Kategorie: Offenlegung

Bleiben Sie auf dem Laufenden - der Offenlegung RSS-Feed

EBA-Guidelines: Offenlegung von belasteten und unbelasteten Vermögenswerten (encumbered and unencumbered assets)

Die European Banking Authority (EBA) hat am 27. Juni 2014 Leitlinien zur Offenlegung der belasteten und unbelasteten Vermögenswerte (EBA/GL/2014/03 – Guidelines on disclosure of encumbered and unencumbered assets) veröffentlicht. Vorangegangen war eine Konsultation dieser Leitlinien zwischen dem 20. Dezember 2013 und dem 20. März 2014 (EBA/CP/2013/48 – Consultation Paper on draft guidelines on disclosure of encumbered and unencumbered assets).

Hintergrund

Die nach Artikel 443 CRR erforderlichen EBA-Leitlinien regeln die Offenlegungsanforderungen der Institute im Hinblick auf die belasteten und unbelasteten Vermögenswerte. Im Gegensatz dazu konkretisiert der technische Durchführungsstandard zur Asset Encumbrance die Meldeverpflichtungen der Institute gegenüber den Aufsichtsbehörden. Dieser auf Artikel 100 CRR basierende technische Standard liegt zwischenzeitlich als finaler und aktuell überarbeiteter Entwurf vor (EBA/ITS/2013/04/rev1 – Final draft ITS on asset encumbrance reporting under Article 100 CRR). Er soll als Ergänzung in den technischen Standard zu den Meldepflichten nach Artikel 99 Abs. 5 CRR ((EU) VO Nr. 680/2014 zur Festlegung technischer Durchführungsstandards für die aufsichtlichen Meldungen der Institute gemäß der CRR) integriert werden.

Zielsetzung

Mit den Leitlinien zur Offenlegung von belasteten und unbelasteten Vermögenswerten verfolgt die EBA folgende Ziele:

  1. Es sollen möglichst einheitliche Regelungen für die Offenlegung der Belastung von Vermögenswerten geschaffen werden, um so sinnvolle Vergleiche zwischen den Instituten zu ermöglichen.
  2. Des weiteren sollen die offengelegten Daten einen Detaillierungsgrad aufweisen, der es den Lesern der Informationen erlaubt, den Grad der Belastung der Vermögenswerte eines Instituts einzuschätzen.

Die Offenlegungsangaben zur „Asset Encumbrance“ dienen der Vervollständigung der bereits nach IFRS 7 (Anhangsangaben für Finanzinstrumente) sowie IFRS 12 (Angaben zu Anteilen anderer Unternehmen) geforderten Angaben. Zudem bezieht sich speziell IFRS 7 auf „transferred assets“ und nicht auf „encumbered assets“.

Offenzulegende Informationen

Die Leitlinien sehen die Offenlegung folgender Informationen vor:

  • belastete und unbelastete Vermögenswerte (Template A):

jeweils zu Bilanz- und zu Marktwerten aufgeteilt in die Kategorien gehaltene Eigenkapitalinstrumente, Schuldverschreibungen und sonstige Vermögenswerte.

Neben bilanziellen Aktiva, die verpfändet, ohne Ausbuchung weitergegeben oder anderweitig belastet wurden, sind hier auch erhaltene Sicherheiten, die aufgrund der gültigen Bilanzierungsgrundsätze bei dem Übernehmenden zu aktivieren sind, auszuweisen.

  • erhaltene Sicherheiten (Template B):

sind zu unterteilen in tatsächlich in Anspruch genommene Sicherheiten und zur Verfügung stehende erhaltene Sicherheiten und jeweils in Marktwerten anzugeben.

An dieser Stelle sind all die erhaltenen Sicherheiten anzugeben, die nach den Bilanzierungsgrundsätzen nicht in der Bilanz des Sicherheitenempfängers auszuweisen sind.

  • Angabe der Verbindlichkeiten (Template C):

die mit den belasteten Vermögenswerten und erhaltenen Sicherheiten verknüpft sind, zu Bilanzwerten.

