Kategorie: Risikomanagement

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Regulatory Roadshow 2016: „Basel IV“?! Welcome to the Next Generation of RWA

Basel IV

Die Bankenaufsicht in Europa bleibt in Bewegung. Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht hat in den zurückliegenden Monaten eine Reihe von Konsultationspapieren veröffentlicht, die weitreichende Änderungen in der Ermittlung der risikogewichteten Aktiva vorsehen. Hierdurch kommen, unabhängig von der betrachteten Risikoart – Kreditrisiko, Marktrisiko, operationelle Risiken – und den genutzten Verfahren – Standardansätze oder interne Modelle – zahlreiche neue Anforderungen auf die Banken zu. Das inoffizielle Schlagwort „Basel IV“ ist bereits in aller Munde. Doch auch die europäischen Bankenaufsichtsbehörden arbeiten ihre umfassenden Arbeitsprogramme in den kommenden Jahren ab – frei nach dem Motto „Eine fundamentale Überarbeitung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen innerhalb der Säule I der Baseler Standards allein reicht nicht aus, um den Bankensektor robuster und krisenfester zu machen“.

Banken stehen damit vor der Herausforderung, die Folgen zahlreicher neuer Regulierungsanforderungen diverser Aufsichtsbehörden gleichzeitig einzuschätzen. Dabei müssen sie nicht nur mit Auswirkungen auf die Kapitalanforderungen, sondern auch mit einem enormen Umsetzungsaufwand rechnen.

Wir laden Sie herzlich zu unserer Regulatory Roadshow 2016 ein, um Sie und Ihr Haus rechtzeitig auf die neuen Anforderungen vorzubereiten. Werfen Sie mit uns einen Blick auf das Basel-IV-Reformpaket und weitere Neuerungen im Bankenaufsichtsrecht und diskutieren Sie mit uns die Auswirkungen und Herausforderungen. Der Fokus unserer Roadshow liegt dabei vor allem auf „Basel IV“, sodass insbesondere folgende Themenfelder auf der Agenda stehen:

Neuerungen aus Basel – „Basel IV“?! Welcome to the Next Generation of Risk-Weighted Assets (RWA)

  • neue Anforderungen im Rahmen der Floor-Regelung und an interne Modelle
  • Kreditrisiko − Kreditrisiko-Standardansatz (KSA) − Standardansatz für Kontrahentenrisiken (SA-CCR) − Verbriefungen − Anteile an Investmentfonds
  • Marktrisiko − Fundamental Review of the Trading Book (FRTB) − Credit Valuation Adjustment (CVA) Risk Capital Charge − Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch (IRRBB)
  • neue Vorschriften zu operationellen Risiken
  • neue Vorschriften zur Offenlegung
  • neue Großkreditvorschriften
  • MREL und TLAC
  • Neuerungen aus Brüssel und London – weitere Technical Standards und neue Guidelines

Lassen Sie sich von unseren Experten umfassend über die künftigen aufsichtsrechtlichen Anforderungen informieren – wir freuen uns auf Sie!

Die Veranstaltungsorte und -termine:

20.06.2016, Düsseldorf

29.06.2016, Hamburg

06.07.2016, Berlin

07.07.2016, München

11.07.2016, Frankfurt a. M.

12.07.2016, Frankfurt a. M.

22.07.2016, Stuttgart

Die Teilnahme ist für Sie kostenfrei. Wir würden uns freuen, Sie auf unserer Veranstaltung begrüßen zu dürfen.

International venues

We look forward to meeting you also in:

The Netherlands (Amsterdam)

Greece (Athens)

Romania (Bucharest)

Ireland  (Dublin)

Turkey (Istanbul)

United Kingdom (London)

Luxembourg (Luxembourg)

Spain (Madrid)

Italy (Milano)

France (Paris)

Latvia (Riga)

Sweden (Stockholm)

Poland (Warsaw)

Austria (Vienna).

Detailed information on our international Roadshow 2016 is available on request.

Anmeldung

Bitte melden Sie sich online über www.pwc-event.com/ regulatory-roadshow zur Veranstaltung an. Es öffnet sich eine Webseite mit weiteren Veranstaltungsinformationen.

Bei Fragen zum Thema für Sie da:

Martin Neisen

Tel.: +49 69 9585-3328

martin.neisen@de.pwc.com

Bei organisatorischen Fragen für Sie da:

Michaela Heuß

Tel.: +49 69 9585-5928

events.de@de.pwc.com

Mehr Informationen rund um Basel IV erhalten Sie auch auf unserer Webseite: Willkommen in der Welt von Basel IV

Basel IV Channel: Episode 3 – Revised Market Risk Framework Part 1: Sensitivities-Based Approach

Nachdem wir in unserem letzten Channel am 8. April 2016 auf die Änderungen beim Kreditrisiko-Standardansatz eingegangen sind („Revisions to the Standardised Approach for Credit Risk – second consultative document“), möchten wir in den nächsten beiden Terminen tiefer in die Neuerungen bei den Marktrisiken einsteigen.

Der Baseler Ausschuss hat im Januar 2016 die „Minimum capital requirements for market risk“ veröffentlicht. Dieses Papier regelt die Abgrenzung zwischen Anlagebuch und Handelsbuch neu und führt neue Methoden zur Ermittlung der RWA für Marktrisiken ein. Auf diese Methoden werden wir in den kommenden beiden Basel IV Channels eingehen.

Wir starten mit dem ersten Teil:

„Revised Market Risk Framework Part 1: Sensitivities-Based Approach“

am 13. Mai 2016 um 15 Uhr

Wir laden Sie herzlich ein, sich kostenfrei und unverbindlich zu dem genannten Termin anzumelden. Hier geht es direkt zur Anmeldeseite für unseren Basel IV Channel. (Alle Teilnehmer der vorherigen Veranstaltungen erhalten automatisch eine Einladung per E-Mail). Sie werden live durch die Veranstaltung geführt.

The international Basel IV Channel Episode 3 „Revised Market Risk Framework Part 1: Sensitivities-based Method“ is scheduled for June 3, 2016. Registration link – www.pwc-event.com/basel-iv-channel-international

Der Folgetermin „Revised Market Risk Framework Part 2: Internal Models Approach“ findet am 17. Juni 2016 um 15 Uhr statt.

Die beiden Channels werden jeweils 15-30 Minuten dauern.

Sie haben den letzten Basel IV Channel verpasst ? Hier können Sie die Aufzeichnung des Webinars „Revisions to the Standardised Approach for Credit Risk – second consultative document“ nachträglich anschauen. Alle Webinars dieser Reihe finden Sie in unserem PwC Basel IV Channel auf Youtube.com.

Wir freuen uns, Sie zu unserem nächsten Termin begrüßen zu dürfen!

Herzlichst Ihr Martin Neisen,

Global Basel IV Leader

Mehr Informationen rund um Basel IV erhalten Sie auch auf unserer Webseite: Willkommen in der Welt von Basel IV

IRRBB – Update zu den finalen Standards

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat am 22. April 2016 die finalen Standards zu Zinsänderungsrisiken im Bankbuch veröffentlicht (Standards – Interest rate risk in the banking book (BCBS 368)).

Hintergrund

Die jetzt veröffentlichten finalen Standards sind das Ergebnis der Überarbeitung der vom BCBS 2004 erstmals festgelegten Principles for the management and supervision of interest rate risk (IRR Principles). Die seit 2004 erfolgten Veränderungen der Finanzmärkte und Aufsichtspraktiken erforderten eine Anpassung der Grundlagen für die Identifizierung, Messung, Überwachung und Kontrolle der Zinsänderungsrisiken im Bankbuch. Die überarbeiteten Principles waren in 2015 Gegenstand einer Konsultation, in deren Rahmen der Baseler Ausschuss zwei Optionen zur Messung der Zinsänderungsrisiken im Bankbuch vorgestellt hat: einen standardisierten Ansatz als zusätzlichen Bestandteil der Säule I sowie einen erweiterten Säule II-Ansatz, der als Teil des aufsichtlichen Überwachungsprozesses auch die Anwendung bankinterner Modelle und Messeverfahren vorsieht (ausführlich zur Konsultation: Regulatory Blog Beitrag: „Zinsänderungsrisiken im Bankbuch – Konsultation des Baseler Ausschusses“ vom 11. Juni 2015).

Die Rückmeldungen zur Konsultation haben gezeigt, dass die Formulierung eines standardisierten Messverfahrens aufgrund der Komplexität und des heterogenen Charakters der Zinsänderungsrisiken keine ausreichend genaue und risikoangemessene Kapitalanforderungen liefern kann. Insoweit sieht der Baseler Ausschuss die Zinsänderungsrisiken im Bankbuch sachgerechter im Rahmen der Säule 2 erfasst. Neben den neugefassten Principles, die sich auf die bankinternen Risikomesssysteme und Modelle beziehen, umfassen die finalen Standards des Baseler Ausschusses auch einen Standardrahmen zur IRRBB-Messung, in den die Überlegungen zum standardisierten Säule I-Ansatz aus der vorhergehenden Konsultationspapier eingeflossen sind.

