Kategorie: EU

Bleiben Sie auf dem Laufenden - der EU RSS-Feed

ÜberprĂŒfung der Großkreditanforderungen durch die EBA

Die European Banking Authority (EBA) hat am 24. Oktober 2016 die Ergebnisse ihrer ÜberprĂŒfung des Großkreditregimes (Review of the large exposure regime: The EBA’s response the European Commission’s call for advice (EBA/OP/2016/17) veröffentlicht.

Hintergrund

Mit dieser Veröffentlichung hat die EBA auf den Call for Advice (Call for advice to the EBA for the purpose of revising the large exposure framework as part of the CRR review) der EuropĂ€ischen Kommission (EC) vom 26. April 2016 reagiert. Darin wurde die EBA von der EC beauftragt, die Auswirkung, die das neue Rahmenwerk zur Messung und Überwachung von Großkrediten des Basel Committee on Banking Supervision vom 15. April 2015 (Supervisory framework for measuring and controlling large exposures, BCBS 283) auf die europĂ€ischen Institute haben könnte, zu analysieren. Ebenso soll die EBA die Auswirkung der Abschaffung verschiedener Ausnahmeregelungen gem. Art. 400 Abs. 2 CRR untersuchen und ggf. weitere Großkreditaspekte identifizieren, die ĂŒberarbeitet werden sollen. HierfĂŒr hat die EBA die Daten von insgesamt 198 Institutionen aus 29 Jurisdiktionen (EBA list of institutions as of January 2016) ausgewertet. Hintergrund der Beauftragung der EBA ist das Vorhaben der EC, im Rahmen eines Gesetzgebungsvorschlags bis Ende 2016 die Großkreditvorschriften der CRR zu modifizieren.

Über das neue Baseler Rahmenwerk zur Messung und Überwachung von Großkrediten habe ich Sie bereits im Regulatory Blog informiert (vgl. „Das neue Baseler Rahmenwerk zur Messung und Überwachung von Großkrediten“ vom 21. Mai 2014).

Im Folgenden sind die wesentlichen Erkenntnisse der EBA-Auswirkungsanalysen zusammengefasst:

1. Auswirkungen durch das neue Baseler Rahmenwerk zur Messung und Überwachung von Großkrediten

Wegfall des ErgÀnzungskapitals als Bestandteil der anrechenbaren Eigenmitteln

Die EBA teilt die EinschĂ€tzung des BCBS, dass die fĂŒr die Bemessung der Großkreditgrenzen maßgeblichen anrechenbaren Eigenmittel zukĂŒnftig ausschließlich aus Kernkapital, d.h. aus hartem Kernkapital (CET1) und zusĂ€tzlichem Kernkapital (AT1), bestehen sollten. Nach den aktuellen Regelungen der CRR darf auch ErgĂ€nzungskapital (Tier 2) bis zu einem Drittel des Kernkapitals in den anrechenbaren Eigenmitteln berĂŒcksichtigt werden. Die Analyse der EBA hat ergeben, dass insbesondere kleinere Banken vom vollstĂ€ndigen Wegfall der AnrechnungsfĂ€higkeit von Tier 2-Instrumenten betroffen wĂ€ren. Die EBA schlĂ€gt daher eine Übergangszeit vor, in der der Anteil des Tier 2-Kapitals schrittweise auf null reduziert werden soll.

Besondere Großkreditobergrenzen bei GeschĂ€ften zwischen den als global systemrelevant eingestuften Banken (G-SIB)

Ein weiterer wesentlicher Unterschied zwischen dem Baseler Rahmenwerk und den aktuellen Regelungen der CRR sind die besonderen Großkreditobergrenzen bei GeschĂ€ften zwischen G-SIBs. Hier empfiehlt die EBA eine Angleichung der bestehenden Regelungen an das Baseler Rahmenwerk; insbesondere auch, weil die Auswertung der Daten ergeben hat, dass eine besondere Großkreditobergrenze von 15 % der anrechenbaren Eigenmittel fĂŒr GeschĂ€fte zwischen G-SIBs bei keinem der betrachteten G-SIB zu einer GroßkreditgrenzĂŒberschreitung fĂŒhren wĂŒrde. Gleichzeitig sei eine spezielle Großkreditobergrenze fĂŒr G-SIBs aber ein probates Mittel, Systemrisiken und Ansteckungseffekten entgegenzuwirken. Zu dem Aufruf des BCBS, auch strengere Limite auf nationaler Ebene fĂŒr lokal systemrelevante Banken und kleinere Banken gegenĂŒber G-SIBs zu implementieren, hat sich die EBA bisher nicht geĂ€ußert.

Kreditrisikominderungstechniken (KRMT)

Zwar hat die EBA mehrere Unterschiede zwischen dem Baseler Rahmenwerk und den aktuellen Vorgaben bei der BerĂŒcksichtigung von KRMT identifiziert, betont aber, dass aufgrund der aktuellen Datenlage eine quantitative Auswirkungsstudie jedoch derzeit kaum möglich sei. Lediglich die Auswirkungen des durch das BCBS vorgesehenen Wegfalls von Immobilien als anrechenbare Sicherheiten wurden nĂ€her analysiert und in einer Gesamtbetrachtung ĂŒber die 198 betrachteten Institute insgesamt als gering eingeschĂ€tzt. Die EBA weist jedoch darauf hin, dass diese Änderung gerade bei kleineren EU-Instituten zu wesentlichen Effekten fĂŒhren könne und daher eine weitergehende Analyse notwendig sei.

Auswirkung SA-CCR auf Großkreditvorschriften

Mit Blick auf die Berechnung des Risikopositionswerts von Kontrahentenrisiken aus OTC-Derivaten fĂŒr Großkreditzwecke empfiehlt die EBA, zunĂ€chst die vollstĂ€ndige Implementierung des neuen standardisierten Ansatzes zur Messung von Gegenparteiausfallrisiken (SA-CCR) abzuwarten und zu analysieren, bevor fĂŒr Großkreditzwecke interne Modelle (IMM) bei der Berechnung des Risikopositionswerts von OTC-Derivaten ausgeschlossen werden. Demnach ist, anders als im Baseler Rahmenwerk, noch keine finale Entscheidung gefallen, wie die Ermittlung des KreditĂ€quivalenzbetrags fĂŒr Kontrahentenausfallrisiken bei Derivaten zukĂŒnftig erfolgen soll.

Behandlung von Forderungsklassen und Risikopositionen

Die Idee des Baseler Rahmenwerks, Ausnahmeregelungen fĂŒr bestimmte Forderungsklassen (bspw. Regionalregierungen) oder Risikopositionen (Forderungen aus Zahlungsverkehr oder Wertpapierabwicklung) abzubauen, soll auch nach Auffassung der EBA eine Rolle bei der Anpassung der Großkreditvorschriften spielen. Eine nĂ€here Analyse war der EBA unter der gegebenen Zeit allerdings nicht möglich.

Schattenbanken

Zur Behandlung von Schattenbanken verweist die EBA auf ihre finalen Leitlinien zur Begrenzung von Forderungen an Schattenbanken (EBA Leitlinien Obergrenzen fĂŒr Risikopositionen gegenĂŒber Schattenbankunternehmen, die außerhalb eines Regelungsrahmens BanktĂ€tigkeiten ausĂŒben, gemĂ€ĂŸ Artikel 395 Absatz 2 der Verordnung (EU) Nr. 575/2013 (EBA/GL/2015/20)) und schlĂ€gt vor, dass nach einem gewissen Beobachtungszeitraum eine Evaluierung der Wirksamkeit der Leitlinien durchgefĂŒhrt wird. FĂŒr weitere Einzelheiten zu den Leitlinien möchte ich Sie auf meinen Regulatory Blog Beitrag „EBA-Leitlinie zur Begrenzung von Forderungen an Schattenbanken“ vom 7. Januar 2016 hinweisen.

2. Überarbeitung der Ausnahmen von der Großkreditobergrenze

Wesentliche Teile der derzeit gĂŒltigen Ausnahmen von der Anrechnung auf die Großkreditobergrenze ergeben sich aus der nationalen Umsetzung einer Übergangsregelung der CRR (Art. 493 Abs. 3 CRR). In Deutschland wurde dem nationalen Ermessensspielraum in 2014 ĂŒber eine Novelle der GroMiKV Rechnung getragen. Die Kommission hat die EBA nun beauftragt, die Abschaffung bestimmter Ausnahmen zu prĂŒfen, um insbesondere die nationalen Unterschiede in der Umsetzung der Ausnahmereglungen zu reduzieren und die aktuellen Vorgaben an das Baseler Rahmenwerk anzugleichen. Die EBA ist dabei zu den folgenden wesentlichen Erkenntnissen gekommen:

  • Nach Ansicht der EBA sollte die Ausnahmereglung fĂŒr Risikopositionen gegenĂŒber regionalen oder Zentralkreditinstituten innerhalb eines Verbunds Art. 400 Abs. 2 Buchstabe d CRR nicht abgeschafft werden, da dies die DiversitĂ€t des europĂ€ischen Bankenmarkts untergraben könnte. In Deutschland wurde die Ausnahmeregelung zwar nur teilweise umgesetzt, denn nach § 2 Abs. 5 GroMiKV können Beteiligungen an regionalen oder Zentralkreditinstituten innerhalb eines Verbunds nur zu 50% von der Anrechnung auf die Großkreditobergrenze ausgenommen werden. Dennoch wĂ€ren nach den Auswertungen der EBA rund 30% der deutschen Institute (insb. im Genossenschaftssektor) von der Abschaffung der Ausnahmeregelung betroffen.
  • Die Analyse der EBA hat ergeben, dass zwar nur sehr wenige Institute die Ausnahmereglung fĂŒr Interbankenforderungen zur Förderung bestimmter Wirtschaftssektoren Art. 400 Abs. 2 Buchstabe e CRR in Anspruch nehmen, dennoch sollte nach ihrer Auffassung diese Ausnahmeregelung nicht abgeschafft werden, da diese spezielle Wirtschaftssektoren fördert, die sich sonst nur eingeschrĂ€nkt (re-)finanzieren könnten. Eine Abschaffung der in Deutschland in § 1 Abs. 10 GroMiKV geregelten Ausnahme fĂŒr Förderkredite wĂŒrde nach den Auswertungen der EBA rund 10% der deutschen Institute betreffen und könnte in diesen FĂ€llen zu signifikanten GroßkreditĂŒberschreitungen fĂŒhren.
  • Die in Deutschland angewandte Ausnahmeregelungen fĂŒr Forderungen gegenĂŒber anerkannten Börsen Art. 400 Abs. 2 Buchstabe k CRR soll nach EinschĂ€tzung der EBA gestrichen werden, da die wenigsten Aufsichtsbehörden diese Ausnahmeregelungen eingefĂŒhrt haben und somit die Auswirkungen insgesamt gering wĂ€ren. In Deutschland wenden laut EBA fĂŒnf Institute die in § 1 Abs. 9 GroMiKV umgesetzte Ausnahmeregelung an. Die Analyse der EBA hat jedoch ergeben, dass eine Abschaffung keine materielle Auswirkung auf diese Institute hĂ€tte.
  • Die EBA teilt die EinschĂ€tzung aus dem Baseler Rahmenwerk, dass die Ausnahmereglung fĂŒr Overnight Intrabankenforderungen, die nicht auf eine wichtige HandelswĂ€hrung lauten (Art. 400 Abs. 2 Buchstabe f CRR), gestrichen werden sollte, da dies eine Vereinfachung der bestehenden Großkreditregelungen mit sich bringen wĂŒrde und die wenigsten Aufsichtsbehörden diese Ausnahmeregelungen eingefĂŒhrt haben. In Deutschland wĂ€re laut EBA mit rund 6% der Institute nur ein unwesentlicher Teil von einer Abschaffung der in § 1 Abs. 3 GroMiKV geregelten Ausnahme betroffen. Überdies hĂ€tte die Abschaffung keine materielle Auswirkung auf die betroffenen Institute.
  • Auch hinsichtlich der Ausnahmeregelung zu Garantien bei der Emission von Hypothekenanleihen Art. 400 Abs. 2 Buchstabe j CRR vertritt die EBA die Meinung, dass diese gestrichen werden sollte, da eine Vereinfachung der bestehenden Regelungen erzielt werden kann, ohne großen Einfluss auf die Einhaltung der Großkreditanforderungen zu haben. Bezogen auf Deutschland hat die Analyse der EBA ergeben, dass kein deutsches Institut von der Ausnahmeregelung gem. § 1 Abs. 8 GroMiKV Gebrauch macht.