  • weitere Erläuterungen zur Bedeutung der „Encumbrance“ (Template D):

im Hinblick auf die Auswirkungen des Geschäftsmodells der Institute auf den Umfang und die Bedeutung der belasteten Vermögenswerte und die Bedeutung der Encumbrance für ihre Refinanzierung (z.B. bei Pfandbriefen, Repos, Verbriefungen).

Diese Angaben lassen sich aus den aufsichtlichen Meldeanforderungen (Stichwort Supervisory Reporting) zur Asset Encumbrance ableiten. Sowohl Offenlegungs- als auch Meldeanforderungen basieren auf IFRS-Bilanzwerten. Gemeinsame Begrifflichkeiten und Formate sollen zu einer inhaltlichen Übereinstimmung und einer einheitlichen Darstellungsform führen.

Anwendbarkeit auf deutsche Institute

Die Leitlinien sind von allen Instituten zu befolgen, die die Offenlegungsanforderungen des achten Teils der CRR anzuwenden haben, sofern die BaFin als zuständige nationale Behörde in Deutschland ihre Absicht zur Umsetzung der Leitlinien an die EBA bekundet (das dafür vorgesehene Zeitfenster endet am 27. August 2014).

Falls Institute den Offenlegungsanforderungen des achten Teils der CRR auf Gruppenebene nachkommen, entfallen nach Art. 6 Abs. 3 CRR die Offenlegungsanforderungen auf Einzelinstitutsebene. Maßgeblich für die Offenlegung auf Gruppenebene ist der aufsichtliche Konsolidierungskreis.

Die Leitlinien sind von der BaFin binnen sechs Monate nach deren Veröffentlichung umzusetzen.

Offenlegungsrhythmus

Die Offenlegung der belasteten und unbelasteten Vermögenswerte soll mindestens einmal jährlich erfolgen, wobei als Grundlage für die Offenlegung die Mittelwerte zumindest der Quartalszahlen auf fortlaufender Basis über die letzten zwölf Monate hinweg zu verwenden sind. Für die erste Reportingperiode dürfen die Institute ausnahmsweise die Daten zum Stichtag 31. Dezember 2014 verwenden.

Die EBA wird diese Leitlinien nach Ablauf eines Jahres überarbeiten und in einen verpflichtenden technischen Standard überführen, der bis Anfang 2016 der EU-Kommission vorzulegen ist.

EBA Konsultation zur Umsetzung der Offenlegungsanforderungen

Am 13. Juni 2014 hat die European Banking Authority (EBA) ein Konsultationspapier zur Umsetzung der Offenlegungsanforderungen gem. Teil 8 der Verordnung (EU) Nr. 575/2013 (Capital Requirements Regulation – CRR) veröffentlicht (Consultation Paper on the draft guidelines on materiality, proprietary and confidentiality and on disclosure frequency (EBA/CP/2014/09)). Die Konsultationsphase läuft noch bis zum 13. September 2014.

Mit den vorgeschlagenen Leitlinien werden die Anforderungen aus den Artikeln 432 (1), 432 (2) und 433 CRR konkretisiert. Im Wesentlichen werden Vorgaben zur Anwendung des Materialitätsgrundsatzes (Art. 432 (1)), zum Umgang mit vertraulichen Informationen (Art. 432 (2)) sowie zur Festlegung eines geeigneten Offenlegungsturnus (Art. 433) gemacht.

Mit Ausnahme der Offenlegungsforderungen zu den Themen Eigenkapital und Vergütung dürfen Institute dabei grundsätzlich auf die Veröffentlichung unwesentlicher bzw. vertraulicher Informationen verzichten (sog. „disclosure waiver“). Dies setzt eine Genehmigung der Geschäftsleitung sowie eine Erklärung, aus welchem Grund die entsprechenden Informationen nicht offengelegt werden, voraus.

