Regulatory im Advent – Teil I

Mit der Vorweihnachtszeit wird auch eine Zeit der Besinnung und des Reflektierens eingeläutet. Neigt sich das Jahr tatsächlich schon wieder dem Ende entgegen? Was haben wir in diesem Jahr alles erlebt? Konnten wir unsere guten Vorsätze in die Tat umsetzen? Auch wir, das Team Regulatory Management von PwC Deutschland, hat sich einen Moment Ruhe gegönnt und mal zurückgeblickt auf ein ereignisreiches und sicher nicht ganz einfaches Jahr. Mit unserer vierteiligen Adventsreihe möchten wir einige regulatorische Highlights des Jahres 2020 herausgreifen, aber vor allem auch nach vorne schauen.

Unser heutiger Blogbeitrag und damit der erste Teil unserer Adventsreihe soll Ihnen nochmal einen Überblick über die regulatorischen Ereignisse rund um COVID-19 und die Reaktionen der Aufsichtsbehörden geben, aber auch aufzeigen, wie unser Team Regulatory Management mit dem New Normal umgeht.

Während wir das Jahr 2020 mit sehr viel regulatorischem Elan begonnen haben, hat uns der COVID-19-bedingte Lockdown im März etwas ausgebremst und besondere Herausforderungen mit sich gebracht. Hier galt es sicherzustellen, dass alle Mitarbeiter/innen auch aus dem Home Office für unsere Mandanten weiterarbeiten und die Kontakte zu sowohl unseren Mitarbeitern als auch zu unseren Mandanten aufrechterhalten und pflegen zu können. Nachdem sich die FS-Branche verhältnismäßig gut an die neuen Umstände anpassen und das Tagesgeschäft irgendwie weitergehen konnte, waren und sind andere Branchen sehr viel stärker durch die COVID-19-Pandemie betroffen. Hier droht unverändert die Gefahr, dass viele Kreditnehmer ihre Darlehen nicht wie geplant zurückführen können.

Als Reaktion auf diese Umstände wurden eine Vielzahl von COVID-19 bedingten Zahlungsmoratorien gewährt, auf die auch prompt die Bankenaufsicht mit zahlreichen Erleichterungen und Anpassungen reagierte. Um unseren Mandanten einen Überblick über die fast täglich veröffentlichten Reaktionen des Aufsehers zu geben, haben wir im April kurzfristig eine Corona-Blogreihe aufgesetzt, in der wir die wichtigsten Informationen zusammengefasst haben.

Während der Basler Ausschuss mit einer Verschiebung der Implementierungszeitpunkte des überarbeiteten Basel III Rahmenwerks (“Basel IV”) auf den 1. Januar 2023 reagierte (ursprünglich geplant war der 1. Januar 2022), kündigte die EBA die Verschiebung verschiedener Maßnahmen, u.a. des EBA-Stresstests von 2020 auf 2021 an. Zwischenzeitlich wurden die Anforderungen für den Stresstest 2021 definiert, lesen Sie hierzu auch unseren Blogbeitrag zum EBA Stresstest 2021 und wie wir Sie hierbei unterstützen können. 

Darüber hinaus veröffentlichte die EZB verschiedene Maßnahmen zur Kapitalerleichterung in Form der kurzfristigen Inanspruchnahme der Säule-II-Kapitalempfehlung (P2G) und des Kapitalerhaltungspuffers sowie die reduzierten Anforderungen bezogen auf den antizyklischen Kapitalpuffer. Zum direkten Vergleich haben wir die Anforderungen bzgl. der Minimum capital ratios in einer Vorher-Nachher-Betrachtung für Sie gegenübergestellt.

Um einen einheitlichen Umgang mit den COVID-19 bedingten privaten und öffentlichen Moratorien sicherzustellen, veröffentlichte die EBA eine hierfür geltende Leitlinie (sehen Sie hierzu unseren Blogbeitrag zu Defaults, Non-Performing Loans (NPL) and provisioning), in der neben den Auswirkungen auf den Forbearance Status eines Darlehens auch die Anforderungen an das jeweilige Moratorium beschrieben werden. Hierzu veröffentlichte die EBA erst in dieser Woche eine Pressemitteilung, nach der diese (überarbeitete) Leitlinie nochmals reaktiviert wurde. Diese soll nun bis zum 31. März 2021 gelten und enthält zusätzliche Schutzmaßnahmen zur Identifizierung eines Risikoanstiegs. 
Sowohl die EBA als auch die EZB haben zudem  COVID-19 bezogene Melde- und Offenlegungsanforderungen definiert, die die Institute insbesondere durch deren kurzfristige Umsetzung und die fachliche Interpretation der neuen Templates vor große Herausforderungen stellte. Hier konnten wir unsere Mandanten bei der Auslegung der Anforderungen und mit unserem Benchmarkwissen erfolgreich unterstützen, weitere Details können Sie unserem Blogbeitrag EBA guidelines on reporting and disclosure entnehmen. 