3. Weitere wesentliche Themen

Als weitere Großkreditaspekte, die im Rahmen der Regelwerkanpassung ĂŒberarbeitet werden könnten, hat die EBA die Vorgaben zur Bildung von Gruppen verbundener Kunden, einheitliche Regelungen bei GroßkreditgrenzĂŒberschreitungen sowie die allgemeinen Meldepflichten identifiziert.

Gruppe verbundener Kunden

Bei den in der CRR formulierten Regelungen zur Bildung von Gruppen verbundener Kunden (GvK) sind keine wesentlichen VerĂ€nderungen zu erwarten. Vielmehr soll an dieser Stelle auf die EBA-Guidelines zur Bildung von Gruppe verbundener Kunden (EBA Consultation Paper on Guidelines on Connected Clients under Article 4 (1) (39) of Regulation (EU) No 575/2013 (EBA/CP/2016/09) verwiesen werden (vgl. Regulatory Blog Beitrag „EBA veröffentlicht Konsultationspapier zur Bildung von Gruppen verbundener Kunden“ vom 3. August 2016).

Einheitliche Regelungen bei GroßkreditgrenzĂŒberschreitungen

In der CRR sind keine konkreten Maßnahmen im Falle von GroßkreditgrenzĂŒberschreitungen definiert, weshalb in den jeweiligen Jurisdiktionen unterschiedliche Anforderungen an die Institute gestellt werden. Um ein einheitliches Vorgehen gewĂ€hrleisten zu können, empfiehlt die EBA bspw. durch Guidelines die Anforderungen in Art. 396 Abs. 1 CRR zu spezifizieren.

Allgemeine Meldepflichten

Nach Auffassung der EBA sollten die allgemeinen Großkredit-Meldepflichten in Art. 394 CRR dahingehend erweitert werden, dass zukĂŒnftig alle Institute ihre Risikopositionen ab einer absoluten Untergrenze von € 300 Mio melden mĂŒssen – unabhĂ€ngig von der Überschreitung der Großkreditmeldeschwelle von 10% der anrechenbaren Eigenmittel. Ziel der Erweiterung der Meldepflichten ist insbesondere, einen besseren Überblick ĂŒber die Risikoprofile der Institute sowie ĂŒber die Verflechtungen einzelner Institute untereinander und die potenziellen Systemrisiken zu gewinnen. Bisher geht diese zusĂ€tzliche Meldepflicht aus den Anforderungen zur FINREP-Meldung hervor und gilt somit ausschließlich fĂŒr Institutsgruppen, die eine FINREP-Meldung abgeben mĂŒssen.

Fazit

Die EBA kommt im Rahmen ihres Reviews in weiten Teilen zu Ă€hnlichen Ergebnissen wie das BCBS und empfiehlt insbesondere an den folgenden Stellen eine Überarbeitung des aktuellen CRR-Großkreditregelwerks:

  • Die anrechenbaren Eigenmittel sollen kĂŒnftig ausschließlich aus Kernkapital bestehen und die vom BCBS vorgeschlagene besondere Limitierung von Forderungen zwischen G-SIBs auf 15 % der anrechenbaren Eigenmittel soll in der EU umgesetzt werden.
  • Immobiliensicherheiten sollen zukĂŒnftig grundsĂ€tzlich als Möglichkeit der Kreditrisikominderung fĂŒr Großkreditzwecke wegfallen. Eine weitergehende Analyse der restlichen Kreditrisikominderungstechniken scheiterte laut EBA bisher an der aktuellen Datenlage.
  • Die EBA empfiehlt zudem, die Ausnahmeregelungen fĂŒr Risikopositionen gegenĂŒber regionalen oder Zentralkreditinstituten innerhalb sowie fĂŒr Förderkredite beizubehalten. Diese sind nach den EBA-Auswertungen insbesondere auch fĂŒr deutsche Institute von besonderer Bedeutung. Die Abschaffung der restlichen zu untersuchenden Ausnahmeregelungen hat laut den EBA-Analysen geringe bis keine Auswirkungen auf die Institute und sollte vor dem Hintergrund der Vereinfachung der bestehenden Großkreditregelungen entsprechend dem Baseler Rahmenwerk gestrichen werden.
  • Schließlich schlĂ€gt die EBA vor, insbesondere die allgemeinen Meldepflichten bei Krediten grĂ¶ĂŸer € 300 Mio auf alle Institute zu erweitern und die Regelungen bei GroßkreditĂŒberschreitungen EU-weit zu vereinheitlichen.
  • Ob bei der Ermittlung des KreditĂ€quivalenzbetrags fĂŒr Kontrahentenrisiken bei Derivaten – wie vom BCBS vorgesehen – ausschließlich die Regelungen des neuen SA-CCR genutzt werden dĂŒrfen, sollte nach EinschĂ€tzung der EBA erst nach einer vollstĂ€ndigen Implementierung des SA-CCR fĂŒr Solvenzzwecke entschieden werden.

Ihr Ansprechpartner fĂŒr Fragen zu Großkrediten bei PwC FS Regulatory Management: Christoph Himmelmann

Konsultationspapier der EuropĂ€ischen Kommission – Umsetzung der NSFR in der EU

Am 26. Mai 2016 hat die EuropÀische Kommission ein Konsultationspapier zum Thema Umsetzung der Net Stable Funding Ratio (NSFR) in der EuropÀischen Union (Consultation Document: On Further Considerations for the implementation of the NSFR in the EU) veröffentlicht.

AusfĂŒhrliche Informationen zur NSFR finden sich im Regulatory Blog Beitrag: „LiquiditĂ€tsmeldewesen im Wandel – Teil 2: Finales Papier des Baseler Ausschusses zur Net Stable Funding Ratio“ vom 05. November 2015. Zudem hat der Baseler Ausschuss fĂŒr Bankenaufsicht zuletzt ein lang erwartetes FAQ-Dokument zur NSFR veröffentlicht (Basel III – The Net Stable Funding Ratio: frequently asked questions (BCBS 375)).

Hintergrund

Bereits im Dezember 2015 hat die EBA in ihrer Stellungnahme zur Kalibrierung der NSFR im europĂ€ischen Kontext eine Reihe von VorschlĂ€gen fĂŒr den Umgang mit europĂ€ischen Besonderheiten konkretisiert (EBA Report on Net Stable Funding Requirements under Article 510 of the CRR (EBA/OP/2015/22)). Daneben lassen zahlreiche RĂŒckmeldungen der Konsultation „Call for Evidence – EU Regulatory Framework for Financial Services“ („Call for Evidence“) der EuropĂ€ischen Kommission den Schluss zu, dass mit EinfĂŒhrung der NSFR die Finanzierung der Real-Wirtschaft eingeschrĂ€nkt werden könnte.

Im Zuge des Gesetzgebungsverfahrens der EuropĂ€ischen Kommission zur EinfĂŒhrung der NSFR soll die Konsultation zur Umsetzung der NSFR dazu dienen, den EBA-Report zu ergĂ€nzen sowie die RĂŒckmeldungen des „Call for Evidence“ zu konkretisieren.

Wesentliche Inhalte

  • Auswirkungen einer NSFR Implementierung

Die EBA kommt in Ihrer Stellungnahme zu dem Schluss, dass sich die BCBS Standards zur NSFR nicht nachteilig auf die Kreditvergabe, VermögensmĂ€rkte oder Handelsbuchpositionen von Finanzinstituten auswirken. Andererseits deuten RĂŒckmeldungen des „Call for Evidence“ der EuropĂ€ischen Kommission auf Auswirkungen u.a. auf den Bond-MĂ€rkten hin. Da möglicherweise betroffene BankaktivitĂ€ten, Transaktionen oder GeschĂ€ftsmodelle nicht hinreichend konkretisiert wurden, bittet die EuropĂ€ische Kommission neben Angaben ĂŒber die erwarteten EinschrĂ€nkungen um genauere RĂŒckmeldungen zu den Effekten einer NSFR-EinfĂŒhrung.

  • Derivative Transaktionen

Zur Ermittlung des erforderlichen Betrags an stabiler Refinanzierung fĂŒr Derivatekontrakte schlĂ€gt der BCBS NSFR Standard ein mehrstufiges Vorgehen vor, welches zur Konsultation steht: Im ersten Schritt werden Derivateforderungen bzw. –verbindlichkeiten anhand ihrer positiven bzw. negativen Wiederbeschaffungswerte bestimmt und mit erhaltenen bzw. gestellten Sicherheiten (Variation Margins) verrechnet. Im nĂ€chsten Schritt werden die ermittelten Derivateverbindlichkeiten mit den Derivateforderungen aufgerechnet. WĂ€hrend ein Überhang an Derivateverbindlichkeiten nicht als Quelle stabiler Refinanzierungsmittel angesehen wird, muss ein Überhang an Derivateforderungen mit stabilen Refinanzierungsmitteln unterlegt werden (RSF 100%). ZusĂ€tzlich verlangt der BCBS NSFR Standard verfĂŒgbare stabile Refinanzierung in Höhe von 20% der Derivateverbindlichkeiten vor Aufrechnung von Sicherheiten.

Die EBA unterstĂŒtzt die Vorgehensweise sowie den 20%-igen RSF-Aufschlag fĂŒr Derivateverbindlichkeiten, da SicherheitennachschĂŒsse angemessen abgebildet wĂŒrden. Die EuropĂ€ische Kommission sieht hingegen die Dynamik eines Derivateportfolios ĂŒber ein Jahr nicht angemessen berĂŒcksichtigt, weswegen das zukĂŒnftige Funding Risiko unter- bzw. ĂŒberschĂ€tzt werden kann. Derzeit prĂŒft die EuropĂ€ische Kommission die Verwendung andere Methoden zur Bestimmung des zukĂŒnftigen Funding Risikos von Derivateverbindlichkeiten und schlĂ€gt insbesondere den Standardised Approach fĂŒr Counterparty Credit Risk (SA-CRR) als einen risikoorientierten Ansatz zur Konsultation vor.

  • Kurzfristige Transaktionen zwischen Finanzinstituten

Der BCBS NSFR Standard sieht eine asymmetrische Behandlung von kurzfristigen Kreditvergaben (inkl. Reverse Repos) an Finanzinstitute bzw. aufgenommene Refinanzierungsmittel (inkl. Repos) von Finanzinstituten vor. Refinanzierungsmittel mit einer Laufzeit bis zu sechs Jahren erhalten einen ASF-Faktor von 0%. FĂŒr die kurzfristige Kreditvergabe an andere Finanzinstitute wird je nach Art der Besicherung hingegen ein RSF-Faktor von 10% bzw. 15% gewĂ€hlt. Die EuropĂ€ische Kommission stellt diese Vorgehensweise zur Konsultation und bittet um VorschlĂ€ge fĂŒr alternative Vorgehensweisen.