Unterjährige Offenlegung

Weiterhin geben die Leitlinien die lang erwarteten Prüfkriterien vor, anhand welcher Institute die Notwendigkeit einer unterjährigen (Teil-)Offenlegung untersuchen müssen:

 

Final_3_17-07-2014 11-21-11

Im Vergleich zur bislang gültigen Offenlegungspraxis – nach der die Veröffentlichung einmal jährlich zu erfolgen hatte – kommt dies für einen Großteil der Institute einer signifikanten Verschärfung gleich.

Für den Fall, dass ein Institut mindestens eines der o.g. Merkmale erfüllt und somit zu einer unterjährigen Offenlegung der Daten verpflichtet ist, dies jedoch im Rahmen der „waiver policy“ verweigert, muss die Entscheidung hierfür im Offenlegungsbericht begründet werden.

 Anwendungszeitpunkt

Die Leitlinien sind für Geschäftsjahre, die ab dem 1. Januar 2015 beginnen, anzuwenden.

 

Leverage Ratio – Neue Anforderungen und Herausforderungen weltweit

Das Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) hat am 12. Januar 2014 das finale Rahmenwerk zur Leverage Ratio und die damit verbundenen Offenlegungsanforderungen (Basel III leverage ratio framework and disclosure requirements) veröffentlicht.

Hintergrund

Im Juni 2013 hatte das BCBS eine Konsultation über die Anforderungen an die Leverage Ratio gestartet. Im Vordergrund standen dabei die Regelungen zum Konsolidierungskreis und die Methode zur Berechnung der Quote (vgl. dazu Regulatory Blog Beitrag: „Neue Details zur Leverage Ratio – Framework and disclosure requirements“ vom 19.08.2013).  Im Vergleich zum Konsultationsentwurf haben sich insbesondere bei der Kalkulation der „Engagement Messgröße – Exposure Measure“ Änderungen ergeben.

Wesentliche Änderungen

Die wesentlichen Änderungen im finalen Rahmenwerk umfassen:

  • Berücksichtigung von Wertpapierfinanzierungsgeschäfte
  • Sicherheitenanrechnung bei Derivaten
  • Gewichtung der außerbilanziellen Positionen
  • Konsolidierungskreis
  • Frequenz und Art der Kalkulation
  • Offenlegung

Die wesentlichen Neuerungen möchte ich Ihnen im folgenden Beitrag vorstellen.

  • Wertpapierfinanzierungsgeschäfte – Securities financing transactions (SFTs)

Bei sogenannten SFTs erfolgt im Gegensatz zur CRD IV eine Berücksichtigung der bilanziellen Forderungen zusätzlich zu dem „regulatorischen“ Betrag, der sich aus der Verrechnung der Positionen mit den Wertpapiersicherheiten ergibt (unter Berücksichtigung der Master Netting Agreements). Die bilanziellen Forderungen dürfen jedoch im Gegensatz zum Entwurf aus dem Juni 2013 unter bestimmten Bedingungen mit den bilanziellen Verbindlichkeiten verrechnet werden („Geldseiten-Netting“). Dabei wird u.a. vorausgesetzt, dass eine Fristenkongruenz und ein „Master Netting Agreement“ vorliegen.

  • Sicherheitenanrechnung bei Derivaten

Bei Derivaten ist nun im Gegensatz zum vorherigen Entwurf und der CRD IV eine Berücksichtigung von Sicherheiten erlaubt. Täglich fällige Nachschusszahlungen – „Variation Margins“ – dürfen unter bestimmten Bedingungen (z.B. Währungskongruenz zwischen Sicherheit und dem jeweiligen derivativen Geschäft) genutzt werden, um die Gesamtengagement-Messgröße bzw. die Marktwerte der Derivate zu reduzieren.

  • Außerbilanzielle Positionen

Bei den außerbilanziellen Positionen können nun die Gewichtungsfaktoren (Konversionsfaktoren) des Kreditrisikostandardansatzes verwendet werden, wobei widerrufliche Kreditzusagen eine Gewichtung von 10% erhalten. Die Möglichkeit andere Gewichtungsfaktoren als 10% und 100% zu nutzen, war unter der Basel III bisher nicht möglich und unter der CRD IV bisher nur bestimmten Geschäften der Handelsfinanzierung (z.B. Akkreditive) vorbehalten. Dabei stellt der Umrechnungsfaktor 10% die Untergrenze dar.