Die wesentlichen Änderungen

  • Anforderungen an die internen Prozesse

Die Erwartungen an die bankinternen IRRBB-Managementprozesse im Hinblick auf die Entwicklungen der Zinsschock und –stresszenarien sind deutlich umfangreicher gegenüber den IRR Principles. Das bankinterne Messsystem umfasst einen ganzen Katalog durchzuführender Szenarien. Neben einem in Abhängigkeit vom Risikoprofil und dem internen Risikotragfähigkeits­prozess (internal capital adequacy assessment process (ICAAP)) ausgewählten Zinsschock sind auf historischen und hypothetischen Daten beruhende Zins-Stresstestverfahren durchzuführen. Weiter sind sechs verschiedene Zinsschockszenarien (Annex 2) vorgeschrieben. Dazu gehören nicht nur Szenarien mit (Zins-)Parallelverschiebungen nach oben und unten, sondern auch Short-Rate-Erhöhung und –Senkung sowie Steepener-Schocks (mit Abstieg der kurzfristigen Zinssätze und Anstieg der langfristigen Zinssätze) bzw. Flattener-Schocks (Anstieg der kurzfristigen Zinssätze und Abstieg der langfristigen Zinssätze). Darüber hinaus können weitere aufsichtlich geforderte Szenarien hinzukommen.

Weiter wurden die Schlüsselaspekte und Modellannahmen, die die Institute bei der Messung ihrer Zinsänderungsrisiken berücksichtigen sollen, näher festgelegt. Für eine Reihe von gängigen Produkten werden im Rahmen der Standards die einzubeziehenden Kennzeichen definiert. Darüber hinaus sind regelmäßige Tests und Sensitivitätsanalysen erforderlich.

  • Offenlegung

Deutlich ausgeweitet wurden auch die Anforderungen an die Offenlegung des mit dem Zinsänderungsrisiko verbunden Risikopotenzials des jeweiligen Instituts. Zum einen betrifft dies die jährlich offenzulegenden qualitativen und quantitativen Informationen im Zusammenhang mit der Beschreibung der bankinternen Zinsrisikomanagementziele und –strategien (Table A, BCBS 368). Zum anderen sind die quantitativen Auswirkungen der verschiedenen Zinsschockszenarien auf Economic Value of Equity (EVE) und Net Interest Income (NII) offenzulegen.

  • Aufsichtlicher Prüfungsprozess

Der Rahmen für die regelmäßige aufsichtliche Prüfung der Zinsänderungsrisiken und die damit verbundenen Managementprozesse der Banken wurde ebenfalls überarbeitet und transparenter gemacht: Die Faktoren, die die Aufsicht bei ihrer Prüfung berücksichtigt, werden ausführlich dargestellt.

  • Schwellenwert für „Ausreißer”-Institute

Der Schwellenwert zur Identifizierung von sogenannten Ausreißer-Instituten (outlier banks), die kein angemessenes Zinsänderungsrisikomanagement betreiben wurde gegenüber der Vorversion gesenkt. Als Ausreißer gelten Institute, bei denen die Zinsschockszenarien zu einem Verlust von 15% des CET1-Kapitals führen (vormals 20%). Ausreißer-Institute müssen mit aufsichtlichen Konsequenzen rechnen, insbesondere mit zusätzlichen Kapitalanforderungen.

  •  Standardised Framework

Den standardisierten Rahmen zur Messung der IRRBB können die Banken alternativ anwenden oder – wenn die aufsichtliche Prüfung Mängel der bankinternen Messverfahren ergibt – seitens der Bankenaufsicht dazu verpflichtet werden. Der Standardrahmen basiert bei der Berechnung der IRRBB Mindestkapitalanforderungen allein auf den Änderungen des ökonomischen Kapitals (EVE). Für die Berechnung sind 5 Schritte vorgesehen (im Einzelnen dazu die Darstellung im Regulatory Blog Beitrag: „Zinsänderungsrisiken im Bankbuch – Konsultation des Baseler Ausschusses“ vom 11. Juni 2015)

Anwendungsbereich und Umsetzung

Die Standards zu den Zinsänderungsrisiken im Bankbuch richten sich in erster Linie an international tätige Banken auf konsolidierter Ebene. Es steht den nationalen Aufsehern jedoch frei, die Anforderungen auch auf die anderen Kreditinstitute anzuwenden. Von den Banken wird erwartet, die Standards bis 2018 umzusetzen.

Auswirkungen

Die Zinsschockszenarien erfordern komplexe Berechnungsmethoden. Gleiches gilt für die innerhalb der bankinternen Messverfahren und Methoden berücksichtigenden Faktoren und Optionalitäten. Ebenso werden die erweiterten Offenlegungsanforderungen zu einem erheblichen Ressourcen- und Zeitaufwand führen.

RTS on Prudent Valuation – Bedeutung und Herausforderung der AVA

Die Europäische Kommission hat am  28. Januar 2016 den finalen Regulatory Technical Standard (RTS) zur Prudent Valuation (Delegierte VO (EU) 2016/101 zur Ergänzung der CRR im Hinblick auf technische Regulierungsstandards für die vorsichtige Bewertung nach Artikel 105 Absatz 14) veröffentlicht. Damit kommt sie ihrem Auftrag  zur Konkretisierung der Anforderungen an eine vorsichtige Bewertung aller zum Fair Value bilanzierten Positionen gemäß Art. 34 i.V.m. 105 CRR nach. Aufbauend auf der Veröffentlichung des finalen RTS im EU-Amtsblatt folgte bereits am 4. Februar 2016 eine Berichtigung, die jedoch nur eine kleine Anpassung beinhaltete. Sämtliche Regelungen sind 20 Tage nach Veröffentlichung und somit ab dem 17. Februar 2016 verpflichtend anzuwenden.

Überblick

Ziel der Prudent Valuation ist es, sämtliche zum Fair Value bilanzierten Positionen so zu bewerten, dass auch Bewertungsunsicherheiten berücksichtigt werden, die nicht oder aus Sicht des Aufsehers nicht ausreichend in den Werten der externen Rechnungslegung berücksichtigt sind. Um diesen „Prudent Value“ zu ermitteln, sind so genannte Additional Valuation Adjustments (kurz: AVA) zu berücksichtigen. Die Bestimmung der Wertanpassungen hat für sämtliche Fair Value-Positionen zu erfolgen, unabhängig davon, ob diese dem Handels- oder Bankbuch zugeordnet werden. Auch eine Bagatellgrenze für Kleinstpositionen, für die kein Prudent Value zu ermitteln wäre, gibt es grundsätzlich nicht. Diese Wertanpassungen sind zudem sowohl auf der Aktivseite (Wertminderung) als auch auf der Passivseite (Werterhöhung) zu berücksichtigen.

Zur Bestimmung der Höhe der AVA enthält der finale RTS weiterhin einen einfachen und einen komplexeren Ansatz, wobei sich das zu verwendende Verfahren nach der Höhe der einzubeziehenden Fair Value-Positionen (15 Milliarden Euro-Grenze) richtet. Im einfachen Ansatz (Simplified Approach) wird eine Multiplikation aller relevanten Fair Value-Positionen mit dem Faktor 0,001 durchgeführt. Dem steht der Basisansatz (Core Approach) gegenüber, bei welchem für neun Risiko- und Kosten­kompo­nenten individuelle AVA gebildet werden müssen. Dabei soll ein Sicherheitsniveau für die tatsächliche Realisierung des Prudent Values von mindestens 90% erreicht werden.

Regulatorische Bedeutung und fachliche Herausforderungen

Die besondere Bedeutung der AVA entsteht vor allem dadurch, dass diese unmittelbar im Sinne von zusätzlichen Bewertungsanpassungen als Verringerung des harten Kernkapitals zu berücksichtigen sind (Art. 34 CRR). Im Gegenzug sind sie jedoch auch bei der Bestimmung der Eigenmittelanforderung für das Kreditrisiko zu berücksichtigen. Die Berücksichtigung der AVA erfolgt im Kreditrisikostandardansatz (KSA) durch eine Anpassung des Exposure Values und somit durch die Reduktion der Bemessungsgrundlage. Voraussetzung ist, dass die aufsichtsrechtlichen Vorgaben eine Verwendung des Fair Value vorsehen (nur bilanzielle Positionen). Ansatzpunkt der Prudent Valuation im auf internen Ratings basierenden Ansatz (IRBA) bildet der Wertberichtigungsvergleich, mittels welchem die erwarteten Verluste den tatsächlich durch das Institut gebildeten Wertberichtigungen gegenübergestellt werden. Hier werden die AVA auf der Seite der gebildeten Wertberichtigungen berücksichtigt.

Zwar sind die Vorgaben der Prudent Valuation nicht grundsätzlich neu, ebenso haben die meisten Institute bereits feste Prozesse implementiert, um den Prudent Value zu bestimmen, jedoch bestehen dennoch sowohl aus fachlicher als auch aus prozessualer Sicht noch immer einige Herausforderungen.