  • Anwendung des ProportionalitĂ€tsprinzips

FĂŒr den Anwendungsbereich der NSFR auf europĂ€ischer Ebene schlĂ€gt die EuropĂ€ische Kommission ein analoges Vorgehen wie fĂŒr den Anwendungsbereich der LCR vor und bittet um RĂŒckmeldung an welchem Kriterium das ProportionalitĂ€tsprinzip ausgerichtet werden kann.

Ausblick / Fazit

Finanzinstitute sollten die Konsultation nutzen, um sich genauer mit den Auswirkungen der NSFR auf ihr Institut zu beschĂ€ftigen. Einen Überblick gibt das Poster zur Übersicht der LiquiditĂ€tsanforderungen von PwC. Es zeigt die gesetzlichen Grundlagen sowie das Zusammenspiel der einzelnen Regelungen untereinander (die Auswirkungen in den einzelnen SĂ€ulen der Bankenaufsicht), die einzuhaltenden Quoten, relevante Meldetermine und viele weitere wichtige Informationen rund um das Themengebiet LiquiditĂ€t.

 

EZB – Bericht des SSM zu Governance und Risikobereitschaft

Die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) hat am 21. Juni 2016 die Ergebnisse ihrer thematischen ÜberprĂŒfung zu Governance und Risikobereitschaft bei allen Leitungsorganen bedeutender Institute des Euroraumes veröffentlicht. Diese Veröffentlichung gibt eine Bestandsaufnahme im Hinblick auf die Umsetzung der GrundsĂ€tze des Single Supervisory Mechanism (SSM) wieder.

Der Bericht umfasst zwei Teile: Teil I behandelt die Governance (Organisation, Zusammensetzung, Diskussionskultur und Dokumentation der Entscheidungsprozesse), Teil II die Ausgestaltung und Umsetzung des Rahmens fĂŒr die Risikobereitschafts (Risk Appetite Framework (RAF). (Zu den Ergebnissen der ÜberrĂŒfung der Risikobereitschaft verweisen wir auf den Risk Blog Beitrag: „ErklĂ€rung der EZB-Bankenaufsicht zur internen Governance und zum Risikoappetit„).

 Hintergrund

 Die interne Governance und das Risikomanagement eines Instituts sind zentrale Aspekte im Rahmen des Single Supervisoy Mechanism (SSM). Die Beurteilung der Funktionsweise der internen FĂŒhrungsstrukturen und der internen Kontrollen spielt im jĂ€hrlichen aufsichtlichen ÜberprĂŒfungs- und Bewertungsprozess (Supervisory Review and Evaluation Process – SREP) eine wichtige Rolle (dazu auch Regulatory Blog Beitrag: „Update zu den Finalen Guidelines for the SREP“ vom 06. Februar 2016).

Auswirkungen

Der Bericht hat keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Institute. Er zeigt jedoch die aufsichtlichen Erwartungen der EZB gegenĂŒber den bedeutenden Instituten auf und gibt Empfehlungen und UnterstĂŒtzung fĂŒr “good“ Governance-Praktiken. Dabei orientiert sich die EZB eng an den Standards des Baseler Ausschusses fĂŒr Bankenaufsicht (BCBS) zur Ausgestaltung der Governance (Principles of Good Governance (BCBS 328), siehe dazu auch Regulatory Blog Beitrag: „Guidelines on Corporate Governance Principles for banks“ vom 25. August 2015).

Wesentliche Ergebnisse der Untersuchung

 Zusammensetzung des Leitungsorgans (Board)

Die Zusammensetzung des Leitungsorgans in seiner Aufsichtsfunktion (d.h. Aufsichts- oder Verwaltungsrat) ist ein SchlĂŒsselfaktor fĂŒr eine effektive AufgabenerfĂŒllung. Im Rahmen der thematischen ÜberprĂŒfung wurde untersucht, ob das Leitungsorgan in seiner Gesamtheit im Hinblick auf Wissen, Erfahrung und DiversitĂ€t in der Lage ist, seinen Überwachungsaufgaben sachgerecht nachzukommen.

  • GrĂ¶ĂŸe und Struktur

Eine große Anzahl von Mitgliedern im Leitungsorgan kann einer aktiven Debatten- und Kommunikationskultur entgegenstehen. Institute, bei denen die GrĂ¶ĂŸe des Leitungsorgans eine interaktive Diskussion erschwert, sind aufgefordert, intern zu untersuchen, inwieweit dies die AufgabenerfĂŒllung des Leitungsorgans beeintrĂ€chtigt und ggf. entsprechende Maßnahmen ergreifen.

Kleine Leitungsorgane dagegen können die Anforderungen an DiversitĂ€t bei der Zusammensetzung nicht immer erfĂŒllen. Um einen stĂ€rkeren Fokus auf einzelne Spezialbereiche legen zu können, ist die EZB der Ansicht, dass alle bedeutenden beaufsichtigten Gruppen einen separaten Risiko- und PrĂŒfungsausschuss haben sollten. Was die Zusammensetzung und Struktur der AusschĂŒsse betrifft, folgt die EZB den Leitlinien des BCBS zur Corporate Governance Principles: Risiko- und PrĂŒfungsausschuss sollten klar abgegrenzt, unterschiedlich besetzt sein und jeweils unter einem anderem, unabhĂ€ngigen Vorsitz stehen.

  • UnabhĂ€ngigkeit

Die UnabhĂ€ngigkeit des Leitungsorgans ist wesentlich fĂŒr seine Aufsichtsfunktion.

Sowohl die formale UnabhĂ€ngigkeit als auch die von persönlicher Einstellung des Mitglieds geprĂ€gte „independence in mind“ sollten in den Instituten gestĂ€rkt werden. Formale UnabhĂ€ngigkeitskriterien basieren auf der nationalen Gesetzgebung. Die EBA hat darĂŒber hinaus Überarbeitung ihrer Leitlinien zur Beurteilung der Eignung von Mitgliedern des Leitungsorgans und von Inhabern von SchlĂŒsselfunktionen (EBA/GL/2012/06) angekĂŒndigt.

Eine Personalunion zwischen dem Vorsitzenden des Leitungsorgans und der Funktion des CEO ist zu vermeiden – ein solches „double-hatting“ bedarf der Genehmigung der EZB. Die Erlaubnis wird restriktiv gehandhabt.

Interessenkonflikte, die die UnabhĂ€ngigkeit der Entscheidungen der Organmitglieder beeintrĂ€chtigen könnten sollten nicht bestehen. Als Teil der laufenden Überwachung innerhalb des SSM werden die Joint Supervisory Teams auch prĂŒfen, ob die Institute einen entsprechenden Rahmen festgelegt haben, um mit potentiellen Interessenkonflikte sachgerecht umzugehen bzw. diese zu vermeiden.

  • Kollektives Fachwissen und DiversitĂ€t

Das Leitungsorgan muss im Kollektiv das erforderliche bankspezifische Fachwissen besitzen. Die ÜberprĂŒfung hat ergeben, dass insbesondere in den Bereichen IT und Accounting in den beaufsichtigten Instituten die erforderliche Expertise im Leitungsorgan nicht immer ausreichend gegeben ist. Diese WissenslĂŒcken zu identifizieren und Abhilfe zu schaffen ist eine wesentliche Aufgabe des Nominierungsausschusses. Empfehlenswert ist nach Ansicht der EZB, bei der Nominierung von Mitgliedern des Leitungsorgans bereits die kĂŒnftige GeschĂ€ftsentwicklung und –ausrichtung zu berĂŒcksichtigen. Mit zusĂ€tzlichen umfassenden und maßgeschneiderten Trainingsprogramme sollten WissenslĂŒcken geschlossen bzw. Fachkenntnisse aktualisiert werden.

  • Nachfolgeplanung

Fehlende oder unzureichende Nachfolgeplanung gefĂ€hrdet die AusĂŒbung der Aufsichtsfunktion vor allem dann, wenn spezielles Fachwissen des Gremiums bei einigen wenigen Mitgliedern konzentriert ist und ein hĂ€ufiger Wechsel der Organmitglieder erfolgt oder mehrere Organmitglieder gleichzeitig ausscheiden. Die EZB erwartet, dass in den Instituten fĂŒr die Nachfolgeplanung Prozesse existieren, die unter anderem die Folgen eines gleichzeitigen Ausscheidens mehrerer Mitglieder abfedern können. Es wird daher empfohlen, Anforderungsprofile fĂŒr Organmitglieder im Vorhinein festzulegen oder eine Liste potentieller Nachfolgekandidaten zu fĂŒhren.

Funktionsweise des Leitungsorgans

Die QualitĂ€t der internen Diskussion und die FĂ€higkeit der Leitungsorganmitglieder zur unabhĂ€ngigen und kritischen Auseinandersetzung mit der operativen GeschĂ€ftsleitung sieht die EZB in der Mehrheit der Institute als verbesserungswĂŒrdig an. Dies kann nach ihrer Meinung durch verschiedene Maßnahmen erreicht werden.

  • Organisation des Leitungsorgans

Die interne Diskussionskultur wird zum einen durch die HĂ€ufigkeit der Sitzungen gefördert. Leitungsorgan und bedeutende AusschĂŒsse sollten regelmĂ€ĂŸig und ausreichend lange tagen. Empfehlenswert ist zum Beispiel ein Turnus von 6-8 Sitzungen im Jahr fĂŒr den Risiko- und PrĂŒfungsausschuss bei grĂ¶ĂŸeren Instituten bzw. vierteljĂ€hrliche Treffen bei kleineren Instituten. Eine intensive Vorbereitung der Mitglieder auf die Sitzungen ist unerlĂ€sslich fĂŒr eine aktive und kritische Debatte. Die Vorabinfomation der Mitglieder muss rechtzeitig erfolgen – eine Frist von mindestens fĂŒnf Arbeitstagen hĂ€lt die EZB fĂŒr sinnvoll.

Bei der Festlegung der Sitzungsagenda erwartet die EZB eine deutlich proaktivere Rolle der Organmitglieder. Insbesondere soll das Leitungsorgan sicherstellen, dass ein umfassendes Themenspektrum in AbhĂ€ngigkeit von GrĂ¶ĂŸe, KomplexitĂ€t, GeschĂ€ftsmodell und Risiko des Instituts zur Sprache kommt. Eine auf das Sitzungsjahr ausgerichtete und gleichzeitig regelmĂ€ĂŸige aktualisierte Themenplanung unterstĂŒtzt dies. Ein InformationsgefĂ€lle zwischen den einzelnen Mitgliedern verhindert die Interaktion im Leitungsorgan. Entsprechend empfiehlt die EZB, allen Mitgliedern Zugang zu den in den AusschĂŒssen diskutierten Informationen zu gewĂ€hren.

Das zeitliche Engagement der Organmitglieder ist fĂŒr die EZB eine wichtige Voraussetzung fĂŒr eine aktive Wahrnehmung der Aufsichtsfunktion und wird im Rahmen des SREP aktiv von ihr ĂŒberwacht werden.

  •  Interaktion zwischen den Leitungsorganmitgliedern

Ein MachtgefÀlle zwischen den einzelnen Mitgliedern des Leitungsorgans steht einer offenen Diskussion und damit einer erfolgreichen Aufsicht entgegen. Die EZB sieht hier den Vorsitzenden des Leitungsorgans in besonderer Verantwortung: Seine Aufgabe sollte sein, kritische Diskussionen zu fördern und die Mitglieder zu ermutigen, auch abweichende Meinungen zu vertreten.

  • QualitĂ€t der Dokumentation

Entscheidungen zum GeschÀftsmodell oder zum Risikomanagement können im Board nur auf der Grundlage richtiger und umfassender Informationen getroffen werden.