  • Konsolidierungskreis

Das finale Baseler Dokument stellt auf den aufsichtsrechtlichen Konsolidierungskreis ab. Korrekturposten bzw. Einheiten, die gemäß den relevanten Rechnungslegungsstandards konsolidiert werden, aber nicht in die aufsichtsrechtliche Konsolidierung einbezogen werden, müssen nicht mehr berücksichtigt werden.

  • Kalkulation auf Basis von Quartals-Endwerten

Im Gegensatz zur CRD IV ist keine Durchschnittbetrachtung über die letzten 3 Monate notwendig und es wird auf Quartalsendwerte abgestellt, die quartalsweise gemeldet werden müssen.

  • Offenlegung

Die Offenlegungstabellen haben sich gegenüber dem Entwurf vom Juni 2013 nicht signifikant geändert. In der Überleitungstabelle „Leverage Ratio Gesamtengagement zur handelsrechtlichen Bilanz“ müssen die Effekte aus dem abweichenden Konsolidierungskreis, aus nicht berücksichtigtem Treuhandvermögen und sonstige Effekte ausgewiesen werden. Bei der Aufgliederung des Gesamtengagements sind zusätzliche Positionen auszuweisen, die die Auswirkungen der im finalen Rahmenwerk vorgenommenen Änderungen darstellen (z.B. anrechnungsfähige Sicherheiten bei Derivaten). Die Offenlegung ist weiterhin für den 01. Januar 2015 vorgesehen.

Umsetzung der Änderungen in der EU und den USA

Änderungen im Baseler Rahmenwerk kommen wegen des fehlenden Gesetzescharakters in der EU und in den Drittstaaten nicht automatisch zur Anwendung. Vielmehr bedarf es dort einer besonderen Implementierung.

  • EU

Wie diese Änderungen in der EU umgesetzt werden sollen bzw. welche Auswirkungen es auf den Richtlinie- bzw. Verordnungstext der CRD IV/CRR hat, hat die EU-Kommission bei ihrer öffentlichen Anhörung am 10. März 2014 das erste Mal vorgestellt. Demnach sollen die Änderungen des BCBS weitgehend vollständig in der CRR umgesetzt werden. Dies wird in Form einer Anpassung der CRR („delegated act“) erfolgen, die bis zum 30. Juni 2014 verabschiedet werden soll. Geplant ist ein Inkrafttreten zum 01. Januar 2015. Ob es eine Mindestanforderung an die Höhe der Leverage Ratio geben wird und in welcher Höhe, ist auf EU-Ebene aber weiterhin offen. Die EU Kommission wird voraussichtlich erst in 2016/2017 nach Beendigung der Beobachtungsperiode und Erhalt des Berichts der EBA zur Kalibrierung der Leverage Ratio in Einklang mit Art. 511 CRR darüber entscheiden.

  • USA

In den USA laufen derzeit Konsultationen zur Umsetzung der Neuerungen bis zum 13. Juni 2014. Am 08. April 2014 haben die amerikanischen Bankaufsichtsbehörden (Federal Reserve, Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) und Office of the Controller of the Currency (OCC)) das Konsultationspapier zur Umsetzung der Leverage Ratio des BCBS veröffentlicht. Grundsätzlich beinhaltet es die wesentlichen Punkte des finalen Baseler Rahmenwerks zur Leverage Ratio vom Januar 2014. Allerdings ist ein bedeutendes Thema nicht übernommen worden. Die Bedingung, dass bilanzielle Positionen (ausgenommen SFTs und Derivate) nicht durch Sicherheiten, Garantien oder Kreditrisikominderungstechniken reduziert werden sowie Kredite und Einlagen nicht verrechnet werden dürfen, ist im Gegensatz zu Basel III und CRD IV/CRR in dem U.S.-Konsultationspapier nicht enthalten.