In diesem Zusammenhang ist insbesondere anzuführen, dass zur korrekten Erfassung der gebildeten AVA im Rahmen der Anpassung der Bemessungsgrundlage für KSA-Positionen einerseits und im Wertberichtigungsvergleich für IRBA-Positionen andererseits eine AVA-Ermittlung auf Einzelpositionsebene erforderlich ist. Stellt dies bei Anwendung des einfachen Ansatzes durch die Linearität (0,1% auf den Fair Value) keine Herausforderung dar, so ist in der Praxis bei Verwendung des komplexeren Basisansatzes zu beobachten, dass die AVA auf Portfoliogrößen ermittelt werden. Eine Rückverteilung auf Einzelpositionen im KSA und IRBA ist anschließend – wenn überhaupt – nur mit Verteilungsschlüsseln möglich. Da die AVA somit nicht zweifelsfrei einer bestimmten Position zugeordnet werden können, werden diese aus Gründen der Konservativität nicht in der Bemessungsgrundlage bzw. im Wertberichtigungs­vergleich berücksichtigt. Aufgrund der Anforderung, die vorhandenen Eigenmittel um den Gesamtbetrag der AVA zu reduzieren (es ist somit keine explizite Zuordnung zu den einzelnen Positionen nötig)  kommt es in der Praxis zu Inkonsistenzen. Während keine Berücksichtigung im Zuge der KSA-RWA-Ermittlung und dem IRB-Wertberichtigungsvergleich erfolgt, reduzie­ren sich die Eigenmittel um den Betrag der gebildeten Wertanpassungen.

Eine wesentliche Herausforderung bei der AVA-Ermittlung stellt der Ermittlungsprozess selbst dar. Hierbei muss jedes Institut eine Infrastruktur zur Sammlung sowohl von Positions-/Risikodaten (z.B. Sensitivitäten, Volumina) als auch relevanten Marktdaten schaffen. Die notwendigen Daten liegen sehr oft nicht in einem System vor und müssen über diverse Schnittstellen nach Konvertierungsprozessen aggregiert werden. Da die AVA regelmäßig zu berechnen sind, ist hierbei mit einem größeren Aufwand für die Konzeption und Umsetzung zu rechnen.

Die methodischen Herausforderungen bei der Berechnung einzelner AVA stellen wir ausführlich in unserem Risk Blog Beitrag: „Prudent Valuation“ dar.

Ihre Ansprechpartner

Martina Bäthe-Guski

Peter Büttel

 

Operationelles Risiko – Wegfall des AMA und ein neuer Standardansatz für alle Banken

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat am 04. März 2016 das zweite Konsultationspapier zur Ermittlung der Eigenkapitalanforderungen für operationelle Risiken veröffentlicht (Standardised Measurement Approach for operational risk – Consultative Document (BCBS 355)).

Hintergrund

Die aktuelle Konsultation baut auf dem im Oktober 2014 veröffentlichten Konsultationspapier zur Überprüfung der bisherigen Verfahren zur Ermittlung der Eigenkapitalanforderungen für operationelle Risiken (Operational risk – Revisions to the simpler approaches – Consultative Document (BCBS 291)) auf. Unter dem Titel „Standardised Measurement Approach for operational risk“ stellt es einen aktualisierten Standardansatz für die Ermittlung der Eigenmittelanforderungen für operationelle Risiken vor. Zukünftig soll ein einfacher standardisierter Ansatz die Vergleichbarkeit zwischen den Instituten sicherstellen. Zusätzlich soll die Berücksichtigung von internen Verlusten als maßgeblicher Indikator für die Berechnung der operationellen Risiken integriert werden.

Der Baseler Ausschuss plant neben der Konsultationsphase bis zum 3. Juni 2016 eine weitere QIS durchzuführen, um die in dem zweiten Konsultationspapier enthaltenen Regelungen final zu kalibrieren.

Bezüglich der bisherigen Messverfahren für das operationelle Risiko sowie deren Überprüfung im ersten Konsultationspapier verweisen wir auf unseren dazugehörigen Beitrag im Risk Blog: Weiterentwicklung des Standardansatzes für operationelle Risiken (BCBS Konsultationspapier)“.

Notwendigkeit der Anpassungen im Rahmen des zweiten Konsultationspapiers (BCBS 355)

Das erste Konsultationspapier (BCBS 291) sah vor allem die Zusammenführung der beiden bisherigen Ansätze – BIA und STA – und die damit verbundene Überarbeitung der identifizierten Schwächen durch eine neu entwickelte Berechnungsmethodik vor.

Die Abschaffung des AMA wurde seitens des Baseler Ausschusses zwar diskutiert und angekündigt, jedoch erst mit dem zweiten Konsultationspapier (BCBS 355) konkret vorgeschlagen. Die inhärente Komplexität der ambitionierten Messansätze und eine fehlende Vergleichbarkeit, bedingt durch ein breites Spektrum an internen Modellen, haben dazu geführt, dass der AMA als Berechnungsmethodik Vertrauen verloren hat und rechtfertigt letztendlich dessen Abschaffung.

Da der Revised Standardised Approach aus dem ersten Konsultationspapier jedoch erwartungsgemäß keine Alternative für AMA-Banken darstellt, berücksichtigt der Baseler Ausschuss nun im Rahmen des Standardised Measurement Approach (SMA) zusätzlich interne Verlustdaten als maßgeblichen Indikator für die Berechnung des operationellen Risikos. Darüber hinaus sollen die im Zuge der ersten Konsultationsphase identifizierten Schwächen adressiert werden. Dazu gehört insbesondere die Benachteiligung gewisser Geschäftsmodelle, die zukünftig mit Hilfe verschiedener Anpassungen vermieden werden soll. Die Funktionsweise wird nachfolgend erläutert.

Funktionsweise des überarbeiteten Standardansatzes

Die Funktionsweise basiert auf dem Grundprinzip des im ersten Konsultationspapier dargestellten Business Indicator (BI) als neuem Proxy-Indikator (inkl. der Einordnung in so genannte größenabhängige „Buckets“) und kombiniert diesen mit bankspezifischen internen Verlustdaten. Die Berechnung des BI erfolgt weiterhin auf Basis der Gewinn- und Verlustrechnung. Gemäß dem zweiten Konsultationspapier setzt sich der BI aus drei Komponenten zusammen:

  1. Zins-, Leasing- und Dividendenkomponente
  2. Servicekomponente
  3. Finanzielle Komponente

Im Vergleich zum ersten Konsultationspapier haben sich insbesondere die folgenden Änderungen ergeben:

  • Berechnung der Zins-, Leasing und Dividendenkomponente:

Im zweiten Konsultationspapier werden in der ersten Komponente zusätzlich Dividendenerträge berücksichtigt und es erfolgt eine veränderte Berücksichtigung des Leasingergebnisses. Damit greift der Baseler Ausschuss die Kritik auf, dass deren inkonsistente Behandlung zu Arbitragemöglichkeiten innerhalb des Business Indicators führen könnte.

  • Berechnung der Servicekomponente:

Der neu eingeführten Parameter uBI (Unadjusted Business Indicator) adressiert unter anderem die bisher vergleichsweise hohen Eigenmittelanforderungen in Relation zu den operationellen Risiken von Instituten mit einer hohen Nettozinsmarge. Darüber hinaus wird der höhere der beiden Posten Provisionsaufwendungen und Provisionserträge berücksichtigt. Das ist zwar günstiger als im ersten Konsultationspapier, aber noch deutlich konservativer als heute.

  • Berechnung der finanziellen Komponente:

Die Berechnungslogik der finanziellen Komponente hat sich im Vergleich zum ersten Konsultationspapier nicht verändert. Sowohl das Nettoergebnis des Handelsbuches als auch des Bankbuchs werden als Durchschnitt der letzten drei Jahre (Absolutwert) berücksichtigt.

Analog zu den Vorschlägen des ersten Konsultationspapiers, erfolgt auch beim SMA eine Unterteilung des BI in fünf Buckets, welche jeweils mit einem Koeffizienten zur Berechnung der BI Komponente versehen sind. Im Vergleich zum ersten Konsultationspapier findet aufgrund der Berücksichtigung der Verlustkomponenten keine stufenweise Anwendung der Buckets mehr statt. Die Banken berechnen ihren BI ausschließlich in „ihrem“ Bucket. Darüber hinaus erfolgte auf Basis der Ergebnisse einer Auswirkungsstudie (QIS) eine Rekalibrierung der einzelnen Buckets im Vergleich zum ersten Konsultationspapier.

Die Eigenmittelanforderungen für Banken in Bucket 1 entsprechen denen der BI Komponente. Kleinere Banken mit einem BI bis zu € 1 Mrd. müssen somit keine Verlustdaten ermitteln. Bei Banken in den Buckets 2 bis 5 resultieren die Eigenmittelanforderungen aus der Multiplikation der BI Komponente mit dem Multiplikator interner Verluste. Die Berechnungsmethodik ist allerdings so kalibriert, dass auch bei größeren Instituten die erste € 1 Mrd. des BI nicht mit dem Multiplikator interner Verluste multipliziert wird. Erste Analysen haben gezeigt, dass Institute mit Schwerpunkten im Kreditgeschäft mit einer Bilanzsumme zwischen € 20 und 40 Mrd. in den Bucket 2 fallen können.

