capital for incremental risk in the trading book„). Schwerpunkte der Änderungen sind

  • zusätzliche Eigenkapitalanforderungen für die Verbriefungs- und Wiederverbriefungspositionen,
  • eine Verschärfung der Regeln für die Risikounterlegung von Handelsbuchpositionen,
  • Verbesserungen des Risikomanagements von strukturierten Produkten und Off-Balance-Sheet-Aktivitäten.

Unter dem Begriff „Incremental Risk charge“ sollen die Banken nunmehr Eigenmittel für Ausfall-, Migrations-, Kreditspread- und Aktienkursrisiken im Handelsbuch vorhalten, um so das besondere Marktrisiko abzudecken. Gleichzeitig werden auch die Regelungen für das allgemeine Marktrisiko verschärft: Das bisherige Berechnungsverfahren wird um einen Stress-Value at Risk (Stress-VaR) erweitert. Der Stress-VaR ist auf der Grundlage einer Datenhistorie zu ermitteln und dem bislang schon relevanten bekannten VaR hinzuzurechnen. Für die Umsetzung dieser Änderungen des Basel-II-Rahmenwerks war ursprünglich der 31. Dezember 2010 vorgesehen.

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