Die Leverage Ratio gem. Basel III wird in den USA zusätzlich zur bereits vorhandenen US Variante der Leverage Ratio („general approach„) als „supplementary leverage ratio“ eingeführt und soll im Wesentlichen nur für die systemrelevanten Institute (G-SIBs) in den U.S. gelten. Der bereits existierende Ansatz („general approach“) gilt weiterhin für sämtlichen Banken in den USA. Er stellt die durchschnittliche Bilanzsumme der letzten drei Monate unter Berücksichtigung von aufsichtsrechtlichen Kapitalabzugspositionen ins Verhältnis zum aufsichtsrechtlichen Kernkapital. Die Mindestanforderung an die Höhe der Leverage Ratio beträgt dabei 4%.

Im Hinblick auf die Mindestanforderungen an die Höhe der „supplementaty leverage ratio“ in den USA gibt schon in einem finalen Status. Am 08. April 2014 haben die Aufsichtsbehörden die finalen Regelungen hierzu veröffentlicht. Demnach beträgt die Mindestanforderung gem. der „supplementary leverage ratio“ für alle „advanced approach“-Banken (im Wesentlichen Banken mit einer Bilanzsumme > 250 Mrd. USD) 3%. Banken bzw. Bankholdings (BHC – Bank Holding Company) mit einer Bilanzsumme > 700 Mrd. USD müssen zusätzlich einen Leverage Ratio Puffer von 2 % vorhalten. Ähnlich wie beim antitzyklischen Kapitalpuffer werden je nach Unterschreitung dieses Puffers Sanktionen wirksam (z. B. Beschränkungen bei Gewinnausschüttungen und Bonuszahlungen). Sämtliche Einlagenkreditinstitute innerhalb dieser BHC, die durch den FDIC versichert sind, müssen sogar 6 % einhalten.

Inkrafttreten

Beide Mindestanforderungen (U.S. und EU) sollen ab dem 01.01.2018 in Kraft treten. Bis zu diesem Zeitpunkt wird die Leverage Ratio eine Beobachtungskennzahl bleiben, die quartalsweise an die Aufsicht zu melden und ab 2015 offenzulegen ist.

Auswirkungen

Die Mindestanforderungen sind zwar noch nicht bindend, aber Markt, Analysten und Investoren haben spätestens mit der Offenlegung in 2015 eine Möglichkeit die Leverage Ratio zu vergleichen. Zusammen mit der generellen Aufmerksamkeit im internationalen Umfeld wird diese Kennzahl bereits vor Inkrafttreten der Mindestanforderungen in 2018 eine steuerungsrelevante Kennzahl für Banken in der EU und auch weltweit sein. Insbesondere Banken mit einem hohen Anteil von Investment-Banking-Aktivitäten und mitinternen Modellen dürften von derLeverage Ratio stärker betroffen sein. Denn schließlich sind Aufrechnungsmöglichkeiten und Modellberechnungen im Handelsbestand unter der Leverage stark begrenzt bzw. ausgeschlossen.

Finaler ITS zur Offenlegung der Eigenmittel

Am letzten Tag  des Jahres 2013 ist der Startschuss gefallen: Mit der Veröffentlichung der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 1423/2013 zur Festlegung technischer Durchführungsstandards für die Offenlegungspflichten der Institute in Bezug auf Eigenmittel gemäß der Verordnung (EU) Nr. 575/2013 ist der erste Implementing Technical Standard (ITS) zur Ergänzung der CRR final geworden. Bereits Mitte 2012 hatte die EBA die Konsultationen über die Offenlegungspflichten der Institute im Zusammenhang mit den Eigenmitteln begonnen (EBA/CP/2012/04 “Draft Implementing Technical Standards (ITS) on disclosure for own funds by institutions – dazu auch Regulatory Blog Beitrag: „Offenlegung der Eigenmittel nach CRR – ITS on Disclosure for Own Funds“ vom 30. 06.2012). Mit der Durchführungsverordnung erhalten die Institute jetzt den finalen Mustersatz für die Offenlegung der Eigenmittel (Anhang IV) d.h. ein Muster zur Offenlegung der Hauptmerkmale der Kapitalinstrumente mit dessen Hilfe ein detaillierter Überblick über die Kapitalposition der Institute bzw. ein ausreichend detailliertes Bild der Merkmale der Kapitalinstrumente eines Instituts gewonnen werden kann (Anhang II). Darüber hinaus legt die Durchführungsverordnung die Methoden der Bilanzabstimmung fest, mit  denen die Institute eine Überleitung zwischen den handelsrechtlichen Bilanzpositionen und den aufsichtsrechtlichen Eigenmitteln vornehmen müssen (Anhang I).