Die EZB sieht Verbesserungsbedarf bei der PrÀgnanz und Eindeutigkeit der Dokumentation, bei den Auswirkungen von aggregierten Daten auf die QualitÀt der Risikoreports und bei der Detailtiefe der Sitzungsprotokolle.

Auch sehr technisch/fachlich relevante Inhalte sollten maßgeschneidert fĂŒr die BedĂŒrfnisse des Leitungsorgans aufbereitet werden (z.B. mit ergĂ€nzenden Zusammenfassungen, Herausstreichen der Risiken, Möglichkeiten, Kosten-Nutzen Analysen etc.).

Aus der Dokumentation sollte klar hervorgehen, welche Themen in den Sitzungen behandelt wurden, welche Empfehlungen getÀtigt und welche Entscheidungen getroffen bzw. welche abweichenden Meinungen kundgetan wurden.

  • Beaufsichtigung der internen Kontrollfunktionen

Die ÜberprĂŒfung hat gezeigt, dass die Aufsicht des Leitungsorgans ĂŒber die internen Kontrollfunktionen (Risikomanagement Funktion, Compliance, Interne Revision) weiter gestĂ€rkt werden muss. Das betrifft sowohl die regelmĂ€ĂŸige Berichterstattung durch die internen Kontrollfunktionen als auch die Einbindung des Leitungsorgans bei der EinschĂ€tzung der Wirksamkeit der internen Kontrollfunktionen. Wichtig ist hierfĂŒr der direkte Zugang des Aufsichtsorgans zu den jeweiligen Leitern der Kontrollfunktionen. Direkte Berichtswege der Kontrollfunktionen an das Leitungsorgan sowie eine regelmĂ€ĂŸige Berichterstattung (ggf. deutlich hĂ€ufiger als einmal im Jahr) unterstĂŒtzen dies ebenfalls.

Fazit

Die im Rahmen der ÜberprĂŒfung formulierten Anforderungen an die Leitungsorgane sind nicht neu, sondern sind bereits jetzt Bestandteil der PrĂŒfungsprozesse der Bankaufsichtsbehörden sowohl auf europĂ€ischer wie internationaler Ebene. Allerdings wird man davon ausgehen können, dass die EZB immer genauer darauf achtet, ob die bankinterne Überwachung funktioniert. Die aus dem Bericht folgenden Anforderungen an das Leitungsorgan können auf die einfache Formel gebracht werden: „supervisory boards have to be independent and intrusive; they have to be impartial and, at times, troublesome; they have to ask questions and they have to exert judgement. Eventually, they have to become an independent voice that is heard by senior management.” (Enhanced dialogue between Boards and Supervisors: Towards a sound governance framework, Speech by DaniĂšle Nouy, Chair of the Supervisory Board of the SSM)

Basel IV Channel – Episode 5: Constraints on the use of Internal Models: Basel und EBA / ECB

Nachdem wir in den vorangegangenen Ausgaben des Basel IV Channel am 13. Mai und 17. Juni 2016 die Neuerungen bei den Marktrisiken vorgestellt haben, wenden wir uns im 5. Basel IV Channel erneut dem Kreditrisiko zu. Diesmal stehen die QualitÀt Interner Modelle und die Zukunft des Internal Rating Based Approach (IRBA) im Fokus unseres kommenden Basel IV Channels. 

Der Baseler Ausschuss fĂŒr Bankenaufsicht hat im MĂ€rz 2016 ÄnderungsvorschlĂ€ge zum Internal Rating Based Approach (IRBA), sowohl bzgl. des fortgeschrittenen (A-IRB) als auch des Basis-IRB (F-IRB)veröffentlicht („Reducing variation in credit risk-weighted assets – constraints on the use of internal model approaches“ – Consultative Document BCBS 362). Ziel dieser VorschlĂ€ge ist es, die QualitĂ€t der Internen Modelle zu stĂ€rken. Die gleich Zielrichtung – wenn auch mit anderen Mitteln – verfolgen die bereits lĂ€nger bekannten PlĂ€ne der European Banking Authority (EBA) „Future of the IRB Approach“.
Und last but not least hat die EuropÀische Zentralbank (EZB) im Rahmen des Single Supervisory Mechanism mit
dem Targeted Review of Internal Models (TRIM) ein mehrjĂ€hriges ÜberprĂŒfungsverfahren fĂŒr  interne Modelle angekĂŒndigt.  

Die aus diesen Initiativen folgenden Neuerungen sind Thema unseres nÀchsten Termins am:

15. Juli 2016

Constraints on the use of Internal Models: Basel (BCBS 362) und EBA / ECB 

Wir laden Sie herzlich ein, sich kostenfrei und unverbindlich zu dem genannten Termin anzumelden. Hier geht es direkt zur Anmeldeseite fĂŒr unseren Basel IV Channel. (Alle Teilnehmer der vorherigen Veranstaltungen erhalten automatisch eine Einladung per E-Mail). Bitte melden Sie sich unter dem MenĂŒpunkt „Anmeldung“ bis spĂ€testens einen Tag vor dem jeweiligen Termin an. Sie werden live durch die Veranstaltung gefĂŒhrt. Der Channel wird ca. 15 bis 30 Minuten dauern.

Im August macht der Basel IV Channel eine Sommerpause. Wir wĂŒnschen Ihnen eine erholsame Ferienzeit und begrĂŒĂŸen Sie im September wieder mit einem neuen Thema im Basel IV Channel.

Sie haben den letzten Basel IV Channel verpasst ? Hier können Sie die Aufzeichnung aller bisherigen Webinars nachtrÀglich anschauen. Alle Webinars dieser Reihe finden Sie in unserem PwC Basel IV Channel auf Youtube.com.

Wir freuen uns, Sie zu unserem nĂ€chsten Termin begrĂŒĂŸen zu dĂŒrfen!

Herzlichst Ihr Martin Neisen,

Global Basel IV Leader

Aktuelle Kapitalpufferanforderungen sowie Berechnung der zusÀtzlichen Kapitalanforderungen im Zusammenhang mit dem SREP

Die regulatorischen Eigenkapitalanforderungen an Banken wurden durch die Vorgaben der Eigenkapitalverordnung (Capital Requirements Regulation 575/2013 (CRR)) deutlich ausgeweitet. Als Reaktion auf die Finanzmarktkrise wurde die Mindestquote fĂŒr das vorzuhaltende harte Kernkapital erhöht. ZusĂ€tzlich wurden die qualitativen Kriterien fĂŒr die Eigenkapitalbestandteile verschĂ€rft, um die VerlustabsorptionsfĂ€higkeit der Banken zu erhöhen. DarĂŒber hinaus wurden im Zuge der Umsetzung der CRD IV (Richtlinie 2013/36/EU) weitere Kapitalpuffer in das Kreditwesengesetz eingefĂŒhrt, um die WiderstandsfĂ€higkeit der Banken zu stĂ€rken (vgl. hierzu auch den Blogbeitrag „ Update: Neue BeschlĂŒsse zum CRD IV-Umsetzungsgesetz vom 23. Mai 2013).

Aktuelle Regelungen zu Kapitalpuffern (SĂ€ule I)

  • Kapitalerhaltungspuffer (§ 10c KWG)

Seit dem 01.01.2016 haben alle Banken schrittweise ĂŒber einen Zeitraum von drei Jahren hinweg den aus hartem Kernkapital bestehenden Kapitalerhaltungspuffer aufzubauen. Er soll die Institute befĂ€higen, bis zu einem gewissen Grad Verluste auffangen zu können, ohne die Mindesteigenkapitalanforderungen zu unterschreiten. Seine ZielgrĂ¶ĂŸe betrĂ€gt 2,5% der RWA (des Gesamtforderungsbetrages nach Art. 92 Abs. 3 CRR).

  • Antizyklischer Kapitalpuffer (§ 10d KWG)

Mit dem institutsspezifischen antizyklischen Kapitalpuffer soll zur Begrenzung ĂŒbermĂ€ĂŸigen Kreditwachstums ein zusĂ€tzlicher Kapitalpuffer aus hartem Kernkapital aufgebaut werden, der in Krisenzeiten dazu beitragen soll, dass Banken ihr Kreditangebot nicht zu stark einschrĂ€nken. Dieser Puffer kann bis zu 2,5% betragen (mit einer dreijĂ€hrigen Aufbauphase). Der Betrag fĂŒr den inlĂ€ndischen antizyklischen Kapitalpuffer wird auf Basis gesamtwirtschaftlicher Datenanalysen vierteljĂ€hrlich durch die Bundesanstalt fĂŒr Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) festgelegt. Derzeit betrĂ€gt er fĂŒr Deutschland 0%. Sofern eine Bank maßgebliche Kredite in andere LĂ€nder vergeben hat, erfolgt die Ermittlung des institutsspezifischen antizyklischen Kapitalpuffers als gewichteter Durchschnitt der in- und auslĂ€ndischen antizyklischen Kapitalpuffer. Übersichten zu den Quoten fĂŒr den antizyklischen Kapitalpuffern finden sich auf den Homepages des European Systemic Risk Board (ESRB) sowie des Baseler Ausschusses fĂŒr Bankenaufsicht (BCBS).

  • Kapitalpuffer fĂŒr systemische Risiken (§ 10e KWG)

Den Aufbau dieses Kapitalpuffers mittels hartem Kernkapital kann die BaFin zur Abfederung systemischer oder makroprudenzieller Risiken, die zu einer SystemgefĂ€hrdung fĂŒhren können, anordnen, wobei in AbhĂ€ngigkeit von der Höhe des Kapitalpuffers, im KWG genannte, europĂ€ische Institutionen und Behörden vorab zu unterrichten bzw. um Zustimmung zu bitten sind. Eine entsprechende Anordnung ist nur zulĂ€ssig, sofern keine anderen Maßnahmen nach dem KWG und der CRR zur Abmilderung dieser Risiken zur VerfĂŒgung stehen. Adressat soll nicht ein einzelnes Institut, sondern alle Institute oder bestimmte Arten oder Gruppen von Instituten sein. Der Puffer kann nur fĂŒr Risikopositionen gelten, die in einem Mitgliedstaat belegen sind, oder er kann fĂŒr Institute auf Gruppen- oder Einzelebene (gewissermaßen grenzĂŒberschreitend) angeordnet werden. Der Puffer betrĂ€gt mindestens 1%, ist aber nach oben unbeschrĂ€nkt. Derzeit besteht keine Anordnung der BaFin zum Vorhalten dieses Puffers.

  • Kapitalpuffer fĂŒr global systemrelevante Institute (§ 10f KWG)

Global-systemrelevante Institute (G-SIBs) haben ab 2016 einen zusĂ€tzlichen Kapitalpuffer von 1% bis 3,5% in Form von hartem Kernkapital auf konsolidierter Ebene vorzuhalten. Mit diesem Puffer soll zum einen die WiderstandsfĂ€higkeit von großen, international tĂ€tigen Banken gestĂ€rkt werden. Zum anderen soll im Falle einer Schieflage das Vorhandensein ausreichender Eigenmittel dazu beitragen, eine geordnete Abwicklung zu gewĂ€hrleisten. Die jeweils aktuelle Liste der global systemrelevanten Banken findet sich auf der Homepage des FinanzstabilitĂ€tsrats (Financial Stability Board (FSB)). In Deutschland erfolgt die Identifizierung der betreffenden Institute durch die nationale Aufsicht nach Maßgabe der Kriterien fĂŒr die globale Systemrelevanz (Delegierte VO (EU) 1222/2014 vom 08. Oktober 2014 zur ErgĂ€nzung der Richtlinie 2013/36/EU des EuropĂ€ischen Parlaments und des Rates durch technische Regulierungsstandards zur Festlegung der Methode zur Bestimmung global systemrelevanter Institute und zur Festlegung der Teilkategorien global systemrelevanter Institute). Derzeit muss nur die Deutsche Bank einen zusĂ€tzlichen Kapitalpuffer fĂŒr G-SIBs von insgesamt 2,0% in hartem Kernkapital bilden. Der stufenweise Aufbau hat von Januar 2016 bis Januar 2019 zu erfolgen.

