EBA konkretisiert den aufsichtsrechtlichen CET1-Abzug bilanziell aktivierter Software – eine relevante Erleichterung für viele Institute

Im Kontext des CRR „Quick Fix“, (vgl. dazu Regulatory Blog Beitrag: „CRR „Quick Fix“ mit COVID-19 bezogenen Maßnahmen tritt in Kraft“ vom 03. Juli 2020) der aufgrund der makroökonomischen Auswirkung der Corona Pandemie wesentliche Erleichterungen für Institute erlaubt, wird der seit dem 14. Oktober finale RTS zur Ausnahme bilanziell aktivierter Software vom Kapitalabzug für immaterielle Vermögensgegenstände bereits ab dem 1. Tag nach Veröffentlichung im EU Amtsblatt anwendbar sein. In Abhängigkeit der Höhe der bilanziell aktivierten Software kann dies ein wichtiger Baustein für das Kapitalmanagement sein.

Kontext der Neuregulierung des CET1-Abzugs bilanziell aktivierter Software

Gemäß Artikel 36 CRR werden immaterielle Vermögenswerte, einschließlich Software, vom harten Kernkapital (CET1) abgezogen. Im Rahmen der CRR II wurden Ausnahmen vom Kapitalabzug eingeführt, um der zunehmenden Bedeutung und den steigenden Investitionen der Institute in Software Assets gerecht zu werden. Aufgabe der EBA ist die Entwicklung eines Regulatory Technical Standard (RTS), um festzulegen, wie der Umfang der Befreiung vom CET1-Abzug im Detail zu ermitteln ist. Mit der Veröffentlichung des finalen RTS (Regulatory Technical Standards on the prudential treatment of software assets under Article 36 of Regulation (EU) No 575/2013 (EBA/RTS/2020/07) ist die Berechnungsmethode nun in eine europaweit einheitliche Vorgabe gegossen, die direkt mit Veröffentlichung im EU-Amtsblatt anwendbar sein wird.

Welche Änderungen hat die EBA gegenüber unserer erstmaligen Analyse des Konsultationspapiers im finalen RTS vorgenommen?

Trotz positiver Auswirkungen auf das harte Kernkapital war die Konsultation des EBA RTS geprägt von Kritik an den vorgeschlagenen Ansätzen. Im finalen RTS entscheidet sich die EBA bei der Berechnungsmethode nun für den sogenannten „Prudential-Amortisation-Ansatz“ und nimmt die wesentlichen Kritikpunkte in das neue Konzept auf.

Für die Institute bedeutet dies:

  • Für die Ermittlung des harten Kernkapitals und die Kapitalplanung wird das Datum der Erstnutzung der Software relevant, womit in der Regel ein Gleichlauf zum Start der bilanziellen Amortisation hergestellt wird. Aktivierte Software Assets werden ab diesem Zeitpunkt aufsichtsrechtlich abgeschrieben. Dies reduziert die bisherige Kapitalbelastung des vollständigen Abzugs von Software Assets.
  • Für die Berechnung der künftigen Kapitalbelastung ist unter anderem die aufsichtsrechtliche Amortisationsdauer relevant. Diese wird von 2 auf 3 Jahre verlängert.
  • Für die Umsetzung gilt es, diese prüfungs- und aufsichtsrelevante Nebenrechnung möglichst schlank in die Ermittlung der Eigenmittel und die Kapitalplanung zu integrieren.

An der grundlegenden Berechnungslogik des „Prudential-Amortisation-Ansatzes“ selbst hat die EBA keine Änderungen vorgenommen. Dabei wird, wie Sie den Berechnungsbeispielen zum finalen RTS entnehmen können, der CET1-Abzugsbetrag aus der Differenz der aufsichtsrechtlichen und der bilanziellen kumulierten Amortisation ermittelt. Dabei werden auch die Faktoren deutlich, die den CET1-Abzugsbetrag im Zeitablauf determinieren, bspw. die Dauer zwischen Aktivierung und erstmaliger Amortisation. Der nicht in Abzug gebrachte Betrag geht mit einem Risikogewicht von 100% in die RWA-Berechnung ein.

Mit unserem Berechnungs-Tool kann die Entwicklung des CET1-Abzugbetrags individuell berechnet werden, und diese aufsichtsrechtliche Nebenrechnung schlank in Ihren Datenhaushalt integriert werden. Die nachfolgenden Darstellungen zeigen die von der EBA vorgegebene Berechnungsmethodik an einem Beispiel auf (zum Vergrößern bitte anklicken):

Was ist jetzt zu beachten und was sind die nächsten Schritte?

Unsere Analysen bestätigen die konzeptionelle Logik. Gemäß dieser hängt der Verlauf der Kapitalentlastung von Faktoren wie bspw. dem Zeitraum zwischen Erstaktivierung und Erstnutzung bzw. dem Beginn der Amortisation ab. Für Ihr Kapitalmanagement ist es wichtig, diese Faktoren zu identifizieren und damit steuerbar zu machen, da bis zum Beginn der Amortisation der initiale Buchwert der Software vom Kapital in Abzug zu bringen ist.

Ein weiterer Faktor mit Relevanz für Institute mit Einzel- und Gruppenmeldung ist die möglicherweise unterschiedliche Amortisationsdauer nach HGB und IFRS. Dies kann zu unterschiedlichen Abzugsbeträgen in der Einzel- und der Gruppenmeldung führen, wenn Letztere auf dem IFRS-Konzernabschluss basiert.

In der Gesamtschau empfehlen wir folgende Schritte:

  • Initiale Analyse und Projektion der Kapitalersparnis,
  • Identifikation der für die Umsetzung relevanten Daten und Schnittstellen,
  • Integration einer schlanken Nebenrechnung, die auch den Verlauf des CET1-Abzugs visualisiert, bspw. für die Steuerung und Nachfragen der Aufsicht; unser Berechnungs-Tool erfüllt diese Anforderungen und ist optimal integrierbar,
  • Definition institutsspezifischer Leitlinien für die Schnittstelle Rechnungslegung/Aufsichtsrecht mit Bezug auf Software Assets und
  • Aufnahme der Veränderung des CET1-Abzugs von Software Assets in das interne Reporting.

Wenn Sie zu diesem Themenkreis auf unsere Expertise oder Proberechnungen zurückgreifen möchten, freuen wir uns, Sie hierbei unterstützen zu dürfen.

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