Methoden der Bilanzabstimmung

Als Ausgangspunkt dienen den Instituten die maßgeblichen zur Berechnung der Eigenmittel in ihren veröffentlichten Abschlüssen verwendeten Bilanzpositionen. Diese umfassen sämtliche Positionen, die Bestandteil der aufsichtsrechtlichen Eigenmittel sind oder von diesen in Abzug gebracht werden. Im zweiten Schritt  sind die Eigenmittelbestandteile der Bilanz zu erweitern, so dass die jeweiligen Positionen entsprechend den bereitgestellten Mustern zur Offenlegung gesondert erscheinen.  Anschließend sind die Elemente, die sich aus der Erweiterung der handelsrechtlichen Bilanz ergeben, den jeweiligen Positionen der Offenlegungsmuster zuzuordnen.

Offenlegung der Eigenmittel

Die Musterbögen  zur Offenlegung der Eigenmittel umfassen rund 80 Positionen, neben Eigenkapitalkomponenten und Abzugspositionen auch Kapitalpuffer. Die Institute legen zunächst für einen Übergangszeitraum (31. März 2014 bis zum 31. Dezember 2017) die Eigenmittel dergestalt  offen, dass den  zahlreichen Übergangsbestimmungen der CRR Rechnung getragen werden kann (Anhang VI).  Ab dem 01. Januar 2018 gelten dann die endgültigen Muster (Anhang IV).

Offenlegung der Kapitalinstrumente

Das Muster zur Offenlegung der Eigenkapitalinstrumente enthält qualitative und quantitative Informationen.  Die Institute füllen das Muster für die Instrumente des harten Kernkapitals,  des zusätzlichen Kernkapitals und des Ergänzungskapitals aus. Für die  Kapitalinstrumente sind neben der Nennung Emittent und Rechtsnatur des Instruments, Ausgabe- und Rückkaufpreis  auch Angaben zur Wandelbarkeit und Rangfolge zu machen.

Inkrafttreten

Die Durchführungsverordnung tritt  zum 31.März 2014 in Kraft – damit sind die in dieser VO festgelegten Regeln für alle Offenlegungen mit Stichtag nach dem 31.03.2014 anzuwenden. Offenlegungen zu Stichtagen vor dem 31.03.2014 sind damit noch nach den alten Regeln  vorzunehmen.

Offenlegung der Eigenmittel nach CRR – ITS on Disclosure for Own Funds

Die EBA hat am 7. Juni 2012 das Konsultationspapier „Draft Implementing Technical Standards (ITS) on disclosure for own funds by institutions (EBA/CP/2012/04)“ veröffentlicht, das Formvorgaben zur Offenlegung von Informationen über die Eigenmittel gemäß dem Verordnungsvorschlag zu CRD IV (Capital Requirement Regulation – CRR) enthält. Mit der Veröffentlichung eines Entwurfs für einen technischen Durchführungsstandard kommt die EBA ihrer Verpflichtung nach, die in Art. 424 Abs. 2 der CRR enthaltenen Offenlegungsvorschriften bezüglich der Eigenmittel zu konkretisieren. Der ITS wird zusammen mit dem am 4. April veröffentlichten Regulatory Technical Standard (RTS) on Own Funds (vgl. dazu Blog-Beitrag: „Neue Details zur Eigenkapitalausstattung – Draft Regulatory Technical Standard on own funds (Part One)“ vom 28. 06 2012) und weiteren, von der EBA im Jahr 2012 noch zu veröffentlichenden RTS zu Eigenmitteln einen Teil des Single Rulebook darstellen, d.h. als Verordnung europaweit unmittelbar anzuwenden sein. Die Konsultationsfrist für den ITS endet am 31. Juli 2012.