  • Kapitalpuffer fĂŒr anderweitig systemrelevante Institute (§ 10g KWG)

Um der Systemrelevanz einzelner Institute auf nationaler Ebene Rechnung zu tragen, identifizieren BaFin und Deutsche Bundesbank gemeinsam die sogenannten anderweitig systemrelevanten Institute (GrundzĂŒge der Methode zur Bestimmung anderweitig systemrelevanter Institute (A-SRI)). Die Ermittlung erfolgt entsprechend den Vorgaben des § 10g Abs. 2 KWG unter BerĂŒcksichtigung der einschlĂ€gigen EBA-Leitlinien fĂŒr die Kriterien zur Bewertung von anderweitig systemrelevanten Instituten (Leitlinien fĂŒr die Kriterien zur Festlegung der Anwendungsvoraussetzungen fĂŒr Art. 131 Absatz 3 der Richtlinie 2013/36/EU (CRD) in Bezug auf die Bewertung von anderweitig systemrelevanten Instituten (A-SRI) (EBA/GL/2014/10)). Im Juni 2016 hat die BaFin eine Liste der 16 Institute mit Sitz in Deutschland, die als anderweitig systemrelevant identifiziert wurden, veröffentlicht („In Deutschland identifizierte anderweitig systemrelevante Institute und deren Kapitalpuffer“) Sie sind verpflichtet, einen institutsindividuellen Kapitalpuffer aus hartem Kernkapital (A-SRI-Puffer) von bis zu 2% der RWA auf konsolidierter Ebene vorzuhalten. Die Höhe dieses institutsindividuellen Kapitalpuffers hĂ€ngt vom Grad der Systemrelevanz des jeweiligen Instituts ab. Der A-SRI-Puffer ist ab dem 01.01.2017 vorzuhalten und erhöht sich schrittweise, bis er zum 01.01.2020 vollstĂ€ndig einzuhalten ist.

Vorgaben zur Berechnung des SREP-Zuschlag (SĂ€ule II)

Die EBA fordert in ihren Leitlinien zum Supervisory Review and Evaluation Process (Guidelines on common procedures and methodologies for the supervisiory review and evaluation process (SREP), (EBA/GL/2014/13), dass die zustĂ€ndigen Behörden neben den Eigenkapitalanforderungen nach der SĂ€ule I zusĂ€tzliche Eigenmittelanforderungen zur Deckung folgender Risiken bestimmen mĂŒssen:

  1. das Risiko unerwarteter Verluste sowie unzureichend abgedeckter erwarteter Verluste;
  2. die Gefahr der UnterschÀtzung von Risiken aufgrund von ModellschwÀchen;
  3. Risiken im Zusammenhang mit SchwÀchen der internen Governance.

Im Zuge des SREP werden somit alle bedeutsamen Risikoarten von der Aufsicht beurteilt. FĂŒr jedes Institut wird anschließend die insgesamt angemessene Eigenmittelausstattung (bestehend aus Eigenmittelanforderungen nach SĂ€ule I zuzĂŒglich SREP-Zuschlag) festgesetzt.

Diese Vorgehensweise wird als „SĂ€ule I-plus“-Verfahren bezeichnet.

GemĂ€ĂŸ der EBA-SREP-Leitlinie stehen folgende Risikoarten im Fokus der Ermittlung des SREP-Zuschlags:

  • Bestandteile des Adressenausfall-, Markt-, und operationellen Risikos, die nicht ĂŒber die Vorgaben der CRR abgedeckt sind,
  • Kreditrisikokonzentrationen,
  • ZinsĂ€nderungsrisiken im Anlagebuch
  • ModellschwĂ€chen, die zu einer Risikounterzeichnung fĂŒhren können.

Nach der Festlegung der zusÀtzlichen Eigenmittelanforderung ist die Aufsichtsbehörde verpflichtet, diese mit den bestehenden Kapitalpufferanforderungen abzustimmen. Sofern sich sowohl Kapitalpufferanforderung als auch der SREP-Zuschlag auf dieselben Risiken oder Komponenten dieser Risiken beziehen, ist das betreffende Risiko durch den Kapitalpuffer abgedeckt und insofern keine zusÀtzliche Eigenmittelanforderung anzusetzen.

Folgende Graphik, die der BroschĂŒre der EZB zur SREP-Methodik des SSM entnommen wurde, verdeutlicht den RĂŒckgang der Nettoanforderungen bei Einbeziehung des stufenweisen Aufbaus des Kapitalerhaltungspuffers unter ansonsten gleichen Bedingungen:

Kapitalpuffer

 

Welche Kapitalpuffer können bei der Berechnung des SREP-Zuschlags BerĂŒcksichtigung finden?

Der Kapitalerhaltungspuffer als zusĂ€tzliches Schutzschild im Falle einer negativen Entwicklung des Instituts oder der MĂ€rkte kommt mit seiner umfassenden Zielsetzung als gegenrechnungsfĂ€hige Komponente in Betracht. Eine entsprechende Anrechnung des antizyklischen Puffers ist aufgrund seiner im Bereich der Kreditvergabe angesiedelten Wirkweise ebenfalls theoretisch denkbar, dĂŒrfte in der Praxis allerdings. schwer einkalkulierbar sein.

Die Kapitalpuffer zur Absicherung von Systemrelevanz (G-SIB sowie A-SRI) haben eine andere Zielrichtung als der SREP-Zuschlag, da Überlegungen einer globalen oder nationalen Systemrelevanz innerhalb des SREP keine Rolle spielen. Insofern wĂ€re eine entsprechende KĂŒrzung des SREP-Zuschlags nicht sachgerecht.

Sofern eine Pflicht zur Vorhaltung eines Kapitalpuffers fĂŒr systemische Risiken bestĂŒnde, mĂŒsste analysiert werden, fĂŒr welche Risiken dieser Puffer zu bilden ist und ob diese Risiken auch bei der Festlegung einer etwaigen zusĂ€tzlichen Eigenmittelanforderung nach SREP eine Rolle gespielt haben.

Zum Zusammenspiel der Kapitalpuffer, des SREP-Zuschlags sowie des ausschĂŒttungsfĂ€higen Höchstbetrags verweisen wir auf die BroschĂŒre der EZB zur SREP-Methodik des SSM.

Hinsichtlich des geplanten Procedere bei der bevorstehenden Festlegung einer SREP-Kapitalzuschlags bei weniger bedeutenden Institute in Deutschland vgl. „Verfahren zur Festlegung eines SREP-Kapitalzuschlags bei weniger bedeutenden Instituten“ vom 6. Juni 2016 im PwC Risk Blog.

AusĂŒbung der im Unionsrecht eröffneten Optionen und ErmessensspielrĂ€ume durch die EZB – Verordnung (EU) 2016/445

Am 24. MĂ€rz 2016 wurde die finale Verordnung (EU) 2016/445 ĂŒber die Nutzung der im Unionsrecht eröffneten Optionen und ErmessensspielrĂ€ume im Amtsblatt der EuropĂ€ischen Union (EZB/2016/4) (nachfolgend „Verordnung“) veröffentlicht.

Hintergrund

Sowohl die Richtlinie 2013/36/EU („CRD IV“) als auch die Verordnung 575/2013 („CRR“) enthalten zahlreiche Optionen und ErmessensspielrĂ€ume fĂŒr die zustĂ€ndigen Behörden, die die EZB als zustĂ€ndige Aufsichtsbehörde fĂŒr die SSM-Institute ausĂŒbt. Ziel der vorliegenden EZB Verordnung ist es, die Aufsichtspolitik ĂŒber die bedeutenden Institute zu vereinheitlichen und transparenter zu gestalten.

Wesentliche Inhalte

Die Verordnung ist fĂŒr bedeutende Institute, die unter der direkten Aufsicht der EZB stehen, unmittelbar bindend. Sie tritt grundsĂ€tzlich ab dem 1. Oktober 2016 in Kraft. Die Bestimmung zur Ausfalldefinition (Art. 178 CRR) tritt ab dem 31. Dezember 2016 in Kraft und die Regelung zu den AbflĂŒssen aus stabilen Privatkundeneinlagen (Art. 24 der Del. VO 2015/61) ab dem 1. Januar 2019. FĂŒr weniger bedeutende Institute (LSI) gelten in Deutschland weiterhin die national eingerĂ€umten Wahlrechte.

Die Verordnung beinhaltet Regelungen zu Eigenmitteln, Kapitalanforderungen, Großkrediten, LiquiditĂ€t sowie Übergangsbestimmungen. Bei Abweichungen zu den bisher national geltenden Regelungen lĂ€sst die EZB in der Regel den nationalen Bestimmungen weiterhin den Vorrang.

  • Eigenmittel

Nach der CRR können zustĂ€ndige Behörden in Bezug auf qualifizierte Beteiligungen außerhalb des Finanzsektors, deren Betrag 15% der anrechenbaren Eigenmittel des Instituts ĂŒberschreitet, das Halten dieser Beteiligungen verbieten oder die Anwendung eines Risikogewichts von 1250% fordern. Alternativ können die Institute einen Abzug von den Posten des harten Kernkapitals vornehmen. Die EZB sieht davon ab, ein Verbot fĂŒr solche qualifizierte Beteiligungen auszusprechen und entscheidet sich fĂŒr eine Risikogewichtung von 1250%.

  • Kapitalanforderungen

Kreditrisiko: Den zustĂ€ndigen Behörden wird in Art. 178 Abs. 1 Buchstabe b) CRR eingerĂ€umt, fĂŒr die Annahme des Schuldnerausfalls bei einer ÜberfĂ€lligkeit mit mehr als 90 Tagen fĂŒr durch Wohnimmobilien oder durch Gewerbeimmobilien von KMU besicherte Risikopositionen der Risikopositionsklasse „MengengeschĂ€ft“ und fĂŒr Risikopositionen gegenĂŒber öffentlichen Stellen den Zeitraum von 90 Tagen durch 180 Tage zu ersetzen. Von dieser Ersetzungsbefugnis macht die EZB keinen Gebrauch.

Marktrisiko: GemĂ€ĂŸ Art. 327 Abs. 2 CRR ist eine Aufrechnung der Positionen in Wandelanleihen gegen Positionen in den zugrunde liegenden Instrumenten nicht zulĂ€ssig, es sei denn die zustĂ€ndigen Behörden wĂ€hlen ein Verfahren, das die Umwandlungswahrscheinlichkeit einer bestimmten Wandelanleihe berĂŒcksichtigt, oder legen eine Eigenmittelanforderung zur Deckung möglicher Verluste bei der Umwandlung fest. In der Verordnung gestattet die EZB Kreditinstituten eine Aufrechnung der Positionen in Wandelanleihen gegen Positionen in den diesen zugrunde liegenden Instrumenten vorzunehmen, wenn die national zustĂ€ndige Behörde vor dem 4. November 2014 ein solches Verfahren gewĂ€hlt hat oder eine Eigenmittelanforderung zur Deckung möglicher Verluste bei der Umwandlung festgelegt hat. Die von den national zustĂ€ndigen Behörden gewĂ€hlten Verfahren sollen bis zur Verabschiedung eines eigenen Ansatzes der EZB weiterhin angewandt werden.