Darüber hinaus veröffentlichte die EU-Kommission den sog. CRR II Quick Fix. Dieser enthielt Änderungen bezogen auf die IFRS 9-Übergangsbestimmungen, eine bevorzugte Behandlung von durch den öffentlichen Sektor garantierte Forderungen bei der Berechnung des NPL Backstop, die vorzeitige mögliche Anwendung des angepassten KMU-Faktors sowie des neuen Infrastrukturfinanzierungsfaktors zum 27. Juni 2020 sowie die Möglichkeit, Zentralbankreserven bei der Ermittlung der des Leverage Ratio Exposures außen vor zu lassen. 

Wie wir unsere Mandanten unterstützen konnten

Damit unsere Mandanten bei dieser Flut an regulatorischen Ad-hoc Reaktionen, Erleichterungen und zusätzlichen Anforderungen den Überblick behalten konnten, haben wir uns kurzfristig dazu entschieden, virtuelle COVID-19 Workshops für unsere Kunden anzubieten. Auch wenn es für alle Beteiligten neu war, Workshops virtuell und nicht als Präsenzveranstaltung durchzuführen, konnten wir so unsere Mandanten bei verschiedenen Fragestellungen unterstützen und mit ihnen in Kontakt bleiben.

Gleichzeitig haben wir in dem Zusammenhang unser PwC PASS Tool entwickelt, mittels dem es unseren Kunden möglich ist, verschiedene COVID-19 Szenarien zu berechnen und die regulatorischen Auswirkungen auf die unterschiedlichen Kreditportfolien und die daraus resultierenden Kapitalanforderungen zu ermitteln. Wenn Sie mehr über die Funktionsweise unseres PwC Pass Tool wissen möchten, finden Sie hier alle relevanten Informationen.

Auch haben wir bei der Durchführung unserer so beliebten Basel IV Academy spontan umdisponieren müssen und die vielfältigen Inhalte auf mehrere kurze Online-Webinare aufgeteilt. So konnten sich die Teilnehmer ihr Curriculum passgenau auf ihre jeweiligen Bedürfnisse zuschneiden. Dieses modulare Angebot hatte sich auch schnell auf internationaler Ebene herumgesprochen, sodass wir im Herbst eine englischsprachige Basel IV Academy im Homeschooling-Format und zudem noch eine IRB-Homeschooling Serie durchführten. Der Erfolg spricht für sich, sodass wir sicher auch in “normalen” Zeiten auf die Vorteile eines derartigen Formats zurückgreifen werden, ohne natürlich den persönlichen Kontakt und den so wichtigen Austausch unter den Teilnehmern zu vernachlässigen.

Obwohl wir uns letzten Endes gut mit den aktuellen Gegebenheiten arrangieren konnten, hatten wir die Absage unserer diesjährigen und international bekannten Regulatory Roadshow, die unter dem Motto Regulatory Spring Festival stattfinden sollte, zu verschmerzen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben und wir freuen wir uns daher umso mehr, wenn wir Sie im nächsten Jahr bei unseren Regulatory Events begrüßen dürfen. Über unsere aktuellsten Veranstaltungen halten wir Sie selbstverständlich in unserem Regulatory Blog auf dem Laufenden.

Im zweiten Teil unserer Regulatory Adventsreihe in der kommenden Woche schauen wir gemeinsam auf die Themen zurück, die Kreditinstitute und Finanzdienstleister neben COVID-19 im Jahr 2020 beschäftigt und herausgefordert haben! Sollten Sie in der Zwischenzeit Fragen zu regulatorischen Themen haben, sprechen Sie uns gerne an! Wir wünschen Ihnen einen guten Start in die Vorweihnachtszeit – bleiben Sie gesund!

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