Die Analysen des Baseler Ausschusses haben ergeben, dass das Geschäftsvolumen einer Bank nur ein Einflussfaktor auf das operationelle Risiko ist. Zur Steigerung der Risikosensitivität ist jedoch die Berücksichtigung weiterer Indikatoren unerlässlich. Auf Basis der Analysen wurden interne Verlustdaten als ein wesentlicher Indikator identifiziert, die Banken ab Bucket 2 in ihrer Berechnung des OpRisk berücksichtigen müssen.

Gemäß den Vorgaben der MaRisk (BTR 4) haben heute schon alle Banken in Deutschland zumindest wesentliche operationelle Risiken mindestens jährlich zu identifizieren und zu beurteilen. Anwender der ambitionierten Messansätze sammeln derartige Informationen zu den Verlustdaten schon jetzt auf granularer Ebene und sollten daher in der Lage sein, basierend auf vorhandenen Informationen zukünftig die Verlustkomponente zu berechnen. Die eingetretenen internen Verluste werden im Rahmen des SMA über den Multiplikator interner Verluste (MIV) berücksichtigt, welcher sich aus einer Verlustkomponente und einer BI Komponente zusammensetzt. Die Verlustkomponente unterscheidet zwischen Verlustfällen über € 10 Mio und € 100 Mio sowie geringeren eingetretenen operationellen Verlusten. In diesem Zusammenhang sind die Verlustdaten der letzten zehn Jahre in die Berechnung einzubeziehen. Während des Übergangszeitraumes gibt es die Möglichkeit, sofern die entsprechenden Daten der letzten zehn Jahre nicht vorliegen, einen mindestens fünfjährigen Zeithorizont zu berücksichtigen. Liegen auch für diesen Zeitraum keine entsprechenden Daten vor, wird das operationelle Risiko bis dahin ausschließlich basierend auf der BI Komponente kalkuliert.

Ausblick

Auf Basis der Ergebnisse der QIS soll zukünftig sichergestellt werden, dass die Kombination von Verlustkomponente und Business Indicator eine stabile Eigenmittelunterlegung für operationelle Risiken gewährleistet. Insbesondere im Rahmen der zweiten Konsultationsphase wird der Baseler Ausschuss weiter an einer sinnvollen und wirksamen Kalibrierung dieses Indikators arbeiten.

Für alle Banken, die bisher den BIA oder den STA verwendet haben und zukünftig in die Buckets 2 bis 5 fallen, werden die neuen Regelungen zu komplexeren Berechnungen der OpRisk-Anforderungen führen. Im Hinblick auf die Verlustdaten werden umfangreiche Datenerhebungen und Analysen notwendig sein. Für diese Banken wird sich durch den neuen Ansatz erstmalig ein effektives OpRisk-Management auf die Kapitalanforderungen positiv auswirken und somit kompensierend zu den tendenziell steigenden Anforderungen aufgrund der neuen Systematik wirken. Die größten Auswirkungen auf die Kapitalanforderungen werden sich allerdings voraussichtlich für diejenigen Banken ergeben, die aktuell den AMA nutzen. Hier ist insbesondere aufgrund der vorgegebenen einheitlichen Ermittlung des BI eine deutliche Erhöhung der Kapitalanforderungen zu erwarten.

Auf Basis des aktuell vorliegenden zweiten Konsultationspapiers sollten sich die Banken insbesondere heute schon mit den folgenden Fragen beschäftigen:

  • Liegen alle relevanten Daten in der notwendigen Granularität vor?
  • Welche Maßnahmen müssen bereits heute schon eingeleitet werden, um mögliche steigende Kapitalanforderungen durch ein potenziell optimiertes Management operationeller Risiken zu kompensieren?

Weitere Details zur Abschaffung des AMA und zur Umsetzungsphase des Standardised Measurement Approaches kündigte der Baseler Ausschuss im aktuellen Konsultationspapier für den Jahresverlauf 2016 an.

Ihre Ansprechpartner:

Martin Neisen

Peter Büttel

Finalisierung des Baseler Regelwerks zum Fundamental Review of the Trading Book – Minimum Capital Requirements for Market Risk

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat am 14. Januar 2016 den finalen Standard zur Ermittlung der Eigenkapitalanforderungen für Marktpreisrisiken (Minimum capital requirements for market risk, BCBS 352) veröffentlicht. Damit findet die im Mai 2012 gestartete und sich über mehrere Konsultationspapiere erstreckende Diskussion über eine grundlegende Überarbeitung der Handelsbuchvorschriften („Fundamental review of the trading book“) ihren Abschluss. Das Rahmenwerk sieht eine Umsetzung auf nationaler Ebene bis Januar 2019 vor. Die Institute haben bis Ende 2019 Zeit die neuen Anforderungen umzusetzen.
Die grundsätzliche Zielsetzung des Baseler Ausschusses ist dabei seit dem ersten Konsultationspapier unverändert (dazu unser Regulatory Blog Beitrag: „Konsultation zum Handelsbuch – Baseler Ausschuss zu Marktpreisrisiken, Handelsbuchabgrenzung und Standardmethoden“ vom 15. Mai 2012)
Das finale Regelwerk enthält wesentliche Änderungen zu drei Regelungsbereichen: Handelsbuchabgrenzung, Marktpreisrisikostandardansatz und Interne Modelle für Marktpreisrisiken.

Abgrenzung des Handelsbuches

Die Definition des Handelsbuches ist insbesondere für die Ermittlung der Kapitalanforderung für Marktpreisrisiken von Bedeutung, da diese Risiken im Anlagebuch (mit Ausnahme von Fremdwährungs- und Rohwarenrisiken) nicht mit Eigenkapital unterlegt werden. Bislang basiert die Abgrenzung der Bücher auf der nicht ausreichend konkretisierten Definition einer Handelsabsicht. Alle Positionen, die nicht mit einer Handelsabsicht gehalten werden, sind grundsätzlich dem Bankbuch zuzuordnen. Der Baseler Ausschuss hat dieses Vorgehen im finalen Regelwerk wie folgt geändert:

  • Vorgaben für eine zwingende Zuordnung zum Handels- bzw. Bankbuch für explizit genannte Geschäftsarten bzw. wenn ein bestimmter Haltegrund gegeben ist. So sind z.B. alle Handelstischpositionen zwingend dem Handelsbuch zuzuordnen. Anteile an einem Fonds mit fehlender Durchschaumöglichkeit, nicht-börsennotierte Eigenkapitaltitel oder Derivate auf Bankbuchpositionen sind hingegen zwingend dem Bankbuch zuzuordnen.
  • Definition bestimmter Geschäfte, die der Baseler Ausschuss in begründeten und vorab genehmigten Ausnahmefällen nicht unter dem Handelsbuch sieht. Darunter fallen z.B. Anteile an Fonds mit täglicher Durchschau, Handelspositionen gemäß Rechnungslegung und börsennotierte EK-Titel. Die Aufsicht behält sich das Recht vor, jederzeit eine Umwidmung von einzelnen Positionen veranlassen zu können.
  • Begrenzung der institutseigenen Entscheidung zu Umwidmung von Positionen zwischen den Büchern. Eine Umwidmung soll grundsätzlich nur noch in Ausnahmefällen zugelassen werden.
  • Definition von Anforderungen, die an einen Handelstisch gestellt werden. So ist ein Handelstisch durch eine Gruppe von Händlern und Konten mit einer klar definierten Geschäftsstrategie und definiertem Risikomanagement gekennzeichnet. Jeder Handelstisch ist dabei vom Aufseher vorab zu genehmigen.
  • Spezifische Anforderungen an den internen Risikotransfer zwischen Anlage- und Handelsbuch.

Insgesamt wird deutlich, dass der neue Standard einen intensiveren Einbezug des Aufsehers vorsieht. Darüber hinaus erhöhen sich die Anforderungen an die Datenbereitstellung sowie die Dokumentation. Somit sind z.B. die Einstufung der Positionen und das Vorgehen bei einer Umwidmung in internen Richtlinien festzuhalten und jährlich zu aktualisieren und der Aufsicht bzw. teilweise zunächst der internen Revision zur Genehmigung vorzulegen.
Die neuen Vorgaben für die Handelsbuchabgrenzung sind auch für sogenannte Nichthandelsbuchinstitute von großer Bedeutung. Diese Institute sollten sich bereits jetzt intensiv mit den Vorgaben beschäftigen. Das betrifft sowohl die potentiellen Auswirkungen auf die derzeitige Einordnung der vorhandenen Geschäfte zum Handels-bzw. Anlagebuch wie auch die Behandlung zukünftig anstehender Aktivitäten.