  • Großkredite

Großkreditobergrenzen: Die in Art. 395 Abs. 1 CRR genannte Großkreditobergrenze von 150 Mio. EUR fasst die EZB trotz der eröffneten Möglichkeit in der CRR nicht niedriger.

Anrechnungserleichterungen: Weiterhin nimmt die EZB ihren Entscheidungsspielraum im Hinblick auf die Ausnahmen von der Großkreditobergrenze gemĂ€ĂŸ Artikel 400 Abs. 2 CRR wahr und weicht damit teilweise von den Bestimmungen der GroMiKV ab. So sollen gemĂ€ĂŸ der Verordnung gedeckte Schuldverschreibungen fĂŒr 80% ihres Nennwerts von der Anwendung ausgenommen werden (abweichend: § 1 Nr. 1 GroMiKV, dort Ausnahme in voller Höhe). Allerdings gewĂ€hrt die EZB in der Verordnung den nationalen Bestimmungen Vorrang, wenn der jeweilige Mitgliedsstaat die in Art. 493 Abs. 3 CRR vorgesehene Option, die spezifischen Risikopositionen vollstĂ€ndig oder teilweise auszunehmen, genutzt hat. Mit dem Erlass der GroMiKV hat Deutschland von diesem Optionsrecht Gebrauch gemacht, sodass in Deutschland weiterhin die Ausnahmen nach der GroMiKV gelten.

  • LiquiditĂ€t

LiqV: FĂŒr die LCR-Meldepflicht sollen die nationalen Bestimmungen weiterhin gelten. Kreditinstitute haben die nach nationalem Recht vorgeschriebenen Informationen zur Überwachung der Einhaltung nationaler LiquiditĂ€tsstandards der EZB zu melden, sofern diese nicht bereits national zustĂ€ndigen Behörden zur VerfĂŒgung gestellt worden sind. Die LiquiditĂ€tsverordnung ist bis zur vollstĂ€ndigen EinfĂŒhrung der LCR parallel anzuwenden.

LiquiditĂ€tsabflĂŒsse: FĂŒr die Festlegung der Abflussrate fĂŒr außerbilanzielle Posten fĂŒr Handelsfinanzierung schöpft die EZB den in Art. 420 Abs. 2 CRR festgelegten Rahmen vollumfĂ€nglich aus und legt eine Abflussrate von 5% fest.

  • Übergangsbestimmungen

In den Bestimmungen zu den Übergangsregelungen legt die Verordnung im Wesentlichen die anwendbaren ProzentsĂ€tze innerhalb der in der CRR vorgesehenen Spanne fest, die mit den ProzentsĂ€tzen der SolvV ĂŒbereinstimmen.

Nicht realisierte Gewinne/Verluste: GemĂ€ĂŸ der EZB Verordnung sollen Kreditinstitute bei der Berechnung des harten Kernkapitals nicht realisierte Verluste aus Vermögenswerten oder Verbindlichkeiten in 2016 zu 60% und 2017 zu 80% berĂŒcksichtigen; nicht realisierte Gewinne aus Vermögenswerten oder Verbindlichkeiten berĂŒcksichtigen sie in 2016 zu 40% und 2017 zu 20% nicht (entspricht jeweils den ProzentsĂ€tzen aus der SolvV). Die EZB Verordnung schließt Verluste bzw. Gewinne aus Risikopositionen gegenĂŒber Zentralstaaten der Kategorie „zur VerĂ€ußerung verfĂŒgbar“ mit ein. Dagegen hat die BaFin ĂŒber die AllgemeinverfĂŒgung vom 20.02.2014 zu Artikel 467 Absatz 2 der Verordnung (EU) Nr. 575/2013 den Instituten erlaubt, nicht realisierte Gewinne oder Verluste aus Risikopositionen gegenĂŒber Zentralstaaten der Kategorie „zur VerĂ€ußerung verfĂŒgbar“ in keinem Bestandteil der Eigenmittel zu berĂŒcksichtigen.

Beteiligungen an Versicherungsunternehmen: DarĂŒber hinaus sollen nach der EZB Verordnung nunmehr Beteiligungen an Versicherungsunternehmen von Posten des harten Kernkapitals ab 2019 in Abzug gebracht werden. Aus dem Entwurf zu dem Leitfaden vom 11. November 2015 der EZB geht hervor, dass die EZB Kreditinstituten weiterhin auf der Grundlage der Erlaubnis nach Art. 49 Abs. 1 CRR, die vor dem 4. November 2014 erteilt wurde, den Nichtabzug von Beteiligungen an Versicherungsunternehmen gestatten will, sofern die entsprechenden Offenlegungspflichten erfĂŒllt werden.

Ausnahme von Beteiligungspositionen aus dem IRB-Ansatz: GemĂ€ĂŸ Art. 495 Abs. 1 CRR dĂŒrfen zustĂ€ndige Behörden Ausnahmen fĂŒr bestimmte Kategorien von Beteiligungspositionen von der Behandlung im IRB-Ansatz gestatten (bis zum 31. Dezember 2017). Die EZB nimmt lediglich diejenigen Kategorien von Beteiligungspositionen aus, fĂŒr die bereits zum 31. Dezember 2013 durch die zustĂ€ndige Behörde eine Ausnahme von der Behandlung im IRB-Ansatz eingerĂ€umt wurde. Eine solche zeitliche Vorgabe enthĂ€lt die SolvV nicht.

Latente SteueransprĂŒche: Schließlich verkĂŒrzt die EZB den Zeitraum des Phase-in fĂŒr, von der kĂŒnftigen RentabilitĂ€t abhĂ€ngige latente SteueransprĂŒche, die bereits vor dem 1. Januar 2014 bestanden, auf 2019. Die CRR lĂ€sst Phase-in bis 2023 zu.

Fazit

Die EZB beabsichtigt mit der Verordnung die Rechtsanwendung und die Beaufsichtigung der bedeutenden Institute zu harmonisieren und einheitliche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Insoweit betrifft diese Verordnung ausschließlich bedeutende Institute. Auf weniger bedeutende Institute ist sie nicht anwendbar. Dies kann eine uneinheitliche Behandlung zwischen den bedeutenden und weniger bedeutenden Instituten nach sich ziehen. Die EZB hat bereits angekĂŒndigt, in enger Zusammenarbeit mit den nationalen Behörden auch auf der Ebene der weniger bedeutenden Institute eine einheitliche Handhabung anzustreben, um die möglichen Unterschiede weitgehend auszurĂ€umen.

Dagegen lĂ€sst sie aber selbst auch in Art. 9 Abs. 7 Raum fĂŒr Unterschiede, indem sie den nationalen Vorschriften z.B. in Bezug auf die Ausnahmen von der Großkreditobergrenze Vorrang einrĂ€umt.

Mehr Details zu den Großkreditregelungen erhalten Sie in der aktuellen Ausgabe des Großkommentars zum KWG „Reischauer/Kleinhans“: Hier können Sie von unserem Fachwissen bei der Kommentierung zu den Großkrediten profitieren.

Konsultationspapier der EuropĂ€ischen Kommission – AnsĂ€tze zur Ermittlung der Eigenmittelunterlegung des Marktpreisrisikos und Berechnung des Kontrahentenrisikos

Am 26. Mai 2016 hat die EuropĂ€ische Kommission ein Konsultationspapier zum Thema VerhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit der zukĂŒnftigen Eigenmittelunterlegung des Markpreisrisikos sowie zur ÜberprĂŒfung der Exposure Berechnung bei Kontrahentenrisiken (Consultation Document: Proportionality in the future market risk capital requirements and the review of the original exposure method) veröffentlicht.

Hintergrund

Die EuropĂ€ische Kommission hat ein Konsultationspapier zur BerĂŒcksichtigung der VorschlĂ€ge des Baseler Ausschusses zur Überarbeitung des Marktrisikorahmenwerks („Fundamental Review of the Trading Book“ – FRTB) und der Methoden zur Messung des Kontrahentenausfallrisikos in einer kĂŒnftigen Novellierung der CRR veröffentlicht. Insbesondere in Bezug auf den FRTB hinterfragt die Kommission, ob der vorgeschlagene neue Standardansatz auch fĂŒr Institute die nur in geringem Umfang HandelsgeschĂ€fte betreiben, angemessen ist. In Bezug auf das Kontrahentenrisiko soll geklĂ€rt werden, ob der neue Standardansatz fĂŒr Kontrahentenrisiken („Standardized Approach for Counterparty Credit Risk“ – SA-CCR) durch alle Institute anzuwenden sein wird, oder ob weiterhin die bestehenden Verfahren (insbesondere Marktbewertungsmethode, Ursprungsrisikomethode) unter bestimmten Bedingungen angewendet werden dĂŒrfen.

Trotz AbwĂ€gung der Vor- und Nachteile der verschiedenen AnsĂ€tze kann die Kommission noch keine klare Empfehlung geben, welcher Ansatz verwendet werden soll bzw. ob grundsĂ€tzlich mehrere AnsĂ€tze zur Auswahl stehen sollten und die Entscheidung den Banken ĂŒberlassen bleibt.

Wesentliche Inhalte

1. VerhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit bei der Berechnung des Marktpreisrisikos

Zurzeit besteht fĂŒr Banken, die keine wesentlichen HandelsaktivitĂ€ten vorweisen, die Möglichkeit, im Rahmen der Berechnung der Eigenmittelunterlegung im Marktrisiko gemĂ€ĂŸ Artikel 94 CRR die Verfahren zur Messung des Kreditrisikos zu nutzen. Diese Ausnahmeregelung gilt nur fĂŒr Handelsbuchpositionen, jedoch nicht fĂŒr WĂ€hrungsrisiken und Rohstoffrisiken.

Voraussetzung fĂŒr die Nutzung dieser Ausnahmeregelung ist die Einhaltung zweier Schwellenwerte, zum einen die absolute GrĂ¶ĂŸe der HandelsaktivitĂ€ten (im Regelfall < 15 Mio. Euro, immer < 20 Mio. Euro) und zum anderen die relative GrĂ¶ĂŸe der HandelsaktivitĂ€ten (im Regelfall < 5% der Bilanzsumme, immer < 6% der Bilanzsumme). Dazu untersucht die Kommission momentan sowohl die Höhe des Schwellenwertes, die genutzten Begriffsdefinitionen sowie die Anwendung der Kreditrisiko-Regeln fĂŒr HandelsaktivitĂ€ten, um sicherzustellen dass diese auch unter den FRTB-Regelungen noch angemessen sind.

Verglichen mit den zurzeit genutzten StandardansĂ€tzen im Marktrisiko nach CRR bringt der FRTB Standardansatz wesentliche VerĂ€nderungen mit sich. Die erhöhte RisikosensitivitĂ€t des FRTB Standardansatzes bedingt eine Erhöhung der KomplexitĂ€t des Verfahrens – vgl. Blogbeitrag vom 22. Januar 2016: „Finalisierung des Baseler Regelwerks zum Fundamental Review of the Trading Book – Minimum Capital Requirements for Market Risk“. Mögliche Alternativen zu diesem neuen Standardansatz, insbesondere fĂŒr kleinere Institute, wĂ€ren eine vereinfachte Version des neuen Standardansatzes bzw. die weitere Nutzung des aktuellen Standardansatzes innerhalb des Marktpreisrisikos.