Die Vorschriften sollen zum 1. Januar 2013 in Kraft treten; sie sollen aber deutlich vor dem 31. Dezember 2012 veröffentlicht werden, um den Instituten genügend Zeit für eine einheitliche Erfüllung der Veröffentlichungsanforderungen zu geben. Die EBA wird den Text ohne weitere Konsultation anpassen, falls Änderungen an der CRR dies erforderlich machen sollten.

Inhaltlich sind die Vorschläge am Konsultationspapier des Baseler Ausschusses vom 19. Dezember 2011 (Basel Committee on Banking Supervision (BCBS): „Definition of capital – disclosure requirements“ vom 19.Dezember 2011) ausgerichtet, das die Anforderungen der Art. 91-93 von Basel III konkretisiert.

Institute müssen zukünftig drei Arten von Offenlegungsanforderungen erfüllen: Allgemeine Informationen zu Eigenmitteln („general own funds disclosure template“), Übergangsweise Eigenmittelveröffentlichung („transitional disclosure template“, entfällt mit Auslaufen der Übergangsperiode) und Grundzüge der Eigenmittelinstrumente des Instituts („capital instruments’ features template“). Der ITS beinhaltet zu allen Offenlegungsanforderungen Anhänge mit Formvorschriften und Vorgaben zur Befüllung. Weiterhin haben die Institute eine Überleitungsrechnung zwischen dem Eigenkapital des handelsrechtlichen Jahresabschlusses und den regulatorischen Eigenmitteln zu erstellen.

Allgemeine Informationen zu Eigenmitteln / General own funds disclosure template

  • Hier sollen quantitative Informationen zu den Kapitalbestandteilen gemäß CRR offengelegt werden,  Nach Form und Inhalt entspricht die Vorlage dem BCBS-Vorschlag für ein „Post 1 January 2018-Template“. Es ist ab dem 1. Januar 2018 offenzulegen.
  • Beispiele für offenzulegende Informationen: Komponenten, Abzugspositionen, Prudential Filter, Übergangsregelungen, jeweils pro Kapitalklasse und gegliedert nach den Artikeln der CRR.

Transitional disclosure template

  • Das „transitional disclosure template“ soll Angaben zu den Übergangsvorschriften, die im general own funds disclosure template nicht enthalten sind, enthalten, und entspricht dem BCBS-Vorschlag eines „disclosure template during the transition phase“. Es ist zwischen dem 1. Januar 2013 und dem 31. Dezember 2017 offenzulegen.
  • Beispiele für offenzulegende Informationen: Informationen im Rahmen des „general own funds disclosure template“ (s. vorhergehenden Absatz) plus weiteren Spalten, aus denen das Phase-in der CRR-Regelungen hervorgeht.

Capital instruments‘ features template

  • Das „capital instruments’ features template“ soll allgemeine, qualitative und quantitative Informationen zu den Instrumenten enthalten.  Es entspricht nach Form und Inhalt dem BCBS-Vorschlag zu „main features template“ und ist ab dem 1. Januar 2013 auszufüllen.
  • Beispiele für offenzulegende Informationen: Emittent, ISIN, einschlägige CRR-Artikel, Rechtsnatur, Ausgabe- und Rückkaufpreis, Rückkaufdatum, Konvertierbarkeit, Position im Wasserfall