Marktpreisrisikostandardansatz

Im Vordergrund des überarbeiteten Marktpreisrisikostandardansatzes steht vor allem die erhöhte Berücksichtigung der Risikosensitivität. Die finalen Anforderungen zeigen, dass die Erfüllung dieses Ziels grundsätzlich mit einem Anstieg der Komplexität und damit auch der benötigten Datenqualität bei den Instituten einhergeht. Darüber hinaus verfolgt die Überarbeitung das Ziel, die durch die Finanzkrise aufgezeigten Schwächen zu beheben und eine internationale Vergleichbarkeit zwischen den Instituten herzustellen.
Das finale Rahmenwerk enthält – sowohl im Vergleich zu dem bisherigen Rahmenwerk wie auch zum dritten Konsultationspapier aus Dezember 2014 (Fundamental review of the trading book: outstanding issues – consultative document, BCBS 305) – deutlichen Veränderungen in der Struktur und Kalibrierung des Standardansatzes. In den meisten Fällen wird dies zu einem signifikanten Anstieg der Kapitalanforderung für Marktpreisrisiken führen. Die im Jahr 2015 durch den Baseler Ausschuss durchgeführte Auswirkungsstudie quantifizierte den Kapitalanstieg dabei bereits um 40%. Die wesentlichen Änderungen betreffen:

  • Änderung in der Zusammensetzung der Eigenmittelanforderung. In Zukunft ermittelt sich die Eigenmittelanforderung aus der Summe der bereits durch die Konsultation bekannten Risikoarten (Delta-, Vega-, Gamma- und Default Risiko) und einen pauschalen Add-on für alle durch den Standardansatz nicht erfassten Positionen (Residual Risk Add-on).
  • Änderungen bei der Berechnung des Curvature-Risikos und Beseitigung von mathematischen Fehlern.
  • Anwendung der neuen Berechnungslogik für Fremdwährungs- und Rohwarenpositionen auch im Bankbuch. Wie bisher unterscheidet das Regelwerk für die Ermittlung von Fremdwährungs- und Rohwarenrisiken nicht zwischen Bankbuch- und Handelsbuchpositionen. Insoweit kommt der überarbeitete Standardansatz für alle Positionen zur Anwendung.
  • Einführung einer Korrelationsszenario-Analyse um das Risiko von steigenden und fallenden Korrelationen in Stresszeiten zu adressieren. Bei dieser sind die Banken dazu angehalten insgesamt drei Korrelationsshifts zu betrachten (hohe Korrelation, mittlere Korrelation und niedrige Korrelation).
  • Überarbeitung der Methodik zur Berechnung der Korrelationen für das Delta- und Gamma- (Curvature)-Risiko. Gesonderte Korrelationsanforderungen bestehen, anders als in den vorherigen Konsultationen, für das Vega Risiko.
  • Anpassungen bei der Definition der Sensitivitäten, auf die der Standardansatz abstellt. Die von den Banken erwarteten Validierungsvorschriften dieser Sensitivitäten sind allerdings auch im finalen Rahmenwerk nicht vorhanden.

Interne Modelle

Die zwei wesentlichen Änderungen in Bezug auf die Nutzung interner Marktpreisrisikomodelle sind die Ablösung des VaR Verfahrens durch die Expected Shortfall Methodik sowie die Möglichkeit, Modelle zukünftig auch auf einzelne Handelstische einzuschränken. Gleichwohl muss grundsätzlich eine Parallelrechnung des Standardansatzes erfolgen, da dieser u.a. als Rückfallgröße, Benchmark und Rekalibrierungsbasis dient.
Die durch das finale Papier entstehenden bzw. sich ändernden Offenlegungsvorschriften sind nicht Teil dieses Standards, sondern werden vom Baseler Ausschuss in einem separaten Papier zur Konsultation gestellt werden.

Mehr zu diesen Themen in Kürze hier im Regulatory Blog von PwC.

EBA-Leitlinie zur Begrenzung von Forderungen an Schattenbanken

Am 14. Dezember 2015 hat die EBA die finale Leitlinie zur Limitierung von Forderungen an Schattenbanken veröffentlicht. Als Schattenbanken werden in diesem Zusammenhang Unternehmen bezeichnet, die bankähnliche Geschäfte betreiben, jedoch keiner vergleichbaren Beaufsichtigung unterliegen. Die EBA sieht aufgrund der fehlenden Regulierung die Gefahr, dass ein Anreiz zur Verlagerung von regulierten Aktivitäten auf Schattenbanken geschaffen werden könnte. Für Schattenbanken werden daneben ein unzureichender Investorenschutz, exzessive Verschuldungsmöglichkeiten und ein fehlender Zugang zu Zentralbankliquidität im Krisenfall als besondere Risiken gesehen. Durch die potentiell starke Verknüpfung von Schattenbanken könnten sich in der Folge Ansteckungseffekte auf den regulierten Finanzsektor ergeben.

Die EBA-Leitlinie enthält jedoch keine direkten Vorgaben für Schattenbanken. Vielmehr soll der bereits regulierte Finanzsektor durch die Schaffung von internen Management und Überwachungsprozessen und die Einführung von spezifischen Obergrenzen gegenüber Schattenbanken in seinen Aktivitäten mit dem Schattenbanksektor eingeschränkt werden. Grundlage hierfür ist das EBA-Mandat gem. Art. 395 Abs. 2 CRR im Zusammenhang mit den bestehenden allgemeinen Großkreditvorschriften.

Vorbehaltlich der formalen Übernahme der Leitlinie durch die nationalen Behörden (comply-or-explain Verfahren), ist ein Inkrafttreten der Regelungen für den 1. Januar 2017 vorgesehen.

Definition der relevanten Forderungen und des Schattenbankunternehmens

Als relevante Forderungen an Schattenbanken werden sämtliche Engagements definiert, die – nach Kreditrisikominderung und der Anwendung von Ausnahmeregeln für Großkredite – 0,25% der anrechenbaren Eigenmittel des Institutes gemäß Art. 4 Abs. 1 Nr. 71 CRR übersteigen. Die zusätzlich eingeführte Wesentlichkeitsgrenze von 0,25% der anrechenbaren Eigenmittel soll einen übermäßigen Aufwand bei der Identifizierung von Forderungen an Schattenbanken verhindern, zumal eine im Zuge der Konsultationsphase durchgeführte Datenauswertung der EBA zeigte, dass rund 97% aller Forderungen unterhalb dieses Schwellenwerts liegen.

Eine Herausforderung dürfte hingegen in der Operationalisierung der Definition von Schattenbankunternehmen liegen. Die EBA stellt keinen abschließenden Katalog der relevanten Unternehmen oder Rechtsformen zur Verfügung, sondern sieht eine zweistufige Ableitung von Schattenbankunternehmen vor.

Stufe 1: Tätigkeiten des Unternehmens, wenn diese Fristentransformation, Liquiditätstransformation, Verschuldung und Kreditrisikotransfers begründen.

Als konkrete Finanzdienstleistungen definiert die Leitlinie mindestens die folgenden Tätigkeitsbereiche als Schattenbankaktivitäten (vgl. auch Anhang I CRD IV):

  • Einlagengeschäft, Kreditgeschäft, Finanzierungsleasing, Bürgschaften und Kreditzusagen, Handelsgeschäfte auf eigene oder fremde Rechnung, Teilnahme an Wertpapieremissionen und Geldmaklergeschäfte

Stufe 2: Unternehmen die den Status „excluded undertakings“ erhalten und damit nicht als Schattenbanken einzustufen sind:

  • Unternehmen, die einer konsolidierten Aufsicht unterliegen (EU oder gleichwertige Drittstaaten)
  • Kreditinstitute (EU oder gleichwertige Drittstaaten)
  • Wertpapierfirmen (EU oder gleichwertige Drittstaaten)
  • Nationalbanken, Staaten und bestimmte öffentliche Stellen
  • Beaufsichtigte oder unbedeutende Versicherungsunternehmen
  • Einrichtungen für betriebliche Altersvorsorge
  • Beaufsichtigte Fonds (OGAW)
  • Zentrale Kontrahenten
  • E-Geld Emittenten und Zahlungsinstitute
  • Unternehmen, die i.W. gruppeninterne Geschäfte betreiben
  • Abwicklungsbehörden oder Unternehmen, die im Zuge einer Bankenabwicklung gegründet werden

Im Ergebnis fallen also sämtliche Unternehmen, die in Stufe 1 genannten. Schattenbankaktivitäten ausüben und nicht explizit unter den „excluded undertakings“ aufgeführt sind, in den Anwendungsbereich der Leitlinie.

Ergänzend nennt die EBA einige konkrete Beispiele, in denen sie den Schattenbankentatbestand per se als erfüllt ansieht. Zum einen sind das alle Zweckgesellschaften (SPEs und SPVs), die nicht in die bankaufsichtliche Überwachung auf konsolidierter Ebene einbezogen sind.

Zum anderen sollen auch grundsätzlich alle Geldmarktfonds aufgrund der hohen Volumina als Schattenbank im Sinne der EBA-Leitlinie eingestuft werden – unabhängig davon, ob diese als OGAW-konform regulierte Fonds gelten oder nicht. Auch die weniger strikt regulierten Alternative Investmentfonds (AIF) sind gem. EBA nur in Ausnahmefällen nicht als Schattenbanken einzustufen.