2. ÜberprĂŒfung der Ursprungsrisikomethode

Die Ursprungsrisikomethode (vormals: Laufzeitmethode), die als vereinfachtes Verfahren zur Berechnung des KreditĂ€quivalenzbetrags fĂŒr Derivate dient und Ă€hnliche Charakteristika wie die Marktbewertungsmethode aufweist, kann nur von Banken verwendet werden, die die obengenannten Anforderungen an geringe HandelsbuchaktivitĂ€ten erfĂŒllen. Jedoch ist dieses Verfahren lediglich bei Zins- sowie WĂ€hrungsderivaten anwendbar, sodass in der Praxis nur sehr wenige Banken davon Gebrauch machen. Folglich muss bei sĂ€mtlichen anderen Derivaten die Marktbewertungsmethode oder ein fortgeschrittener Ansatz genutzt werden. Da es sich hierbei um einen einfachen Berechnungsansatz handelt, sind die ermittelten KreditĂ€quivalenzbetrĂ€ge wenig risikosensitiv. Vor diesem Hintergrund ĂŒberprĂŒft die EU Kommission, ob an der Ursprungsrisikomethode festgehalten wird, oder ob sie zu Gunsten anderer AnsĂ€tze (Marktbewertungsmethode, SA-CCR) abgeschafft werden soll.

3. Ersetzung der Marktbewertungsmethode und der Standardmethode durch den SA-CCR

Die Kommission erwartet weiterhin Feedback von den Banken, um eine finale Entscheidung treffen zu können, ob der SA-CCR eingefĂŒhrt werden soll bzw. wenn ja, ob die Marktbewertungsmethode bzw. die Standardmethode weiterhin bestehen bleiben können oder abgeschafft werden sollen.

Fazit

Banken sollten die Konsultation nutzen, um sich genauer mit den verschiedenen, oben aufgefĂŒhrten AnsĂ€tzen auseinanderzusetzten. Hierdurch können qualitative sowie quantitative Erkenntnisse ĂŒber die Anwendung der verschiedenen Methoden an die Kommission ĂŒbermittelt werden.

Regulatory Roadshow 2016: „Basel IV“?! Welcome to the Next Generation of RWA

Basel IV

Die Bankenaufsicht in Europa bleibt in Bewegung. Der Baseler Ausschuss fĂŒr Bankenaufsicht hat in den zurĂŒckliegenden Monaten eine Reihe von Konsultationspapieren veröffentlicht, die weitreichende Änderungen in der Ermittlung der risikogewichteten Aktiva vorsehen. Hierdurch kommen, unabhĂ€ngig von der betrachteten Risikoart – Kreditrisiko, Marktrisiko, operationelle Risiken – und den genutzten Verfahren – StandardansĂ€tze oder interne Modelle – zahlreiche neue Anforderungen auf die Banken zu. Das inoffizielle Schlagwort „Basel IV“ ist bereits in aller Munde. Doch auch die europĂ€ischen Bankenaufsichtsbehörden arbeiten ihre umfassenden Arbeitsprogramme in den kommenden Jahren ab – frei nach dem Motto „Eine fundamentale Überarbeitung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen innerhalb der SĂ€ule I der Baseler Standards allein reicht nicht aus, um den Bankensektor robuster und krisenfester zu machen“.

Banken stehen damit vor der Herausforderung, die Folgen zahlreicher neuer Regulierungsanforderungen diverser Aufsichtsbehörden gleichzeitig einzuschĂ€tzen. Dabei mĂŒssen sie nicht nur mit Auswirkungen auf die Kapitalanforderungen, sondern auch mit einem enormen Umsetzungsaufwand rechnen.

Wir laden Sie herzlich zu unserer Regulatory Roadshow 2016 ein, um Sie und Ihr Haus rechtzeitig auf die neuen Anforderungen vorzubereiten. Werfen Sie mit uns einen Blick auf das Basel-IV-Reformpaket und weitere Neuerungen im Bankenaufsichtsrecht und diskutieren Sie mit uns die Auswirkungen und Herausforderungen. Der Fokus unserer Roadshow liegt dabei vor allem auf „Basel IV“, sodass insbesondere folgende Themenfelder auf der Agenda stehen:

Neuerungen aus Basel – „Basel IV“?! Welcome to the Next Generation of Risk-Weighted Assets (RWA)

  • neue Anforderungen im Rahmen der Floor-Regelung und an interne Modelle
  • Kreditrisiko − Kreditrisiko-Standardansatz (KSA) − Standardansatz fĂŒr Kontrahentenrisiken (SA-CCR) − Verbriefungen − Anteile an Investmentfonds
  • Marktrisiko − Fundamental Review of the Trading Book (FRTB) − Credit Valuation Adjustment (CVA) Risk Capital Charge − ZinsĂ€nderungsrisiko im Anlagebuch (IRRBB)
  • neue Vorschriften zu operationellen Risiken
  • neue Vorschriften zur Offenlegung
  • neue Großkreditvorschriften
  • MREL und TLAC
  • Neuerungen aus BrĂŒssel und London – weitere Technical Standards und neue Guidelines

Lassen Sie sich von unseren Experten umfassend ĂŒber die kĂŒnftigen aufsichtsrechtlichen Anforderungen informieren – wir freuen uns auf Sie!

Die Veranstaltungsorte und -termine:

20.06.2016, DĂŒsseldorf

29.06.2016, Hamburg

06.07.2016, Berlin

07.07.2016, MĂŒnchen

11.07.2016, Frankfurt a. M.

12.07.2016, Frankfurt a. M.

22.07.2016, Stuttgart

Die Teilnahme ist fĂŒr Sie kostenfrei. Wir wĂŒrden uns freuen, Sie auf unserer Veranstaltung begrĂŒĂŸen zu dĂŒrfen.

International venues

We look forward to meeting you also in:

The Netherlands (Amsterdam)

Greece (Athens)

Romania (Bucharest)

Ireland  (Dublin)

Turkey (Istanbul)

United Kingdom (London)

Luxembourg (Luxembourg)

Spain (Madrid)

Italy (Milano)

France (Paris)

Latvia (Riga)

Sweden (Stockholm)

Poland (Warsaw)

Austria (Vienna).

Detailed information on our international Roadshow 2016 is available on request.

Anmeldung

Bitte melden Sie sich online ĂŒber www.pwc-event.com/ regulatory-roadshow zur Veranstaltung an. Es öffnet sich eine Webseite mit weiteren Veranstaltungsinformationen.

Bei Fragen zum Thema fĂŒr Sie da:

Martin Neisen

Tel.: +49 69 9585-3328

martin.neisen@de.pwc.com

Bei organisatorischen Fragen fĂŒr Sie da:

Michaela Heuß

Tel.: +49 69 9585-5928

events.de@de.pwc.com

Mehr Informationen rund um Basel IV erhalten Sie auch auf unserer Webseite: Willkommen in der Welt von Basel IV

AnaCredit – Finale Verordnung zum Analytical Credit Dataset der EZB veröffentlicht

Am 18. Mai 2016 wurde die Verordnung ĂŒber die Erhebung granularer Kredit- und Kreditrisiko-Daten (ECB Regulation on the collection of granular credit and credit risk data) vom EZB-Rat verabschiedet und am 20. Mai 2016 veröffentlicht.

Der Verordnung ging der am 4. Dezember 2015 veröffentlichte Verordnungsentwurf voraus (vergl. Blogbeitrag „AnaCredit – 2. Update“), dem eine „Beobachtungsphase“ zur Meldung von Beobachtungen an die EZB (bis Ende Januar 2016) sowie ein Austausch zwischen der EZB, nationalen Zentralbanken und Vertretern der Kreditwirtschaft in unterschiedlichen Formaten folgten.

Die Verordnung ECB/2016/13, das Begleitdokument mit ergĂ€nzenden ErlĂ€uterungen („Explanatory Note“) sowie die Ergebnisse der Beobachtungsphase können auf der EZB-Website zu AnaCredit abgerufen werden.

Wesentliche Änderungen

Im Vergleich zu dem Verordnungsentwurf vom 4. Dezember 2015 enthĂ€lt die finale Version die folgenden wesentlichen Änderungen:

  • Erste vollumfĂ€ngliche Meldung per September 2018
  • Erste Stammdatenmeldung ab Anfang 2018 (Festlegung durch nationale Zentralbank)
  • Entfall der gesonderten Meldegrenze fĂŒr Non-Performing Exposures
  • Meldung ausschließlich von juristischen Personen
  • 95 AnaCredit-Attribute (gegenĂŒber 101 im Verordnungsentwurf)
  • Klarstellungen bei meldepflichtigen GeschĂ€ften sowie bei den Definitionen von Attributen und AusprĂ€gungen

Änderungen im Bereich der Meldepflichten

Die erste vollumfĂ€ngliche AnaCredit-Meldung ist fĂŒr September 2018 angefordert, eine erste Stammdaten- und Testmeldung kann durch die nationale Zentralbank ab Anfang 2018 angefordert werden. Der Verordnungsentwurf sah dafĂŒr MĂ€rz 2018 (erste Gesamtmeldung) bzw. 3. Quartal 2017 (Stammdaten-/Testmeldung) vor.

Mit Entfall der niedrigeren Meldegrenze fĂŒr notleidende Engagements sind kĂŒnftig alle Kredite, bestimmte (aktivische) Einlagen und Reverse RePos ab einem kumulierten Betrag von 25.000 EUR pro Kunde meldepflichtig.

Kreditderivate sind lediglich als erhaltene Sicherheiten zu melden, stellen jedoch kein als Instrument meldepflichtiges AnaCredit-GeschĂ€ft dar. Ebenfalls nicht meldepflichtig sind GeschĂ€ftsarten, die ausschließlich außerbilanzielles GeschĂ€ft darstellen (z. B. Garantien).

Mit der finalen Verordnung erfolgt eine klare EinschrĂ€nkung zu meldender Kunden auf juristische Personen. Die im Verordnungsentwurf enthaltene darĂŒber hinausgehende Meldepflicht fĂŒr Quasi-Kapitalgesellschaften und sonstige nicht natĂŒrliche Personen ist in der finalen Verordnung nicht mehr vorgesehen.

Änderungen bei den zu meldenden Attributen

Der Verordnungsentwurf enthielt in der Attributeliste noch eine Reihe von Hinweisen bzw. ErlĂ€uterungen, die mit dem generellen Umfang an zu meldenden GeschĂ€ften bzw. Attributen nicht ĂŒbereinstimmten. Der jetzt veröffentlichte Text wurde an den entsprechenden Stellen angepasst.

GegenĂŒber dem Verordnungsentwurf sind in der Attributeliste Derivate sowie privatkundenbezogene Attribute und AusprĂ€gungen entfallen. Stellenweise wurden Rechtsverweise zu bestehenden Anforderungen, insbesondere im Kontext von FINREP-bezogenen Attributen und AusprĂ€gungen, nachgeschĂ€rft.

Hinzu kommt eine geĂ€nderte Darstellung von Konzernhierarchien bei Unternehmenskunden: Im Verordnungsentwurf wurde bereits die ID des hierarchisch höchsten Mutterunternehmens abgefragt, dies wird nun ergĂ€nzt um das Attribut ID des direkten Mutterunternehmens sowie bei Auslandsniederlassungen die ID des Unternehmenshauptsitzes („Head office undertaking identifier“).

Nationale Auslegungen und Meldeerleichterungen

Die spezifischen Meldeanforderungen enthalten gegenĂŒber dem Entwurf erweiterte und prĂ€zisierte nationale Auslegungsoptionen sowie mögliche Grandfathering-Regelungen, die ebenfalls durch die nationale Zentralbank festzulegen sind. Diese könnten zum Entfall erheblichen Nacherfassungsaufwands fĂŒr zu meldendes BestandsgeschĂ€ft fĂŒhren, beispielsweise bei Vertragskonditionen, historische Sicherheitenwerte und Kundendaten wie Konzernhierarchie und Unternehmenskennzahlen.

Weitere Meldeerleichterungen sind, teils als nationale Auslegungsoptionen, auch fĂŒr Servicing-Konstellationen, auslĂ€ndische Kunden und Auslandsniederlassungen vorgesehen.