Balance sheet reconciliation

  • Bei der Überleitungsrechnung vom handelsrechtlichen Eigenkpital auf die regulatorischen Eigenmittel sollen die Institute darstellen, welche Änderungen sich an der Bilanz durch die Anwendung der regulatorischen Anforderungen ergeben. Dadurch soll das Auseinanderfallen der Datengrundlagen für die Erstellung der Bilanz und für die Berechnung der regulatorischen Eigenmittel adressiert werden. Die Vorgehensweise bei der Überleitungsrechnung folgt dem Vorschlag des Baseler Ausschusses (BCBS-Konsultationspapier „Definition of capital – disclosure requirements“ vom 19.Dezember 2011) und soll in drei Schritten erfolgen (Annex I).
  • Schritt 1: Ausgangspunkt ist die handelsrechtliche Bilanz. Sofern deren Konsolidierungskreis und/oder Konsolidierungsverfahren von dem aufsichtsrechtlichen gem. CRR abweichen, ist zusätzlich ein „regulatory scope balance sheet“ offenzulegen. Dessen einzelne Posten sind den Bilanzposten der Handelsbilanz gegenüberzustellen; der Detaillierungsgrad hat dem der Handelsbilanz mindestens zu entsprechen. Informationen über unterschiedliche Konsolidierungsverfahren und -kreise sind ebenfalls offenzulegen.
  • Beispiel (aus dem ITS): EK-Positionen der Handelsbilanz und des regulatory scope balance sheet sind Gezeichnetes Kapital (einbezahlt) und Rücklagen.
  • Schritt 2: Die Bilanzposten des regulatory scope balance sheet sind so in Komponenten aufzuspalten, dass aus ihnen die hinsichtlich der Eigenmittel offen zu legenden Informationen (zu den einzelnen templates s.o.) gewonnen werden können.
  • Beispiel: Aufspaltung der EK-Position Gezeichnetes Kapital in die Komponenten „(e) Paid-in share capital of which amount eligible for CET 1“, und  „(f) Paid-in share capital of which amount eligible for AT 1“).
  • Schritt 3: Die Offenlegungsanforderungen im „general own funds disclosure template“ (ab 2018) oder im „capital instruments’ features template“ (bis 2017) sollen auf die disaggregierten Bilanzpositionen des regulatory scope balance sheet (Ergebnisse von Schritt 2) verweisen.
  • Beispiel: Herstellung des Bezuges zwischen dem „general own funds disclosure template“ (Position „CET1: instruments and reserves“) und dem „regulatory scope balance sheet“. Die Offenlegungsposition „CET 1: (1) Capital Instruments and the related share premium accounts “ referenziert auf die Position (e) „Paid-in share capital of which amount eligible for CET 1“. Unklar ist, warum im zudem die Offenlegungsposition „CET 1: Funds for General Banking Risk (3a)“ auf die Position (f) „Paid-in share capital of which amount eligible for AT 1“ und auf Art. 24(1) CRR verweist, da nach Art 24 CRR der Fonds für allgemeine Bankrisiken Teil des CET1 (und nicht des AT 1, wie der Verweis implizieren würde) ist.

Die Überleitungsrechnung soll nicht der gesetzlichen Prüfungspflicht unterliegen. Wie bei anderen Neuerungen vergleichbarer Bedeutung und Auswirkung ist aber insbesondere am Anfang nicht auszuschließen, dass die Aufsicht mittels Festsetzung von Prüfungsschwerpunkten oder Sonderprüfungen Einsicht in den Umsetzungsstand nimmt.

Veröffentlichungsturnus

Im ITS ist kein expliziter Rhythmus festgelegt, sondern auf Art. 420 CRR verwiesen (mindestens jährlich parallel zur Veröffentlichung des handelsrechtlichen Jahresabschlusses, freiwillige unterjährige Veröffentlichungen auch einzelner Bestandteile in Abhängigkeit von Risiken, Geschäftsmodell, Rahmenbedingungen möglich).

Auswirkungen auf die Institute

Insgesamt nehmen die Offenlegungsanforderungen in allen Themengebieten erheblich zu. Die Informationsbeschaffung im entsprechenden Detail und in der erforderlichen Datenqualität wird für die Institute zur Herausforderung. Insbesondere die zukünftig durchzuführende Verknüpfung von aufsichtsrechtlicher und bilanzieller Kapitalberechnung in der Überleitungsrechnung wird die Institute vor Herausforderungen stellen, Datenquellen zu vereinheitlichen und einheitliche Granularitätsgrade der verwendeten Daten sicherzustellen.

/* */