Anforderungen an interne Prozesse und das Management

Die Leitlinie fordert insgesamt eine intensive Befassung der Institute mit der Identifizierung, Steuerung und Überwachung von Engagements gegenüber Schattenbanken. Dazu werden insbesondere folgende qualitative Anforderungen an die internen Prozesse und erforderlichen Kontrollmechanismen gestellt:

  • Identifikation der Forderungen an Schattenbanken sowie der damit verbundenen Risiken
  • Aufsetzen eines internen Risikomanagementrahmenwerkes zur Identifizierung, Steuerung, Kontrolle und Begrenzung von Risiken aus dem Schattenbankensektor
  • Berücksichtigung der identifizierten Risiken im ICAAP und Kapitalplanungsprozess
  • Festlegung von internen Risikolimits und Entwicklung eines Notfallkonzepts bei Überschreitungen der Limits
  • Aufsetzen von Prozessen zur Erkennung von Abhängigkeiten zwischen einzelnen Schattenbankunternehmen und Bestimmung von Maßnahmen für Fälle, in denen Abhängigkeiten nicht erkannt werden können

Neben diesen prozessualen Anforderungen wird die Verantwortung des Managements herausgestellt. Es wird erwartet, dass sich das Management aktiv mit der Einhaltung, Aktualität und Dokumentation der definierten Risikolimite und den bestehenden Risikomanagementprozessen auseinandersetzt und sich regelmäßig über das bestehende Engagement in Schattenbanken und den beobachteten und erwarteten Verluste informiert.

Bestimmung der Limite im “Principal Approach“

Der sog. Principal Approach sieht vor, dass Institute neben einem Gesamtlimit gegenüber sämtlichen Schattenbanken auch individuelle Einzellimits festlegen sollen.

Definition eines Gesamtlimits

Jedes Institut hat ein institutsindividuelles Gesamtlimit für alle Exposures an Schattenbanken zu definieren. Das Gesamtlimit soll sich zum einen an der Risikostrategie des Institutes orientieren. Zum anderen soll es berücksichtigen, welchen Anteil Geschäfte mit Schattenbanken am Gesamtexposure ausmachen und wie stark die Verknüpfungen zwischen einzelnen Schattenbanken und dem Institut sind. Eine konkrete Angabe über die Bestimmung der Höhe des Gesamtlimits nennt die EBA nicht.

Definition von Einzellimits

Bereits im ersten Entwurf der Leitlinie hatte die EBA für die Definition von Einzellimits den ‘Principal Approach‘ eingeführt. Der Ansatz sieht vor, dass – zusätzlich zum Gesamtlimit für sämtliche Forderungen an Schattenbanken – für jede Schattenbank ein Einzellimit festgelegt werden muss. Dieses Limit muss nicht zwingend unter der bestehenden Großkreditgrenze von 25% liegen. Die EBA betont aber, dass dem Aspekt Konzentrationsrisiken eine hohe Bedeutung im SREP beigemessen wird.

Die folgenden Informationen zur einzelnen Schattenbank sollen die Höhe des jeweiligen Einzellimits bestimmen:

  • Grad der Beaufsichtigung der Schattenbank
  • Finanzinformationen, u.a. Kapitalausstattung, Verschuldungsgrad und Liquiditätssituation
  • Portfolio, insbesondere Non-performing loans
  •  Einschätzung der Angemessenheit der Kreditprozesse
  • Anfälligkeit bzgl. Asset Price- und Kreditvolatität
  • Verhältnis der Schattenbankaktivitäten zu anderen Geschäften
  • Verknüpfung zu anderen Schattenbankeinheiten
  • weitere Kriterien

Das Festlegen der Einzellimits verlangt von den Instituten somit ein hohes Maß an verlässlichen und aktuellen Informationen über die Schattenbankunternehmen. Gleichzeitig wird deutlich, dass auch die Schattenbankunternehmen selbst künftig hohe Transparenzanforderungen erfüllen müssen, um den regulierten Finanzsektor in die Lage zu versetzen, die Anforderung für die Bestimmung von Einzellimits zu erfüllen.

Der „Fallback Approach“

Sollte der Principal Approach nicht auf alle Forderungen anwendbar sein – bspw. weil die im Principal Approach geforderten Informationen nicht vorliegen (sog. intransparente Exposure) – sieht die Leitlinie mit dem Fallback Approach eine konservative Rückfalllösung vor.

Sofern die grundsätzlichen Anforderungen an die interne Prozesse erfüllt werden, sind alle intransparenten Schattenbankexposures einem fiktiven Sammel-Kreditnehmer mit einem Gesamtlimit in Höhe der Großkreditobergrenze von 25% der anrechenbaren Eigenmittel zuzuordnen – vergleichbar mit dem Konzept des „unbekannten Kunden“ im bestehenden Großkreditregime. Transparente Schattenbankexposures können daneben weiterhin nach den Vorgaben des Principal Approach einzeln limitiert werden.

Die finale Leitlinie enthält hier eine Erleichterung im Vergleich zur Entwurfsfassung. Dort diskutierte die EBA zunächst auch, dass bereits bei einem einzigen intransparenten Kontrahenten alle Schattenbanken als ein Sammel-Kreditnehmer zu betrachten wären. Dieses Vorgehen ist nach den Vorgaben der finalen Leitlinie nur noch dann anzuwenden, wenn das Institut nicht in der Lage ist, die grundsätzlichen Anforderungen an die internen Prozesse und das Risikomanagement zu erfüllen.

Fazit

Für Banken gilt es nun in erster Linie, die Leitlinie der EBA, beginnend bei der Umsetzung der Definition von Schattenbanken, weiter zu operationalisieren. Zudem sind die Anwendungsmöglichkeiten des Principal Approach zu untersuchen. Hierbei ist auch zu diskutieren, anhand welcher Kriterien Einzellimite bestimmt und welche Limite für einzelne Schattenbankunternehmen als angemessen erachtet werden könnten. Die potenziellen Auswirkungen von ggf. unterhalb der Großkreditobergrenze liegenden Limiten – speziell im Bereich von Fondsinvestments und Verbriefungen – sind zu analysieren.

Banken müssen ohne eine ausreichende Informationslage den Fallback Approach anwenden. Das könnte die Investments in Schattenbankunternehmen beschränken. Insoweit wird auch Druck auf die Schattenbanken ausgeübt, selbst transparenter zu werden.

Um den qualitativen Kriterien der EBA bzgl. der internen Prozesse und Kontrollen gerecht zu werden, ist ggf. eine Erweiterung der Risikomanagementrahmenwerke einschließlich der Risikostrategie, der internen Limitsysteme und des internen Reportings erforderlich. Darüber hinaus sind ICAAP und Kapitalplanungsprozesse dahingehend anzupassen, dass die spezifischen Risiken aus dem Schattenbankensektor ausreichend berücksichtigt sind.

Zweites Basler Konsultationspapier zur Überarbeitung des Kreditrisikostandardansatzes – Revisions to the Standardised Approach for credit risk

Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat am 10. Dezember 2015 sein zweites Konsultationspapier zur Überarbeitungen des Kreditrisikostandardansatzes (Revisions to the Standardised Approach for credit risk – second consultative document (BCBS 347)) veröffentlicht. Die Vorschläge stehen bis zum 11. März 2016 zur Konsultation. Parallel hierzu wird auf Basis der Daten zum 31. Dezember 2015 im Rahmen des Basel III-Monitorings eine umfassende quantitative Auswirkungsstudie durchgeführt werden.

Die grundsätzliche Zielsetzung des Basler Ausschusses bei Überarbeitung des Standardansatzes bleibt unverändert, allerdings führen die Vorschläge des aktuellen Konsultationspapiers teilweise zu wesentlichen Änderungen der im ersten Konsultationspapier vom Dezember 2014 diskutierten Methodik (dazu auch Regulatory Blog Beitrag: “ Basel IV? Neuer Standardansatz zur Messung des Kreditrisikos“ vom 12. Februar 2015).

Unter anderem enthält das Konsultationspapier die folgenden wesentlichen Änderungen gegenüber der vorherigen Version:

  • Bei Forderungen an Banken können im Rahmen eines „External Credit Risk Assessment Approach / ECRAexterne Ratings wieder verwendet werden. Die daraus resultierenden Risikogewichte entsprechen den Abstufungen im bisherigen Standardansatz und liegen zwischen 20 % und 150 %. Sofern keine externen Ratings verfügbar sind oder von der Aufsicht deren Verwendung nicht zugelassen wurde, kommt ein „Standardised Credit Risk Assessment Approach / SCRA“ zur Anwendung, in dessen Rahmen eine Einordung der Forderung in drei unterschiedliche Kategorien vorzunehmen ist. Die Zuordnung zu den Kategorien ist an verschiedene Kriterien (z.B. die Einhaltung von Pufferanforderungen) geknüpft und führt zu Risikogewichten von 50 %, 100 % oder 150 %. Für kurzfristige Forderungen liegen die entsprechenden Risikogewichte bei 20 %, 50 % und 100 %.
  • Sofern für Forderungen an Unternehmen externe Ratings verfügbar und anwendbar sind, führen diese analog zu dem aktuell geltenden Standardansatz zu Risikogewichtungen von 20 % bis 100 %. Forderungen ohne Rating erhalten ein Risikogewicht von 100 %. Darüber hinaus erhalten Forderungen an Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 50 Mio. EUR ein Risikogewicht von 85 %; Retailforderungen erhalten nach wie vor ein Risikogewicht von 75 %.
  • Sofern es sich bei den Forderungen um Spezialfinanzierungen handelt, können lediglich Emissionsratings verwendet werden. Die resultierenden Risikogewichte liegen zwischen 20 % und 150 %. Sofern – wovon in der Regel auszugehen ist – keine externen Ratings vorliegen, kommen in Abhängigkeit von der Art der Spezialfinanzierung und des Stadiums der Projektfinanzierungen Risikogewichte zwischen 100 %und 150 % zum Einsatz.
  • Nachrangige Schuldverschreibungen und Eigenkapitalinstrumente erhalten Risikogewichte von 150 % bzw. 250 %, im Gegensatz zu dem vorherigen Konsultationspapier mit Risikogewichten von bis zu 400%.
  • Für Wohnungsbaukredite, die alle qualitativen Anforderungen erfüllen, sieht der Basler Ausschuss die Risikogewichtung auf Basis des LTV vor. Diese kann für LTV-Werte bis zu 100 % zwischen 25 % und 55 % liegen. Sofern der LTV bei mehr als 100 % liegt, kommt das Risikogewicht des Schuldners zur Anwendung. Sollten einzelne Anforderungen, wie z.B. die Abhängigkeit der Rückzahlung von den Cashflows des Objektes) nicht eingehalten werden, können die Risikogewichte bis auf 120 % bzw. 150 % steigen.
  • Gewerbliche Realkredite, deren Rückzahlung nicht von den Cashflows aus den Objekten abhängt, erhalten bei einem LTV von bis zu 60 % ein Risikogewicht von 60%. Bei höheren LTV kommt das Risikogewicht des Schuldners zur Anwendung. Sofern die Rückzahlung von den Cashflows aus den Objekten abhängt erhalten die Positionen je nach LTV ein RW zwischen 80% und 130%