In Deutschland werden die nationalen Auslegungen durch die Deutsche Bundesbank festgelegt.

Herausforderungen und Handlungsbedarf

Nachdem ein großer Teil der deutschen Banken bereits Vorstudien durchfĂŒhrt oder abgeschlossen hat, ist mit Vorliegen der finalen Verordnung nun eine „Delta-Analyse“ der Anforderungen an die AnaCredit-Umsetzung erforderlich. Diese sollte folgende zentrale Fragestellungen beantworten:

  • Welche Anforderungen haben sich im Detail geĂ€ndert?
  • Sind bestehende PrĂ€missen und Auslegungen durch die Anforderungen der Verordnung zu hinterfragen?
  • Wie mĂŒssen bestehende Ergebnisse des AnaCredit-Projekts (z. B. Grob-, Fachkonzept oder Datenanbindung) angepasst und aktualisiert werden?
  • Wie wirken sich diese Änderungen auf die bisherige Projektplanung (z. B. AufwandsschĂ€tzung) und identifizierte AbhĂ€ngigkeiten aus (z. B. zu anderen regulatorischen Projekten)?
  • Welche Themen und Anforderungen sind nach wie vor unklar und sollten bspw. im Rahmen eines möglichen Frage-Antwort-Prozesses oder ĂŒber die bestehenden Dialog-Formate der Banken mit der Aufsicht adressiert werden?

Banken, die noch kein AnaCredit-Projekt gestartet haben, sollten spĂ€testens jetzt – auch mit Blick auf die erstmalige Stammdatenmeldung Anfang 2018 – ihre Handlungsbedarfe identifizieren und eine belastbare Umsetzungsplanung aufstellen.

Die finale Verordnung bestĂ€tigt die bisherigen EinschĂ€tzungen, dass die grĂ¶ĂŸten Herausforderungen fĂŒr die betroffenen Institute darin liegen werden, die melderelevanten Daten aus verschiedenen Bereichen (Kredit, Rechnungswesen, Meldewesen etc.) und Systemen zusammenzufĂŒgen und in der erforderlichen GranularitĂ€t und QualitĂ€t vorzuhalten. Dabei sind auch Schnittstellen zu bereits bestehenden bzw. laufenden Projekten im Meldewesen, Risikomanagement und Rechnungswesen zu berĂŒcksichtigen. Beispielhaft können an dieser Stelle Umsetzungsprojekte zu den Themen BCBS 239 (“Risikodatenaggregation und Reporting”), IFRS 9 und basierend auf entsprechenden Verweisen der finalen Attributeliste insbesondere auch FINREP genannt werden.

Ausblick

In den nĂ€chsten Wochen ist mit ersten Aussagen der Deutschen Bundesbank zu nationalen Auslegungsfragen im Kontext der finalen Verordnung zu rechnen. Zu einem frĂŒheren Zeitpunkt wurde bereits die Initiierung eines Frage-Antwort-Prozesses, vergleichbar mit dem Vorgehen bei anderen Meldewesen-Anforderungen, angekĂŒndigt.

Die Verordnung umfasst nur die erste Stufe der AnaCredit-Umsetzung. Somit sind verschiedene zuvor kommunizierte komplexe Anforderungen wie z.B. die konzernweite Konsolidierung von Informationen oder die Meldung von derivativen und außerbilanziellen GeschĂ€ften nicht unmittelbar in der Verordnung behandelt. Die Verordnung kĂŒndigt lediglich weitere Ausbaustufen von AnaCredit an, denen jeweils ein zweijĂ€hriger Implementierungszeitraum vorangestellt sein soll.

Parallel soll in Deutschland die Empfehlung des Ausschusses fĂŒr FinanzstabilitĂ€t (AFS) vom Juni 2015 zur Erhebung granularer Daten zu Immobilienfinanzierungen umgesetzt werden. Diese wird abweichend von AnaCredit voraussichtlich auch Privatpersonen umfassen. Erste detailliertere Indikationen zu diesen Planungen werden in der Branche fĂŒr den Sommer dieses Jahres erwartet.

Ihre Ansprechpartner zum Thema AnaCredit bei PwC:

Friedemann Loch

Andrea Glatzel

Sebastian Laurentius Sohn

Mehr Informationen zum Thema AnaCredit finden Sie auch auf unserer Webseite: Analytical Credit Dataset – das granulare Kreditregister der EZB ab 2017/2018

RTS on Prudent Valuation – Bedeutung und Herausforderung der AVA

Die EuropĂ€ische Kommission hat am  28. Januar 2016 den finalen Regulatory Technical Standard (RTS) zur Prudent Valuation (Delegierte VO (EU) 2016/101 zur ErgĂ€nzung der CRR im Hinblick auf technische Regulierungsstandards fĂŒr die vorsichtige Bewertung nach Artikel 105 Absatz 14) veröffentlicht. Damit kommt sie ihrem Auftrag  zur Konkretisierung der Anforderungen an eine vorsichtige Bewertung aller zum Fair Value bilanzierten Positionen gemĂ€ĂŸ Art. 34 i.V.m. 105 CRR nach. Aufbauend auf der Veröffentlichung des finalen RTS im EU-Amtsblatt folgte bereits am 4. Februar 2016 eine Berichtigung, die jedoch nur eine kleine Anpassung beinhaltete. SĂ€mtliche Regelungen sind 20 Tage nach Veröffentlichung und somit ab dem 17. Februar 2016 verpflichtend anzuwenden.

Überblick

Ziel der Prudent Valuation ist es, sĂ€mtliche zum Fair Value bilanzierten Positionen so zu bewerten, dass auch Bewertungsunsicherheiten berĂŒcksichtigt werden, die nicht oder aus Sicht des Aufsehers nicht ausreichend in den Werten der externen Rechnungslegung berĂŒcksichtigt sind. Um diesen „Prudent Value“ zu ermitteln, sind so genannte Additional Valuation Adjustments (kurz: AVA) zu berĂŒcksichtigen. Die Bestimmung der Wertanpassungen hat fĂŒr sĂ€mtliche Fair Value-Positionen zu erfolgen, unabhĂ€ngig davon, ob diese dem Handels- oder Bankbuch zugeordnet werden. Auch eine Bagatellgrenze fĂŒr Kleinstpositionen, fĂŒr die kein Prudent Value zu ermitteln wĂ€re, gibt es grundsĂ€tzlich nicht. Diese Wertanpassungen sind zudem sowohl auf der Aktivseite (Wertminderung) als auch auf der Passivseite (Werterhöhung) zu berĂŒcksichtigen.

Zur Bestimmung der Höhe der AVA enthĂ€lt der finale RTS weiterhin einen einfachen und einen komplexeren Ansatz, wobei sich das zu verwendende Verfahren nach der Höhe der einzubeziehenden Fair Value-Positionen (15 Milliarden Euro-Grenze) richtet. Im einfachen Ansatz (Simplified Approach) wird eine Multiplikation aller relevanten Fair Value-Positionen mit dem Faktor 0,001 durchgefĂŒhrt. Dem steht der Basisansatz (Core Approach) gegenĂŒber, bei welchem fĂŒr neun Risiko- und Kosten­kompo­nenten individuelle AVA gebildet werden mĂŒssen. Dabei soll ein Sicherheitsniveau fĂŒr die tatsĂ€chliche Realisierung des Prudent Values von mindestens 90% erreicht werden.

Regulatorische Bedeutung und fachliche Herausforderungen

Die besondere Bedeutung der AVA entsteht vor allem dadurch, dass diese unmittelbar im Sinne von zusĂ€tzlichen Bewertungsanpassungen als Verringerung des harten Kernkapitals zu berĂŒcksichtigen sind (Art. 34 CRR). Im Gegenzug sind sie jedoch auch bei der Bestimmung der Eigenmittelanforderung fĂŒr das Kreditrisiko zu berĂŒcksichtigen. Die BerĂŒcksichtigung der AVA erfolgt im Kreditrisikostandardansatz (KSA) durch eine Anpassung des Exposure Values und somit durch die Reduktion der Bemessungsgrundlage. Voraussetzung ist, dass die aufsichtsrechtlichen Vorgaben eine Verwendung des Fair Value vorsehen (nur bilanzielle Positionen). Ansatzpunkt der Prudent Valuation im auf internen Ratings basierenden Ansatz (IRBA) bildet der Wertberichtigungsvergleich, mittels welchem die erwarteten Verluste den tatsĂ€chlich durch das Institut gebildeten Wertberichtigungen gegenĂŒbergestellt werden. Hier werden die AVA auf der Seite der gebildeten Wertberichtigungen berĂŒcksichtigt.

Zwar sind die Vorgaben der Prudent Valuation nicht grundsÀtzlich neu, ebenso haben die meisten Institute bereits feste Prozesse implementiert, um den Prudent Value zu bestimmen, jedoch bestehen dennoch sowohl aus fachlicher als auch aus prozessualer Sicht noch immer einige Herausforderungen.

In diesem Zusammenhang ist insbesondere anzufĂŒhren, dass zur korrekten Erfassung der gebildeten AVA im Rahmen der Anpassung der Bemessungsgrundlage fĂŒr KSA-Positionen einerseits und im Wertberichtigungsvergleich fĂŒr IRBA-Positionen andererseits eine AVA-Ermittlung auf Einzelpositionsebene erforderlich ist. Stellt dies bei Anwendung des einfachen Ansatzes durch die LinearitĂ€t (0,1% auf den Fair Value) keine Herausforderung dar, so ist in der Praxis bei Verwendung des komplexeren Basisansatzes zu beobachten, dass die AVA auf PortfoliogrĂ¶ĂŸen ermittelt werden. Eine RĂŒckverteilung auf Einzelpositionen im KSA und IRBA ist anschließend – wenn ĂŒberhaupt – nur mit VerteilungsschlĂŒsseln möglich. Da die AVA somit nicht zweifelsfrei einer bestimmten Position zugeordnet werden können, werden diese aus GrĂŒnden der KonservativitĂ€t nicht in der Bemessungsgrundlage bzw. im Wertberichtigungs­vergleich berĂŒcksichtigt. Aufgrund der Anforderung, die vorhandenen Eigenmittel um den Gesamtbetrag der AVA zu reduzieren (es ist somit keine explizite Zuordnung zu den einzelnen Positionen nötig)  kommt es in der Praxis zu Inkonsistenzen. WĂ€hrend keine BerĂŒcksichtigung im Zuge der KSA-RWA-Ermittlung und dem IRB-Wertberichtigungsvergleich erfolgt, reduzie­ren sich die Eigenmittel um den Betrag der gebildeten Wertanpassungen.

Eine wesentliche Herausforderung bei der AVA-Ermittlung stellt der Ermittlungsprozess selbst dar. Hierbei muss jedes Institut eine Infrastruktur zur Sammlung sowohl von Positions-/Risikodaten (z.B. SensitivitĂ€ten, Volumina) als auch relevanten Marktdaten schaffen. Die notwendigen Daten liegen sehr oft nicht in einem System vor und mĂŒssen ĂŒber diverse Schnittstellen nach Konvertierungsprozessen aggregiert werden. Da die AVA regelmĂ€ĂŸig zu berechnen sind, ist hierbei mit einem grĂ¶ĂŸeren Aufwand fĂŒr die Konzeption und Umsetzung zu rechnen.

Die methodischen Herausforderungen bei der Berechnung einzelner AVA stellen wir ausfĂŒhrlich in unserem Risk Blog Beitrag: „Prudent Valuation“ dar.

Ihre Ansprechpartner

Martina BĂ€the-Guski

Peter BĂŒttel

 

/* */