Das Konsultationspapier enthält analog zu dem ersten Konsultationspapier noch keine Vorschläge für die zukünftige Risikogewichtung für Staaten. Diese werden, zusammen mit Zentralbanken und öffentlichen Stellen Gegenstand gesonderter Überprüfungen („broader and holistic review of sovereign related risks“) sein.

Inwieweit die geänderten Vorgaben gegenüber der Vorgängerversion zu deutlich unterschiedlichen Kapitalbelastungen führen werden, hängt im Einzelfall von den institutsindividuellen Konstellationen ab.

Mehr zu diesem Thema in Kürze hier im Regulatory Blog.

DGSD-Umsetzungsgesetz: Reform der Einlagensicherung

Das Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie 2014/49/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. April 2014 über Einlagensicherungssysteme (DGSD-Umsetzungsgesetz) ist am 03. Juli 2015 in Kraft getreten.

Mit dem umfangreichen Artikelgesetz werden die bisherigen gesetzlichen Grundlagen der Einlagensicherung, die sich aus dem Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz (EAEG) ergaben, weitreichend reformiert.

Die Vorgaben zur Einlagensicherung sind künftig im neu geschaffenen Einlagensicherungsgesetz (EinSiG) geregelt, während die Regelungen zur Anlegerentschädigung jetzt im (materiell unveränderten) Anlegerentschädigungsgesetz (AnlEntG) verankert sind. Daraus ergeben sich eine Reihe von Folgeänderungen, die neben dem Kreditwesengesetz (KWG) das Sanierungs- und Abwicklungsgesetz (SAG), das Finanzdienstleistungsaufsichtsgesetz, das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) sowie die Verordnungen über die Zuweisung von Aufgaben und Befugnissen einer Entschädigungseinrichtung betreffen.

Hintergrund

Mit der Richtlinie 2014/49/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. April 2014 über Einlagensicherungssysteme (Einlagensicherungsrichtlinie) wurden die Anforderungen an die nationalen Einlagensicherungssysteme auf europäischer Ebene so weit wie möglich harmonisiert. Neben der Verbesserung der finanziellen Ausstattung werden die Fristen für Einleger im Entschädigungsfall verkürzt und eine umfassende Sicherungspflicht für alle Kreditinstitute eingeführt. Eine Vereinheitlichung der Einlagensicherungssysteme auf Ebene der Bankenunion ist jedoch nicht erfolgt. Vielmehr bleiben die nationalen Einlagensicherungssysteme weiterhin bestehen.

Die wesentlichen Änderungen

  • Einlagensicherungspflicht (§ 1 EinSiG)

Alle CRR-Kreditinstitute müssen ihre Einlagen durch eine Zugehörigkeit zu einem Einlagensicherungssystem absichern. Ausnahmen von dieser Pflichtmitgliedschaft (wie bisher für Sparkassen und Genossenschaften durch die Zugehörigkeit zu institutsbezogenen Sicherungseinrichtungen) sind nicht vorgesehen. Allerdings können die institutsbezogenen Sicherungssysteme als ein Einlagensicherungssystem anerkannt werden – von dieser Möglichkeit haben die Sicherungssysteme weitgehend bereits Gebrauch gemacht.

  • Informationspflichten (§ 3 EinSiG und § 23a KWG)

Einleger sollen künftig bessere Informationen über ihren gesetzlichen Schutz erhalten. Dazu müssen die Kreditinstitute ihre Einleger mithilfe eines Informationsbogens mit Angaben über das Einlagensicherungssystem, Sicherungsobergrenze, Erstattungsfrist sowie weitere Information zum Umfang der Erstattung versorgen. Der Informationsbogen wird als Anhang dem KWG hinzugefügt und muss dem Einleger mindestens jährlich zur Verfügung gestellt werden.

  • Entschädigungsanspruch

Der Entschädigungsanspruch wird auf die Deckungssumme von 100.000 Euro begrenzt. Weitergehende Ansprüche bis zu 500.000 Euro können in Ausnahmefällen gedeckt sein, wenn die Einlagen aus bestimmten Transaktionen resultieren oder bestimmten sozialen Zwecken dienen und daher besonders schutzwürdig sind (u.a. Transaktionen im Zusammenhang mit privat genutzten Wohnimmobilien , Beträge, die an bestimmte Lebensereignisse eines Einlegers geknüpft sind, wie Heirat, Scheidung, Renteneintritt, Ruhestand, Kündigung, Entlassung, Geburt, Krankheit, Pflegebedürftigkeit, § 8 Abs. 2 EinSiG).

  • Verkürzung der Fristen und Erleichterung bei der Entschädigung

Für den Einleger wird der Zugang zu Entschädigungszahlungen zum einen durch eine deutlich verkürzte Auszahlungsfrist (von zwanzig auf sieben Arbeitstage) erleichtert ( § 10 Abs. 2 EinSiG); zum anderen sind die CRR-Kreditinstitute verpflichtet, die entschädigungsfähigen Einlagen so zu kennzeichnen, dass diese für jeden einzelnen Einleger in Form einer sog. „single customer view“ sofort ermittelt werden können (§ 7 Abs. 8 EinSiG). Die Einlagensicherungssysteme müssen darüber hinaus von sich aus die Einleger über den Eintritt eines Entschädigungsfalls informieren.

  • Finanzierung der Einlagensicherungssysteme

Die Einlagensicherungssysteme müssen bis 2024 mindestens eine Zielausstattung von 0,8 Prozent der gedeckten Einlagen ansammeln, was über die Beitragsleistung der dem Sicherungssystem angehörenden Institute erfolgt. Die Bemessung der Beiträge erfolgt proportional zum Risiko der zugehörigen CRR-Kreditinstitute und berücksichtigt die Risikoprofile der jeweiligen Geschäftsmodelle. Neben den jährlichen Beträgen, können die CRR–Kreditinstitute auch zu Sonderbeiträgen (§ 29 EinSiG) verpflichtet werden, wenn die vorhandenen Finanzmittel der Einrichtung nicht ausreichen, um Einleger zu entschädigen.

  • Aufsichtsbefugnisse der BaFin

Einlagensicherungssysteme unterliegen der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) (§ 50 EinSiG). Dazu erhält die BaFin umfangreiche Befugnisse zur Anordnung von Maßnahmen, die eine ordnungsgemäße Durchführung der Entschädigung sicherstellen. Darüber hinaus kann die BaFin auch Auskünfte verlangen, sich Unterlagen vorlegen lassen und Prüfungen durchführen (§ 50 EinSiG iVm § 44 KWG).

Ausblick

Mit den Reformen der Einlagesicherung wurde der Verbraucherschutz nachhaltig gestärkt. Allerdings ist das Ende der Reformen wohl noch nicht abgeschlossen: In ihrem gemeinsamen Bericht („Die Wirtschafts- und Währungsunion Europa vollenden“) vom 22. Juni 2105 haben die Präsidenten der Europäischen Kommission, des Euro-Gipfels, der Euro-Gruppe, der Europäischen Zentralbank und des Europäischen Parlaments vorgeschlagen, ein Europäisches einheitliches Einlagensicherungssystem einzuführen – als dritte Säule einer Bankenunion neben der einheitlichen Bankenaufsicht und der einheitlichen Bankenabwicklung. Ein entsprechendes System könnte auf europäischer Ebene als Rückversicherung für die nationalen Einlagensicherungssysteme dienen. Es ist geplant, diese Maßnahmen in den nächsten zwei Jahren bis Mitte 2017 umzusetzen.

Finale PrüfbV für Institute 2015

Am 19. Juni 2015 wurde die Verordnung über die Prüfung der Jahresabschlüsse der Kreditinstitute und Finanzdienstleistungsinstitute sowie über die darüber zu erstellenden Berichte (Prüfungsberichtsverordnung – PrüfbV) veröffentlicht. Diese Verordnung ist am 20. Juni 2015 in Kraft getreten und ersetzt die bisherige Fassung der PrüfbV vom November 2009 .

Hintergrund

Ende 2014 startete die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eine öffentliche Konsultation über Anpassungen und Änderungen der PrüfbV. Dieser Anpassungsbedarf ergibt sich vor allem aus den bereits gültigen Ergänzungen in § 29 KWG wie z.B. Regelungen aus der unmittelbar anzuwendenden CRR oder der EMIR. (dazu unser Regulatory Blog Beitrag: „§ 29 KWG – Neue Anforderungen an Prüfer und Banken“ vom 02. September 2013).

Gliederung

Die neugefasste PrüfbV ist in acht Abschnitte gegliedert:

  • Abschnitt 1 (§§1 bis 8): allgemeine Vorschriften (Geltungsbereich, Art und zum Umfang der Berichterstattung, Berichtszeitraum, Anlagen und Vergleiche)
  • Abschnitt 2 (§§ 9 bis 10): Angaben zum Institut und Darstellung der rechtlichen, wirtschaftlichen und organisatorischen Grundlagen
  • Abschnitt 3 (§§ 11 bis 31): Berichterstattung über aufsichtsrechtliche Vorgaben (Risikomanagement, Vergütungssysteme, IT-Systeme, Sanierungsplanung, Handelsbuchvorgaben, Eigenmittel, Kapitalquoten, Liquidität sowie Offenlegung, Anzeigewesen und Vorkehrungen zur Verhinderung von Geldwäsche etc.).
  • Abschnitt 4 (§§ 32 bis 38): Berichterstattung zum Kreditgeschäft (§§ 12 bis 18 KWG, Besprechung von bemerkenswerten Krediten und bemerkenswerten Kreditrahmenkontingenten).
  • Abschnitt 5 (§§ 39 bis 43): Vorgaben zur abschlussorientierten Berichterstattung (Erläuterungen zu den einzelnen Bilanzposten, Angaben unter dem Bilanzstrich, Posten der Gewinn- und Verlustrechnung sowie Vorgaben in Bezug auf Feststellungen und Erläuterungen zur Rechnungslegung.
  • Abschnitt 6 (§§ 44 bis 51): Prüfung von Institutsgruppen, Finanzholding-Gruppen, Finanzkonglomeraten sowie über die Anwendung von Vorschriften der PrüfbV auf den Inhalt von Konzernprüfungsberichten.
  • Abschnitt 7 (§§ 52 bis 70): Angaben für das Pfandbriefgeschäft, Bausparkassen, Finanzdienstleistungsinstitute, Factoring, Leasinggeschäft sowie für die Depotprüfung.
  • Abschnitt 8 (§ 71): Datenübersichten
  • Abschnitt 9 (§§ 72 und 73): Schlussvorschriften (Inkrafttreten, erstmalige Anwendung sowie das Außerkrafttreten der bisherigen Prüfungsberichtsverordnung)

Neue Bestandteile

Neben vielen redaktionellen Anpassungen wurde der Regelungsgehalt der PrüfbV in einigen Teilen merklich ergänzt. Die wesentlichen Überarbeitungen betreffen:

  • Art und Umfang der Berichterstattung

Die neue PrüfbV enthält in § 4 Klarstellungen zu Art und Umfang der Berichterstattung. Unter anderem ist darzulegen, wie die bei der letzten Prüfung festgestellten Mängel beseitigt oder welche Maßnahmen zu ihrer Beseitigung eingeleitet worden sind. Damit kann die Aufsicht besser nachvollziehen, ob die Mängel beseitigt wurden. Nach § 5 PrüfbV soll neben der Papierform jetzt auch eine elektronische Berichtsversion eingereicht werden, um die aufsichtliche Prüfung zu erleichtern.

  • Angaben zum Institut

Die Darstellung der Darstellung der rechtlichen, wirtschaftlichen und organisatorischen Grundlagen (§ 9 Abs. 2 Nr. 8 PrüfbV) wurde dahingehend ergänzt, dass wesentliche Änderungen der IT-Systeme anzugeben und die entsprechenden IT-Projekte im Prüfungsbericht darzustellen sind. Werden Aktivitäten und Prozesse ausgelagert, die für die Durchführung von Bankgeschäften/ Finanzdienstleistungen wesentlich sind, ist nach § 9 Abs. 3 PrüfbV eine Aussage darüber zu treffen, ob die Einstufung von Auslagerungen als wesentlich oder unwesentlich unter Berücksichtigung von Risiko, Art und Umfang der Komplexität nachvollziehbar ist. Um der Aufsicht Informationen über die Einhaltung von Anordnungen wie z.B. das Leerverkaufsverbot zu gewähren, verlangt § 9 Abs. 5 PrüfbV auch die Berichterstattung über die Einhaltung der Anordnungen nach § 4 Abs. 1 Satz 3 WpHG.

  • Aufsichtsrechtliche Anforderungen

Bei den aufsichtlichen Vorgaben ist der Katalog der Beurteilungs- und Berichtspflichten durch den Abschlussprüfer deutlich ausgeweitet worden. Dies betrifft vor allem die Neuerungen der 4. MaRisk-Novelle (Geschäftsstrategie, IKS, Risikocontrolling- und Compliancefunktion) sowie die Anforderungen bzw. Pflichten für die Geschäftsleiter und die Mitglieder von Verwaltungs- und Aufsichtsorganen).

Zusätzliche Anforderungen ergeben sich auch aus der Integration der Anforderungen aus dem BaFin-Rundschreiben 6/2013 (BA) zu den Anforderungen an Systeme und Kontrollen für den Algorithmushandel von Instituten.

Neu aufgenommen wurde die Beurteilung der Einhaltung der Regelungen der Institutsvergütungsverordnung (InstitutsVergV) sowohl auf der Einzel- wie auch auf der Gruppenebene. Dazu gehört unter anderem die Einschätzung, ob die Vergütungssysteme des Instituts angemessen, transparent und auf eine nachhaltige Entwicklung des Instituts ausgerichtet sind. Darüber hinaus ist auch zu beurteilen, ob sich die Vergütungsparameter an den Institutsstrategien ausrichten bzw. diese unterstützen. Soweit es sich um ein bedeutendes Institut im Sinne der InstitutsVergV handelt, ergeben sich noch weitere Anforderungen im Zusammenhang mit den sog. Risk Takern.

Die Berichterstattung zu den IT-Systemen ist in § 13 PrüfbV geregelt. Die Sicherstellung der Integrität, Vertraulichkeit, Authentizität und Verfügbarkeit der Daten hat für alle Stakeholder aufgrund zahlreicher Bedrohungseffekte (Hacker, Spionage…)eine erhebliche Bedeutung.

§ 15 PrüfbV bezieht sich auf die Anforderungen an die Sanierungsplanung (§§ 12, 13 SAG) und verlangt u.a. die Prüfung der wesentlichen für die Sanierungsplanung relevanten Aspekte auf sachliche Richtigkeit und Angemessenheit.

Die Darstellung und Beurteilung der Eigenmittel, Kapitalquoten und Liquidität referenziert auf die EU-Eigenkapitalverordnung CRR, die Beurteilung der ordnungsgemäß ermittelten Kapitalpuffer auf das KWG.

  •  Kreditgeschäft

Die Berichterstattung über das Kreditgeschäft wird um die Darstellung und Beurteilung der Finanzinstrumente, die das Institut für eigene Rechnung handelt erweitert (§ 31 PrüfbV). Für die Prüfung der Organkredite sind nach § 33 PrüfbV gesonderte Vorgaben zu beachten. § 37 PrüfbV betrifft die Beurteilung der erforderlichen Sorgfaltsprüfungen bei Verbriefungspositionen durch das Institut. In diesem Zusammenhang sind unter anderem die im Institut implementierten Regeln und Verfahren zur Analyse und Erfassung der gemäß Artikel 406 CRR genannten Informationen in Bezug auf die Verbriefungspositionen darzustellen.

Fazit

Die Änderungen der PrüfbV zeichnen die bereits vollzogenen Änderungen aus dem KWG/CRDIV-Umsetzungsgesetz nach. Mit steigenden Anforderungen z.B. im Bereich des Risikomanagements steigen entsprechend die Anforderungen an die Prüfung und Berichterstattung durch den Abschlussprüfer.

Allerdings sind in der aktuellen Fassung einige Änderungen, die sich aus dem derzeit noch im Entwurf vorliegenden Gesetz zur Anpassung des nationalen Bankenabwicklungsrechts an den Einheitlichen Abwicklungsgmechanismus und die europäischen Vorgaben zur Bankenabgabe (Abwicklungsmechanismusgesetz – AbwMechG; hier Art. 12) ergeben, noch nicht erfasst (zum Vorentwurf des Gesetzes vgl. unser Blog-Beitrag: „SRM-Anpassungsgesetz: Änderungen in KWG, SAG und PfandBG“ vom 31. März 2015).

Dies betrifft

  • die Einhaltung der Pflichten aus Derivategeschäften und für zentrale Gegenparteien aus der EMIR und
  • Zusatzangaben bei Instituten, die das Pfandbriefgeschäft betreiben – Einhaltung der organisatorischen Anforderungen an Verfahren und Systeme.
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